Meinen inneren Grinch, der Ende November immer hervorkriecht, habe ich halbwegs wieder eingefangen, alle vorweihnachtlichen Todos befinden sich in status erledigendsis, und auf der Arbeit brannte die Hütte – so bin ich einen Monat nicht zum Schreiben gekommen. Egal – zu #WMDEDGT komme ich immerhin noch.
Den heutigen Tag habe ich im Homeoffice verbracht. Zum Glück hatte ich mich gestern auf der Arbeit schon so gründlich über ein paar Misstände aufgeregt, dass ich damit heute nicht mehr weitermachen musste. Noch ein paar Male regte es sich kurz in mir, ich trieb Dinge an Eckchen weiter, wo ich sie bewegen kann (oder es immerhin nicht vollkommen ausgeschlossen ist), und resignierte ansonsten ein wenig. Um ein Uhr mittags ließ ich den Griffel fallen (grummel, ich brauche derzeit Abstand von der Arbeit – ein Hoch auf Teilzeit und Gleitzeit. Aus Gründen der Seelenhygiene gönne ich mir gerade ein bisschen Abstand und reduziere Überstunden. Es sind ja eh genug da.).
Das Wochenende läutete ich mit einer Thai-Massage ein, die ich vor ein paar Wochen vereinbart hatte. Heute war ein sehr guter Tag dafür – nachdem der Ischias links schon vor ein paar Tagen wieder begonnen hatte, herumzuzwirbeln, bat ich darum, mein linkes Bein diesbezüglich zu überprüfen und war überrascht: Die Thai-Masseurin gab alles, und während ich den Fluchtimpuls in mir versuchte zu unterdrücken, beschäftige ich meinen Kopf mit der Frage: Hat sie mich wirklich schon massiert, wie sie behauptet? Bislang war ich treue Besucherin ihrer Kollegin, die leider, leider den Salon wegen familiärer Verpflichtungen verlassen hat und der ich seitdem hinterhertrauere. Ich war bislang der Ansicht, bei dieser Kollegin sei ich noch nie gewesen. Vielleicht habe ich aber auch mit meiner schon fast therapeutischen Bitte ihren Ehrgeiz einfach so entfacht, dass mein Körper sie nicht wiedererkannte. Egal wie – irgendwann ließ sie von meinem Bein ab, widmete sich anderen Körperteilen, und nach der einen Stunde verließ ich die Liege voller Dankbarkeit, körperlich und geistig gelockert für’s Wochenende und zufrieden mit Aussicht, wieder jemanden gefunden zu haben, der sich von Zeit zu Zeit meiner Rückenprobleme annehmen kann.
Der Nachmittag stand zunächst im Zeichen organisatorischer Dinge: Essenspläne und Einkaufszettel, Haus aufräumen, Kinder entgegennehmen und erfahren, wie ihr Tag so verlaufen war und was sie beschäftigt. Ich muss mich dabei immer in meiner Erledigeritis bremsen, wenn die Mädels ankommen und erzählen wollen – dies ist wichtig, dies sind die Momente, auf die es ankommt. Sonst erzählen sie mir irgendwann nichts mehr! Heute gelang es mir, sogar mit innerer Ruhe.
Dann: Nahkampf im Supermarkt. Irgendwie wollten heute alle um fünf Uhr heute dorthin. Ist es nicht eigentlich Samstag morgens dort schon so voll, dass es eigentlich Freitag abends leer sein müsste? Immerhin bin ich doch nicht durchgängig mufflig, wie ich immer befürchte: Eine andere Einkäuferin und ich kollidierten aufgrund eines sehr hohen Schokoladenaufstellers beinahe miteinander, legten beide den Rückwärtsgang ein, äugten durch und auf Zehenspitzen stehend über den Aufsteller, damit wir nicht erneut zusammenstießen, fuhren doch wieder zu selben Zeit los – und brachen irgendwann in Gelächter aus. So mag ich mich eigentlich lieber.
Abends ein paar Reste zu einem improvisierten Abendessen, dann brachen U und ich auf: In 10 Minuten Radldistanz findet dies Wochenende ein kleiner, Weihnachtsmarkt statt, den wir besuchen wollten. Große Märkte interessieren uns nicht mehr so sehr, Menschenmassen auch nicht, und so wollten wir hierhin. Vorher musste ich meinen inneren Schweinehund überwinden – am liebsten wäre ich faul auf der Couch gelandet. Oder halt nicht faul – Fotobücher wollen ja auch noch zusammengestellt werden. Als wir uns aufgerafft hatten, wurde es dann aber schön: Eine Band spielte, als wir kamen, der Glühwein schmeckte prima, die Champignons auch (nur Magenzwicken nachher, was soll das?), und kurz, bevor wir wieder fuhren, gab es sogar noch einen Feuerjongleur. Danach zum Aufwärmen auf der Couch zu liegen und die heute show zu gucken, war auch sehr schön.
Was alle anderen heute so bei #WMDEDGT so getrieben haben, kann man bei Frau Brüllen nachlesen, die ein bisschen Guidance für ein Ansprechverhalten bereitgestellt hat, sollte man ihr einmal begegnen. Seit ich mal jemand anderes aus „dem Internet“ vor mir sitzen hatte, frag ich mich da ja schon, was ich tun würde (in der Situation war die Person wohl krank, wie ich nachher las, wirkte vermutlich deswegen sehr unzufrieden, und so war ich von selbst schnell zur Entscheidung gelangt, niemanden anzusprechen – die Frage, was unter anderen Umständen gewesen wäre, blieb aber).