Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Spontaner Helsinki-Kurztrip

Der kleine Herr Maus nahm gestern an einem Kletterevent an einer imposanten Felswand in der Nähe von Helsinki teil. Wir fuhren ihn bereitwillig hin, denn während der kleine Herr Maus klettern war, machten der Ähämann und ich uns einen schönen Nachmittag in Helsinki.

Wir liefen ziellos durch die Strassen, sassen sowohl zum Mittagessen als auch zum Kaffeetrinken draussen, liessen uns die Sonne auf die Nasen scheinen und stiegen zuletzt noch, als das Licht schon anfing, sommerabendweich zu werden, die Treppen zum Dom hinauf.

Das Schönste, was ein arbeitsloser Berliner Architekt je entworfen hat!

Václav hatten wir in einer Tiefgarage unter einem Einkaufszentrum gelassen, wo er sich in aller Ruhe den Bauch mit preiswertem Strom vollschlagen durfte.

Von dort aus hätten wir bequem mit der S-Bahn ins Stadtzentrum fahren können, aber ich wollte lieber die neue Schnellstrassenbahn, von der der Ähämann neulich schon so geschwärmt hat, ausprobieren und anschliessend mit der Metro weiterfahren. Was man eben ganz dringend tun muss, wenn man vom Lande in die grosse Stadt kommt und Team Schienenfahrzeuge ist…!

Nicht nur, dass Helsinki jetzt zusätzlich zu Metro und Strassenbahn noch diese tolle, fast 25 Kilometer lange Schnellstrassenbahnlinie hat. Helsinki wird auch in den nächsten Jahren die vierspurige riesige Strasse vor dem Hauptbahnhof in eine autofreie Zone umwandeln. Und neulich wurde in Helsinki die längste Brücke Finnlands – vom Stadtzentrum zu mehreren Inseln mit grossen Wohngebieten, aber auch dem Helsinkier Zoo – eröffnet; allerdings nur für Fussgänger*innen, Radfahrer*innen und die Strassenbahn, denn man könne es schliesslich nicht allen recht machen, und den Autofahrer*innen sei, so sie denn unbedingt ihr Auto benutzen müssten, der Umweg wie bisher übers Festland ja durchaus zuzumuten. Das ist mal eine zeitgemässe Attitüde!!!

Die als Pride-Flagge lackierte Strassenbahn wird übrigens am 27. Juni die Helsinkier Pride-Parade anführen. ♥

Wenn morgen in Turku nach zwanzig Jahren Hin und Her endgültig darüber abgestimmt wird, ob hier (wieder) eine Strassenbahn gebaut werden soll oder nicht, und die Stadt der Autofahrer*innen die Sache, womit man leider rechnen muss, endgültig vergeigt, dann werde ich wohl nach Helsinki umziehen müssen!


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Museumsnacht

In Turku ist immer entweder am Mittwoch vor Himmelfahrt oder an einem Samstag Ende Mai Museumsnacht, mit freiem Eintritt in alle Museen und oft auch ein bisschen extra Programm.

Wir haben uns dabei wahlweise schon fast den A… abgefroren oder in Sommerkleidung spätabends noch auf einer Museumswiese gepicknickt. Im finnischen Frühsommer ist alles möglich.

Gestern war es zwar eher warm, dafür regnete es in Strömen. Ich freute mich eigentlich sehr darüber, denn es hat seit dem letzten Schneefall Ende Februar keine nennenswerten Niederschläge mehr gegeben: wir haben seit Wochen Waldbrandwarnstufe, die gerade erst zaghaft grün gewordenen Wiesen sehen braun und staubig aus wie im Hochsommer, und es gibt Birken, die haben nach den ersten Blättchen einfach aufgehört, weitere auszutreiben. Das Wasser war bitternötig.

Unsere Museumsnacht lief deshalb diesmal darauf hinaus, in Regenklamotten verpackt von einem Museum zum anderen zu radeln. Ich fing direkt nach der Arbeit damit an, der Ähämann stiess zwei Stunden später, als er mit dem Zug von seinem wöchentlichen Tampere-Tag zurückgekommen war, dazu.

