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Knuspriger Gochujang Ofen-Karfiol

Dienstag, 3. Februar 2026

 

Ein Veggie-Teller besteht aus Gemüse mit Gemüse. Voilà - jetzt wißt ihr Bescheid. Über die Jahre hat sich dabei die Erfahrung manifestiert, dass es kulinarisch beglückend ist, wenn sich die Konsistenz des Gemüses dabei unterscheidet. Womit wir - wieder einmal - bei meinem Lieblingsessensthema angelangt wären: den Puffern, Bratlingen, Gemüse-Laibchen, Pflanzerln und Konsorten. Die spielen einfach immer bereichernd auf in doppelter und dreifacher Gemüse-Konstellation. Dabei wollen sie nicht zwingend in der Pfanne zubereiten werden. Ofen gilt auch, oder?

Gut, ich will jetzt nicht mit vehementester Überzeugung behaupten, dass dieser Blumenkohl so richtig in die Puffer-Kategorie passt. Im engeren Sinn. Aber labeln tue ich das Rezept auf jeden Fall so. Auch damit ich es leicht wiederfinde.

Ich fand die Dingerchen nämlich spitze. Zuerst werden sie durch eine Art Tempura-Teig gezogen, gegart und dann mit einer zweiten Glasur lackiert. Ganz easy zuzubereiten und richtig köstlich.

Dabei wird auf einen beliebten Kniff der veganen Küche zurückgegriffen: auf Fertigsaucen. Was wäre die vegane Küche beispielsweise ohne Soja-Sauce? Undenkbar. Aber zur Mutter der Fertigsaucen sind mittlerweile unzählige andere hinzugekommen - worldwide Bereicherung quasi. Von Chrispy Chili oderoder... Da muss ich nix aufzählen, da fällt euch bestimmt ohne mich genug ein.

Für den heutigen Blumenkohl habe ich Red Thai Curry - Paste verwendet. Gesehen habe ich das Rezept unterwegs bei Insta aber mit Gochujang. Euer Geschmack entscheidet.



Begleitend gabs dazu bei uns in etwa dieses Stew (mit Quinoa, Amaranth und Hirse) sowie eine kräuterige, zitrone Joghurt-Sauce. Ich kann mich nur wiederholen: der Blumenkohl darf auf diese Weise wieder auf den Tisch.

Als Geschwister im Blog-Universum benenne ich den

      **** den Orangen-Blumenkohl


Hier wird allgemein gerne Blumenkohl gegessen. Das trifft sich gut zur Kohlzeit - zwei Monate wird uns Kohl bestimmt noch viel durch die Woche bringen..


Zutaten 2P:

1/2 Blumenkohl 
....
Tempura-Teig:
74 Mehl (m: D1050)
100ml Milch (Soja oder Mandel)
1 TL Paprika-Pulver
1 TL Knoblauch-Pulver
Kräutersalz
....
2. Glasur:
1 EL Red Thai Curry/ Gochujang
1 EL Soja-Sauce
1 EL Ahorn-Sirup
1 EL Reis-Essig
2 EL Sesam-Öl


Zubereitung:

Ofen auf 200° (Umluft) vorheizen.

Blumenkohl in Röschen (m: teilweise mit dem Messer halbiert) . Die Zutaten für die Tempura zu einem glatten, homogenen Teig verrühren, der eher etwas zu dick als zu dünn ist. 

Dann auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech setzen und  in ca. 25 min golden backen. 

Währenddessen etwa das Stew und die Joghurtsauce zubereiten - sowie die zweite Glasur. Für letztere einfach alle Zutaten miteinander in einer Schüssel verquirlen. Den gegarten Blumenkohl nacheinander durch die Marinade ziehen, wieder zurück aufs Backblech setzen und dann weitere 5 min in Ofen fertig backen.


Jenseits von Eden: Kokos-Tofu mit Zitronengras-Curry

Mittwoch, 20. August 2025

 

Es heißt, eine Begegnung oder ein Buch komme immer zur rechten Zeit. Und ja, ich bin der festen Überzeugung, dass jeder, der Fragen hat, auch Antworten erhält. Jeder, der sucht, ist bereits auf dem Weg. Manchmal erhält man schneller eine Antwort, manchmal muss man mit viel Geduld in die Beantwortung hineinleben (Rilke).

Ich leide darunter, dass mir von immer mehr Menschen die Notwendigkeit von Krieg erklärt wird. Ich dachte, das hätten wir hinter uns. Da werden dann für die Verteidigung der höchsten Werte wie Freiheit die niedersten aller Mittel nämlich Mord gerechtfertigt. Und dann wird mir etwas erzählt von zwei Macht verblendeten Autokraten, denen man die Welt nicht überlassen könne, und die Redner merken gar nicht, wie sie sich selbst in ihren Parolen das Todschlagen zum geistigen Eigentum gemacht haben, wie das Böse in ihnen bereits Nährboden findet. Bitterkeit steigt in mir auf.

Warum kehrt der Mensch immer wieder dahin zurück? Ich verstehe es nicht. Und dann bog Cornelia Funke um die Ecke samt ihrer Buchempfehlung *Jenseits von Eden*. Als ich das Buch in Händen hielt, war ich etwas schockiert: ein Wälzer von über 600 Seiten. Aber es hat sich SO gelohnt. John Steinbeck denkt sich tief ein in die Bibelgeschichte von Kain und Abel, dem Ursprung der christlichen Menschheitsgeschichte. Mir war nicht mehr im Gedächtnis, dass Kain und Abel die Kinder von Adam und Eva sind. Das hat mich peinlich berührt. Wie konnte ich vergessen, dass die Bibel erzählt, dass das Menscheitsgeschlecht aus einem Brudermörder hervorgeht? Es ist mir ein Rätsel.

Vielleicht weil man als Erwachsener mit dem Rumplagen von alltäglichen Dingen bereits völlig ausgelastet ist? Hingegen in der Kindheit ist der Kampf zwischen Gut und Böse der Schauplatz des echten Lebens. Kinder gucken sich die großen Fragen ja alle noch an, während wir uns als Erwachsene so gerne vor denen drücken. Kinder nehmen das Leben noch sehr viel ernster. Sie fragen: wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? sagt Cornelia Funke in einem Interview. Eines ist mir mit der Lektüre von *Jenseits von Eden* klar geworden. Nicht Licht und Schatten sind die eigentlich Polarität - im Mittelalter hat man die Gegensatzpaare noch als Einheit gedacht - sondern dem gegenüber steht *das große Einerlei*. Vergessen und verdrängt sind alle Grundprinzipien der Erde.

John Steinbeck fürchtet sich nicht, das Böse im Menschen genauer anzusehen. Das haben der Habib und ich auch getan in den letzten Jahren. Und Steinbeck zweifelt nicht, dass es abgrundtief schlechte Menschen gibt. Er nennt sie geistige Missgeburten. Wie Mensch so tief fallen kann, bleibt ein ungelöster Abgrund. Deren Samen lebt in einer weiteren Gruppe Menschen, in deren Innerem das Böse und Gute miteinander wettstreitet. Diese Menschen ringen mit sich, zweifeln an sich, straucheln. Das Böse als menschliche Veranlagung, das versucht, verführt und verwirrt. Diese Keimzelle liegt in uns allen. Sie zeigt sich im Lügen und (Selbst)Betrügen, im Manipulieren und sich besser dünken - das Böse in jedem von uns und eben nicht fernab in einzelnen, menschlichen Monstern.

Grundeigentlich behandelt *Jenseits von Eden* nichts anderes als die transgenerationale Weitergabe von Traumata - ein Thema, das mich eh seit langem fasziniert. Alles dreht sich um den Widerstreit, den jeder Mensch in sich trägt: was ist stärker, dein mitgebrachtes Erbe im Sinne von Familiengeschichte, Charakter, Temperament oder der freie Wille. Unterliegst du vorbestimmten Abläufen oder kannst du dich mit der Kraft deines Willens, deines Wünschens, deiner Sehnsucht dagegenstemmen? Ein episches Ringen, in dem leider oft den vorgegebenen Mustern und Mechanismen unterlegen wird. 

Ich würde gerne das Gegenteil behaupten, aber ich habe keine Beispiele aus meinem Bekanntenkreis, die als Testimonial erhalten könnten. Der freie Wille ist somit eine verheißungsvolle Tür und das Wunder der Selbstüberwindung die einzige Möglichkeit in eine neue, bessere Welt - wohin jeder ganz alleine zu streben hat.

Vieles könnte ich aus *Jenseits von Eden* herausziehen. Die Ode auf das Individuum hat es mir besonders angetan:

Unsere Gattung ist die einzige mit Schöpferkraft begabte, und sie besitzt nur ein einziges Werkzeug für diese Kraft: den individuellen Geist und Verstand des Menschen. Nie ist etwas von zwei Menschen geschaffen worden. Produktive Zusammenarbeit gibt es nicht, weder in der Musik noch in der Mathematik, weder in der bildenden noch in der Dichtkunst, geschweige in der Philosophie. Wenn sich das Wunder der Schöpfung einmal vollzogen hat, dann ist die Gruppe imstande, sie auszubauen und auszubreiten, aber niemals erfindet eine Gruppe etwas. Die kostbare Kraft liegt allein im Geist des Einzelmenschen.

