Zuletzt gelesen – KW 22

In diesem Artikel besprochene Bücher: „Zauber der Stille“ von Florian Illies (Hörbuch), „Artificial Condition“ von Martha Wells (Hörbuch), „Meine Geschichte der deutschen Literatur“ von Marcel Reich-Ranicki, „Elfenkrieg“ von Bernhard Hennen und Robert Corvus (Hörbuch) sowie ganz kurz „König Midas“ von Luc Ferry, Clotilde Bruneau, Stefano Garau und Guiseppe Baiguera (Graphic Novel).

Dieser Artikel wird ein bisschen schwierig, denn ich bin noch mehr ins Hintertreffen geraten, was meine zu rezensierenden Bücher angeht. Mal sehen, was ich noch aus meinem Gedächtnis klauben kann, bitte um Nachsicht, falls es nicht so viel ist ;-)

Florian Illies: Zauber der Stille

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(c) Argon Verlag

Sprecher: Stephan Schad

Dauer: 6h 27min

Wie wir es mittlerweile von einigen deutschen Autoren kennen, nimmt sich Florian Illies in „Zauber der Stille“ wieder eines bestimmten Zeitraums an, d. h., in diesem Falle dem Leben des „urdeutschen“ Malers Caspar David Friedrich, und setzt die Gesellschaft und die prominenten Persönlichkeiten der Epoche mit diesem in Beziehung. Meiner Meinung nach ist ihm dies in diesem Buch wieder wunderbar gelungen, wenn auch ein paar Zusammenhänge ein wenig an den Haaren herbeigezogen wirken könnten. Ich persönlich kann Illies dies verzeihen, denn insgesamt macht er das schon sehr geschickt, auch mit der Unterteilung des Buches in die Kapitel „Feuer“, „Erde“, „Wasser“ und „Luft“, die vier Elemente also, die sich nicht nur in den jeweils besprochenen Bildern des Malers widerspiegeln, sondern auch in den Ereignissen, die im entsprechenden Kapitel eine Rolle spielen. Vor allem im Kapitel „Feuer“ fand ich das äußerst gelungen. Für den notwendigen Humor ist auch gesorgt, der insbesondere in der Schilderung der, sagen wir, „schwierigen“ Beziehung Friedrichs mit Johann Wolfgang von Goethe deutlich wird. So macht Geschichte Spaß, das Buch, auch als Hörbuch zu empfehlen, hat mich prächtig unterhalten.

Martha Wells: Artificial Condition (The Murderbot Diaries #2)

Coverabbildung
(c) Tor Books

(Cover/Link führt zur Printausgabe, da der Audioverlag (Recorded Books) keine Suchfunktion auf seiner Website hat. Buch gehört über Audible.)

Sprecher: Kevin R. Free

Dauer: 3h 21 min

Murderbot ist wieder unterwegs, und zwar mit einem Schiff, das von einem Bot namens ART gesteuert wird, der im Laufe wieder doch recht kurzen Geschichte zu einem herrlichen Sidekick wird. Vor allem will Murderbot herausfinden, was bei dem Vorfall, bei dem er mehrere Menschen getötet haben soll, wirklich passiert ist. Dabei muss Murderbot wieder ein paar naive Menschen retten, die sich selbst in haarsträubende Gefahren begeben, weil sie um die Ergebnisse einer von ihnen durchgeführten Expedition gebracht wurden. Das Beste an diesem zweiten Band der Murderbot Diaries ist definitiv ART, der süchtig nach Serien ist und nicht gut damit zurecht kommt, wenn diese tragisch enden. Da findet eine regelrechte  Charaktergestaltung einer künstlichen Intelligenz statt, die nicht einmal über einen Körper verfügt. Ich sehe regelrecht das Schild, das Martha Wells möglichen Lesegruppen vor die Nase hält und auf dem steht „Discuss“. Was ich an der Reihe auch beeindruckend finde, ist die Selbstverständlichkeit, mit der auf moderne Lebensmodelle verwiesen wird. Viele Menschen leben in dieser Zukunftswelt in polyamoren Ehen, bunt gemixt, mit gemeinsamen Kindern, Zweierbeziehungen scheinen eher selten zu sein. Auch diesen zweiten Band habe ich sehr gern gelesen bzw. gehört (inzwischen bin ich bis einschließlich Band 4 gekommen).

