Die Staatsanwaltschaft von São Paulo will den ehemaligen brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva anklagen. Ein entsprechender Antrag sei bei einem Gericht im Bundesstaat São Paulo eingereicht worden, bestätigte das Büro der Staatsanwaltschaft. Details sollten am Donnerstag bei einer Pressekonferenz bekanntgegeben werden. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen geht es unter anderem um den Vorwurf der Geldwäsche.
Der 70-Jährige war vergangene Woche in Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre um den Ölkonzern Petrobras verhört worden. Dabei ging es um eine Luxuswohnung in Guarujá, deren Besitz er den Behörden verschwiegen haben soll. Die Ermittler vermuten, dass Lula die Immobilie als Gegenleistung für Hilfe bei Auftragsvergaben erhalten haben könnte. Lula betonte bereits mehrfach, nicht der Eigentümer des fraglichen Objekts zu sein.
Die Staatsanwaltschaft warf Lula zudem vor, von "zahlreichen Begünstigungen" durch korrupte Firmen profitiert zu haben. Demnach geht es um Zuwendungen in Höhe von umgerechnet 7,3 Millionen Euro. Die ehemalige Ikone der Linken wies eine Verwicklung in die milliardenschwere Korruptionsaffäre, in die ranghohe Politiker aller Parteien verstrickt sind, stets von sich.
Lula hatte Brasilien in den Jahren 2003 bis 2010 regiert. Im August kündigte er an, in die Politik zurückzukehren, um in der schweren politischen und wirtschaftlichen Krise seiner Nachfolgerin Dilma Rousseff den Rücken zu stärken. Auch gegen Rousseff laufen Ermittlungen. Ihr wird vorgeworfen, ihren Wahlkampf im Jahr 2014 illegal mit Spenden von Zulieferern des Petrobras-Konzerns finanziert zu haben. Für Sonntag sind Großdemonstrationen für ihre Absetzung angekündigt.