»Diese Pferde, möchte man sie nicht umarmen?«, flüstert M., und wir gehen ein paar Schritte weiter in Richtung der Haltestelle. Da erkennen wir, dass es stattliche Maultiere sind, die vor der Straßenbahn stehen. »Das Maultier«, sage ich, »in dem Kunst die Natur überholt.« Die Flanken dampfen in der Kälte, während sie Disteln und Heu fressen. Man hat sich rasch abgewöhnt, die Zugtiere zu bewundern. Nun da die Wege länger geworden sind, ist man im allgemeinen sehr geschäftig: Pfützen weiten sich zu Tümpeln, die Tümpel zu Seen, die Seen zu Ozeanen, und Ozeane sind wieder endloser Horizont – die Kontinente driften auseinander, der Weg zum Bahnhof wird zur Wanderung; und man schließt sich daheim in die Arme, wie man einen umarmt, der verschollen war.
M. unternimmt eine Reise zum Château ihres Onkels. Wieder einmal sind letzte Dinge zu regeln. Wir umarmen uns. Bald schon blicken sie und das Kind ins Niemandsland, das sich neben den Schienen auftut. Graue Umrisse von Baumgruppen fliegen vorbei wie Stockflecken Zeit. Die endlose Reihe von Bahnhöfen, wo das Kind die zwischen die Schwellen gefallenen Gegenstände studiert. Dann wieder Gebäude, sinnlos wie vereinzelte Buchstaben in der Landschaft; es ist ein einförmiges Voran, der Blick wird einem gleichsam unter den Füßen weggezogen, als würde man mit geschlossenen Augen aufs offene Meer hinausrennen; irgendwann rüttelt und summt die Maschine menschenleer durch die sternbewehrte Nacht: die Entfernung reißt den Himmel auf, da kann man nicht gegen anwinken, blind und weltbefreit flüchtet man in den Schlaf, oder ins Lesen oder ins Schreiben von Briefen, wenn die Gespräche schließlich zwischen den Reihen, wie in Klüften, versickern –
Ich mache mich auf den Heimweg. Ein Schwarm Krähen durchlöchert den blauen Abendhimmel. Lange schon ist es vorbei mit der Ebenheit der Straßen; es bleiben Gassen, die krumm sind und schlammig. Nur die Schienen zeichnen eine gewaltige Gerade durch die Stadt. Meine Beine sind müde, ich steige in die Straßenbahn. Die Maultiere ziehen uns, ein Bündel von Leibern, hinter sich her. Mit weiten Nüstern stampfen sie an gegen die Flüche der Kutscher; der weinsaure Atem klebt ihnen im Nacken. Man spürt die nahende Erschöpfung zwischen den aufmunternden Rufen, im Schaukeln hält man einander unwillkürlich fest; man bebt in der Schwäche des Fleisches, die unerträglich ist, reist man allein.

Großartig!
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Merci!
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Gleise sind platt gelegte Geländer. Die Maultiere finden ihren Weg.
https://intercitywanderjahre.com/cogwheel-gallery/
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So ist es!
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