                                                      (John Steinbeck, Literaturnobelpreisträger, 1952) 



Je länger ich koche, umso mehr muss ich feststellen, dass man auch mit wenig Zeit in der Küche lecker kochen kann. Es gibt keine Ausreden, warum man sich das Leben nicht ein Quäntchen schöner kochen sollte.

Dieses Gericht habe ich nun mehrfach auf den Teller gebracht: köstlich, schnell zubereitet, variabel und vegan! So simpel - so gut!


Zutaten 2P:

1 Tofu (200g/ m: Feto von Taifun - fermentierter Tofu)*
Tamari-Sojasauce
Kokosraspeln, getrocknet
Maisstärke
...
1 gelbe Paprika (oder grüne)
1 kleiner Pak Choi
Erbsen (ca. 100g)
1 kleine Zwiebel
2 Knoblauchzehen
2 cm Ingwer
1 Stange Zitronengras
1 1/2 TL Curry
150ml Kokosmilch
Kokosfett
Limettensaft
Salz, Pfeffer
Sesam-Öl
...
Reis
Topping: Sprossen/ Frühlingsgrün...

Zubereitung:

Reis aufsetzen (m: ca. 140g) und gar kochen (m: immer mit 2 Lorbeer-Blättern)

Dann die Sauce auf den Weg bringen. Dafür Zwiebel und Knofi feinwürfeln, ebenso die Zitronengrasstange.

Gemüse putzen und klein schneiden (m: Paprika mit dem Sparschäler schälen = bessere Bekömmlichkeit), Pak Choi in Streifen schneiden - dabei das Weiß der Stangen und das Grün der Blätter etwas separieren (wegen der unterschiedlichen Garzeit).

Zwiebeln, Knofi und Zitronengras in etwa 1/2 EL Kokosfett anschwitzen, kurz vor Ende das Curry mit rösten. Dann Paprika und das Weiß des Pak Choi zufügen sowie den fein geriebenen Ingwer. Gemüse kurz anbraten. Nun Kokosmilch anschütten, salzen, pfeffern und Deckel auflegen. Etwa 10 min auf sanfter Hitze köcheln lassen. Zum Schluß das Blattgrün vom Pak Choi untermischen, außerdem die Tiefkühl-Erbsen und mit Limettensaft abschmecken.

Parallel den Tofu zubereiten. Dafür den Block der Länge nach in 3 Scheiben schneiden. 2 tiefere Teller richten, einen mit Soja-Sauce einen anderen mit hälftig Maisstärke und Kokosraspeln. Die Scheiben nacheinander in der Tamari-Sojasauce wenden, dann anschließend in dem Kokos-Gemisch. 

In Öl (m: Sesam-Öl) den panierten Tofu von beiden Seiten knusprig braten. Auf Reis und Gemüse anrichten.


Anmerkung m: für die Gemüse-Einlage hat man die freie Wahl: grüne Böhnchen machen sich auch gut .- bereits getestet. Oder Zucchini. Der fermentierte Tofu (Feto) von Taifun hat sich bewährt, weil die Konsistenz etwas fester ist - und damit ideal zum Panieren.


Kalkuliert: Asia-One-Pot mit Mie Nudeln

Sonntag, 2. März 2025


Die Weissagung der Cree, kennt ihr alle, die mit dem *Erst wenn der letzte Baum... usw* kann man als Wand-Tattoo kaufen, Buddha-Statuen ersetzen heute den Gartenzwerg, leere Kirchen werden zu Restos oder Clubs umgebaut und auf Patreon teilt man Filme der Geburt seiner Kinder mit der community. Wir machen das Heilige profan und das Profane heilig. Oben kommt nach unten und rechts wird nach links gekehrt. Irgendwie ist nix mehr an seinem Platz

Die Leute sagen immer:
die Zeiten werden schlimmer.
Die Zeiten bleiben immer,
die Leute werden schlimmer

(Ringelnatz)

Zumindest wird alles verrückter, können wir uns darauf einigen? Und keiner zuckt mehr. Egal ob Kuriosität, Ungeheuerlichkeit oder Menschheitsverbrechen. Vorgestern hörte ich in den ZDF Nachrichten vom 28. Februar folgende Verkündung: auf der Weltnaturkonferenz COP 16 einigten sich endlich über 150 Staaten in der heiklen Frage der Finanzierung:

Nun steht der Fahrplan, wie die reichen Industrieländer bis 2030 jedes Jahr 29 Milliarden Euro für weltweiten Artenschutz aufbringen. Darüber hinaus soll die Privatwirtschaft noch mehr Mittel beisteuern. Gut investiertes Geld so Experten, denn nach Schätzungen der Weltbank kostet der momentan entstehende Verlust der Artenvielfalt die globale Wirtschaft bis 2030 jedes Jahr 2,6 Billionen.

Und dann folgen ein paar Beispiele wie etwa  durch das Bienensterben Nutzpflanzen per Hand bestäubt werden müssen, der Verlust von Feuchtgebieten, die statt teurer Kläranlagen das Wasser kostenlos reinigen würden, oder die Zunahme von Mücken mit Krankheitserregern, weil es immer weniger Vögel gibt...

Soso.... Das Sterben dieses Planeten läßt sich also in Geld ausdrücken: 2 600 000 000 000 Dollar. Pro Jahr. I-n-t-e-r-e-s-s-a-n-t! Alles nur eine Frage der Kalkulation?! Alles nur Zahlenspiel. Die Berechnung der Welt. Faktengecheckt an der Rechenmaschine für alle Kopffüßler da draußen. Immer gut, präzise informiert zu sein. Da fühlen wir uns direkt um einiges schlauer. Wir, die wir uns die Erde Untertan gemacht haben. Nicht? 

Genz ehrlich: ich kann nur die Schultern gen Ohren ziehen. Und wieder fallen lassen. Nobel geht die Welt zugrunde. Oder eben als Kalkulationsschema. Wer einen tieferen Blick in den Abgrund werfen will, hier noch mehr Zahlen: der WWF Living Planet Report von 2024. Aber eigentlich muss man den Kopf weg drehen, als ob man an einem Unfall vorbei fährt. Sonst hält man es ja nicht aus. Sonst kann man nicht leben. Es fürchten die Götter das Menschengeschlecht. Da hilft auch ein Finanzierungsplan nichts. Ich für meinen Teil habe meine klare Haltung seit der Auseinandersetzung mit Pestiziden rund um diesen Artikel gefunden: die Leute, die an den entsprechenden Hebeln sitzen, wissen das sie Unrecht tun - sie tun es trotzdem. Daher reicht es für mein Dafürhalten aus, an Fasching als Blume und Biene verkleidet zu protestieren. Vorbei das Zeitalter der Naivität - alles hat heute eine politische Ebene, alles ist ernster, gewichtiger geworden und gewissenloser.



Wie schön, dass hier weiterhin so viel Besucher auf dem Blog sind - obwohl hier wenig Bewegung in der letzten Zeit passiert ist. Das zeigt mir, dass ihr die Rezepte schätzt und zum Aufgabeln einer Kochidee immernoch vorbeikommt. Das freut mich. Ebenso wie die lieben Mails und Kommentare! Gut tut das, vermisst zu werden! Und ihr nutzt das Blog wie ich als Kochbuch, in dem ich ebenfalls meine Rezepte nachschlage, wenn ich sie brauche. Prima, wenn die Dinge nützen und genutzt werden!

Das heutige Rezept kann man kaum kochen nennen: man gibt alle Zutaten in eine tiefe Pfanne - that's it! Das verlangt nicht viel Vorerfahrung, man braucht kaum Zeit am Herd, aber schmecken tut es trotzdem, nämlich cremig, würzig und gemüsig! Was will man mehr?! Manchmal muss die Essenszubereitung schließlich auch schnell gehen und dann werdet ihr wie ich diese Idee immer wieder variiren - nach Lust, Saison und Vorrat!


Zutaten 2P:

2 Blöcke Mie Nudeln (125g)
2 Karotten
1 kleiner Brokkoli
1 kleine Paprika
2 Knoblauch-Zehen, fein gewürfelt
120g Kichererbsen
400 ml Gemüsebrühe (evt. plus)
150ml Kokosmilch
2 EL Erdnussbutter (oder Tahini)
Salz, Pfeffer
2 EL Tamari-Sauce
1 TL Curry
1/2 TL Kreuzkümmel
1/2 TL Paprika

für das Topping
Chili-Öl
Sesam
Frühlingszwiebeln

Zubereitung:

Die Blöcke Mie Nudeln in eine tiefe Pfanne setzen. Den in Röschen geteilten Brokkoli, die gestifteten Karotten, die in Streifen geschnittene Paprika (m: mit Sparschäler gehäutet) und die Kichererbsen drumherum verteilen.