Marcel Reich-Ranicki: Meine Geschichte der deutschen Literatur

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(c) DVA

MRR ist nicht unumstritten, vor allem weil sein Kanon doch sehr von Männern dominiert ist und er ziemlich arrogante Äußerungen über weibliche Autoren gemacht hat, etwa, dass sie keine Romane schreiben könnten (Quelle: Frauen Literatur von Nicole Seifert). Auch in diesem Buch, das chronologisch nach den Epochen der deutschen Literatur aufgeteilt ist, dominieren die Männer, insbesondere in den ersten Teilen. (Jedem Autor bzw. jeder Autorin wird je ein Kapitel gewidmet.) Immerhin geht Reich-Ranicki auf diesen Punkt in einem den eigentlichen Autorenporträts vorangestellten, sehr interessanten Essays selbst ein und macht dabei folgende Feststellung: „Nun beweist der minimale Beitrag der Frauen zur Literatur und zur Kunst der Vergangenheit noch keineswegs, dass Kreativität und Genie nicht Sache des weiblichen Geschlechts seien. Es wurde schon oft gesagt und kann nicht oft genug wiederholt werden: Die den Frauen in der von Männern beherrschten Welt zugewiesene Rolle hat ihnen die Beschäftigung mit allem Geistigen und Künstlerischen in hohem Maße erschwert, ja unmöglich gemacht.“ (Seite 56/57).

Es hat sicherlich mehr vergessene weibliche Autoren in der Literaturgeschichte gegeben, die MRR nicht bespricht, aber ich muss ihm zu Gute halten, dass ich durch die Lektüre dieses Buches doch ein paar neue Autorinnen gefunden habe, die mich interessieren (etwa Eva Demski).

Der Titel des Buches ist ein wenig missverständlich. Es handelt sich hier nicht um ein zusammenhängendes Werk über die Geschichte der deutschen Literatur. Vielmehr besteht es aus in den langen Jahren seines Schaffens gesammelten Essays über deutsche Autor*innen, die in chronologische Reihenfolge gebracht wurden. Das könnte einige Erwartungen enttäuschen. Auch ich bin eher mäßig mit dem Ergebnis zurechtgekommen, der Band stellt jedoch eine durchaus lohnende Lektüre dar und bietet definitiv viele interessante Informationen. Um mehr über die größtenteils vergessenen weiblichen Autoren zu erfahren, lese ich jetzt „Frauen Literatur“ von Nicole Seifert.

Bernhard Hennen & Robert Corvus: Elfenkrieg (Phileasson-Saga, Band 8)

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(c) Audible Studios

Sprecher: Detlef Bierstedt

Dauer: 25 h 19 min

Achtung, leichte Spoiler für diejenigen möglich, die die ersten sieben Bände noch nicht gelesen haben.

Ab Band 8 der Phileasson-Saga agieren die beiden Ottajaskos erst einmal isoliert voneinander, denn die von Beorn wurde in das alte Tie’Shianna entrückt, in dem der lang zurückliegende Krieg um diese Elfenstadt tobt. Es handelt sich um ein sogenanntes lebendes Bild und Beorn und seine Recken und Schildmaiden müssen bald feststellen, dass die Abläufe um die Eroberung der Stadt jederzeit abrupt enden und wieder von vorne beginnen können. Wie sollen sie aus diesem lebenden Bild entkommen? Phileassons Ottajasko ist derweil weiterhin mit den Siedlern um Aischa unterwegs, um das Tal aus der Prophezeiung ihres Vaters zu finden. Dabei passieren sie unter anderem das Liebliche Feld, die Heimat von Vascal della Rescati und seiner Nichte Leomara. Auch der wieder sehr gelungene Prolog beschäftigt sich mit der Vorgeschichte Vascals und später auch Leomaras. Aufgrund dieses Prologs ist mir Vascal inzwischen richtig ans Herz gewachsen. Die Gemeinschaft reist weiter Richtung Dschungel, wo sie es unter anderem mit Echsenmenschen zu tun bekommen.