(1) Apothekenmuseum.

Das Apothekenmuseum ist ganz niedlich – es befindet sich im ältesten noch erhaltenen Haus Turkus, das nie eine Apotheke war, und neben historischen pharmazeutischen Dingen kann man deshalb auch ein paar original eingerichtete Wohnräume angucken. Es ist wirklich sehr klein, und die vielbeworbene derzeitige Sonderausstellung zu historischen Hausmitteln beschränkt sich auf fünf Schautafeln.

(2) Kunstmuseum.

Im Kunstmuseum war ich vor zehn Jahren zum letzten Mal. Die Sonderausstellung mit Landschaftsbildern, die mir damals jemand, von dem ich nicht mehr genau sagen kann, wer es war, die mich aber gut genug kannte, um sie mir mit den Worten „Es gibt da viele Kühe zu sehen“ anzupreisen, habe ich dann doch irgendwie nicht geschafft anzugucken, und sonst hat mich da irgendwie nichts so richtig hingelockt.

Diesmal haben mir die fotografierten Blumen, die halb gemalt, halb fotografiert aussehen, am besten gefallen.

(3) & (4) Aboa Vetus & Ars Nova.

Dieses Museum ist ein bisschen kurios. Es war als eins geplant – und wurde als zwei Museen fertiggestellt. Als nämlich 1995 eine ehemalige Fabrikantenvilla zu einem Museum für moderne Kunst umgebaut werden sollte, stiess man bei den Bauarbeiten – sowas passiert hier öfter – auf gut erhaltene Mauerreste aus dem Mittelalter.

Seitdem kann man sich im Keller Ausgrabungen angucken, und in den zwei Stockwerken darüber moderne Kunst.

Im Keller waren wir wirklich schon sehr oft, aber man lernt ja doch immer noch was Neues. In dem Häuschen auf der für vier Jahrhunderte einzigen Brücke Turkus – heutzutage sind es sieben – befand sich eine Buchhandlung!

Ich musste ein bisschen quietschen. Schade, dass die Brücke dem heutigen Verkehr nicht gewachsen wäre und schon 1899 durch die heutige Brücke – ohne Buchhandlung – ersetzt wurde.

(Vielleicht hoffentlich fährt auch bald wieder eine Strassenbahn drüber. Am Montag wird in Turku endgültig abgestimmt. Es sah noch nie so gut aus, aber es wird extrem knapp werden. Wenn. Seufz.)

In den oberen Stockwerken waren wir schon länger nicht. Auch diesmal haben uns die Kunstwerke – darunter ein etwas merkwürdiger Picasso – nicht vom Hocker gerissen. Aber die Geschichte von Hulda & Lilli war extrem toll.

Links geht’s zu Hulda, rechts zu Lilli.

Hulda ist ein Chamäleon, das jeglichem Fressen, das vor ihrer Nase rumhüpft, nicht widerstehen kann. Dabei sollte sie, denn wenn sie zu viel frisst, produziert ihr Körper zu viele Eier, und ist dann damit überfordert. Ihre Tante und zwei ihrer Cousinen sind schon daran gestorben.

Lilli ist eine Wanderheuschrecke, die es als einzige ihrer zahlreichen Geschwister geschafft hat, aus dem Ei zu schlüpfen und zu überleben. Sie bleibt auch weiterhin allein, weil in ihrem Körper ein Parasit lebt, der ihr Verhalten so ändert, dass sie sich keinem Schwarm anschliesst.

Die Texte und Fotos könnten ein wunderbares Kinderbuch ergeben: vermenschlichte Tiere, niedliche Fotos, spielerische Vermittlung von biologischen Fakten. Am Ende treffen Hulda und Lilli auf einer grossen Leinwand in einem fünfminütigen Film aufeinander. Spoiler: es geht für beide nicht gut aus.

(5) Biologisches Museum.

Danach waren die Dioramen im Biologischen Museum regelrecht langweilig.

(6) Sibeliusmuseum.

