Nachspiel zu »Warte«.

»Das Ganze ist eine Allegorie – eine fortgeführte Metapher! – Sie verstehen mich! – Sapienti sat!« Aber viele hochzuverehrende Herren beruhigten sich nicht dabei; die Geschichte mit dem Automat hatte tief in ihrer Seele Wurzel gefaßt und es schlich sich in der That abscheuliches Mißtrauen gegen menschliche Figuren ein. Um nun ganz überzeugt zu werden, daß man keine Holzpuppe liebe, wurde von mehrern Liebhabern verlangt, daß die Geliebte etwas taktlos singe und tanze, daß sie beim Vorlesen sticke, stricke, mit dem Möpschen spiele u. s. w. vor allen Dingen aber, daß sie nicht bloß höre, sondern auch manchmahl in der Art spreche, daß dies Sprechen wirklich ein Denken und Empfinden voraussetze. Das Liebesbündnis vieler wurde fester und dabei anmuthiger, andere dagegen gingen leise auseinander. »Man kann wahrhaftig nicht dafür stehen«, sagte dieser und jener. In den Thees wurde unglaublich gegähnt und niemahls genießet, um jedem Verdacht zu begegnen.

E. T. A. Hoffmann, Der Sandmann

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Warte (3).

»Wie könnte ich sie so listig mit meiner Sehnsucht versehren! Die Ferne wird bewahren, was Nähe nur zerstörte. Ich will uns beide bewahren vor dem Automaten der Höflichkeit, den wir beide so fürchten, weil die Anziehung zwischen uns all die tieferen Gesten nur schlecht beschirmt; weil es die Ruhe in uns aufwühlt, weil wir dann beide rastlos wie in einer Wüste umherwandern müssten. Also bitte, gehen Sie jetzt Ihrer Wege; es war schön, Sie zu sehen, doch nun muss ich mich wieder darauf konzentrieren, weswegen ich eigentlich hier warte.«

Erst als ich mich zwischen den Gassen nicht mehr zurecht fand, hielt ich ein. Es fuhr mir ein Lächeln übers Gesicht, das merkwürdig abstrakt blieb. Ich hielt Ausschau nach etwas, meinen plötzlichen Hunger zu stillen.
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Zweites Zwischenspiel zu »Warte«.

Aus Mangel an Ruhe läuft unsere Zivilisation in eine neue Barbarei aus. Zu keiner Zeit haben die Tätigen, das heißt die Ruhelosen, mehr gegolten. Es gehört deshalb zu den notwendigen Korrekturen, welche man am Charakter der Menschheit vornehmen muß, das beschauliche Element in großem Maße zu verstärken. Doch hat schon jeder einzelne, welcher in Herz und Kopf ruhig und stetig ist, das Recht zu glauben, daß er nicht nur ein gutes Temperament, sondern eine allgemein nützliche Tugend besitze und durch die Bewahrung dieser Tugend sogar eine höhere Aufgabe erfülle.

Friedrich Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches

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