Dieser Band hat mir wieder gut gefallen und endet mit einem Cliffhanger, der mich erstmals veranlasste, den nächsten Band gleich hinterher zu hören. Hennen und Corvus halten das in den letzten Bänden aufgebaute Niveau.

Luc Ferry, Clotilde Bruneau, Stefano Garau, Guiseppe Baiguera: Mythen der Antike: König Midas

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(c) Splitter Verlag 

Übersetzung aus dem Französischen von Harald Sachse

Ich habe die Geschichte um den phrygischen König Midas erstmals von Stephen Fry in „Mythos“ vollständig gehört und hatte doch schon wieder vergessen, wie umfangreich diese Sage ist. Auch hier hat mich die Umsetzung des Splitter-Verlags überzeugt, wie die anderen Bände eignet er sich super zur Auffrischung oder auch als Erstkontakt mit dem griechischen Mythos.

Zuletzt gelesen KW48

Ivo Andrić: Die Brücke über die Drina

Coverabbildung
(c) dtv

Das bekannteste Werk des Literaturnobelpreisträgers wird als eine „Chronik aus Višegrad“ bezeichnet und so folgen wir der Geschichte der bosnischen Stadt über mehrere Jahrhunderte hinweg bis zum 1. Weltkrieg. Dementsprechend gibt es hier auch zahlreiche Personen, von deren Leben wir erfahren, die Bewohner einer Stadt, in der Christen, Juden und Muslime zeitweise friedlich zusammenlebten. Zu Beginn des Buches regte sich bei mir leichter Unmut angesichts der negativen Darstellung von Muslimen, was sich im weiteren Verlauf des Buches allerdings nicht fortsetzt. Auch äußerst grausame Szenen erwarten die Leser*innen glücklicherweise nur zu Beginn des Buches. Seid jedoch gewarnt, die entsprechende Passage ist wirklich sehr grausam. Die Brücke ist der eigentliche Protagonist, sie bildet den Grundstock des Romans. Ich habe das Buch insgesamt gern gelesen, es hat jedoch seine Längen und vermochte nicht wirklich, mich zu fesseln.

Liz Williams: A History of Our Own Making – A History of Paganism

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(c) Reaktion Books

Dieses Sachbuch der englischen Historikerin und Science-Fiction-Autorin Liz Williams gibt, wie der Untertitel schon sagt, einen historischen Überblick über heidnische Religionen in Großbritannien. Die Kelten brachten ihre Religion mit, dann die Sachsen und die Wikinger die nordische. Auch im Mittelalter wurden viele Bräuche trotz der Dominanz des Christentums fortgeführt. In der Neuzeit gab es Logen und Zusammenschlüsse von Briten, die Magie und Alchemie praktizierten und in der Moderne schließlich gibt es paganistische Religionen, von den Wicca mit Abstand die bekannteste sein dürfte. Williams berichtet objektiv und gewissenhaft von den einzelnen Strömungen, ihren Protagonisten und deren Theorien, aber auch von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen der Religionsforschung. So führt sie beispielsweise aus, dass selbst feministische Archäologinnen anerkennen, dass es leider substantielle Zweifel an der Theorie des frühzeitlichen Matriarchats gibt, die von Marija Gimbutas propagiert wurde und weitläufig übernommen wurde (so auch von Schriftstellern wie Robert Graves und prominenterweise Marion Zimmer Bradley in „Die Nebel von Avalon“). Ich schreibe „leider“, da auch ich eine Anhängerin dieser Theorie war und mich ungern von ihr abkehre. Aber Wissenschaft ist Wissenschaft und ich bin die letzte, die zur Wissenschaftsleugnerin wird (ich werde diesbezüglich demnächst noch eine Ausgabe von Spektrum der Wissenschaft lesen, lasst es mich wissen, falls euch das Thema interessiert.)