Das war das einzige Museum, in dem wir zum ersten Mal waren. Es ist ebenfalls nicht besonders gross – am grössten ist der Raum in der Mitte, in dem Konzerte gegeben werden können. Es gibt zwei oder drei Schaukästen über das Leben und Werk von Jean Sibelius, und eine Sammlung verschiedenster historischer Instrumente.

Ich habe zum Beispiel gelernt, was ein Jouhikko ist. Und es gab eine Auswahl von Vogelflöten aus einem 150-stimmigen Vogelflötenorchester, das zu irgendeinem – welchem genau, habe ich vergessen – Ehrentag des Gründers des Museums aufgetreten war.

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Erst um elf waren wir, etwas hungrig, etwas müde und auch etwas durchweicht, wieder zu Hause.


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Mai-Schnipsel

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Musik.

Leider wird diesen Sommer schon das dritte Mal in Folge das Musiklager für uns ausfallen. Wenigstens spielt ein Kind noch im Schulorchester!

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Neue, alte Aufgabe.

Apropos. Ich bin dann jetzt, solange das Fräulein Maus weg ist, wieder fürs Harfestimmen zuständig.

(Sie vermisst ihre Harfe, die Eisbadesauna und ab und zu eine Voisilmäpulla. Sonst nichts.)

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Anbaden.

Am Sonnabend haben wir die Sommersaunasaison in der Sauna am See eröffnet.

Das Mökki am Ufer gegenüber stünde zum Verkauf, wurden uns die örtlichen Neuigkeiten mitgeteilt. Aber wer braucht schon ein eigenes Mökki, wenn es solche Plätze gibt?!

Auf dem Weg zum See lief ein Wolf vor uns über die Strasse. Ich hielt ihn zuerst für ein Reh – Rehe nehmen hier seit ein paar Jahren dermassen überhand, dass man sie einzeln oder in Gruppen zu jeder Tages- und Nachtzeit irgendwo sehen kann, und uns hat dieses Jahr wieder eins im Vorgarten sämtliche Tulpen samt Zwiebeln weggefressen – aber dann bewegte sich dieses vermeintliche Reh irgendwie komisch, und inzwischen waren wir auch näher gekommen, und dann hielten wir an und guckten ihm fasziniert hinterher, wie er über das Feld davonsprang, sich am Waldrand nochmal umguckte und dann in den Wald verschwand.

(Der grosse Herr Maus war bisher der Einzige in der Familie, der schon mal einen Wolf in freier Wildbahn gesehen hatte.)

***
Volljährig.

Seit gestern gibt es nur noch einen Minderjährigen in unserer Familie.

Zur Feier des Tages gab es nicht nur Geschenke und Kerzen und Torte, sondern auch die frohe Botschaft, dass der grosse Herr Maus das Deutschabitur trotz etwas hektischer Umstände mit Bestnote bestanden hat.


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viisisataakolmekymmentäviisi

Das ging schnell – die 535 kam nur ein paar Tage, nachdem ich die 534 gesehen hatte, an der Schule vorbeigefahren .

Apropos Schule. Rechtzeitig vor Sommerferienbeginn in drei Wochen wird mal wieder eine alte Kuh durchs Dorf getrieben: es wäre doch besser, wenn die Sommerferien nicht mehr Anfang Juni anfangen würden, sondern erst nach Mittsommer, und dafür bis Ende August gehen würden.

Ich weiss nicht, welches perfide Ziel unsere derzeitige Regierung damit jetzt wieder verfolgt, denn die offiziellen Begründungen sind Nonsens: warum sollten wir zur gleichen Zeit Ferien haben müssen wie der Rest Europas?! Und wenn Eltern übers Schuljahr 14 Wochen Ferien betreuungsmässig mit ihren eigenen 5 Wochen Urlaub nicht stemmen können, dann können sie das doch genauso nicht, wenn sich die 14 Wochen auf andere Zeiten verschieben?!

