Birmingham

Birmingham, die Stadt von Black Sabbath und Peaky Blinders, fand ich nicht so schön. Aber ich war auch nur einen Tag dort, was ja nicht annähernd ausreicht, um sich ein Bild zu machen. Erschwerend kam hinzu, dass mein Hotel in der Innenstadt, einer Fußgängerzone hinter dem Hauptbahnhof gelegen war. Und hinterm Bahnhof ist es fast nirgendwo schön. Leider sieht es um den ganzen Birminghamer Hauptbahnhof herum so aus, wie hinterm Bahnhof, so viel habe ich während meines Aufenthaltes erkunden können.

Am Abend meiner Ankunft bin ich als allererstes nach Chinatown gegangen, das gibt es in Birmhingham nämlich. Einige Straßenzüge, die ins „Gay Village“ übergehen: Casinos, asiatische Supermärkte und einen Haufen Restaurants. Nur, dass dort am Sonntagabend genau niemand ist, außer mir, in meinem Fall. Naja, sage ich mir, es ist ja Sonntag und Abend, komme ich morgen noch mal wieder. Ich nehme es vorweg: Viele Leute waren da auch tagsüber nicht. Was Birmingham ebenfalls nicht hat, ist eine Touristenformation. Die wollte ich aufsuchen, um eine Stadtrundfahrt/-gang zu buchen. Was Birmingham nämlich auch nicht hat, ist ein Hop-on Hop-off Bus (Es gab mal einen, lese ich irgendwo, aber der ist kaputt gegangen). Ich buche meine Stadtführung also im Internet, wie alle normalen Leute, macht ja nichts.

Es stellt sich dann heraus, und es passt ein wenig ins trübe Bild, dass ich die einzige Teilnehmerin bin. Macht ja aber nichts, so habe ich die Stadtführerin, Hannah, ganz für mich allein. Hannah ist von Birmingham überzeugt: sehr multikulturell (wieder ein Stadtbild nicht unbedingt nach Friederich Merzens Geschmack, immerhin), Peaky Blinders, berühmtes Ballett, Ozzy Osbourne, und die berühmten Kanäle, mehr als Venedig. Die Stadt hat zudem im Zentrum einige vorzeigbare ältere Gebäude aufzuweisen, aus der Zeit der industriellen Revolution und später, einige interessante Museen und Theater. Nichts anderes würde man ja erwarten bei einer Millionenstadt, aber ich hätte auch eine Touristeninformation erwartet gehabt.

Hannah, wie gesagt, bemüht, Birmingham gut dastehen zu lassen, kommt jedoch nicht umhin, mir zu verraten, dass die Stadt 2023 Insolvenz anmelden musste und seit 2024 die Müllabfuhr streikt (nein, das heißt nicht, dass seit 2024 der Müll nicht mehr abgeholt wurde, dafür werden externe Dienstleister engagiert). „Ah,“, sage ich, „Deswegen gibt es vielleicht auch keine Touristeninformation, weil gespart werden muss?“, „Ja“, sagt Hannah, „Das hat wohl nicht die höchste Priorität.“ Sie erläutert, dass Birmingham 2023 die Commonwealth-Spiele ausgerichtet und dafür 936 Millionen Pfund investiert hat, die sich nicht rentiert haben. (936 Pfund, das entspricht ungefähr dem, was sich die SPD-Fraktion im Kölner Rat pro Jahr in die eigenen Taschen veruntreut, denke ich verwundert bei mir. Das sollte doch eine so große Stadt nicht in die Knie zwingen, aber ich sage natürlich nichts).

2025 konnte Birmingham dann wieder einen Haushalt aufstellen. Deswegen hat die Fontäne vor dem Rathaus jetzt auch wieder Wasser. Ein paar Jahre lang konnten sie sich das nicht mehr leisten. Und, nächstes Jahr werden hier die Invictus-Games (die Veteranen-Sportveranstaltung, die Prince Harry ins Leben gerufen hat) stattfinden – Die Infrastruktur haben sie ja schon. Das freut mich aufrichtig für Birmingham, sie haben es augenscheinlich nicht leicht. Ich poste ein paar Bilder aus Chinatown.

Dublin

Ich bin der müdeste Hund. Ansonsten verläuft mein Irland-Urlaub zur vollen Zufriedenheit aller Beteiligten (Maike und Irland). Irland bestätigt alle (sämtllich positiven) Stereotype und ich bezahle dafür viel Geld. Dublin hat sich als weniger adrett herausgestellt als erwartet. Es sieht gar nicht überall aus wie im Trinity College. Stattdessen, neben sechstausend schönen Kneipen und paar anderen alten alten Gebäuden, ein Stadtbild, an dem Friederich Merz was zu meckern hätte (was wir natürlich gut finden. Lebe stets so, dass Friederich Merz Dich früher oder später bei Miosga diskreditiert).