Dass Williams selbst Magie praktiziert und in Glastonbury einen entsprechenden Laden betreibt, hat keinen Einfluss auf ihre sachlichen Schilderungen. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass am Ende des Buches auch ein paar Rituale geschildert werden. Ich fand das Buch äußerst informativ und gut lesbar und konnte ihm einige Anregungen zu weiterer Lektüre entnehmen.

Luc Ferry, Clotilde Bruneau und Giuseppe Baiguera: Antigone (Graphic Novel)

Coverabbildung
(c) Splitter Verlag

Übersetzung aus dem Französischen: Harald Sachse

Ich hatte schon von den Comicadaptionen des Splitter Verlags gehört, diese Ausgabe aber zufällig in der Bibliothek entdeckt. Ich habe die Tragödie von Sophokles gelesen und gemocht und dachte mir, eine Auffrischung meiner Kenntnis des Werks wäre nicht verkehrt. Ich war dann auch wirklich angetan von der Umsetzung des Stücks. Die Autoren schaffen es, die Geschichte so zu erzählen, dass sie für ein breites Publikum zugänglich wird und vielleicht auch bei manchen das Interesse an griechischer Mythologie oder der Klassik weckt. Zeichnerisch war ich zunächst enttäuscht, dass der Stil des Covers sich nicht wirklich im Inneren fortsetzt, allerdings ist das Cover auch mehr ein Gemälde und es ist nachvollziehbar, dass der Comic selbst einen entsprechenden Stil aufweist, der durchaus ansprechend ist.

Fabcaro, Didier Conrad: Die weiße Iris (Asterix, Band 40)

Coverabbildung
(c) Egmont Ehapa

Übersetzung aus dem Französischen: Klaus Jöken

Ja, der neue Asterix. Die Römer stehen vor einem Problem: Die Legionäre wollen plötzlich nicht mehr kämpfen, wenn ihnen nicht danach ist. Schuld daran ist ein Typ namens Visusversus, der Blümchen verteilt und Achtsamkeit propagiert. Schließlich findet er seinen Weg auch in das gallische Dorf.

Der Band nimmt in gutmütiger Weise die Achtsamkeitsbewegung auf die Schippe, diese auf die Römer und ihre Kolonien anzuwenden, ist natürlich urkomisch. „Die weiße Iris“ kommt nicht ganz an „Der Papyrus des Cäsar“ ran, ist aber um einiges besser als etwa „Asterix in Italien“ und stellt eine lohnende und vergnügliche Lektüre da.

Leseupdate KW 38

Für das erste Buch, das ich seit dem letzten Update beendet habe, habe ich leider keine Coverabbildung, da es nur noch antiquarisch erhältlich ist. Es handelt sich um Die Frau im Mittelalter von Erika Uitz. Zunächst muss ich dazu feststellen, dass ich den Titel für etwas irreführend halte. Genauer wäre „Die Frau in der spätmittelalterlichen Stadt“, denn es geht tatsächlich vorwiegend darum, welche Tätigkeiten, Berufe und gesellschaftlichen Stellungen in mittelalterlichen Städten ausüben bzw. innehaben konnten. Das Buch ist mit einer ordentlichen Anzahl von Quellen und Bildquellen versehen, insbesondere letztere stammen aber eben überwiegend aus dem späten Mittelalter, manche sogar aus dem 16. Jahrhundert, das meiner Kenntnis nach schon der frühen Neuzeit und nicht mehr dem Mittelalter zuzurechnen ist.

Es ist interessant, zu lesen, in welch großem Spektrum an Berufen Frauen tatsächlich wirkten und somit ist das Buch auch sehr informativ. Meiner Meinung nach kommen allerdings die Frauen, die eben nicht die Möglichkeit oder die Fähigkeiten hatten, eine solche Stellung zu erlangen, ein wenig zu kurz. Und ich hätte gerne auch etwas über die Landbevölkerung erfahren.

Das Buch ist recht anspruchsvoll und dicht geschrieben, also nicht unbedingt eine leichte Lektüre, aber auch nicht anstrengend zu lesen. Ich habe drei Sterne vergeben.