Neuerdings werden auch klimatische Aspekte angeführt. Im August hat es in den letzten Jahren rein statistisch zwei oder drei Sommertage mehr gegeben als im Juni. Aber genauso, wie es in Finnland im Juni entweder schon hochsommerlich heiss oder noch bitterkalt sein kann, so kann der August sich entweder noch spätsommerlich oder schon sehr herbstlich präsentieren. Da ist man mit der Verschiebung der Sommerferien keinesfalls auf irgendeiner sicheren Seite. Worauf hingegen hundertprozentig Verlass ist: die Tageslänge! Genauso grausam, wie ich es empfinde, deutsche Kinder bis weit in den Juli hinein bei 30 Grad im Klassenzimmer hocken zu lassen, ist es, finnische Kinder bis Ende Juni zur Zeit der hellen Nächte um acht zum Unterricht antanzen zu lassen.

Die Lehrer*innen sind übrigens geschlossen gegen eine Verschiebung der Ferien. Ob der Herr Bildungsminister mal im Mai in ein paar Klassenzimmer kommen wolle, schlug letzte Woche eine Lehrerin öffentlich vor, und sich vielleicht mal angucken möchte, was für Unterricht noch möglich ist, wenn ab Anfang Mai alle ferienreif und wegen der hellen Nächte – weil sie entweder nicht schlafen können oder wollen; ich persönlich finde auch letzteres völlig legitim – übermüdet an ihren Pulten hocken. (Eine Erfahrung übrigens, die wir im Hort ganz genauso machen. Selbst die „braven“ Kinder drehen ab Anfang Mai von jetzt auf gleich alle am Rad.)

Mal ganz davon abgesehen, dass das ganze Schuljahr umorganisiert werden müsste: Schulhalbjahre gehen hier von August bis Weihnachten und von Januar bis Ende Mai – man müsste also eigentlich auch den Zeitpunkt der Herbst-Zeugnisausgabe verschieben, wenn die Sommerferien später anfangen. Ausserdem wäre es eine sehr lange Zeit, die die Schüler*innen von den Skiferien im Februar bis Mittsommer ohne Ferien – wir haben keine Osterferien – durcharbeiten müssten.

Dafür allerdings hat der Bildungsminister seit letzter Woche auch einen Vorschlag: man könne ja dann noch eine Woche Ferien im April einschieben. (Nicht etwa rund um Ostern, sondern explizit eine Woche extra.)

Wir sollen also nicht nur auf Ferien in der magischen Frühsommerzeit im Juni verzichten, sondern auch noch eine Woche Sommerferien opfern, um im schrecklichsten Monat im finnischen Jahreslauf eine Woche frei zu haben?!

Grandios. Wie alles, was diese unsägliche Regierung bisher süffisant lächelnd zum angeblichen Wohl des Volkes durchgesetzt hat.

(Nur noch ein Jahr. Nur noch ein Jahr. Nur noch ein Jahr.)

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Ein Kommentar

viisisataakolmekymmentäneljä

Meine kleine Regelwidrigkeit vor drei Wochen ist inzwischen ausgebügelt, denn bevor ich die 534 sah – schon vorletzten Freitag, als der kleine Herr Maus ein kleines Klavierkonzert in der Musikschule gegeben hatte und der Ähämann, der kleine Herr Maus und ich hinterher gemeinsam auf dem Heimweg waren – begegneten mir, denn so ist es ja immer, noch mindestens fünf weitere 533en.

Sogar bei uns wird es jetzt langsam frühlingshaft. Das lange Wochenende wäre vermutlich ganz wunderbar gewesen, wenn ich nicht seit einer Woche mit Halsschmerzen, vereiterter Nase und kommendem und gehendem Fieber herumkrepeln würde. Ich hoffe, dass das dann schon mal die obligatorische Maiflunssa war. Denn wo ich noch eine unterbringen soll in den – Zwickt mich mal! – knapp vier Wochen bis Sommerferien, weiss ich wirklich nicht.