Dublins Kneipenviertel muss sich vor der Kölner Altstadt am Karnevalsdonnerstag nicht verstecken, ein lebhafter Kontrast zum vergleichsweise schläfrigen Belfast. Zum Ausgleich habe ich heute eine Tagestour zu den Cliffs of Moher (berühmt aus „The Princess Bride“ und irgendeinem Harry Potter-Film) und Galway unternommen. Wirklich hübsch, Galway voller bunter Häuser, außerdem touristisch bereits hervorragend erschlossen; mir deutlich zu voll. Aber da darfste natürlich nicht meckern, man ist ja selbst da. Einige Fotografien sind aus der Reise auch schon hervorgegangen, ich präsentiere sie im Folgenden:

City-Panorama Dublin, traditionelle irische Einkaufslandschaft mit Lidl.
„Jedes Schild hat seine Geschichte“ sagt Mrs. Columbo als ich ihr dieses Foto schicke. ich schätze mal, hier haben ein paar amerikanische Tourist*innen in Galway nicht mit der Dreistigkeit der ortsansässigen Möwen gerechnet und wollten die Verantwortung dafür den Betreibern der Lokalität übertragen.
Fußgängerzone in Galway
Die Cliffs of Moher
Botanischer Garten in Belfast

Belfast

Belfast ist berühmt für die Titanic und die IRA. Und auch sonst läuft es nicht so gut. Nee, nur kleiner Scherz für die Pointe. Die Tourismusbranche zum Beispiel hat in den letzten 20 Jahren gute Zuwächse zu verzeichnen. Seit 1996 die ersten beiden Kreuzfahrtschiffe hier anlegten, hat sich Belfast unter anderem zu einem beliebten Kreuzfahrt-Ziel entwickelt. Denn es gibt hier viel zu sehen.

Populär sind beispielsweise die „Black Cab-Tours“. Veteranen der „Troubles“, wie die kriegerischen Auseinandersetzungen um die irische Unabhängigkeit zwischen 1969 bis 1998 genannt werden, fahren Tourist*innen mit dem Taxi zu zentralen Schauplätzen und erzählen ihre Geschichte als Zeitzeugen. Manche der Einheimischen, das sagt zumindest Wikipedia, irritiert diese touristische Verwertung Ihrer Vergangenheit und Gegenwart. Sie finden es befremdlich, wenn die Leute Fotos von der Mauer (sie heißt der „Peace Wall“, ist ja aber eigentlich wegen dem Krieg da) oder den Toren zwischen der katholischen und der protestantischen Wohnsiedlung machen. Es gibt, was ich nicht wusste und ich habe, Asche auf mein Haupt, ein Foto gemacht, immer noch Straßen, die nachts abgeriegelt werden. Und der Tourismus exotisiert dann diesen, zwar weitestgehend befriedeten, aber teilweise immer noch von Segregation und Spannungen geprägten Alltag. Das würde mir vielleicht auch nicht gefallen. Spannend fand ich es, zugegebenermaßen, trotzdem.

Mir gefällt Belfast gut. Die Stadt liegt im Norden an einer Meeresmündung und ist ansonsten von grünen Hügeln umrundet, was für einen Haufen Möwen (City-Möwen, find ich prima) und ein freundliches Flair sorgt. Architektonisch ist die Stadt wenig reizvoll. Man merkt, dass die Leute/die Kommune nicht übermäßig viel Geld haben; auch in der Innenstadt einige Brachen, ungepflegte Fassaden, traurige Betongebäude (ich nenne es „Accidental Brutalism“, super lustig, gerade erfunden.). Aber gleichzeitig ist hier auch einiges los, entsteht Neues, schöne alte Pubs (irische Folklore, das will man ja doch auch, wenn man herkommt, ehrlicherweise). Studentisches und touristisches Treiben, das (quasi) Ende der Troubles, haben der Stadt neues Leben eingehaucht.

Was Belfast aber das einzigartiges Gepräge verleiht, sind die vielen Wandgemälde („Murals“). Zum einen sind da die „klassischen“ politischen Murals mit einer über hundertjährigen Tradition sowohl von republikanischer als auch unionistischer Seite. Das berühmteste Mural ist mutmaßlich das von Bobby Sands, der 1981 im Alter von 27 Jahren bei einem Hungerstreik für die Anerkennung der gefangenen IRA-Mitglieder als politische Häftlinge gestorben ist. Auf republikanischen politischen Murals finden sich häufig Darstellungen mit internationalem politischen Bezug, Abbildungen prominenter Revolutionäre, aber auch allgemeine sozialpolitische Botschaften und natürlich, nicht zuletzt, propalästinensische Inhalte. Die unionistischen Murals zeigen unter anderem die ruhmreiche Militärgeschichte Großbritanniens und es finden sich zwei schöne große Portraits von Elizabeth II und ihrem Sohn, King Charles.