Gewürze darüber streuen, Erdnussbutter in einem Teil der heißen Gemüsebrühe cremig rühren, dann alle Flüssigkeiten angießen, auch die Kokosmilch und Deckel auflegen. Dabei bleiben: wenn es anfängt zu köcheln klein schalten und ca. 9 min garen lassen. Umrühren, sollte Flüssigkeit fehlen noch etwas nachschütten. Auf zwei Teller verteilen und mit dem Topping - Chili-Öl, Sesam, Frühlingszwiebeln - garnieren.

Anmerkung m: das Rezept läßt sich prima variieren, sowohl was das Gemüse angeht (gut auch Champignons oder Zuckerschoten) oder Ernussbutter gegen Tahini austauschen. Kichererbsen könnt ihr verwenden, wie ihr lustig seid... up to you....


Herzgeräusche: One-Pot-Pasta mit Kürbis, Feta und Spinat

Montag, 7. Oktober 2024


Ende der Brunft der Hirsche. Fast einen Monat röhrten sie sich Nacht für Nacht die Seele aus dem Leib. Feriengäste tippten auf Esel. Ja, auch viel Elend im Rufen aber mit mehr Verzweiflung bei den Eseln. Hirsche klingen eher als würde Pu, der Bär, traurige, lang gezogene Krokodilstränen vergießen und um Trost bitten.

Für uns gehören die Hirsche zum Herbst dazu, so wie das Gezirpe der Grillen zum Sommer oder das Zwitschern der Vögel zum Frühling. Unvorstellbar, wenn diese Geräuschkulisse fehlen würde. Sie ist ein Teil des Rhythmus der wiederkehrenden Gezeiten. Taktmeister Natur nannte es Dörte Hansen in *Altes Land*.

Oft aber spitzt man die Ohren und lauscht einfach in die Stille. So ruhig, dass Feriengäste uns immer wieder darauf ansprechen. So still - das kennt man gar nicht mehr. Das macht den Ort hier zusätzlich zu seiner Weite sehr pur. Es ist, als könnte man den inneren Radio-Funk auf viel mehr Sender einstellen; als könnte man hier viel mehr Wellen empfangen: als bestände die Möglichkeit, einen viel unmittelbareren Verbindung zu den eigenen Gefühlen zu bekommen. In einem solchen Umfeld ist es entschieden leichter, sich hier selbst beim Denken zuzuhören: was geht mir durch den Kopf, was bewegt mich, was beschäftigt mich - fast automatisch führt man Selbstgespräche.

Viel schwerer aber ist der Zugang zum Herzen. Und Kopf und Herz ist zweierlei. Das gilt es sich zuerst bewußt zu machen. Der zweite Schritt ist die Erkenntnis, dass Gefühle entgegen der gängigen Vorurteile etwas Eindeutiges sind. Selbst wenn Gefühle manchmal verworren erscheinen, ähnlich verhuddelt wie ein Knäuel Wolle, das erst wieder ordentlich aufgewickelt werden will. Dann liegt das aber nicht an den Gefühlen, sondern dann liegt das an unserem Umgang damit. Weil wir als Kopffüßler den Draht zu unserem Herzen verloren haben, weil unser Kopf mit manipulierenden Gedanken permanent dazwischen funkt, stehen wir unseren eigenen Gefühlen gegenüber wie einer Spinx.

Dabei sind Gefühle das genaue Gegenteil von Tohuwabohu, Gefühlsdusselei oder Kindeleien. In der Homöopathie, dem Gedankenuniversum, das Welt versucht vom Geist her zu begreifen, repräsentiert der Bergkristall, Silicea, das Gefühl. Klar, eindeutig, streng, durchscheinend, lichtdurchlassend, mit scharfen, glatten Kanten. Für andere Personen oft schwierig zu verstehen. Aber faszinierend, oder? Und irgendwie auch rätselhaft... Zumal echtes Gefühl zu oft mit verdrehtem, unechtem Gefühl verwechselt wird - mit Überschwänglichkeit oder Verniedlichungen wie ständiges Anhängen eines "i"s etwa Rucki-zucki  (statt Rucksack), an dem z.B. ein Bärli oder dergleichen baumelt.

Zurückkehrend zu dem Radiobild anfangs (der Mensch, der in die Stille lauscht) kann man hier wunderbar Parallelen spinnen. Der Habib hat in seiner Jugend nämlich Röhrenempfänger gebaut mit Detektor-Empfang. Ein Kristall dient hierfür als Sendersucher und mit ruhiger Hand tastet man mittels einem spitzen Metalldraht den Kristall ab nach Funk-Frequenzen. Vergleichbar kann man sein Herz abhören. 

Wie in einen Kristall werden unterschiedliche Impulse im Herzen aufgenommen und je nach dem, wo ich mein Stethoskop anlege, empfange ich Impulse, die ich persönlich gerade brauche. Das bedeutet, dass nicht nur das Herz als Empfänger eine große Rolle spielt, sondern gleichfalls meine Umgang damit. Das Herz sagt dir doch bereits alles, was zu tun ist - es ist der Kopf, der dich versucht, dabei zu stören. Und es braucht Strenge und Ernst, Herzensentscheidungen zu treffen.



Eintöpfe sind immer heimelige, unkomplizierte und schlonzige Herbstgerichte. Die Kombi von Kürbis und Mangold (oder Spinat) zählt ja wie Karotte und Erbsen zu einer meiner liebsten Gemüse-Verbindungen. Kann man nie was falsch mit machen. Hier sorgt die Kokosmilch dafür, dass es schön cremig wird und die Gewürze geben einen schönen Dreh - bref: sehr zu empfehlen! Das kocht sich auch gut bei nicht so viel Zeit in der Küche und schmecken tuts obendrein. Diese Pasta kommt wieder auf den Tisch!


Zutaten 2P:


1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
300g Kürbis (m: Butternut)
200g Babyspinat (oder junger Mangold)
100g Feta
Rapsöl zum braten
200g Spaghetti
500ml Gemüsebrühe (evt. etwas mehr)
200ml Kokosmilch  (Alternativ: Sahne) 
1/2 TL Ceylon-Zimt
1 TL Paprikapulver
1/2 TL Pimenton de la vera
1 TL Currypulver
Salz, Pfeffer
30g gehackte Walnüsse


Zubereitung:


Die Zwiebel würfeln und den Knoblauch fein hacken Je nach Sorte den Kürbis schälen (notwenig bei Butternut), Kerne entfernen und in etwa 2cm große Stücke schneiden. Walnüsse rösten.

Babyspinat waschen und trocken schütteln. Feta abtropfen lassen und in Stücke schneiden. Reichlich Rapsöl in einem hohen Topf heiß werden lassen. Die Zwiebeln hinzugeben und glasig braten. Den Knoblauch hinzugeben und mitbraten. Den Kürbis hinzugeben und zwei bis drei Minuten mitbraten. Ebenso die Gewüze bis sie duften. Gemüsebrühe sowie Kokosmilch anschütten. Salzen und Pfeffern. Nun die Pasta hinzugeben. Gut umrühren und schauen, dass sich die Pasta - langsam biegsam - komplett unter die Brühe rühren läßt. 

Alles aufkochen lassen. Dann ohne Deckel für auf geringer Hitze für 15 Minuten köcheln lassen. Regelmäßig umrühren. gegebenenfalls noch etwas Brühe zufügen. Nach etwa 12 Minuten den Feta unterheben.Topf vom Herd nehmen. Den Babyspinat unterheben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Auf Tellern anrichten, mit den gehackten Walnüssen bestreuen und heiß servieren.

Anmerkung m: Veganer lassen einfach den Feta weg...

Quelle: Stern


durchscheinen: Curry-Reissalat mit Räuchertofu und Fenchel

Freitag, 20. Oktober 2023


Könnte man nicht - habe ich mir überlegt - ein Krankenhaus nicht wie einen kleinen Mikrokosmos nehmen und von da aus auf alles Weiteres schließen. Im Krankenhaus steht das Leid zentral im Mittelpunkt, ganz in buddhistischer Tradition: der größte, gemeinsame Nenner alles Menschlichen ist der Wunsch, Leid vermeiden zu wollen. Im Alltag bekommt man sein Päckchen ganz gut kaschiert, aber im Krankenhaus liegt die Not mehr oder weniger offen. Die einen leiden sichtbar physisch, andere leiden psychisch oder mental - Ärzte und Pflegepersonal nicht ausgenommen, sei es Stress, Überforderung oder Überlastung. Da sitzen alle im gemeinsamen Boot des Leidens und das sollte... wie so eine Art Schicksalsgemeinschaft .... zusammenschweißen. Allumfassendes Mitgefühl als Elaborat, das sich auf diese Weise von ganz alleine einstellt - der Grundkern, der alle Weltreligionen eint.

Aber rein utopisches Kopfkino. Auch im Krankenhaus versammelt sich Gottes großer Zoo, ein buntes Sammelsurium aller Charaktere von sonnigwarm bis finstereisig, Leid hin oder her.