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Schwimmendes Ungetüm

Als wir am Sonntag gerade unsere kleine Wanderrunde hinter uns gebracht hatten, piepste mein Handy: „Falls ihr auf Ruissalo seid – das Kreuzfahrtschiff läuft heute 18:15 Uhr zur Probefahrt aus.“

(Die Werft hält sich mit genauen Angaben üblicherweise bedeckt, aber der deutsche Buschfunk hat hervorragend funktioniert. Danke an alle Beteiligten! ♥)

Wir warfen daraufhin alle unsere Pläne für den Rest des Nachmittags über den Haufen, verzichteten auf das obligatorische Ausflugseis und fuhren stattdessen schnurstracks zurück nach Turku. Ich warf die gerade fertig gewordene Wäsche über die Leine, wir suchten schnell Besteck und Ausflugsteller zusammen und packten sie in die KühlWarmhaltetasche, dann fuhren wir mit Umweg über den Lieblingschinesen, um ein längst überfälliges Mittagessen einzusammeln, auf die hinterste Spitze der Hausinsel.

Während wir auf einem sonnigen Felsen picknickten, sahen wir auf der MarineTraffic-App, wie sich vier Schlepper rund um das Riesenschiff positionierten und wie es sich langsam in Bewegung setzte. Und dann dauerte es gar nicht mehr lange, bis das Ungetüm hinter dem Wald auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht auftauchte.

Ich sag mal so: man kann dieses neueste grösste Kreuzfahrtschiff der Welt – es ist inzwischen das dritte seiner Art – ziemlich hässlich finden. Man kann die Vorstellung, seinen Urlaub gemeinsam mit 8000 anderen Leuten in einem schwimmenden Vergnügungspark zu verbringen, für völlig absurd halten. Man kann Kreuzfahrten angesichts der Klimakrise generell missbilligen.

Aber faszinierend ist es schon. Vor allem, wenn man bei seinem Bau quasi dabeigewesen ist.


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Blauweiss statt Gelb

Gestern waren wir wegen des frühlingshaften Wetters seit ewig mal wieder auf dem „gefährlichen“ Wanderweg auf der überübernächsten Insel.

Wir sind wirklich sehr lange nicht dagewesen.

(Der kleine Herr Maus ist in letzter Zeit selten für solche besseren Spaziergänge zu begeistern gewesen. Aber weil er von Freitag auf Samstag mit seinem langjährigsten Schulfreund im nahegelegenen Nationalpark zelten und insgesamt 30 km wandern war, war es anschliessend genau die richtige Aktivität für ihn.)

Ich hatte zwar vor Monaten davon gelesen, es aber inzwischen wieder vergessen, weswegen ich mich am Fähranleger jäh mit der bitteren Realität konfrontiert sah: unsere gelben Autofähren sind jetzt blauweiss.

Ist auch schön. Und ich will auch gar nicht jammern. Aber wo doch Autofährengelb meine allerliebste Lieblingsfarbe war…!


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viisisataakolmekymmentäkolme

Am Samstag habe ich die Regeln des Kennzeichenspottens ein bisschen gedehnt.

„Wasser heute +7°C“

Die kleine Eisbadesauna auf dem Lande hat ein sehr ausgeprägtes Stammpublikum. Leena macht den besten Aufguss. Antti redet immer sehr nett mit allen. Hannu hat ein schwarzes Pakettiauto mit der 533.

Ausgerechnet an dem Samstag, nachdem ich endlich die 532 gesehen hatte, war er zum ersten Mal, seit wir da hingehen, nicht da. Diesmal kam er auch erst nach uns und fuhr vor uns wieder weg; ich habe aber mal kurz um die Sauna herumgelunzt, ob sein Auto am angestammten Platz steht und dann darauf verzichtet, einen wirklichen Blick auf das Kennzeichen zu werfen. Ich suche dann jetzt trotzdem die 534.

Da sich in der Sauna alle mit Namen kennen, gab es vorgestern ein lustiges Zweitnamenraten: es fehlte natürlich nicht der unvermeidliche Juhani – der häufigste männliche Vorname in Finnland, allerdings nur, wenn man die Zweitnamen mitzählt – es gab aber auch drei ziemlich seltene Namen: eine Alviina, einen Ylermi und eine nach ihrem ein paar Tage nach ihrer Geburt verstorbenen Grossvater Martti benannte Marttina.

