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Sonnenblumen-Klau in der Lausitz "Ich nehme mir ja auch nicht bei Leuten Erdbeeren aus dem Vorgarten und gehe"
Sonnenblumen auf dem Feld des Bio-Landhofs Babow, im Vordergrund fehlen mehrere Sonnenblumen (Foto: Bio-Landhof Babow)
Sonnenblumen auf dem Feld des Bio-Landhofs Babow, im Vordergrund fehlen mehrere Sonnenblumen (Foto: Bio-Landhof Babow)

Henry Gullasch ist verärgert. Auf gut 50 Hektar baut er für seinen Biohof in Babow, einem Ortsteil von Kolkwitz (Spree-Neiße), Sonnenblumen an. Doch nicht alle gewachsenen Pflanzen kann er am Ende auch ernten. Das liegt nicht etwa an der Witterung. Das liegt an Dieben. Und geht ins Geld.

"Wenn wir es gut bezahlt kriegen, haben wir so 2.500 Euro pro Hektar. Und ein Hektar ist schnell mal abgeschnitten." Nicht von einer einzelnen Person auf einmal, sondern hier und da auf seinen Feldern, peu à peu. Die Leute würden sich sagen: "Sind ja nur zehn Blumen, oder zum Geburtstag mal 20." Doch das häufe sich. Die Diebe machten "richtig große Löcher" im Feld, und auch durch das Heruntertrampeln einen "richtigen großen Schaden."

Teurer Samen, aufwendige Pflege

Seit 1860 wird auf dem Hof in Babow Landwirtschaft betrieben. Inzwischen hat sich Familie Gullasch auf Sonderkulturen spezialisiert - unter anderem Hirse, Klee und Gerste. Schaut man auf den reinen Ackerbau, liegt die Anbaufläche bei rund 600 Hektar. Die Sonnenblumen machen also etwa ein Zehntel der Fläche aus - und die meiste Arbeit im Betrieb, sagt Henry Gullasch.

Henry Gullasch im Gespräch mit dem rbb (Archivfoto: rbb)
Henry Gullasch im Gespräch mit dem rbb (Archivfoto: rbb)

"Die Sonnenblume möchte richtig gepflegt werden, wenn man davon richtig etwas ernten möchte." Der Anbau sei aufwendig, das Saatgut "sehr, sehr, sehr teuer." Gerade deshalb sei es so ärgerlich, dass einige Menschen die Pflanzen vom Feld stehlen, sagt Henry Gullasch. Sie würden auch immer die allergrößten Blumen abschneiden, weil sie besonders schön sind. "Genau die wollen wir aber zum Dreschen haben."

Der Landwirt schneidet von den Sonnenblumen den oberen Teil ab, der Stängel und die Blätter bleiben im Boden und werden wieder eingearbeitet, so dass "die Regenwürmer da unten ihre Arbeit machen können." Das ist eigentlich der Kreislauf. Doch die Diebe nehmen fast die ganze Pflanze, wie Gullasch sagt. "Sie tragen praktisch unsere Nährstoffe vom Feld weg."

Darüber hinaus würden beim Diebstahl Körner herunterfallen, die im folgenden Jahr aussamen. Das ist jedoch nicht gewollt, da diese eine andere Form und Qualität haben können.

Eine Woche lang genau hingeschaut

Henry Gullasch hat seine Felder im letzten Jahr genauer im Auge behalten. Innerhalb einer Woche habe er schätzungsweise "zwischen 25 und 35 Leute" erwischt. Er geht aber von mehr Dieben aus. "Den Rest sieht man ja gar nicht." Würde man die Felder bewachen wollen, müsste man eine ganze Mannschaft beschäftigen, so der Landwirt. Doch das wolle er gar nicht.

Auch ein Zaun um die Felder sei mit Blick auf Wildtiere nicht machbar. Hasen und Rehe würden beispielsweise im Feld Schutz finden. "Den Leuten muss es einfach nur bewusst sein, dass es ein reiner Diebstahl ist und es privaten Leuten gehört."

Polizei: Relativ selten Anzeigen

Dass es kein Kavaliersdelikt sei, sagte auch der Sprecher der Südbrandenburger Polizeidirektion in Cottbus, Sascha Erler, dem rbb. "Man sollte sich klarmachen: Man begeht da mindestens eine Straftat." Wer auf ein Feld gehe, begehe zunächst einmal Hausfriedensbruch. Wenn dabei auch Pflanzen umknicken, wäre es eine Sachbeschädigung. Und das Mitnehmen von Pflanzen sei Diebstahl.

Der Polizeidirektion werden Sonnenblumen-Diebstähle jedoch relativ selten angezeigt, wie der Sprecher weiter sagte. "Wir gehen davon aus, dass das Dunkelfeld entsprechend groß ist. Denn in den wenigsten Fällen wird der Landwirt auf dem Feld tatsächlich jemanden antreffen, der gerade dabei ist, eine Sonnenblume, Erdbeeren, Kirschen oder was auch immer zu pflücken." Stattdessen werde eher der Schaden festgestellt und vermutlich nicht der Aufwand betrieben, zur Polizei zu gehen.

Sonnenblumen-Boom in Brandenburg

Brandenburg ist das Sonnenblumen-Land Nummer eins in Deutschland - und das seit über 15 Jahren. Laut dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg lag hier im vergangenen Jahr mehr als ein Drittel der bundesdeutschen Anbaufläche.

Der Anbau legt außerdem weiter zu. Wie das Amt für Statistik weiter mitteilte, wurden nach einer ersten Schätzung für dieses Frühjahr auf einer Fläche von 33.400 Hektar Körnersonnenblumen gesät. 2025 waren es 21.300 Hektar. Das ist ein Zuwachs von gut 56 Prozent. Es ist das zweite Jahr in Folge, dass die Anbaufläche gestiegen ist. 2024 lag sie bei 16.500 Hektar.

Gründe für den starken Zuwachs sind nach Angaben des Bauernverbandes unter anderem geringe Ansprüche beim Boden. Demnach kommen sie mit den leichten, nährstoffarmen Böden in Brandenburg gut zurecht. Außerdem bräuchten sie wenige Pflanzenschutzmaßnahmen. Ein weiterer Punkt ist laut Verband ein attraktiver Erzeugerpreis.

Sonnenblumen werden auf dem Acker in der Regel im Frühjahr ausgesät und im Frühherbst geerntet. Sie wird in Brandenburg sowohl für die Speiseölgewinnung als auch als Vogelfutter vermarktet. "Für einige Landwirte ist der Schwenk auf die Sonnenblume eine gute Alternative zum Mais", so der Verband.

Wer nett fragt...

Landwirt Henry Gullasch will auf jeden Fall weiter Sonnenblumen anbauen - auch, wenn er sich über die Diebstähle ärgert. "Man gibt sich Mühe, man muss den Betrieb irgendwie wirtschaftlich hochhalten." Er finde manchmal keine Worte, sagt er. "Ich gehe ja auch nicht einfach zu den Leuten in den Vorgarten, nehme mir eine Schüssel Erdbeeren oder irgendetwas und gehe dann wieder."

Dabei habe er gar nicht prinzipiell etwas dagegen, dass Leute es auf seine Sonnenblumen abgesehen haben - "wenn die Leute fragen kommen."

Sendung: Antenne Brandenburg vom rbb, 23.06.2026, 15.42 Uhr
Audio: Antenne Branndenburg vom rbb, 23.06.2026, Aspasia Opitz

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