Und grundeigentlich dient ein Krankenhaus viel mehr als hervorragendes Beispiel wie entmenschlicht unser Umgang miteinander bereits ist. Der aktuelle AOK-Fehlzeiten-Report spiegelt wider, dass die psychischen Erkrankungen in den letzten 10 Jahren um satte 50 Prozent gestiegen sind. So was kommt von so was. Es krankt im Miteinander. Das moderne Krankenhaus besteht (klar, abhängig von der jeweiligen Abteilung, aber gerade wenn es um operative Eingriffe geht ) aus sehr viel Apparatemedizin, die menschliche Körper zu inspizierenden Objekten degradiert. Da braucht der Mediziner kein Fingerspitzengefühl mehr für das Wesen Menschen, sondern er benötigt seine volle Aufmerksamkeit im Umgang mit High-Tech-Maschinen. Alles mechanisiert, hochstandartisiert, hocheffizient. Vorbei die Zeit, in dem sich dir jemand gegenüber setzt und dich anschaut (wie in dieser Arte-Doku *Tibetische Medizin*), sich versucht einzufühlen, sich versucht in die individuelle Krankheitsgeschichte reinzudenken. Nein, die Standarts finden sich in allen Abläufen bishin zum Auftreten der Mediziner und der Krankenschwestern: automatisierte, sich immer wiederholende, leere Phrasen, professionelle Freundlichkeit ohne innere Beteidigung, sterilisierter Umgang mit Zimmernummern. Momente, in denen Mensch Mensch begegnet, sind nicht eingeplant und können nicht abgerechnet werden. Wenn doch, dann bleiben diese Augenblicke leuchtend im Gedächtnis.

Eine Geschichte kam mir in diesem Zusammenhang wieder in den Sinn. Die verstorbene Frau meines Habibs, Ute, die gestern Geburstag hatte, arbeitete als Krankenschwester. Eine sehr alte Patientin wandte sich in ihrer Verzweiflung an sie: *Schwester, können Sie mir helfen? Ich würde so gerne sterben und kann und kann nicht.*

Und da zog sich Ute aus, legte sich zu ihr nackt ins Bett, umschloß sie mit ihren Armen und in Utes Armen verstarb die alte Frau nach kurzer Zeit.

Was eine Geschichte! Jeder wird merken, dass man/ dass ich mir diese Begegnung nicht ausdenken kann. Das ist genau so passiert. Was offenbart sich hier?! Was ein Geist strahlt da durch! Von wessen Geistes Kind war Ute in dem Moment getragen?! Sich nackt auszuziehen um jemanden Sterbehilfe zu leisten, das geht nicht über den Kopf. Da wägt man die Situation nicht gedanklich ab. Und Utes Verhalten geht auch weit über eine Sensibilität hinaus, was der andere in dem Moment gerade brauchen könnte. Das ist größer. Da wirkt die unsichtbare Welt wie medial durch. Und nun stellt sich die Frage, was muss passieren, um mit dieser transzendenten Welt so verbunden zu sein, dass man auf diese Weise tätig werden kann?



Dieses Jahr konnte man monatelang durchgrillen - auf allen Ebenen. Bei der Gelegenheit gab es hier wiederholt Reissalat. Nun, auch ohne Grillgedöns.

Wer hier ab und an mitkocht, hat längst durchschaut, dass mein mir liebstes Mittagsessen aus etwas Gekochtem und Gebratenem (Puffer) besteht sowie begleitender Rohkost besteht. DAS Grundgerüst, an dem ich mich im wahrsten Sinne irgendwie festgebissen habe. Die Puffer werden demnächst als Rezept erscheinen - ausgepuffert hat es sich hier noch lange nicht! Wißt ihr ja...

 

Zutaten 4P:

120g Reis
2 TL Curry
1/2 TL Curcuma
2 Lorbeer-Blätter
1/2 Granatapfel/ 1/2 Mango/ 1 pêche de vigne
1 Räucher-Tofu
1 mittelkleiner Fenchel
2 Knofi
1/2 TL Kreuzkümmel
Piment d'Espelette
100g Erbsen
2 EL Soja-Sauce
1-2 EL Apfelessig
Dill/ Basilikum/ Koriander
Oliven
Salz, Pfeffer
Kokosfett/ Olivenöl/ Sesamöl

 

Zubereitung:

Etwas Kokosfett in einem kleinen Topf erhitzen, Curry und Curcuma kurz anrösten, Reis zufügen, Lorbeer-Blätter, Salz und mit entsprechend Wasser auffüllen und bei geschlossenem Deckel weich garen. Lorbeer-Blätter entfernen.

Räuchertofu in Würfel schneiden und in Sesam-Öl knurspig braten und zur Seite stellen.

Fenchel putzen, halbieren, Strunk entfernen und in feine Scheiben hobeln. Zusammen mit dem Kreuzkümmel und dem fein gewürfelten Knoblauch in einer Pfanne in etwas Olivenöl rösten (m: 2-3 EL Gemüsebrühe angeschüttet, Deckel kurz aufgelegt) und den Fenchel dann so lange garen, bis er weich aber noch etwas Biss hat, dabei leicht salzen, mit Piment würzen und mit Ahornsirup würzen.

Nun die frischen Kräuter fein wiegen, das Obst der Wahl würfeln oder vorbereiten, die tiefgefrorenen Erbsen kurz garen und abschrecken und dann alle Zutaten miteinander in eine Schüssel geben. Würzen mit Soja-Sauce und Apfelessig, salzen und pfeffern - fertig.

Anmerkung m: sowohl mit unterschiedlichem Obst wie Kräuter zubereitet: Pfirsich mit Basilikum, Mango-Koriander, Dill - Granatapfel... mal mit mal ohne Oliven

 

Gefährten - Linsen-Brokkoli-Salat

Freitag, 30. Juni 2023


 

Ich erinnere mich noch gut, wie mir eine Feundin mit glühenden Backen frisch verliebt von ihrem heutigen Mann (und Vater ihrer vier Kinder) vorschwärmte. Wie sie meinte, sie würde schon dem Ende einer Party entgegenfiebern, weil auf dem Heimweg würden sie sich austauschen und sie wäre jedes Mal voller Vorfreude und Faszination, was er gesehen, gehört, wahrgenommen hatte und wie beurteilen würde...

Genau das berüht auch ein weiterer Film von *Green Renaissance*, von denen ich euch schon zwei andere vorgestellt habe. Ich freue mich immer, wenn ich etwas ausfindig mache, das mich anregt. Und die klugen Gedanken im Hinblick auf ihre Beziehung, die das Paar Anthony und Margy teilt, empfinde ich als sehr ispirierend. Ich gehe ganz mit Anthony, dass genau das eine der größten Bereicherungen ausmacht: *Das ist eines der wunderbaren Dinge, wenn man einen Gefährten hat, dass man die Welt durch ihre Augen sieht. Das erweitert den Blickwinkel. Ich kann Dinge teilen, die mich begeistern. Und ich kann Dinge teilen, die sie begeistern. Und manchmal ist es schwierig, diese Begeisterung zu finden - und das teilen wir ebenfalls. Aus dem gleichen Grund siehst du, wenn sie leiden und eine schwere Zeit durchmachen. Das ist genauso ein Teil, es mit ihren Augen zu sehen.* 

Wirklich nichts auf der Welt ist eine größere Lebensschule als in Beziehung zu leben. Denn durch nichts kommt man sich selbst näher, wird gespiegelt, erkennt Wunden und Kanten - an sich, an dem anderen.... und heilt im besten Fall in der Interaktion, im Zusammenspiel, im Austausch, in der Freiheit, die man sich zu gewähren hat, je intimer man miteinander ist. Deshalb reift eine Beziehung und wird kraftvoller, je tiefer sie berührt, je länger sie währt. Und wenn ihr Boden auf Anständigkeit und Ehrlichkeit gebaut ist, dann entsteht ein Humus, der möglich macht, dass man sich entwickeln darf, gedeihen, klarer werden und bewußter, purer, eindeutiger... wahrhaftiger wird.

Ich habe etwa immer davon geträumt, eine eigene Sprache mit einem anderen Menschen zu entwickeln. Und die stellt sich durch die manigfaltig gemeinsam gemachten Erfahrunge von ganz alleine ein. Da reicht ein Satz, ein Stichwort und unsere Augen kreuzen sich und wir beide wissen sofort, welche Assoziation der andere damit verbindet. Ein wunderbares Band, diese Geheimsprache!

Auseinandersetzungen sind mir Harmonie-Junkie trotzdem ein Greuel. Man steht sich so leicht auf den Eingeweiden. Aus nächster Nähe entstehen die größten Verletzungen. Der Affekt hinterläßt zu gerne schnell verbrannte Erde. Aber Reingefressenes eitert mit der Zeit - wir Margy so gut sagt - frißt schwellend und brandschatzt ebenfalls. Manchmal würde man sich auch am liebsten vor sich selbst verstecken. Es kann schon kompliziert sein. Dazu der Alltag, das gefräßige Monster. Immerhin kann man dieser Bestie mit Reisen kontern, raus aus Gewohnheit, raus aus festgefahrenen Mustern, und dem Leben wieder Raum und Möglichkeit bieten, sich und anderes neu zu entdecken. Bestimmt aber ist eine der größten Hilfen, sich seiner eigenen Themen bewußt zu sein. Auf der Meta-Ebene des Bewußtseins tut mancher Zusammenstoß  nicht ganz so weh - zumindest wenn der erste Schmerz weggeatmet ist.