Im März war ich übrigens einmal ohne den Ähämann dort, dafür mit dem Leihkind und seiner Mama. Antti, der immer mit allen nett redet, fing gleich, als er hörte, dass wir Deutsch miteinander redeten, der Mama des Leihkinds zu erzählen an, dass in die Sauna auch regelmässig zwei andere Deutsche kämen. „Das sind wir,“ sagte ich lachend. „Nein,“ sagte Antti, „das ist ein Ehepaar, und die haben immer Mützen auf.“ Die Mütze hatte ich ob der frühlingshaften Temperaturen auch zu Hause gelassen.

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206, 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242, 243, 244, 245,246, 247, 248, 249-250, 251, 252, 253, 254, 255, 256, 257, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 268-269, 270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277, 278-279, 280-281, 282, 283, 284-285, 286, 287, 288, 289-290, 291, 292, 293-294, 295, 296, 297-298, 299, 300, 301, 302-303, 304, 305, 306, 307, 308, 309, 310-311, 312, 313, 314-315, 316, 317-318, 319, 320, 321-322, 323, 324, 325, 326, 327, 328, 329, 330, 331-332, 333, 334, 335, 336-337, 338, 339, 340, 341, 342, 343-344, 345, 346, 347, 348, 349, 350, 351, 352, 353-355, 356, 357, 358, 359, 360, 361, 362, 363, 364, 365, 366-367, 368, 369, 370, 371, 372, 373, 374-375, 376, 377-378, 379, 380-381, 382, 383, 384, 385, 386-387, 388-389, 390, 391-393, 394, 395, 396-397, 398-399, 400, 401, 402-403, 404, 405, 406-408, 409, 410-411, 412, 413, 414, 415, 416, 417, 418, 419, 420, 421, 422, 423-424, 425, 426, 427, 428, 429, 430, 431, 432-434, 435-436, 437-440, 441, 442-443, 444, 445, 446-447, 448, 449, 450-451, 452, 453, 454, 455-456, 457, 458, 459, 460, 461-462, 463-464, 465, 466, 467, 468-469, 470-471, 472-473, 474-475, 476, 477-478, 479, 480, 481, 482, 483-484, 485, 486, 487, 488, 489-490, 491, 492, 493-494, 495, 496, 497-498, 499, 500, 501, 502, 503, 504, 505-507, 508-509, 510, 511-513, 514, 515, 516, 517, 518, 519, 520, 521, 522-523, 524, 525, 526, 527, 528, 529, 530-531, 532]


Ein Kommentar

Turkuer Schnipsel

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Hütchenspiel.

Vielleicht erinnert sich ja noch die eine oder der andere an unsere langjährige Grossbaustelle.

Was daraus geworden ist?

Die Tiefgarage ist nur so mässig ausgelastet, weil selbst den autoaffinen Turkuer*innen das Parken dort zu teuer ist. Die Fussbodenheizung funktioniert nur an einigen wenigen Stellen, das innovative Energiespeichersystem überhaupt nicht. Zwei der vier neu errichteten, tatsächlich sehr modernen und hübschen Pavillons auf dem Marktplatz stehen leer. Und die innerhalb von 48 Stunden verlegten chinesischen Gehwegplatten entwickelten von Anfang an einer nach dem anderen ein Eigenleben: als Stolperstein, als Wippe oder als fussbetriebene Regenwasserfontäne.

Schon seit letztem Herbst wurden einzelne (!) widerspenstige Gehwegplatten zurück an ihren eigentlichen Platz zementiert. Jetzt hat man offensichtlich eine etwas grössere Offensive gestartet: letzte Woche tauchten plötzlich jede Menge Baustellenhütchen auf dem Markt auf – jedes Hütchen ein lockerer Stein.

Wie es aussieht, haben die mit dem Ausbessern beauftragten armen Schweine russischsprachigen Bauarbeiter aus dem Baltikum einen Job auf Lebenszeit!