Daneben gibt es zahllose unpolitische Wandgemälde in ganz verschiedenen Stilrichtungen und denkbaren Themen. Insgesamt scheinen die Leute in Belfast gerne Häuser und Mauern, unter anderem auch zu Werbezwecken, anzumalen. Man sieht viele bebilderte Häuser. Klassisches Graffiti, wie ich es von Zuhause kenne, kommt weniger vor. Und ich muss sagen, das Ganze ist unheimlich schön. Diese ganzen bunten Kunstwerke verleihen dem Stadtbild eine große Wärme. Hier guckt mal Leute, wir haben alles schön angemalt, eine Freude für alle! Und basisdemokratisch ist es dazu. Das reißt die teilweise leicht rumpelige Architektur mehr als raus. Ein ein bisschen schöneres Leben ist ohne weiteres möglich, denkt sich die spazierende Touristin.

The Giant’s Causeway

Liebe Leute, ich bin in Irland. Keiner weiß wieso. Aber, wo ich jetzt schon mal da bin, will ich mir paar Sachen anschauen. Zum Beispiel heute den Giant’s Causeway. Der Causeway (oder „Die Giants“ wie wir Kenner sagen), ist eine einzigartige Felslandschaft an der Nordküste von Irland. Weltberühmt (das mit dem einzigartig hab ich nicht nachgeprüft, bin zu müde zum googeln, außerdem gibts seit KI eh keine Wahrheit mehr und so. Derjenige, der zugibt, dass er nicht nachgeschaut hat, also quasi schon mal die Möglichkeit einer Quellenkritik und/oder mehrerer paralleler Wahrheiten in den Raum stellt, hebt sich direkt schon mal intellektuell ab, praktisch).

Causeway ist auf Deutsch ein Damm oder ein sonstiger erhöhter Weg, der es ermöglicht, ein Gewässer zu überqueren. Der Giants Causeway ist eine Basaltfelsformation, die sich über einige Kilometer an der Nordküste Irlands auf der Höhe von Bushmill erstreckt. Es handelt sich um hunderte bis tausende (schwer zu zählen) säulenförmiger Steine, mit um die 50 Zentimeter Durchmesser, teils nur Zentimeter, teils mehrere (bis zu zwölf, ich hab jetzt doch gegoogelt und es sind 40.000, das hab ich jetzt auch noch geguckt, wo ich grad dabei war) Meter hoch. Mich erinnern die Dinger an Lakritzestangen oder Grissini. Raucher*innen denken vielleicht an Zigaretten.

Giant’s Causeway haben sie es genannt, weil es eine ähnliche Formation auch an der Schottischen Küste gibt. Und da haben sich die Leute sowas ausgedacht, dass da mal ein Riese einen Damm gebaut hat, um von Irland nach Schottland oder andersherum übers Wasser zu laufen. Hier Fotos:

Nach Hause

Sitze am Bahnhof St. Pancras, in der Halle, wo man nach dem Einchecken auf den Eurostar-Zug warten muss. Das ist immer ein bisschen stressig und unerquicklich. Zum einen muss man sein ganzes Gepäck, die Betonung liegt auf „Ganzes“, die Wächterinnen und Wächter sind da kompromisslos, in so blöde Wannen hieven damit sie durchleuchtet werden können. Aber die Wannen sind ziemlich klein und es ist nicht ganz einfach und es herrscht ein grober, völlig unenglischer Umgangston mit denen, die sich ungeschickt anstellen. Dann gibts oft noch Mecker, weil man so schusselige Leute wie ich oft vergessen haben, ihr Telefon mit aufs Band zu legen, Hin- und Her, Telefon wird auch noch gescannt, und viel Schimpfe, naja. Dann muss man den Reisepass einmal bei der englischen und einmal bei der französischen Grenzpolizei vorlegen. Besser wär ohne das alles: „England, komm zurück in die EU“ rufe ich dann immer innerlich, entnervt von diesen endlosen Formalien. Aber das ist natürlich mal wieder kompletter Quatsch von mir. Der Reisepass musste in England auch zu EU-Zeiten vorgezeigt werden, soweit ich weiß, und beim Eurostar-Zug sowieso. Und dann sitzt man eine Stunde in der vollgestopften, touristisch unergiebigen Euro-Star-Wartehalle. Würden sie das weglassen, brauchten wir für die Zugreise von London nach Köln und umgekehrt nur gut vier Stunden. Das ist so kurz. Schade wiederum, dass man nach London eigentlich nicht mehr reisen kann, weil es da so unfassbar teuer geworden ist. (Ich fange jetzt nicht an, hier aufzuschreiben, was wie viel kostet, weil das wäre so deutsch und unangenehm, aber es ist so).

Jetzt sitze ich hier, hab mich ins freie Bahnhofsinternet eingeloggt und ein wenig Rückreise-Melancholie. Wenn man auf den Zug nach Hause wartet, erinnert man sich natürlich noch mal dran, wie man auf den Zug gewartet hat, als die Fahrt losging. Ein bisschen schwer ums Herz wird mir dann. Aber, klares First World Problem. Es heißt ja nur, dass die Reise halbwegs schön gewesen sein muss. Obwohl, nicht unbedingt. Es kann natürlich auch um die unerfüllten Erwartungen an den Urlaub getrauert werden.