Stürmt und braust das Leben und brausen wir zwei Köpfe aneinander, dann trägt mich doch mit der unerschütterlichen Gewissheit des Anfangs der Goethe-Zweiteiler: *Gegenüber zu großen Vorzüge eines anderen, gibt es kein Rettungsmittel als die Liebe* - den Margy ganz schlicht in ihren Worten bestätigt. An der Dankbarkeit, jemanden begegnet zu sein, der einen erträgt, den man erträgt, ändert ganz bestimmt ein tosendes Gewitter nichts. So leicht geht echte Neugier nicht verloren.

Hey, und ohne jedes Zaudern: was mache ich mit Millionen von *followern*, wenn ich stattdessen einen einzigen Gefährten haben kann?!



Mit Blick auf die Teller könnte man meinen, ich bin schon wieder bei meinem momentanen Lieblingsthema: Gemüse-Bratlinge. Aber nein. Oder eher jein. Weil begleitend zu meinen Puffern braucht es ja auch etwas. Und dieser Salat macht sich einfach spitze zu meinen Pufferchen. Deshalb habe ich ihn auch schon mehrfach gemacht. Der lässt sich leicht abwandeln: mal anteilig (damals im Winter) mit Rosenkohl, Gemüse geröstet im Ofen oder gedünstet, oder statt Datteln gedörrte Aprikosen, etwas Rucola untergemischt und den Sesam rausgekürzt, die Linsen ausgekeimt (wie hier)... aber was schreibe ich, das merkt ihr selbst, wenn ihr nur erstmal dieses Grundgerüst nachgebastelt habt.

Und demnächst gibt es dann das vorerste Puffer-Ranking. Das *vorerste* - sonst mache ich da wieder eine epische Gedankenspielerei daraus und ringe mich zu keinem Ergebnis durch...

 

Zutaten 2P:

1 kleiner Brokkoli (ca. 450g)
70g Linsen (m: grüne)
2  Lorbeerblätter
1 Stück Kombu-Alge
1 rote Zwiebel
4 Datteln
2 TL Savora-Senf
1 TL Curry
3 EL Sesam-Öl
1 EL Tamari
1 EL Apfel-Essig
Salz, Pfeffer
Sesam-Saat (optional)


Zubereitung:

Linsen in doppelter Menge kaltem Wasser aufsetzen und zusammen mit den Lorbeerblättern und dem Stück Kombu in etwa 25min weich garen.

Brokkoli in Röschen teilen und über Wasserdampf garen. 

Währenddessen die Zwiebel halbieren und in dünne Streifen schneiden und in 1 EL Sesamöl glasig garen - dazu auch die klein gewürfelten Datteln zufügen. Zuletzt noch das Curry-Pulver anrösten.

Sobald die Linsen gar sind (Lorbeer-Blätter und Kombu entfernen), die Zwiebelmischung direkt untermengen, würzen mit restlichem Sesam-Öl, Savora-Senf, Apfelessig,Tamari, salzen und pfeffern. Dann den garen Brokkoli ebenfalls unterheben und nochmals gut würzig abschmecken

Inspiration: Schrot und Korn

 

Outsider: indischer Gemüsereis mit Röstzwiebeln und süß-saurem Kürbis

Donnerstag, 23. Februar 2023


Machen wir uns nix vor: ein paar wenig hunderttausend Unterschriften für ein Friedensmanifest sind lächerlich. Läppisch. In Anbetracht von nahezu 82 Millionen Deutschen. Dieses Ergebnis gibt mir viel zu denken. Ganz ehrlich: wie die zwei Initiatorinnen ging ich davon aus, dass sich gewiß eine Mehrheit findet, die sich klar zum Frieden bekennt. Wir haben schließlich zwei Weltkriege hinter uns. Aber nun unterhalte ich mich mit Bekannten und auch dort zeichnet sich das gleiche Stimmungsbild ab: die meisten befürworten den Krieg. Da mag meine kleine, rebellische Drôme außen vorstehen.

Eine gewisse Kriegsbegeisterung - wie sie zu allen Kriegszeiten erkennbar war - muss wohl das Resultat von Propaganda und/oder Massenhysterie sein. So zumindest lernte ich es im Geschichtsunterricht. Und nun frage ich mich, ob das heute viel anders ist. Gleiches gilt für die mir beschriebene Nazi-Mitläuferschaft. Ich hatte es für unmöglich gehalten, dass sich ein solches Verhalten wiederholen könnte. Das Wesentliche, die absolut übergeordnete Ebene heißt: Krieg oder Frieden. Und mit der Entscheidung für das eine oder andere Lager ist alles besprochen. Irgendwelche Kopf-Konstrukte zur Rechtfertigung gehören nicht in die wesentliche Ebene.  

Du sollst nicht töten* ist das erste Gebot der 10 Gebote - ansonsten beginnt der Fluch der bösen Tat. Nimm' alte Geschichtsbücher: die geographischen Karten sind überholt, haben sich mit den vielen Kriegen die Staatsgrenzen immer wieder verschoben (Elsaß/ Lothringen... um nur in der nächsten kleinen Welt/ Vergangenheit zu bleiben). Ich lebe egal mit welcher Nationalität - Hauptsache in keinem Kriegsgebiet!!! Wer Remarque gelesen hat, lernt leicht: im Krieg gibt es nur Verlierer - durch die Traumata auf Generationen. Da spielt es schnell keine Rolle mehr, wer die Scheiße angefangen hat...

Möglicherweise spielen Ängst mit hinein: die Angst, mit seiner Meinung alleine zu stehen, die Angst ungeschützt einem Aggressor ausgesetzt zu sein, die Angst Hab und Gut zu verlieren. So möchte ich mir erklären, dass Werte, die für friedliches Miteinander stehen, einer Hau-Drauf-Mentalität gewichen sind. Obgleich es mir eigentlich unerklärlich bleibt, denn in meiner Auffassung hatte sich die Friedensbewegung in den letzten Jahrzehnten in der Breite der Gesellschaft etabliert und verfestigt. Aber nein, selbst Bekannte, die noch mit viel Aufwand den Kriegsdienst verweigert und dafür 18 Monate Zivildienst geleistet haben, finden ein klipp und klares pazifistisches Statement gerade *schwierig*. Ich staune und staune. Und wache auf dabei.

Es bleibt nur, die rosarote Brille abzunehmen und zu versuchen, mich der /dieser Realität zu stellen: ich habe mich damit zu arrangieren, einer absoluten Minderheit anzugehören. Aber was bedeutet das in aller Konsequenz für den Alltag?

Im Gespräch mit dem Habib kam dabei eine Familiengeschichte hoch. Die Großeltern seiner verstorbenen Frau haben im 3. Reich jüdischen Familien zur Flucht in die Schweiz verholfen - und nie darüber ein Wort verloren. Selbst innerhalb der eigenen Familie nicht. Wie es der Zufall vieleviele Jahre später so wollte, landeten der Habib und seine Frau bei dem Einzug in die erste, gemeinsame Wohnung im gleichen Haus wie Nachkommen einer eben jener jüdischen Familien. Diese stellten ob des ungewöhnlichen Nachnamens den Zusammenhang her und berichteten dann, wie sehr sie den Großeltern zu Dank verpflichtet seien - auf diese Weise kamen die Geschehnisse überhaupt ans Licht. Und meine Wertung dazu: ich finde diesen Mut großartig obwohl ich die heutige israelische Politik nur unterirdisch bezeichnen kann - aber ich vermag eben Menschen und Politik auseinanderzuhalten.

Tue Gutes und rede nicht darüber. Habe Werte und lebe diese, aber gehe damit nicht hausieren. So in etwa lauten meine Rückschlüsse. Vielleicht ist es für das Gute das angeratene Beste, sich in Krisenzeiten klein, leise, still und unauffällig zu machen - so bleibt die meiste Freiheit in Denken und Handeln gegeben, so schützt man sich als Minderheit und andere Minderheiten am ehesten.



Man kann sich nie einsamer fühlen als in Menschenmassen - da stimme ich dem vorgestellten Künstler unten in seinen Einsichten bei. Aber Einsiedelei ist halt ebenfalls keine Lösung: *Du kannst nicht als Insel leben. Du brauchst deine Mitmenschen. Du siehst dich selbst als ein Spiegel in ihnen. Und du lernst von deinen Mitmenschen... Gutes und Schlechtes. Vorausgesetzt natürlich, du kommst mit den richtigen Leuten zusammen.* Mir tut es gut, Gleichgesinnten zuzuhören, die Herz über Kopf stellen, Geist über Materie und Demut vor der Schöpfung zeigen.

Ich lege direkt ein weiteres Rezept mit Blumenkohl nach - dieses Mal mit Kollege Romanesco. Wieder ein blumig-buntes Gewürzspiel, das auf diese Weise jedes Februar-Grau zu vertreiben weiß. Schön auch, der eingelegte Kürbis dazu. Wir haben ja noch derart viel eigenen Kürbis, der immer dringender verarbeitet werden sollte. Und der süß-saure Kontrast passt wunderbar zu dem Curry.


