Inflation steigt auf 3 %: EZB-Zinsentscheidung im Juni wohl sicher

Veröffentlicht am 27.05.2026, 08:23
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Investing.com – Vor der mit Spannung erwarteten EZB-Pressekonferenz heute Abend um 19:00 Uhr MEZ verdichten sich die Signale für eine Leitzinserhöhung am 11. Juni: EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel erklärte gegenüber Reuters, „aus heutiger Sicht halte ich eine Zinserhöhung im Juni für nötig." DAX-Futures deuten mit einem Plus von rund 0,30 % auf 25.323,5 Punkte auf eine leichte Erholung vor der XETRA-Eröffnung hin, nachdem der Kassakurs am Dienstag um 0,80 % auf 25.184,89 Punkte nachgegeben hatte.

Ölpreisschock als Treiber

Auslöser der geldpolitischen Kehrtwende ist der Iran-Krieg, der die Energiepreise im Euroraum massiv in die Höhe getrieben hat. Laut einem Bericht der New York Times vom 26. Mai 2026 stiegen die Brent-Rohölpreise am Dienstag um 3,5 % auf 96,67 USD je Barrel, nachdem US-Streitkräfte Angriffe auf Raketenabschussbasen im Iran durchgeführt hatten. Damit wuchsen Zweifel an einer raschen Beilegung des Konflikts. Die Euroraum-Inflation lag im April bei 3,0 % – einen vollen Prozentpunkt über dem mittelfristigen EZB-Ziel von 2,0 %; manche Experten schließen laut Süddeutscher Zeitung einen Anstieg über die Marke von 4,0 % nicht aus.

Schnabel räumte in einem Gespräch mit dem Manager Magazin offen ein, die EZB stehe vor einem klassischen geldpolitischen Dilemma: „Selbst wenn der Krieg heute enden würde, ist der Energieinfrastruktur und den globalen Lieferketten bereits erheblicher Schaden zugefügt worden." Eine straffere Geldpolitik sei zwar geboten, könnte aber die negativen Wachstumseffekte des Angebotsschocks verstärken. Das Eurozonen-BIP wuchs im ersten Quartal 2026 lediglich um 0,1 %.

Reuters-Quellen: Juni nahezu beschlossene Sache

Reuters berichtete unter Berufung auf vier Quellen, dass eine Zinserhöhung am 11. Juni nahezu beschlossene Sache sei. Die Notenbank werde sich jedoch nicht auf einen weiteren Schritt im Juli festlegen, um überzogene Markterwartungen zu dämpfen. Aktuell liegt der Einlagensatz bei 2,00 %, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,15 %. Bloomberg zufolge will Schnabel die Zinsen im Juni anheben – selbst dann, wenn der Nahost-Konflikt vor der Sitzung überraschend beigelegt werden sollte. Oxford Economics warnte laut New York Times vor „längerfristigen Zweitrundeneffekten auf die Inflation"; höhere Preise im Jahr 2026 seien „unvermeidlich".

Was zu beachten ist

  • Lagarde-Pressekonferenz heute, 19:00 Uhr MEZ: Märkte achten auf den genauen Wortlaut – Schnabel hat sich deutlich geäußert, Lagarde bislang zurückhaltender. Jede explizite Bestätigung einer Juni-Erhöhung würde die Erwartungen festigen. Szenarien: Bestätigt Lagarde eine Juni-Erhöhung klar, dürfte EUR/USD zulegen, da höhere Zinsen den Euro stützen, während Bund-Futures unter Druck geraten würden, weil steigende Leitzinsen die Renditen von Staatsanleihen nach oben treiben. Hält sie sich hingegen bedeckt oder signalisiert Vorsicht, könnten EUR/USD nachgeben und Bund-Futures eine Erleichterungsrally verzeichnen.

  • Flash-VPI Eurozone (Mai, vorläufig) am 2. Juni 2026: Die vorläufigen Inflationsdaten werden die EZB-Entscheidung am 11. Juni maßgeblich beeinflussen; der April-Wert lag bei 3,0 %.

  • EZB-Zinsentscheidung am 11. Juni 2026, 14:15 Uhr MEZ: Schlüsselfrage ist, ob der Einlagensatz auf 2,25 % angehoben wird und wie stark die Ratsmitglieder Juli-Spekulationen eindämmen.

  • Lagarde-Auftritt am 28. Mai 2026, 09:20 Uhr MEZ: Ein Folgeauftritt könnte weitere Hinweise zur Geldpolitik liefern.

  • Iran-Friedensverhandlungen: Der Stand der Gespräche bleibt unklar und könnte die EZB-Kommunikation kurzfristig verändern.

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