Mein Urlaub, eine Woche Cardiff war aber gut, wenngleich zwischendurch etwas anstrengend, das Wetter, erst nass, dann kalt, womit ich natürlich gerechnet hatte, nahm dem Ganzen von Zeit zu Zeit die Leichtigkeit. Dafür war ich mutmaßlich die einzige Touristin in ganz Südwales und das ist ja auch toll. Cardiff, das mich an seinen gepflegteren Stellen ja sehr an Bochum erinnert hat, hinterlässt ein gemischtes Bild. Ich war schon etwas überrascht, wie heruntergekommen ich es teilweise fand. Unendlich ziehen sich diese kleinen Reihenhäuser-Ketten (man muss eigentlich das englische Wort nehmen, „terraced houses“) kreuz und quer durch die Stadt. Viele dieser Häuschen haben einen kleinen, durch eine kleinen Mauer begrenzten Vor“garten“. Dort, charakteristisch für Wales, glaube ich, sammeln sich so blaue und rote Plastiktaschen (wie IKEA-Plastiktaschen sehen sie aus), in denen die Leute ihr Altglas vor die Tür stellen. Je nach Ordentlichkeitsehrgeiz sind es mehr oder weniger dieser Plastiktüten und anderer Krempel, der in einem deutschen Nazi-Vorgarten nichts zu suchen hätte.

Ich hätte vorher nicht gedacht, dass das so einen traurigen Eindruck machen würde. Ein kleines Häuschen ist doch was Feines hätte ich gemutmaßt, egal wie klein, man kann es sich ja hübsch zurecht machen. Das ist aber auch, glaube ich, anders zugeordnet. In Deutschland bedeutet „Häuschen“, auch wenns klein ist – spießige (wenigstens untere) Mittelklasse (im Innern verkommen, aber nach außen aufgeräumt) In Wales (und bestimmt auch anderen Bergarbeiter-Regionen Großbritanniens), heißt es Arbeiterklasse. Die sozialen Marker werden dann an der Größe, Anzahl der Stockwerke der Häuser festgemacht (glaube ich, ich hab ja keine Ahnung). Und dazu kommt (wieder nur eine Vermutung, ich bin ja immer zu faul, irgendwas nachzulesen), dass es in Wales traditionell vergleichsweise wenig Mittelklasse gibt, entweder war man Minen-Arbeiter*in oder Minenarbeiter-Ausbeuter*in, dazwischen gab es vergleichsweise wenig.

Aber damit will ich nicht sagen, dass Cardiff mir nicht gefallen hätte. Viele Grünflächen, schöne Museen, ein moderner Hafen als Naherholungsgebiet, und, wie überall in UK, angenehme Menschen. Und „Arbeiterklasse“ bedeutet ja oft auch „Sozialdemokratie“. Und das muss ja wiederum nicht unbedingt sowas Gruseliges heißen wie traditionell in Deutschland. Ich hoffe jedenfalls, dass ich noch mal wiederkommen werde.

Brecon Beacons and Wye Valley

„Brecon Beacons and Wye Valley“, so hieß die Tagestour, die ich gestern gebucht habe, und die so schön war, dass ich für meine Nachwelt mich selbst zum Erinnern, es kurz aufschreiben will. So Tagestouren in kleiner oder auch größerer Gruppe mache ich immer ganz gern, zwischendurch wenn ich allein unterwegs bin. Eine schöne Abwechslung vom alles selbst entscheiden müssen und manchmal ergeben sich lustige oder interessante Begegnungen. Wie auch gestern. Unser Tourguide war „Riki“, ein Name, unter dem ich mir, warum auch immer, eine junge, schwarze Frau (vielleicht wegen Ricky von TikTak Toe, oh je, ist das problematisch von mir? Da ist es dann gut, wenn der Blog nur von der Mutter, dem wohlwollenden Gkrmbl und dem toleranten Klaus gelesen wird, Hallo Ihr drei!) vorgestellt hatte, der sich aber als weißer Boomer-Mann mit grauem Bart herausstellte. Das klingt jetzt aber schlimmer als es war, Riki stellte sich als freundlichste und kundigste Reiseführer heraus, der mir je begegnet ist. Es war so schön. Ich möchte nicht sagen, es wurde der Familienausflug, den sich alle immer wünschen und nie erreichen, aber doch.

Mit von der Partie sind noch Andrew, seine Frau und seine Schwester (die nicht so viel geredet haben wir er und deren Namen ich deswegen nicht mehr weiß). Sie kommen aus Südafrika und besuchen Verwandte an verschiedenen Orten in England, einen davon, einen Cousin aus Bristol, haben sie dabei. Mir fällt auf, dass ich zu „Südafrikanern“ überhaupt kein Stereotyp parat habe, was mich tatsächlich im Umgang verunsichert. (US-Amerikaner*innen: oft nicht übermäßig intellektuell, aber dafür positiv unkompliziert; Australier*innen: fast noch besser gelaunt; Engländer*innen: lustig, gebildet, quirky aber oft auch bisschen arrogant-distanziert; Ir*innen: sauflustig und nett – Natürlich alles Vorurteile, aber eine Vorannahme, auf der man aufbauen kann).