Zutaten 2P:

110g Reis
350g Blumenkohl (m: Romanesco)
120g Kartoffeln (ca. 2 kleinere)
2 Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
1 1/2 TL Garam Masala
2 Kardamom
1 Stück Zimt
1 Stück Ingwer (ca. 2cm)
1/2 TL Curcuma
50g getrocknete Aprikosen 
Kokosfett

100g griech. Joghurt 


Zuereitung:

Reis mit kaltem Wasser abspülen. Mit 300 ml Wasser bedecken und ca. 20 Minuten einweichen. Blumenkohl putzen, waschen und in Röschen teilen. Zwiebeln und Ingwer schälen und fein würfeln. Kartoffeln schälen, waschen und in ca. 2 cm große Würfel schneiden.

2 EL Öl in einer Pfanne erhitzen. Ingwer und Knofi darin andünsten. Kartoffeln und Blumenkohl zufügen. Mit Salz und Pfeffer würzen. Reis samt Einweichwasser, Curcuma, Masala, Kardamom, klein geschnittene Aprikose und 1 Stück Zimtstange zugeben. Weiteres Wasser angießen, dass das Curry knapp bedeckt ist und alles ca. 10 Minuten zugedeckt köcheln (falls noch etwas Flüssigkeit fehlt, diese zufügen und aufpassen, dass der Reis nicht anhängt).

Für die Röstzwiebeln Kokosfett in einer Pfanne erhitzen. Die Zwiebeln darin kräftig anbraten. Zucker ­darüberstreuen und karamellisieren lassen. Leicht salzen und pfeffern. Zwiebeln über den Reis geben. Joghurt dazu reichen.

Inspiration: lecker 

 

Süß-Sauer eingelegter Kürbis - ca. 3 Gläser:

500g Kürbis, in Stücke von ca 2cm
1 kleine rote Zwiebel
1 Knofi
2 Kardamom-Kapseln
1 Stück Ingwer, ca. 1,5cm lang
1 Nelke
2 Lobeer-Blätter
1/4 TL Salz
4 Piment-Körner
120ml Apfel-Essig
70g Zucker
ca. 150ml Wasser

 

Zubereitung:

Den Kürbis würfeln oder in Scheiben schneiden, die Knoblauchzehen und den Ingwer schälen und beides in feine Scheiben schneiden.

Den Essig mit Wasser und Zucker aufkochen. Wenn sich der Zucker gelöst hat, Knoblauch, Ingwer und die Gewürze dazugeben.

Nun die Kürbiswürfel in den Topf geben und solange auf mittlerer Stufe köcheln lassen, bis sie knapp noch bissfest sind.

Derweil die Gläser sterilisieren - dafür mit kochendem Wasser ausspülen.

Die Kürbiswürfel nun möglichst dicht in die ausgekochten Gläser schichten - zum Rand noch ein wenig Platz lassen. Den köchelnden Sud darauf in die Gläser giessen und diese sofort verschliessen. (Für längere Haltbarkeit die Gläser einwecken).


ver*huhn*zt - Chicken Nuggets aus Tofu

Mittwoch, 20. Juli 2022


Ist das ein schlimmes Wortspiel? Ver*huhn*zt. Bitte! Da rollen sich doch einem die Fußnägel hoch! Wobei es für das Thema, worauf ich hinaus will, eigentlich noch nicht fürchterlich genug ist. *Man* (die Menschheit) bastelt nämlich schwer am Huhn. 

Und zwar haben israelische Forscher 'Hühner per CRISPR/Cas gentechnisch so verändert, dass keine männlichen Nachkommen schlüpfen. Dabei soll nur an die männlichen Nachkommen ein tödliches Gen weitergegeben werden, welches die Küken (Embryo) schon im Ei absterben lässt. Gleichzeitig sollen sich die weiblichen Nachkommen normal entwickeln und als Legehennen eingesetzt werden' (via Agrar-Presseportal). Die*Neuerfindung Huhn* soll sogar schon zum Patent angemeldet worden sein. Und eine amerikanische Kooperation zur Vermarktung hat sich ebenfalls bereits gefunden.

Um solchen Innovationen keine Steine in den Weg zu legen, hält sich die EU nicht mit tiefergehenden Kontrollen auf. Profit first. Die Patentanmelder gehen von einer *100% sicheren Technologie* aus - und derlei Angaben 'scheinen für die EU-Kommission auszureichen, um die Legehennen samt deren Eier von der gesetzlich vorgeschriebenen Zulassungsprüfung und Kennzeichnung auszunehmen'. Prima!

Sehr vermutlich wird eine solche Einmischung in die Natur für *humaner* befunden - schließlich würde der seither völlig *unhumane* Prozess des männlichen Kükenschredderns dadurch abgelöst; bzw. bereits vorverlegt ins Ei. Und wo genau fängt Leben jetzt an... wer will das definieren? Da landet man ja ganz schnell in diesem verschlungenen Klassiker der Philosophie: was war zuerst da, das Huhn oder das Ei. Und wem wird bei derlei Überlegungen nicht ähnlich durmelig wie bei diesem unerträglichen Dauerschleifenkindergartenlied vom dem sich umkehrenden, roten Pferd...  Last but not least: was ist schon human? 

Halten wir also fest: It's all about perspective. Oder wie heißt es ebenfalls so schön: es hat halt alles seine Vor-und Nachteile. Etwa dass durch die Verfahren der neuen Gentechnik auch unbeabsichtigte und unvorhersehbare genetische Veränderungen ausgelöst werden können. Brave New World beginnt u.a mit Frankensteins Hühnern.

Gut, das nennt sich dann wohl (oder übel) Evolution Dreipunktnull: Menschen haben nun mehrere Geschlechter, das Huhn nurmehr nur noch eines. Das wars für den Halunken Hahn. Und sein *Schmäh* wie diese gezeichnete Postkarte von Michael Sawo, wo ihm der ganze Hühnerstall *Hühnerficker* hinterherruft (über die wir uns Mädels in der Pupertät kaputt gelacht haben), gehört eh schon längst nostalgischen Orten an...


 

Noch bekomme ich Eier von unserer Nachbarin (erinnert ihr euch noch an die Putzerhühner?). Und bei der kräht unbekümmert weiterhin der Hahn auf dem Mist. Sollte die mal keinen Bock mehr auf Huhn haben, dann muss ich entweder selbst ran oder auf Eier verzichten. My Erbgut - my choice... oder so...

Zu diesem Thema passt doch wie gemacht das heutige Rezept. Und was soll ich sagen: ich fand diese Nuggets absolut spitze! Jetzt steinigt mich nicht! Ich behaupte ja nicht, dass die Dinger genaus so wie Chicken Nuggets schmecken (als ob ich eine Ahnung hätte wie Chicken Nuggets schmecken). Aber who cares? Die Teilchen schmecken super - das reicht mir völlig. Und wenn ihr euch für diese Tofu-Stückchen andere Namen ausdenken wollt, nur raus damit (jetzt wäre eine Kommentarfunktion doch wieder lustig).

 

Zutaten 4P:

500g Tofu
Marinade:
2 EL Soja-Sauce
2 EL Sonnenblumenöl
1 1/2 TL geräuchertes Paprika-Pu
1/4 TL Curry
1 TL Knoblauchpulver 

ca. 40g Maisstärke gemischt 
mit 1/2 TL geräuchertes Paprika-Pu
Sonnenblumenöl zum Braten

 

Zubereitung:

Am Vorabend Tofu 30min zwischen Küchentüchern beschweren, pressen, damit er etwas Feuchtigkeit verliert. Dann wieder einwickeln (möglicherweise wenn klug geöffnet in die einstige Verpackung) und über Nacht einfrieren, 

Am nächsten Tag komplett auftauen lassen, wieder 30min zwischen Küchentüchern auspressen.

Ofen auf 200°C vorheizen.

Tofu in Stücke rupfen/ zupfen. Die Marinade herstellen, indem alle Zutaten in einer größeren Schüssel miteinander vermengt werden. Die Tofu-Stückchen darin wenden. Dann das Gemisch aus Maisstärke und geräuchertem Paprika-Pulver darüber streuen und den Tofu auch darin nochmals wenden. 

Ein Backblech mit Backpapier auslegen und mit Öl besprenkeln, die Tofu-Stücken darauf verteilen und in 30min backen  knusprig backen.

Anmerkung m: nur die Hälfte gemacht/ bei uns gabs dazu gleichzeitig gebackene Ofen-Kartoffeln, etwas pfannengerühres Gemüse sowie Rohkost. Die *Käse-Sauce* aus Cashews stelle ich ein anderes Mal vor... aber ein Dipp zum Ditschen gehört auf jeden Fall dazu!