Als Nächstes las ich eine Ausgabe von Geo und griff dann zur Geo Epoche Nr. 91: Der Kalte Krieg.

Coverabbildung
(c) Gruner & Jahr

Ich muss gestehen: Der Kalte Krieg ist jetzt nicht so mein Thema. Obwohl oder vielleicht gerade, weil ich ihn noch in Teilen miterlebt habe. Zudem frustriert die Lektüre etwas, wenn man bedenkt, dass der Kalte Krieg leider nun wieder aufgeflammt ist und seine Fortsetzung erlebt. Dennoch habe ich das Heft mit Interesse gelesen. Wie bei allen Themen, die nicht weit zurückliegen und daher mit unzähligen Fakten und Informationen daherkommen, ist dieses Heft besonders dicht, ich habe lange dafür gebraucht. Besonders eindrücklich waren für mich die Themen, in denen klar wurde, wie oft und wie knapp die Menschheit im Verlauf des Kalten Kriegs an einer atomaren Katastrophe vorbeigeschlittert ist. Etwa 1983, als ein sowjetischer Computer fälschlicherweise den Anflug von fünf US-Raketen anzeigte, der zuständige Oberst aber Ruhe bewahrte, die Situation richtig beurteilte (da bei einem echten Angriff sicher mehr als fünf Raketen abgefeuert würden) und einen Fehlalarm meldete. Dieser Vorfall ist bis heute eher unbekannt. Ein wenig schmerzlich war außerdem der Artikel über Michail Gorbatschow. Wenn man heute bedenkt, was er bewirkt hat, nämlich das Ende all dessen, und dann darüber nachdenkt, wie Putin das nun zunichtemacht. (Das Magazin macht aber durchaus auch deutlich, dass Gorbatschow mit seinen wirtschaftlichen Reformen gescheitert ist.) Eine wirklich gelungene Ausgabe des Geschichtsmagazins.

Mein beendetes Hörbuch im August war The Lord God Made Them All von James Herriot.

Coverabbildung
(c) Pan Macmillan Audio

Dauer: 12 h, 2 min

Sprecher: Nicholas Ralph

Zu diesem Hörbuch habe ich eigentlich in meinem letzten Update schon alles gesagt. Ich kann aber noch ergänzen, dass ich inzwischen auf Nicholas Ralphs Instagram-Kanal erfahren habe, dass er wieder im Studio ist und offenbar ein weiteres Hörbuch einliest :-)

Als nächstes Hörbuch habe ich mir Das zweite Gesicht von Kai Meyer heruntergeladen.

Coverabbildung
(c) Audible Originals

Dauer: 15 h 6 min

Sprecherin: Luise Helm

Das fing nicht gut an mit uns beiden. Es war sehr schnell absehbar, dass die Protagonistin eine Entscheidung treffen würde, die ich blöd finde, und hatte befürchtet, dass das Buch damit in eine Richtung geht, mit der ich wenig anfangen kann. Ich war kurz davor, es abzubrechen. Tatsächlich traf „Chiara Mondschein“ (ich weiß, den Namen „Mondschein“ gibt es, aber trotzdem…) diese Entscheidung, ich konnte mit dem sich abzeichnenden Plot dann aber mehr anfangen als gedacht und bin dabei geblieben. Es geht grob gesagt um eine junge Frau in den 20ern, die in die Fußstapfen ihrer durch Suizid gestorbenen Schauspieler-Schwester tritt, der sie sehr ähnlich sieht. Außerdem um Spiritismus und etwaige dunkle Machenschaften eines Filmschaffenden. Ein Mystery-Thriller also. Ich habe schon in einem anderen Post angedeutet, dass ich mich nach langer Gruselabstinenz ein bisschen schwertue mit Hokuspokus, allerdings dominiert dieser das Buch auch nicht und gerade hat der Thriller-Aspekt die Oberhand (ich bin über die Hälfte hinaus). Ich bin jetzt also tatsächlich gespannt, was dabei herauskommt.

