Pariser Ausstellung

Widerlegt! Die 10 größten Irrtümer über Barbie

Von Silke Bender
Veröffentlicht am 12.03.2016Lesedauer: 5 Minuten
Mädchenträume: So sieht das aktuelle Barbie-Dreamhouse aus. Dass Barbie allerdings mehr ist als nur ein Spielzeug, zeigt die Ausstellung "Barbie - Life of an icon" im Pariser Musée des Arts Decoratifs )
Mädchenträume: So sieht das aktuelle Barbie-Dreamhouse aus. Dass Barbie allerdings mehr ist als nur ein Spielzeug, zeigt die Ausstellung "Barbie - Life of an icon" im Pariser Musée des Arts DecoratifsQuelle: AP

Mit 57 Jahren stolziert Barbie noch immer langbeinig und ewig jung durch unsere Kinderzimmer und Erinnerungen. Das Pariser Kunstgewerbemuseum widmet ihr die bisher größte Ausstellung weltweit.

Durften Sie oder durften Sie nicht? Als Barbie Ende der 60er-Jahre in Deutschland ihren Durchbruch feierte, war die Frauenbewegung auf dem Vormarsch und Mütter, die ihre Töchter emanzipiert erziehen wollten, verteufelten diese langbeinige Ur-Blondine, dieses konsumorientierte Modepüppchen als Anti-Modell der modernen Frau. Doch wer zu Hause nicht mit ihr spielen durfte, ging eben heimlich zu einer Freundin.

Die meisten Frauen, die sich dieser Tage die Nase platt drücken an den Vitrinen mit den 700 wunderschön inszenierten Puppen im Pariser Musée des Arts Décoratifs, sind über 40 und haben dabei denselben Glanz in den Augen wie kleine Mädchen, die die Geschenkverpackung aufreißen.

„Genau die Malibu-Barbie hatte ich auch“, freut sich eine Dame. „Versteckt unterm Bett, ein Geschenk meiner Oma“, sagt die andere. Neben all dem Schwelgen in Jugenderinnerungen angesichts der Kleider, Barbie-Camper, Barbie-Pferde und Swimming-Pools wird die Puppe, wie sich das für ein Museum von Weltrang gehört, natürlich auch lehrreich in ihren historischen Kontext gestellt - und dabei werden Vorurteile gründlich revidiert.

Irrtum Nr. 1: Barbie ist Amerikanerin.

Eindruck der Ausstellung. Noch bis September ist die Schau zu sehen
Eindruck der Ausstellung. Noch bis September ist die Schau zu sehenQuelle: AFP

Stimmt nur halb. Ihre Mutter ist die Bild-Zeitung. 1952 erfand der Illustrator Reinhard Beuthin die sexy Comic-Figur Lilli. Die raunzte ihren Gatten auf der Seite 1 so an: „Aber Albert, wenn du nur das glaubst, was Du mit Deinem Verstand begreifst, glaubst Du mir ja gar nichts.“

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Aus der erfolgreichen Comic-Figur wurde die Puppe Lilli, die Barbie zum Verwechseln ähnlich sieht. Die Amerikanerin Ruth Handler sah die vollbusige Lilli auf einer Europa-Reise 1956, machte sie noch etwas blonder und langbeiniger und benannte sie nach ihrer Tochter Barbara. 1959 wurde Barbie geboren – und zu einem weltweiten Phänomen.

Irrtum Nr. 2: Barbie ist Rassistin.

Barbie gibt's neuerdings auch mit Kurven
Barbie gibt's neuerdings auch mit KurvenQuelle: Mattel

Blond, langbeinig, hellhäutig soll sie das Schönheitsideal von Generationen vergiftet haben. Stimmt nicht, schon 1968 – auf der Höhe der schwarzen US-Bürgerrechtsbewegung – wurden Christie und Brad geboren, ein afro-amerikanisches Pärchen. Und ein Verkaufsschlager. Heute gibt es Barbie mit acht Hautfarben, 23 Haarfarben und 18 Augenfarben und immerhin vier verschiedenen Körperformen.

Irrtum Nr. 3: Barbie ist bloß eine Puppe.

Mädchenträume: Aufgereihte Barbiemodelle im Museum des Arts Decoratifs in Paris
Mädchenträume: Aufgereihte Barbiemodelle im Museum des Arts Decoratifs in ParisQuelle: AFP

Vor Barbie waren Puppen für Mädchen zum Knuddeln da und meist in der Form kleiner Babies, um ihre mütterlichen Instinkte zu wecken. Mit Barbie träumten sich die Mädchen zum ersten Mal in ihre Rolle als erwachsene Frau. Und diese Puppe bewohnte und belebte ein eigenes Universum, das immer größer wurde.

Irrtum Nr. 4: Barbie ist ein braves Hausmütterchen.

Unterschätzte Persönlichkeit: Barbie hat auch politische Ambitionen
Unterschätzte Persönlichkeit: Barbie hat auch politische AmbitionenQuelle: AFP

Ein Quatsch. Barbie war immer berufstätig, 155 Berufe – von der Chirurgin über die Ballerina bis zur Afrika-Forscherin – bekleidete sie bisher. Kinder hatte sie nie, nur Cousinen, Freundinnen, Schwestern und kleine Nichten und Neffen. Sie war bereits 1965 auf dem Mond, vier Jahre vor Neil Armstrong. Und in den 90er-Jahren wurde sie bereits US-Präsidentin. Go, Hillary, go.