Egal, ich weiß also nicht, was ich von Südafrikaner*innen zu erwarten habe. Andrew jedenfalls scheint einigermaßen konservativ (er fragt Riki, ob die Leute in UK alle Reform wählen, wegen den ganzen „Boat-People“), aber auch halbwegs offen und neugierig. Letzteres ist super (so Fragen nach Familienstand, Berufslaufbahn etc.), weil sich dadurch Rikis instruktive Erläuterungen zu Flora, Fauna und Industriegeschichte von Süd-Wales mit einem freundlichen und interessanten einigermaßen persönlichen Austausch vermischen, was ja eigentlich viel spannender ist. Auf Andrews Frage wie Deutschland so sei, fällt es mir schwer zu antworten? „We have the shittiest Kanzler and our economy is in shambles because the Chinese don’t buys our cars anymore and the stupid CDU-Wählers blame the Ausländers“ – habe ich nicht gesagt. Eher was in die Richtung „Noch ist es ganz okay, aber ich fürchte nicht mehr lange“.

Riki jedenfalls positioniert sich stabil postcolonial. Er findet, dass die Engländer soviel Übel in der Welt angerichtet haben, dass sie es jetzt darauf anlegen sollten, möglichst viel davon wieder gut zu machen. Unser erste Station machen wir bei der Eibe von Llangernyw. Sie ist 5.000 Jahre alt und damit der älteste Baum von Wales. Ich hätte das von selbst nicht erkannt, weil besonders hoch ist sie nicht, die Eibe. Aber ist doch toll! Ich frage Niki, woher man denn weiß wie alt ein Baum ist, wenn noch nicht tot und er erklärt mir, dass man dem Baum eine Probe entnehmen und die dann untersuchen kann. Hätte ich mir strenggenommen selbst denken können. Dann fahren wir durch Merthyr Tydfil. Merthyr Tydfil war zu Zeiten der industriellen Revolution die Eisen- und Kohlehauptstadt der Welt. Riki zeigt, wie der Bergbau die Täler zerstört hat und wiegelt uns erfolgreich gegen die ausbeuterischen Bergwergsbesitzer auf. Böse Familien, die das Geld, was sie aus den Arbeiter*innen herausgepressten, in kitschige Schlösser verbauten. Zu Hochzeiten lebten über Hunderttausend Menschen in Merthyr Tyfdil, jetzt noch gut die Hälfte, die Stadt gilt als eine der unlebenswertesten in Großbritannien. „Was arbeiten die Leute hier denn jetzt, wo es keine Bergwerke mehr gibt?“ fragt Andrew. „Gute Frage“, sagt Riki und denkt nach: „Was arbeiten die Leute überhaupt, immer alle so?“, überlegt er. Eine Frage, die ich mir tatsächlich auch oft stelle, „Was arbeiten die Leute eigentlich alle?“ Klar, manche sind Lehrer*innen, Ärzt*innen, Straßenbahnfahrer*innen, Podcaster oder haben eine Kneipe, aber der Rest?

Wir fahren ins Wye Valley zu den Brecon Beacons, das ist eine Bergkette. Einer der Berge, dessen Namen ich mir nicht merken konnte, auch weil ich so gänzlich unbeeindruckt davon war, ist der zweithöchste Berg von ganz Südengland und Wales (oder so ähnlich), wie Riki stolz erläutert. Da muss ich allerdings innerlich ein bisschen lachen. Weil selbst der höchste Berg ganz Großbritanniens ist ja noch super niedrig (Ben Nevis auf Skye, in Schottland, 1.345 Meter, sorry, aber das ist gar nichts). Dann kommt schon der Snowdon, in Snowdonia, Wales, mit 1085 Metern. Der höchste Berg Englands, der Scafell Pike, misst noch nicht mal tausend, sondern lediglich 978 Meter. Ich finde den Titel „Berg“ sollte ein Hügel auch erst ab einer halbwegs ernstzunehmenden Höhe tragen dürfen, so wie Großstädte ja auch ne bestimmte Einwohnerzahl haben müssen, um sich so zu nennen. Ich hab das Gefühl, wenns um ihre „Berge“ geht, verlässt die Briten ihr eigentlich stets treffsicherer Sinn für Selbstironie Aber vielleicht sollte ich mich da in Milde üben. Sollen sie sich an ihren Hügelchen freuen, die lieben Leut, immerhin sparen sie bestimmt einiges an Geld für Bergrettung.