Quelle: YT: Healthy Foodie PH 

 

das Böse 1/4 - Sonnenschein-Curry mit Blumenkohl und Orange

Sonntag, 16. Januar 2022

 

 

Anfang des neuen Jahres geht mir das alte noch hinterher. Und zwar hinterließ ein Gespräch über meinen Madagaskar-Aufenthalt bei mir nachhaltige Spuren. Es geht doch nichts über ein persönliches, zugewandtes Gespräch! Einer vom Tribe (coucou Axel) fühlte mir auf den Zahn und wollte genauer wissen, warum ausgerechnet Madagaskar mir derart den Helm verbogen hat.

So fing ich an aufzuzählen: die Not, das Elend, die Armut, der Betrug, die Kinderheime, die homöopathischen Kräfte des Maki, des Chamäleon, der roten Zinnobererde, der Rassismus, die Umweltzerstörung, der Sex-Tourismus, die schwarzen Messen... Ich hätte weiter- und weiterlisten könnten, aber am Ende war ich mit meiner Antwort selbst nicht zufrieden. Ja, wie eigentlich lässt sich diese tiefgehende Erfahrung zusammenfassen. Etwas, das übrigens die eigentliche Kunst einer homöopathischen Arzneimittel-Prüfung ausmacht, nämlich für Prozesse (Arzneimittelstufen) sowie für die Ursubstanz eine Überschrift zu finden - eine Gabe, die im hohen Maße der Habib besitzt und wie es ihm nur wenige gleichtun können.

Ich drehte das Thema in mir hin-und her und dann kam mir das zentrale Thema: auf Madagaskar hatte ich begriffen, dass das Böse böse ist, weil es böse ist, sein will und nicht anders sein kann. Das schüttelte mich damals bei meiner Rückkehr derart (unbewußt) ins Mark, dass ich kotzend über der Kloschüssel hing - ich wollte es schier nicht schlucken.

Das klingt erstmal lapidar - das Böse ist böse, weil es böse ist - doch eigentlich wußte ich bereits dank homöopathischer, konstitutioneller Mittel, dass sich das Wesen, der innere Kern eines Menschen nicht ändern lässt. Homöopathische Menschenbilder bilden das ganze Spektrum ab: von seelenlos bis beseelt. Und die Lehre der Miasmatik stellt dar, wie geistige Verdrehungen gesunde Seelen vernichtet. Denn akut - das gilt es zu unterscheiden - kann jeder mal böse handeln. Im Affekt kann jeder Mensch zum Mörder werden. Wird ein Verhaltensmuster aber chronisch, dann wird ein Geist ebenso unheilbar krank wie es ein Körper werden kann. Das bedeutet weiter: die Unsterblichkeit der Seele ist ein Mythos - ein falscher Mythos! Sonst hätte das Böse keine Konsequenz. Doch nichts, kein Gedanke, keine Tat, bleibt ohne entsprechende Folge!

Nun, trotz diesen  Wissens war ich regelrecht zwanghaft gepolt, mich stets auf die Suche nach dem berühmten guten Haar zu machen. Ja, ich war jahrelang die erste, die versuchte Schandtaten anderer zu entschuldigen (schwere Kindheit, Unsicherheit, Komplexe - so halt). Eben ganz getrieben von der Haltung: das kann man doch unmöglich so Scheiße stehen lassen! Das KANN (das DARF) keine Absicht gewesen sein! Womöglich ist aber genau dieses Ausweich-Verhalten ein degeneratives Phänomen unserer Zeit, denn im Mittelalter war den Menschen die Polarität und die Spaltung von Gut ud Böse bewußt - daran wurde nicht herumgedoktort und schon gar nicht glatt gebügelt in das heute allgemeingültige Narrativ: Jeder ist sowohl als auch. Merke: das mag für einzelne Taten gelten nicht aber für den Kern, nicht aber für chronische Verhaltensmechanismen !!!!

Ein Witz passt dazu gut, der mir gerade begegnet ist: *Ein Mädchen liegt blutend und ausgeraubt auf der Straße. Ein Polizist geht an ihm vorüber. Dann ein Arzt. Dann kommt ein Therapeut. Der schaut sich das Mädchen an und meint kopfschüttelnd: Also derjenige, der dir das angetan hat, braucht dringend Hilfe!*

Uns sind alle Beurteilungskriterien flöten gegangen. Wir wissen gar nicht mehr, auf welche Seite sich zu stellen ist, was anständig oder unanständig, absichtlich oder unabsichtlich getan wird, was noch in Ordnung geht und was nicht mehr, wer aus Affekt oder gezielt handelt. Aber exakt darin scheiden sich die Geister. Der Mensch hat das Interesse an der menschlichen Motivation verloren - und an der Konsequenz seines Denkens und Handelns. Wir sind versumpft im großen Einerlei. Wie heißt es so schön: was ist die größte Macht des Teufels? - Dass keiner an ihn glaubt! Oder aber die Vorstellung von allem Satanischen ist völlig schräg bzw. Hollywood geprägt - es muss schon grusel-thriller-splatter-mäßig Blut spritzen. Doch der ganz schlichte Ausgangspunkt von allem Bösen ist die Lüge.

Greife ich ein konstitutionelles Mittel heraus, dessen prägender Wesenszug ist zu spalten und zu lügen. Dieses konstitutionelle Mittel wird sehr schön von Goethe in *Reinecke Fuchs* beschrieben. Darin läßt Goethe den Fuchs sagen:

"Soll es euch nach Wünschen ergehn, so spart mir die Wahrheit! "
wiederholt ich ihm noch; denn führt sie jemand beständig
unklug im Munde, der leidet Verfolgung, wohin er sich wendet.

Das gleiche Mittel zeichnet auch das Grimmsche Märchen *Bruder Lustig*. Es gibt Menschen, die gezielt andere belügen und betrügen zugunsten ihres eigenen Vorteils. Wie die vielen Fabeln veranschaulichen: der Fuchs muss nur lange genug labern, irgendwann wird der eingewickelte Rabe den Käse schon fallen lassen. Der Erfolg spricht für den Fuchs.

Das wußte ich alles, bevor ich nach Madagaskar reiste. Und doch wollte ich es einfach nicht wirklich wahrhaben. Ganz wie unsere Nachbarin, eine Frau mit einem gleichbleibend nachsichtigen Lächeln im Gesicht, die die Überzeugung vertritt, dass alle Menschen gut sind - doch sämtliche Fenster ihres Hauses ließ sie vergittern. Mit diesem Widerspruch lebte es sich bequem(er). Ich war wohl geprägt wie sie von all diesen schönen Poesie-Album-Sprüchen:

Liebe besiegt alles...Weich ist stärker als hart, Wasser ist stärker als Fels, Liebe ist stärker als Gewalt (Hesse). Die wahre Ambition der Frau ist die Ermutigung zur Liebe (Molière)...uswusf.

Bref, ich träumte den schönsten aller Jungmädchenträume: da muss nur ein bißchen meiner Liebe (so viel Eitelkeit muss sein) drauf, dann wandle ich gar einen Saulus zu einem Paulus. Am Schluß steckt in jedem Menschen ein kleines bißchen Liebenswürdigkeit - man muss sie nur herauskitzeln.

Nach Madagaskar kann ich diese Illusion, diese Verblendung nicht aufrecht erhalten. Gespielte, vorgegaukelte Freundlichkeit ist eben keine echte Freundlichkeit. Zu echter Freundlichkeit ist das Böse gar nicht in der Lage. Das Böse kann nicht anders als böse sein. Und es kann auch nicht anders als sein Gegenüber zu Opfern, Personal oder Nutz- und Wirtstieren zu unterjochen. Das Böse kennt keine Verbundenheit sondern nur Seilschaft, das Böse kennt keine Dankbarkeit sondern nur Nutzen, das Böse kennt kein Gesetz sondern nur Willkür (Zitat eines Miasmatikers: *Wenn ich die Wahl habe zwischen Gott und der Willkür, wähle ich die Willkür*), das Böse kennt kein Gewissen sondern nur Skrupelosigkeit, das Böse kennt keine Wahrhaftigkeit sondern nur Täuschung, das Böse kennt keine Empathie sondern nur Taktieren, das Böse kennt nur Manipulation und keine Freiheit. Das Böse ist böse, weil es nicht anders sein will wie böse - das ist nicht zu ändern, daran kann man nicht rütteln, da gibt es nichts zu retten! Es gilt auch umgekehrt: *Es ist, was es ist* (Erich Fried)

 



Das schreit nach einem Konter-Rezept, um nach schweren Gedanken wieder in leichtere Gefilde zu wechseln. Und da warte ich heute mit einem wirklich sonnig-gelbem Curry auf. Dabei ist das indische Curry so ungewöhnlich wie köstlich, so alltäglich wie feierlich, so unkompliziert wie raffiniert. Ein Glück, bekomme ich Rezepte-Empfehlungen von einstigen Feriegästen (coucou Stephanie) einfach zugeschickt. So macht man sich bei mir immer beliebt! Ich fand das Curry absolut super!