Angefangen habe ich mit den beiden Büchern, die ich aus der Saarbrücker Stadtbibliothek ausgeliehen habe. Dabei handelt es sich einmal um Lost & Dark Places: Saarland – 33 vergessene, verlassene und unheimliche Orte von Holger Mathias Peifer.

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(c) Bruckmann Verlag

„Lost & Dark Places“ ist eine ganze Buchreihe des Verlags, die sich mit verschiedenen Regionen Deutschlands befasst. Das Buch über das Saarland macht erst mal stutzig, da sich einige der beschriebenen Orte überhaupt nicht im Saarland befinden, einer liegt sogar bei Bad Kreuznach. Aber gut, nehmen wir das Buch einfach als Ratgeber für Ausflugstipps, sind das sicher Ziele, die man vom Saarland aus gut im Rahmen einer Tagestour besuchen kann.

Zunächst einmal gefällt mir, dass dem Text Verhaltensregeln für Lost Places vorangestellt sind. Trotz der übertriebenen Bemühungen des Autors, mittels abenteuerlicher Bezüge (sinngemäß z. B. könne Spielbergs Poltergeist auch in Saarbrücken spielen, weil da ja auch ein alter Friedhof heute anderweitig genutzt wird. Okayyyyy…) eine gewisse gruselige Atmosphäre zu schaffen, hat mir das erste Kapitel gleich gut gefallen. Der alte Friedhof in Alt-Saarbrücken plus jüdischer Friedhof und Deutschherrnkapelle, das ist sicher ein interessantes Ziel, werde ich mir anschauen. Zumal ich von der Deutschherrnkapelle gar nicht wusste, dass sie aus dem 13. Jahrhundert stammt und somit das älteste Bauwerk Saarbrückens ist. Auch das Kapitel über den in meiner Ecke allseits bekannten „Stiefel“ (eine Felsformation) und seine Umgebung fand ich gut, auch das notiere ich mir als Ziel. An einer Stelle brachte mich ein Sprung von den Neandertalern (Faustkeil von Ludweiler) zu den Kelten zum Husten. Da lag doch ein klitzekleiner Zeitraum dazwischen… Die weiteren Kapitel haben mich bisher nicht ganz so interessiert, ich bin inzwischen aber auch im Teil über neuere Bauten angelangt und wie ihr wisst, ich mag es alt ;-) Ich bin kurz vor der Hälfte, lese jeden Abend drei Kapitel.

Meine aktuelle Hauptlektüre ist Die vollständige Maus von Art Spiegelman.

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(c) Fischer Taschenbücher

Ich glaube, über das Buch muss ich euch dank seines hohen Bekanntheitsgrades nicht viel erzählen. Art Spiegelman schildert in zwei Teilen das Überleben seiner Eltern als polnische Juden im Zweiten Weltkrieg. Dabei sind Juden als Mäuse, Nazis als Katzen, Polen als Schweine (nicht despektierlich) dargestellt.

Zunächst dachte ich, als ich den Kommentar von Christine Brink und Josef Joffe las, die das Buch übersetzt haben, dass ich es doch besser auf Englisch gelesen hätte. Tatsächlich haben die beiden das aber so gut gemacht (jiddisch gefärbtes Englisch wurde in jiddisch gefärbtes Deutsch übersetzt), dass ich sogar froh bin, zu der Übersetzung gegriffen zu haben, könnte mir vorstellen, dass das Jiddisch im Deutschen stärker nachwirkt als im Englischen.

Ich bin bereits im zweiten Teil, der bisher in Auschwitz spielt, und wirklich begeistert. Was für eine eindringliche Darstellung der Grauen des Holocaust, aufbereitet in einer so persönlichen und besonders zugänglichen Form. Auch wenn man wenig Affinität zu Comics hat, sollte man sich diesen unbedingt anschauen.

Soweit mein aktuelles Leseupdate. Ich erwarte, dass ich noch heute (Freitag) mit „Maus“ fertigwerde, und werde mir dann erst mal eine weitere Ausgabe von Geo vornehmen (muss endlich mal ein wenig aufholen mit der Lektüre).