Der Ausflug geht weiter zu einer alten kleinen Kirche am Hang eines lauschigen Tälchens, in einen leckeren Pub, eine römische Stadt und nach Tintern Abbey, die riesige Ruine einer Abtei, die 1131 von den Zisterziensern gegründet wurde. (Ich wäre ja gern so gebildet, dass ich diese ganzen Mönchsorden voneinander unterscheiden könnte. Jemand würde sagen „die Franziskaner haben dies und das“ und ich hätte direkt eine Meinung zu den „Franziskanern“. Hab ich aber nicht. Wobei: die kommen wahrscheinlich von Assisi und haben deswegen ein besonders strenges Armutsgelübde geleistet? – Nicht schlecht, Maike. Aber sonst weiß ich nichts über Mönchsorden, auch wenn immer versuche, mir sowas zu merken.) Wo wir übrigens auch noch kurz durchgekommen sind, ist Monmouth. Das hat eine tausend Jahre alte Brücke mit Zollhaus. Dort waren gestern, also am Mittwoch, die Aufräumarbeiten von der Flutkatastrophe am Wochenende zu beobachten. Die Leute waren noch dabei, den Schlamm aus ihren Häusern zu schippen. Am Samstag hatte ich ja so Witze gemacht über den vielen Regen in Bath und Bristol, stellte sich heraus, das war gar nicht so witzig und kein normaler Regen, aber zum Glück ist niemand gestorben.

Hier noch ein schönes Mülltonnen-Foto. Die Bilder vom Ausflug hab ich gestern schon alle gepostet.

Südwales

Ich bin der müdeste Hund. Gestern und heute hab ich jeweils einen Tagestrip zu den Sehenswürdigkeiten der Gegend in kleiner Reisegruppe absolviert. Das war sehr interessant und lohnenswert, heute war zudem noch der Reiseleiter unfassbar nett und lustig und es hat richtig Spaß gemacht. Aber jetzt bin ich erschöpft. Aber ich will ein paar Fotos posten.

Cardiff hat eine „Stuttgarter Straße“ und einen „Boulevard de Nantes“ – in honor of its twin cities Stuttgart and Nantes. Das find ich ja sowas von Britische Freundlichkeit mal wieder.

Für Gkrmbl with love!

paar Klippen mit kleine Leuchtturm

Different shades of green

paar Ruinen

Caerphilly Castle, zweitgrößte Schloss in ganz Großbritannien (nach Windsor Castle), das ist mal ein amtlicher schiefer Turm, if I may say so, Pisa!

Bin für Schlösser eigentlich nicht begeisterbar, aber Caerphilly Castle fand ich beeindruckend!

Die älteste oder die kleinste Kirche in Wales (oder keins von beiden) , ich habs vergessen, wunderhübsch jedenfalls

Tintern Abbey

Wye Valley, oder auch ein anderes Valley, wer kann sich das in der ganzen Aufregung schon alles merken

Cardiff

Wenn ich mal groß bin, möchte ich schrullige alte Frau in England sein. Unsereins wird hier mehr wertgeschätzt. Die Leute sind hier einfach alle sehr freundlich, auch wenn man wirr, zauselig und bei allem furchtbar ungeschickt ist. Ich habe das immer wieder ausgiebig getestet.

Gestern morgen war ich in Penarth, einem kleinen Seebad, ca. 5 Meilen westlich von Cardiff gelegen, berühmt für seinen schönen Pier und sonst nichts weiter. So fuhr ich alsbald zurück nach Cardiff, zum Hafen, um dort im „Everyman“-Kino den Film „Running-Man“ zu schauen. Sehr empfehlenswert! „Everyman“ ist eine Luxus-Kette, die Kinos sind schick und haben zudem sehr gemütliche Sessel. Dafür kostet ein Ticket auch 17 Pfund, was deutlich über 20 Euro, also quasi 50 Mark sind. Das noch ungerechnet in Sommerzeit, ergibt wirklich eine Menge Geld für einen Kinobesuch.

Vom Hafen machte ich mich auf den Weg zu einer Bingo-Halle, die ich jedoch, das nehme ich vorweg, niemals erreichen sollte. Lange lief ich durch eine trübselige Siedlung voller winziger, heruntergekommener Reihenhäuser. Ich vermute, dass das mal Häuser von Bergarbeiter-Familien waren (bin aber bis zum jetzigen Zeitpunkt zu faul, die These zu überprüfen). Sowas Trauriges hab ich in der Art auch noch nie gesehen, Kilometerlange Straßen mit diesen kleinen grauen Häusern, ewig nicht neu angemalt oder erst gar nicht verputzt, vernachlässigte Vorgärtchen, selten mal ein kleiner Laden, eine einzige Kneipe, irgendwann kommt eine Kirche. „Mensch, man müsste die Häuserchen doch nur mal ein wenig bunt anmalen und das sähe sehr putzig aus, viel Geld für Farbe bräuchte man auch nicht, Ihr wärt direkt ’ne ernste Konkurrenz für die goldene Gasse in Prag“, wunder ich mich. Aber die Menschen treiben vermutlich dringendere Sorgen um, als mir eine bunte Siedlung zu präsentieren.