Apropos. Die beste Chefin, mit der ich regelmässig lange Diskussionen über das Für und Wider einer Strassenbahn für Turku führe, lieferte mir neulich, als wir kopfschüttelnd zwischen den Hütchen über den Markt mäanderten, ein Argument gegen den Bau einer Strassenbahn, dem ich wirklich nichts mehr entgegenzusetzen hatte: „Wenn jemand anders für uns die Strassenbahn bauen würde, wäre es ja vielleicht okay. Aber Turku setzt das Projekt ja doch nur wieder in den Sand!“

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Reisen mit Robbe.

Ich habe dem kleinen Herr Maus, der seit letztem Sommer zunehmend Probleme gehabt hat, mit seinem drei Jahre alten Passbild EU-Aussengrenzen zu überqueren, ein reichliches Jahr vor Ablauf seines Passes einen neuen beantragt.

Während das für den deutschen Pass ja immer so ein Grossprojekt ist, ging das für den finnischen Pass in gewohnter Weise schnell, unkompliziert und preiswert.

Der kleine Herr Maus ging an einem Nachmittag mal direkt nach der Schule elektronische Passbilder machen lassen, dann schickte er mir den Code, den er per SMS erhalten hatte, weiter, damit ich ihn in das Online-Passantragsformular einfügen (und dort schon mal einen Blick auf sein neues Passbild werfen) konnte, ich bezahlte faire 45 € online, dann musste der Ähämann sich noch selbst bei der Polizei einloggen und ein Häkchen als Einverständniserklärung unter den Passantrag für den kleinen Herrn Maus setzen sowie der kleine Herr Maus noch persönlich bei der Polizei antanzen, um Fingerabdrücke nehmen zu lassen. Fünf Tage später war der Pass auf der Postfiliale eines Supermarkts unserer Wahl – ich hatte ihn so ausgesucht, dass sowohl der kleine Herr Maus selbst als auch ich den Pass ohne grösseren Aufwand abholen können; ich war dann aber schneller – abholbereit.

Während wir sowohl 2017 als auch 2022 die Suomi100-Jubiläumsausgabe des finnischen Passes bekommen haben, gibt es jetzt schon wieder eine neuen Version. Ich habe den neuen Pass schon zu Ostern bei der Freundin des grossen Herrn Maus bewundert: auf der Rückseite des Umschlags ist ein Maiglöckchen eingeprägt! Und das Daumenkino zeigt jetzt eine sich räkelnde Saimaa-Robbe.

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Fliegen lernen.

Am Mittwoch wunderte ich mich auf dem Weg zur Schule zum Hortkinderabholen über ein sehr niedrig über das Stadtzentrum fliegendes Flugzeug. Ich zog das Handy aus der Tasche, und die Sache war geklärt: da übte jemand Starten und Landen. Hatten wir auch schon länger nicht mehr.

(Aus der Reihe: „Leben am Provinzflughafen“.)

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Aurora.

Am Mittwochabend holte ich den Ähämann vom Bahnhof ab.

Ausser mir stand auch Aurora am Bahnhof.

Sie ist einer der vier PendolinoPlus-Züge, die früher als Allegro nach St. Petersburg fuhren. Zwei davon fahren zwischen Helsinki und Turku, zwei zwischen Helsinki und Oulu. Was Aurora in Turku gemacht hat, weiss ich allerdings auch nicht – sie soll eigentlich nach Oulu fahren.

(Ich habe bei der Namensabstimmung auch für Aurora gestimmt- einen passenderen Namen für einen Zug in den Norden gibt es ja gar nicht!)

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Mausohren.

Der Frühling kommt dieses Jahr mit grossen Schritten – ich habe diese Woche die ersten Mausohren entdeckt!

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Strassenwaschwochen.

Das untrüglichste Zeichen für den Frühling sind aber weder Mausohren an den Birken noch Huflattich am Strassenrand noch von Leberblümchen lila Wälder noch tirilierende Lerchen, sondern die Armaden von Strassenwaschfahrzeugen in der Stadt.