Irrtum Nr. 5: Barbie will den Männern gefallen.

Barbie tut sich schwer mit den Männern und pflegt zu Ken eine On-Off-Beziehung; die Liebe zwischen William und Kate ist aber hoffentlich echt
Barbie tut sich schwer mit den Männern und pflegt zu Ken eine On-Off-Beziehung; die Liebe zwischen William und Kate ist aber hoffentlich echtQuelle: AFP

Barbie genügt sich selbst. Ken gesellte sich erst 1961 zu ihr und er blieb immer nur ein Accessoire, eine Projektionsfläche für ihre romantischen Sehnsüchte. Er war nie wichtiger als ihre Freundinnen, Schuhe, Pferde, Kleider und Abenteuer. Ihren Camper fuhr sie immer selbst. 2004 ließ sie Ken für Blaine sitzen. Doch der muskulöse Surfertyp war auch nicht der Richtige, 2011 versöhnte sich wieder mit Ken. Er sagte den schönen Satz zu ihr: „Barbie, we may be plastic, but our love is real.“

Irrtum Nr. 6: Barbie ist was für kleine Mädchen.

Modelle aus der Sammlerkollektion "The Plastic Religion"
Modelle aus der Sammlerkollektion "The Plastic Religion"Quelle: AFP

Flötepiepen. Christian Louboutin und Karl Lagerfeld lieben sie noch heute. Beide inszenierten sie in Lebensgröße. Der Schuhdesigner streifte fotografisch mit ihr als Geliebte durch Paris und machte einen Kalender daraus, Lagerfeld fotografierte seine Muse Baptiste Giabiconi mit ihr. Die Puppen werden fleißig von Erwachsenen gesammelt. Sondermodelle wie das vom Juwelier Stefano Canturi (mit echten Diamanten) wurden bei Christie’s in New York für 220.000 Euro versteigert.

Irrtum Nr. 7: Barbie lebt in einer Traumwelt.

Barbie ist Teil der wahren Welt. Sie ist immer da, wo Geschichte geschrieben wird. Sie war in Woodstock als Hippie dabei, im Swinging London und als das Schönheitsideal Marilyn Monroes von der moderneren Jackie Kennedy abgelöst wurde, trug auch sie Miniröcke, Hüte und große Sonnenbrillen. Heute ist sie bei den Oscars präsent, während der Fashion Weeks, bei Sportevents und bei königlichen Hochzeiten. Auf ihrem Instagram-Account @barbiestyle postet sie ihre topaktuellen Miniatur-Designer-Looks vor den echten Schauplätzen.

Irrtum Nr. 8: Barbie formt nicht die Fantasie, sondern Konsumsklaven.

Barbie hat sich auch schon als Andy Warhol verkleidet
Barbie hat sich auch schon als Andy Warhol verkleidetQuelle: obs/DPA

Barbie inspiriert Generationen von Künstlern. Andy Warhol oder David Levinthal setzten ihr Denkmäler in der Kunstgeschichte. Al Carbee hatte 30 Jahre seines Schaffens einzig Barbie als Thema. Der Dokumentarfilm „Magical Universe“ über das Werk das Künstlers war ein Festivalhit 2013.

In der Ausstellung zeigt die junge, spanische Künstlerin Cristina Guadelupe Galvan ihre humorvolle Aufarbeitung der Kleinmädchenträume. Sieben bunte, überdimensionierte Barbie-Schuhe wie aus dem Aschenputtel-Märchen werden gezeigt, die sie mit dem Spruch „One day my prince will come“ begleitet.

Irrtum Nr. 9: Barbie hat einen billigen Style.

In der Pariser Ausstellung wird Barbie nicht als Spielzeug, sondern als ikonische Kunstfigur inszeniert
In der Pariser Ausstellung wird Barbie nicht als Spielzeug, sondern als ikonische Kunstfigur inszeniertQuelle: AP

Nein, sie war immer Haute Couture. Ihre Schneiderin Charlotte Johnson, die in Japan die Herstellung ihrer Kleiderkollektionen überwachte, ließ sich von Dior, Chanel und Carven inspirieren. Der erste Star-Designer, der Barbie einkleiden durfte, war 1985 Oscar de la Renta. Gefolgt von vielen anderen: Gaultier, Lacroix, Lagerfeld, Versace – die Liste ist beliebig zu verlängern.

Irrtum Nr. 10: Wer mit Barbie spielt, wird selbst zum Püppchen.

Barbie ist eine wirkliche Wonderwoman
Barbie ist eine wirkliche WonderwomanQuelle: AFP

Barbie ist von einer Businessfrau par excellence erfunden worden. Sie wollte nie ein Anhängsel eines Mannes sein. Wer als Kind mit Barbie spielt, kommt vielleicht nicht in den Himmel, aber überall sonst hin. Wenn sich die Autorin dieses Artikels mal ganz unbescheiden in den Vordergrund drängeln darf.

„Barbie“, bis 18. September im Musée Des Arts Décoratifs, Paris. Weitere Informationen finden Sie hier.

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