Irgendwann wird es dunkel und die Umgebung wird mir nicht geheurer. Ich beschließe, die Expedition zur Bingo-Halle auf den nächsten Tag zu verschieben. Ich steige in einen Bus, auf dem „City-Centre“ steht und fahre zurück zum Hotel. Früher wäre ich in Gegenden, die ich nicht gut kenne, niemals auf die Idee gekommen, Bus zu fahren. Das mache ich ja schon in Deutschland nicht gern. Aber seit ich ein Smartphone habe, springe ich unbekümmert in jeden Bus, von dem ich vermute, dass er auch nur ungefähr da hin fährt, wo ich landen will. Die Gefahr, verloren zu gehen, ist dank Google-Maps ja komplett gebannt. Live kann ich durchgängig verfolgen, wo ich bin. Auf den ersten Blick würden wir sagen: ein klarer Gewinn an Autonomie und Reisefreiheit! Auf den zweiten Blick sorge ich mich ein wenig um unser aller Smartphone-Abhängigkeit. Wenn ich früher irgendwo angekommen bin, hab ich mir immer erstmal nen Stadtplan besorgt, wie sollte ich mich sonst orientieren? Das brauche ich jetzt nicht mehr, versuche aber tatsächlich, das so oft wie möglich trotzdem noch zu machen und das Smartphone so wenig wie möglich zu benutzen. Weil es mich wirklich stört, dass mein Telefon besser weiß, wo ich bin als ich selbst. Früher war es der Herr, der uns den Weg wies, jetzt ist es dieses Gerät. „Ja, aber Onkel Maike, Google-Maps ist doch nur ein gradueller Unterschied zu einer Landkarte“ mögen mir Technik-Positivist*innen jetzt zurufen, „willst Du denn zurück in die Steinzeit?“. Da ist natürlich was dran, muss ich zugeben. Ein Unwohlsein bleibt.

Cardiff, Bath, Bristol

Der erste Urlaubstag verlief anstregender als im Idealszenario vorgesehen. Dabei war es gut losgegangen. Cardiff erinnerte mich bei der gestrigen Anreise direkt an Zuhause, genauer gesagt: Bochum, Innenstadt. Ein bisschen ehrlicher Ruhrpott-Charme ist doch prima, mehr kann ich als bodenständige Nordrhein-Westfälin nicht verlangen.

Heute ging es dann nach Bath, die römischen Bäder anschauen. Ich machte mich auf den Weg zum Bahnhof. Es regnete. Aber darauf war ich (innerlich und äußerlich) vorbereitet. Damit war schließlich zu rechnen gewesen. „Mäßige Gefahr“ durch Regen hatte das Internet vorhergesagt. Naja, „gänzlich ungefährlicher“ Regen wär mir natürlich lieber dachte ich, aber das Leben ist ja kein Wunschkonzert, heute halt ein bisschen Wassermusik. Ich hatte sogar noch mit mir selbst gewitzelt. „Ich werd‘ bestimmt die einzige Touristin im ganzen Land sein, wer ist sonst schon so doof und fährt im November nach England.“ Haha.

Zunächst aber Bath: keinerlei Ähnlichkeit mit Bochum hier, zum Trost dafür von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt. Ich spaziere durch den Regen durch die entvölkerte Stadt zu den Bädern und freue mich, Englands einzige Touristin zu sein, das Museum ist nämlich auch an einem Wochentag im November nur mit Einheimischen richtig voll. Die „Roman Baths“ in Bath sind so weltberühmt, dass sogar ich schon vor Besichtigung genau wusste, wie sie aussehen. Aber es war trotzdem gut, mal dagewesen zu sein und genau die selben Fotos, die alle immer machen, auch noch mal gemacht zu haben. Dann schlendere ich ein wenig durchs regnerische Bath und nehme mir als Hausaufgabe für den Tag vor, ein paar schöne Bilder von Leuten mit Regenschirmen zu machen, eigentlich ein dankbares Motiv.

Ich gehe zurück zum Bahnhof und fahre nach Bristol, was nur 15 Zugminuten von Bath entfernt liegt. Vielleicht ist es da ja ein bisschen trockener, wer weiß. In Bristol angekommen, wo es sich inzwischen ordentlich eingenieselt hat, laufe ich vom Bahnhof in die Innenstadt. Eine warme Nudelsuppe zum Mittagessen wäre jetzt schön und ich halte Ausschau nach einer Ramen-Bude. Bristol präsentiert sich derweil, soweit ich das in der herbstlichen Finsternis erkennen kann, bunt und freundlich. Banksy, von allen Künstlern der Welt, einer derjenigen, die mich am allerwenigsten interessieren, ist der berühmteste Sohn der Stadt. Aber, vielleicht hat er Bristol farb- und graffitifreundlich gemacht (oder es ihn?).

So sehr viel kriege ich von der Stadt allerdings gar nicht mit, den Großteil meiner Aufmerksamkeit muss ich dafür benutzen, nicht in eine der vielen tiefen Pfützen zu treten. Durchgenässte Füße gilt es im Überlebenskampf mit den britischen Gezeiten dringend zu vermeiden. Ich finde eine kleine hübsche Nudelbutze und wärme mich an einer Suppe und Tee auf. Vielleicht regnets ja ein bisschen weniger jetzt, hoffe ich, als es wieder nach draußen geht. Kurz liebäugele ich mit der Idee, vor der Heimreise noch einen Abstecher in den Katzen-Pub von Bristol zu machen, aber die Vernunft siegt. Ich bin eh schon schlapp und es regnet jetzt noch doller. Mich auf direktem Weg zum Bahnhof zu schleppen, wird anstrengend genug. Wann sind denn die Wolken mal leer? frage ich mich ernsthaft.