Zutaten für Kamala Phoolkopi:

500g Blumenkohl, in kleine Röschen geteilt
4 Kartoffeln, in 2cm Stücken geschnitten
1 TL Kurkuma
4 EL Öl
2 Lorbeerblätter
1 EL Ingwer, frisch gerieben
2 Zwiebeln, fein gewürfelt
1 TL Cayenne (m: etwas weniger)
2 TL Kreuzkümmel
1 TL Rohrzucker
3 Orangen, filetiert
3 grüne Chili-Schoten (m: nicht aufzutreiben)
Salz
125ml Wasser (m: Gemüsebrühe)

Garam Masala:
4 Gewürznelken
1 Zimtstange
2 Kardamomkapseln 

Zubereitung:

Die Blumenkohlröschen und die Kartoffelstücke in einer Schüssel mit dem Kurkuma mischen. Öl in einem schweren Topf stark erhitzen und das Gemüse darin in 2-3min anbraten - dann zur Seite stellen.

Nun in dem gleichen Topf Lorbeerblätter und Garam Masala geben und 1 min braten. Ingwer, ZwiebelnCayenne, Kreuzkümmel und Zucker zufügen und weitere 1-2 min braten bis die Gewürze leicht zu bräunen beginnen - um sie vor dem Verbrennen zu schützen gegebenenfalls etwas Wasser zufügen. 

Nun das Gemüse und die Orangenfilets von 2 Orangen zufügen (die Filets der dritten Orange dienen zur Dekoration) und 125ml Wasser (m: Gemüsebrühe) anschütten (m: brauchte bei mir etwas mehr, zusätzliche Brühe gab ich wie nötig nach und nach dazu). Etwa 15min mit geschlossenem Deckel sanft köcheln lassen, dabei immer wieder umrühren, bis die Kartoffeln gar sind. 5min vor Ende die grünen Chilis zufügen. Zum Servieren mit den restlichen Orangenfilets dekorieren.

Anmerkung m: bei mir brauchte das Curry etwas länger, damit die Kartoffeln durch waren - dicke Empfehlung, eindeutig gästetauglich!

Quelle: *Indien - das Kochbuch* von Pushpesh Pant

 

Märchenidylle: Curried Cauliflower Cheese Filo Pie - Lava-Style

Sonntag, 7. November 2021

 

Liegt auf diesem Foto unser Dorf *Gigors* nicht wie in einer verzauberten Märchenlandschaft? Der Welt wie enthoben. Fast unecht. Fast zu schön um wahr zu sein.

Eine Kulisse wie gemacht um ins Träumen zu geraten: was wäre wenn auf der Erde alles laufen würde wie im Märchen. Das Gute siegt über das Böse, Lügen haben kurze Beine, der Anständige wird belohnt, auf den Übeltäter wartet die gerechte Strafe. Auf jede Aktion folgt unmittelbar die entsprechende Reaktion und jeder erhält die Konsequenz, den Bumerang seines Tuns direkt um die Ohren gehauen.

Jedes Reden kann die Motivation dahinter nicht verbergen, sondern der eigentliche Grund jeden Sprechens und Tuns liegt offen für jeden sichtbar. Eine wüste Hexe wird durch den Buckel und die Warze auf der Nase verraten, vom Bösewicht geht ein unerträglicher Geruch von Schwefel aus, weil Innen und Außen einander entsprechen, weil Tugendhaftigkeit mit Schönheit einhergeht und Schlechtigkeit mit Hässlichkeit. Alle, die Verantwortung tragen, haben sich diese Ehre erst verdient, durch Redlichkeit und viele guten Taten, mit denen sie sich über Jahre hinweg dieses Amtes würdig zeigten. Neid, Wut, Eifersucht, Missgunst, Hochmut und Ängste werden im Keime erstickt, weil die Menschen über die Jahrhunderte gelernt haben, solche Emotionen gar nicht erst hochkommen zu lassen. Miteinander teilen ist das Selbstverständlichste der Welt.

Habgier, Ausbeutung und Egoismus wurden verwandelt durch eine durchgängig altruistische Haltung den anderen gegenüber. Respekt und Achtung wird allem Leben gezollt, Pflanzen wie Tiere eingeschlossen. Der Mensch lebt zufrieden in Einklang mit seiner Umgebung, macht sich der Natur Untertan und freut sich von morgends bis abends am friedlichen Miteinander aller Geschöpfe.

 


Ein Ertrinken in Harmonie, Frieden und Glückseligkeit!

Kein Spiel mehr von Licht und Schatten.

Und dann? Dann wäre die Polarität aufgehoben und die Erde mit Materie und Geist gar nicht möglich. Und somit der Ort, an dem der Mensch in aller Freiheit Erfahrungen machen kann, um zu Erkenntnis zu gelangen - der Sinn des Lebens - wäre lediglich eine phantastische Idee.

Das darf man sich ins Bewußtsein holen, wenn die Sehnsucht nach eben einem solchen Ertrinken manchmal wie übermächtig über einen kommt. Aber davon zu träumen, tut dennoch gut. Und gar noch besser für all jene, die es vermögen, ihr Leben so weit es geht in diese Richtung zu basteln...

 



Golden wie unser Herbst ist dieser Pie!

Die Rezept-Inspiration habe ich von Ottolenghi übernommen. Mit dem Rezeptetitel ist bereits alles verraten: es schmeckt genauso, wie es heißt. Märchenhafte Versprechung also - es wird nicht geschummelt, es ist ein mummeliges Herbstgericht, knusprig, cremig, mit Käsefäden, bei dem sich die Blumenkohl-Füllung mit dem Anschnitt beinahe (also grobinetwaungefähr) wie Lava ergießt !

Béchamel-Sauce war sehr lange sehr out. Und wißt ihr was: mittlerweile ist mir der Status von Béchamel schietegal. Zumal ich Béchamel-Sauce schon immer mag. Gerade und besonders zu Blumenkohl.

 


Zutaten - kleine Springform: 

ca. 450g Blumenkohl
1 1/2 TL Curry*
2 EL Sonnenblumenöl
Salz, Pfeffer
(m: Thymian)
40g Butter
40g Mehl
ca. 100ml Blumenkohl-Sud*
ein Blubb Sahne
80g Käse, geraspelt (m: Tomme de brebis)
Salz, Pfeffer
etwas heller Balsamico 
ca. 6 viereckige Blätter Filoteig*
flüssige Butter

Zubereitung:

Ofen auf 200°C vorheizen.

Blumenkohl in kleine Röschen aufteilen und in einer großen Schüssel mit Öl, Curry, Salz und Pfeffer marinieren. Die Röschen auf einem mit Backpapier ausgelegtem Backblech verteilen und für ca. 15min in den Ofen.

Aus Strunk und/ oder Blättern einen Sud kochen - dafür die Reste grob hacken und in Gemüsebrühe etwa 10-15min abgedeckt köcheln lassen. Sud abschütten und auffangen.

Die Butter in einem Topf schmelzen und das Mehl einrühren, dabei das Mehl dabei keine Farbe annehmen lassen. Unter stetigem Rühren mit dem Schneebesen den Sud anschütten und aufpassen, dass sich keine Klümpchen bilden. Rühren, rühren bis die Béchamel andickt, dabei den Schuß Sahne unterschmeicheln und die Sauce für die Pie-Füllung etwas mehr eindicken lassen als für eine übliche Sauce. Abschmecken mit Salz, Pfeffer, Muskatnuss und etwas hellem Balsamico (Apfelessig/ Zitronensaft). Ein wenig abkühlen lassen, dann den geraspelten Käse untermischen.

Den Ofen auf 180° runterdrehen.

Eine kleine Springform buttern (Ottolenghi kleidet den Rand mit Backpapier aus - ich habe das nicht für nötig befunden). In einem kleinen Topf etwas Butter schmelzen lassen. Nun die Springform mit viereckigem Filoteig derart auskleiden, dass ein guter Teil auch über den Rand ragt (den will man später entweder über den Pie - so wie ich - oder wie Ottelenghi als vergrößerten Knusperrand über die gefüllte Tarte stülpen. Jedes Blatt Filo wird vorher mit Butter bepinselt und dann übereinander geschichtet bis die Form ausgelegt ist.

Die Hälfte der Béchamel in die Form geben, darauf die Blumenkohl-Röschen, und darauf dann wieder die restliche Béchamel. Die überlappenden Filoteigblätter als Rand darüberdrappieren und ebenfalls wieder mit etwas Butter bepinseln.

Ottolenghi stellt die Kuchenform noch auf ein etwas größeres Blech, damit eventuell herauslaufende Butter nicht den Ofenboden verunreinigt.

Für ca. 25min in den Ofen schieben. Dann den Rand der Form (und gegebenenfalls das Backpapier) entfernen und weitere 15-25min backen bis der Filoteig schön knusprig ist.

Dazu passt ein frischer Salat. 

Anmerkung m: meine Filoteig-Blätter sind rechteckig - ich nahm also 4 Stück und verbastelte die abgeschnittenen Reste (würde etwa 6 viereckige Blätter ergeben). Ottolenghi verwendet nicht wie ich einen Sud aus Blumenkohl-Abschnitten sondern Milch/ Ras el Hanout anstelle von Curry passt auch prima

Inspiration: YT - Ottolenghi Test Kitchen 

 

 

wer *Gigors* hier entdeckt, findet unser Dorf auch auf dem ersten Foto ;-)