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende!

Zuletzt gelesene Bücher – Januar 2022

Im Moment habe ich eine sehr gute Lesephase, sodass ich genug Material habe für Artikel dieser Art. Hier also einige meiner im Januar gelesenen Bücher.

Eva Menasse: Dunkelblum

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(c) Büchergilde Gutenberg

Ein Mantel des Schweigens liegt über dem burgenländischen Städtchen Dunkelblum. Kurz vor Ende des 2. Weltkrieges wurden in dem Ort, der in Wirklichkeit Rechnitz heißt, Dutzende ungarische Juden erschossen, die als Zwangsarbeiter eingesetzt worden waren. Und zwar in einer Nacht, als im örtlichen Schloss eine letzte Party gefeiert wurde, deren entsetzlicher Höhepunkt der Mord an den Juden war. 1989 sind noch etliche Dunkelblumer am Leben, die etwas über die Mordnacht wissen, aber nicht darüber sprechen. Eva Menasse erzählt in ihrem Roman von Versuchen, die Dunkelblumer zum Reden zu bewegen. Von Opfern, Mitläufern und Altnazis, die relativ unbehelligt ihr Leben weiterlebten. Das macht sie mit viel österreichischem Humor und Sprachwitz, der die Lektüre zum Vergnügen macht. Es werden zahlreiche Charaktere eingeführt und Hinweise und Fäden zusammengeführt, doch am Ende ist längst nicht alles geklärt. Hat mir sehr gefallen.

Robert Jordan: The Dragon Reborn/The Wheel of Time Book 3

(c) Orbit

Eine Inhaltszusammenfassung ist aus spoilerischen Gründen bei Reihen ja immer problematisch, deshalb lasse ich das hier. Band 3 von The Wheel of Time ist ein besonders gelungener Teil der Reihe. Die Hauptcharaktere sind zu Beginn über die Westlande verstreut, es gibt Herausforderungen zu meistern und Gefahren zu überwinden, für Nynaeve, Elayne, Egwene und Mat zunächst im White Tower, für Rand, Perrin, Morgaine und Lan südlich der Two Rivers. Das Verhältnis der Charaktere untereinander ändert sich, vor allem Egwene benimmt sich Nynaeve gegenüber wie ein verzogenes Gör, ich hätte ihr gerne mal eine runtergehauen, aber das übernimmt Elayne dann schließlich. Langsam wird deutlich, wie gewaltig Rands Stärke bezüglich der One Power ist (oje, sorry, ich habe leider keine Ahnung, wie das alles übersetzt wurde). Rand ist jedoch auch ta’veren und zieht so zum Ende des Bandes mit der entsprechenden Schwerkraft alle wieder zusammen in Tear. Wie Jordan dabei alle Fäden wieder zusammenführt, ist schon genial. Und above all: Das World-Building! Ich wiederhole mich, aber das ist nun mal der Aspekt, der diese Reihe zu meiner liebsten Fantasy-Reihe macht, ich liebe das so sehr! Dieser Re-Read hat Riesenspaß gemacht.

Monique Lange: Edith Piaf

(c) insel taschenbuch

Übersetzung aus dem Französischen von Hugo Beyer

Der Spatz von Paris, die Piaf, war die wohl größte Chansonnnière überhaupt. Das Chanson ist nicht meine bevorzugte Musikrichtung, aber Piafs Stimme hat so etwas Mitreißendes, dass auch ich sie in meiner Playlist habe (Lieblingstitel: Padam, padam). Das vorliegende Werk ist schwierig als klassische Biografie zu bezeichnen, der Untertitel „Ihre Leben und Texten und Bildern“ lässt dies schon erkennen. Die Autorin hält sich grob an den chronologischen Verlauf des zu kurzen Lebens der Piaf, gelegentlich stiftet sie jedoch Verwirrung, wenn sie Namen von Weggefährten scheinbar als bekannt voraussetzt. Ein krasser Fehler bei der Übersetzung von „petit ami“ („kleiner Freund“?! Ernsthaft?!) im Sinne von „Partner“ lässt mich etwas an selbiger zweifeln. Schön sind die verhältnismäßig vielen Fotos. Für mich persönlich war das Buch als Informationsquelle über Edith Piaf ausreichend, wer sich allerdings intensiver mit ihr beschäftigen möchte, möge nach einer anderen Biografie suchen.