Als ich am Bahnhof ankomme, ist meine Hose so nass, dass ich sie auswringen kann. Aber meine Regenjacke hat standgehalten und der Pulli ist noch trocken, besonders kalt ist mir also nicht, nur wirklich sehr ungemütlich. Mein schöner Lederrucksack ist komplett durchgeweicht und wiegt jetzt, mit Wasser vollgesogen, drei Kilo mehr. Dafür ist das Handy noch heile, dabei sagt man doch, dass man das nicht ins Wasser werfen soll. Alles in allem bin zwar ermattet aber doch zufrieden. Im Zug zurück nach Cardiff schaue ich mir die Leute mit Regenschirm-Bilder an, die ich gemacht hab, sie gefallen mir alle nicht. Aber ich denke, ich werde noch einiges an Gelegenheiten haben, das Format zu üben. Außerdem auf der Habenseite: Sofern das überhaupt geht, scheinen die Leute in Wales/Südengland fast noch liebreizender zu sein als die Briten ja eh schon sind, alle ausgesprochen zugewandt, gutgelaunt und immer für einen kleinen Scherz zu haben (Ein Schaffner betritt das Abteil und singt „Alle schonmal das Ticket bereit machen“) Wo haben die das fröhliche Naturell nur her? Vom Wetter kann es ja nicht kommen.

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Danke, Dresden

Dresden hat kein Katzencafé. Ein würdiger Abschluss für meine Exkursion, ich hatte nämlich echt keine Lust mehr. Dresden ansonsten lohnt die Reise. Es ist sehr schön, die Frauenkirche, rund, verziert, in Pastellfarben gestrichen, präsentiert sich gemessen an anderen deutschen Gotteshäusern, ungewöhnlich heiter. Der Kölner Dom könnte sich da eine Scheibe abschneiden. Sehr schön auch das Panorama, was sich über dem rechten Elbufer entfaltet. Wilde Wiesen und ein riesiges Schloss, fast ein bisschen schottisch (naja, mit gutem Willen).

Nun sitze ich in einem ICE nach Köln und der Zug ist immerhin schon da, was will ich mehr. Ich habe Snacks, Internet und genug zu lesen. Nur für mich, zur Erinnerung, schreib ich mal auf, was ich in diesem Urlaub alles gelesen hab. Da ich mich sonst schwertue mit Lesen, wg. Internetsucht bin ich richtig stolz auf mich. Aber Lesen entspannt ja auch einfach und es gibt so viele schöne Bücher. Also

  1. „Alles immer wegen damals“ von Paula Irmschler – Eine Mutter-Tochter-Geschichte, die sich dadurch von anderen solchen abhebt, dass einfach beide Frauen ziemlich okay mit normalen Problemen sind. Eine einfache Geschichte, im besten Sinne des Wortes.
  2. „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ von Andrea Wulf – Eine herrliche Lektüre, allerdings ist Humboldt mit seinem abenteuerlichen Leben und seinen bahnbrechenden theoretischen Einordungen auch ein dankbares Sujet. Die Leistung der Biographin, das alles so eingängig und gleichzeitig lehrreich aufzubereiten, schmälert das aber nicht, finde ich.
  3. „Unravelling Oliver: A Novel“ von Liz Nugent – Ein schnöder Krimi/Psychodrama möchte ich das nennen, aber kann man gut lesen.
  4. „The Real James Herriot: The Authorized Biography“ von Jim Wight – Ich bin ja ein großer „Der Doktor und das Liebe Vieh“/“All creatures great and small“-Fan von James Herriot aka Alf Wight, dem Landtierarzt und Millionenbestseller-Autor. Sein Sohn hat eine Biographie geschrieben, die ich sehr interessant finde. Alf Wights Geschichten beruhen alle auf realen Personen, Orten und Ereignissen, aber er hat Dinge verdichtet oder in der Zeit verschoben.
  5. „Die Holländerinnen“ von Dorothee Elmiger – Das mit Abstand interessanteste Buch von allen, die ich im Urlaub gelesen hab. Leider hab ichs nicht wirklich verstanden, aber es war ein großes Lesevergnügen. Der Roman beruht auf der wahren Geschichte zweier Holländerinnen, die im Dschungel von Panama verschwanden und später tot aufgefunden wurden. Das aber ist gar nicht das Aufregende, sondern vielmehr die Perspektive, aus der die Autorin, sich dem Thema nähert. Absolute Empfehlung, hoher Unterhaltungswert bei gleichzeitigem Gefühl, „gute Literatur“ zu konsumieren.
  6. „Playground“ von Richard Powers – Der Guardian nennt es eine „electrifyingly beautiful tale of tech and the ocean“. Mir war es, offen gestanden, ein bisschen zuviel ocean und ich hätte noch ein, zwei andere Kritikpünktchen, aber man kann das sehr gut lesen und das Ende ist dann auch nochmal spektakulär.