John Burnside: The Dumb House

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(c) Vintage

Deutscher Titel: Haus der Stummen

Lange schon wollte ich diesen Erstling von John Burnside lesen, denn ich wusste, dass er viele zu Fans des schottischen Autors gemacht hat. Zu Grunde liegt dem Buch die persische Legende von Akbar dem Großen, der ein grausiges Experiment durchgeführt haben soll: Er ließ eine Reihe von Neugeborenen nur von stummen Menschen versorgen, um herauszufinden, ob die Sprache dem Menschen angeboren ist oder erlernt werden muss. Ein solches Experiment führt auch unser Protagonist durch. Schon die Beschreibung der Kindheit des Protagonisten lässt erkennen, dass hier eine Störung irgendeiner Art vorliegt, dem Jungen fehlt es an jeglicher Empathie. Die Nüchternheit, mit der er grausame Dinge tut, führt bei den Leser*innen unweigerlich zum Entsetzen. Ich musste wiederholt an die Figur des Humbert Humbert aus Lolita denken, auch wenn die begangenen Verbrechen ganz anderer Natur sind, empfand ich den Umgang des Protagonisten mit den eigenenen Taten ähnlich. Gleich zu Beginn wird klar, dass die beiden Kinder, mit denen er das Experiment durchführte, dieses nicht überlebten. Was jedoch das Ergebnis angeht, will ich euch nicht spoilern. Das Ende des Romans fühlt sich ähnlich kalt und ohnmächtig an. Ein sehr düsteres, sehr faszinierendes Buch. Triggerwarnung für Gewalt an Tieren und Menschen.

Sarah Andersen: Oddball

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(c) Andrews McMeel Publishing

Eine deutsche Ausgabe lag zum Verfassungszeitpunkt dieses Artikels noch nicht vor.

Zum Schluss noch etwas Leichtes, Humoriges. Ich liebe die Sarah’s Scribbles-Cartoons von Sarah Andersen! Ich bin zwar kein Millenial, sonder Generation X (oder Golf), aber sie spricht mir aus der Seele, ich erkenne mich wieder in ihren Zeichnungen. Denn sie ist wie ich vor allem eines: introvertiert. Das gilt auch für diesen neuesten Band, der mir wieder viel Spaß bereitet hat. Da gilt der alte Spruch: „Es ist so lustig, weil es wahr ist“.

Sarah Andersen: Adulthood is a Myth

(c) Andrews Mceel Publishing
(c) Andrews McMeel Publishing

 

Viele von euch werden die kurzen Comic-Strips von Sarah Andersen von Twitter kennen. Gerade wir Buchmenschen gehören zu der Zielgruppe, die die Zeichnerin anspricht. Diese Zielgruppe ist außerdem vor allem eins: introvertiert, oft verbunden mit sozialen oder sonstigen Ängsten. „Socially awkward“ könnte man im Englischen sagen.

So erkennen wir uns in den Sarah’s Sribbles-Strips wieder, sie trifft vieles auf den Punkt, ob es um unser Verhalten gegenüber Katzen, beim Einkaufen (wer kennt nicht den Buchladen-Strip?) oder Wäsche waschen geht.

Ich bin etwas älter als die rundäugige Hauptfigur und kann mich doch sehr gut mit ihr identifizieren. Das Buch ist nicht sehr umfangreich, hat mir jedoch eine sehr vergnügliche Stunde beschert, in der ich mehrfach laut lachen musste.

Eine Empfehlung für das Heer der unverstandenen Introvertierten. Vielleicht auch geeignet als Verständnisförderer für Extrovertierte ;-)

Auf Sarahs Facebook-Seite könnt ihr euch ihre Strips mal ansehen: https://www.facebook.com/DoodleTimeSarah/