Freitag, 5. Juni – Freitag, 19. Juni 2026
Als Teenagerin habe ich mir manchmal gewünscht, nicht immer nur in die Berge fahren zu müssen, sondern auch mal Sommerurlaub am Meer zu machen wie alle anderen.
Mit 16 fuhr ich zusammen mit einer Schulfreundin zwei Wochen zu einer Kirchenfreizeit an die Ostsee. Es waren zwei wunderbare Wochen – aber das Meer hat mich zu Tode gelangweilt.
Mein happy place ist in den Bergen, je höher, desto besser. Und weil es dem Ähämann ähnlich geht – obwohl der wiederum als Kind alle seine Sommerferien an der Ostsee verbracht hat – und das Gebirge meiner Kindheit in unser beider Herz einen besonderen Platz hat, nehmen wir – Augen auf bei der Wohnortwahl! – die zweitausend Kilometer alle zwei Jahre auf uns und fahren hin.
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Langes-Wochenende-Samstag im Gebirge.
Juni ist die schönste Zeit im Gebirge. Auf den Bergen blüht es wie in einem Ziergarten, es regnet nicht so viel wie im Juli, und das Allerbeste: es sind noch keine Ferien und somit noch keine bergsteigenden Heerscharen unterwegs. Also ausser am Wochenende natürlich. Da kann man dann was anderes machen: dringend benötigte neue Outdoorausrüstung shoppen oder ins Freibad gehen oder ein Museum besuchen oder Zug fahren, uns fällt da meist was ein.
Dieses Jahr fiel gleich unser erster Tag in der Malá Fatra auf den Samstag nach Fronleichnam: das heisst, es war nicht nur normal wochenendvoll, sondern es war langes-Wochenende-extravoll. Aber man kann ja auch nicht gleich am ersten Urlaubstag nicht wandern gehen…! Wir reihten uns also brav an den ersten Brücken und Engstellen in den Stau ein ein. Zum Glück wurde es erwartungsgemäss weiter oben besser.

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Jánošíkove diery – Malý Rozsutec – Podrozsutec – Jánošíkove diery
12,4 km
▲▼ 770 m
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Gewittervermeidung.
Gewitter waren diesmal das bestimmende Thema unseres Bergurlaubs. Gleich am zweiten Tag hielten uns nicht die Menschenmassen, sondern mehrere zu erwartende Gewitter vom Wandern ab. Da der Seit-30-Jahren-Lieblingsoutdoorladen neuerdings sogar sonntags aufhat, hatten wir einen Programmpunkt: zwei brauchten sowieso neue Rucksäcke, ich neue Wanderschuhe. Hinterher war noch Zeit – und eine ausreichend grosse Lücke zwischen mehreren Gewitterwolken – für eine am Rückweg gelegene Minitour mit überraschend schöner Aussicht und überraschend viel Kletterei.
(Eine bewältigte den Ausflug im Sommerkleid, einer in Badeschlappen. Warum nicht.)
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Belské skaly
1,2 km
▲▼ 170 m
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Bergsteigen mit Teenagern.
Das war nur der Anfang: „Können wir auf den Kamm hoch laufen?“ Klar, wer würde nicht, statt 10 Minuten Seilbahn zu fahren, lieber anderthalb Stunden einen Fuss vor den anderen setzen?!
(Es sparte uns immerhin 100 € und gab uns schon mal genug Selbstvertrauen für die kommenden Hochgebirgstouren.)
Als wir Eltern an der Bergstation der Seilbahn ankamen, rief der Muezzin – die Geschwister führten ein Videotelefonat. ♥
Die Herren Maus rasten dann auch über alle vier Kammgipfel vor uns davon, stiegen zur Hütte ab, an der sich mehrere Wege kreuzen, und riefen von dort aus an, sie würden schon mal zurück ins Hotel laufen, statt auf uns zu warten und zum Auto zurückzulaufen.
(Waren auch nur 3,5 km mehr zu laufen und nochmal hundert Höhenmeter aufzusteigen…)
Jedenfalls mussten fortan alle Bergtouren der letzten Jahre an die Bedürfnisse und Wünsche der Teenager – höher, schneller, weiter – angepasst werden.
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Vrátna – Chleb – Hromové – Poludňový grúň – Chata na Grúni – Vrátna
12,7 km
▲▼ 1060 m
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Zur richtigen Zeit auf dem falschen Berg.
Auf diesen Berg, der ein bisschen ausserhalb der Malá Fatra liegt, kamen wir nur wegen eines Missverständnisses. Der Ähämann hatte vorgeschlagen, dass wir nach der Kammtour, zu der wir von unten hochgelaufen waren und die einen recht steilen und anstrengenden Abstieg enthält, am nächsten Tag eine kleinere Tour machen könnten. Erst als wir schon die 1000 Höhenmeter vom Ausgangspunkt bis auf den Gipfel geschafft hatten, ging uns auf, dass er eigentlich einen anderen Berg gemeint hatte. Grosses Gelächter.
Es war nicht schlimm, denn der Berg ist wirklich schön. Ich kenne ihn seit 40 Jahren, und vor 30 Jahren waren wir das letzte Mal da. Ich habe mich so gefreut, auf der Wiese nach drei Viertel des Weges, wenn man endlich aus dem Wald herauskommt, meinen liebsten Baum auf der ganzen Welt wiederzusehen!
Die stattliche Fichte war noch vor 30 Jahren der einzige grössere Baum auf der 1200 m hoch gelegenen Wiese. Jetzt sah sie ein bisschen gezaust und wirklich alt aus und war umgeben von anderen Fichten, die mittlerweile auch ihre Höhe erreicht haben. Aber sie ist noch da!
Überhaupt hat der Klimwawandel in 30 Jahren sichtbar die Landschaft verändert: wo früher Latschen wuchsen, ist jetzt Fichtenwald, und wo früher Felsen waren, ist jetzt alles mit Latschen bewachsen. Erst ganz oben kommt man raus, und dann hat man immer noch eine fantastische Rundsicht.
Wir haben uns beim Aufstieg ausserdem die ganze Zeit laut unterhalten, um eventuelle Bären zu vertreiben, weil wir dachten, dass wir an einem Wochentag in der Vorsaison die einzigen sind, die auf den abgelegenen Berg steigen. Wir sind dann aber doch ein paar Menschen begegnet.
Auf dem Gipfel war ausser uns noch ein älteres, tschechisches Paar. Wir hatten kaum ein paar Gipfelfotos gemacht, als sie um Hilfe rief – er war gestürzt und hatte eine tiefe, stark blutende Platzwunde am Kopf. Zum Glück hatte der grosse Herr Maus sein Erste-Hilfe-Täschchen von den Pfadfindern dabei und wusste auch direkt, was zu tun ist; er suchte erstmal einen flachen Stein, um damit einen Druckverband zu basteln. Dann kam noch ein jüngeres tschechisches Paar auf den Gipfel, die zum Glück auch Englisch konnten, und gemeinsam überzeugten wir die Frau, dass sie wirklich die 112 anrufen muss. „Es kommt gleich jemand!“, versprachen sie ihr, und tatsächlich tauchte zehn Minuten später ein Rettungshubschrauber aus Žilina im Flightradar24 auf, kurz darauf konnten wir ihn als kleines Pünktchen über dem Hauptkamm der Malá Fatra sehen, und fünf Minuten später war er da.
Er flog eine Runde über dem Gipfel, um die Lage zu sondieren, bei der nächsten Runde seilte er einen Rettungssanitäter ab, und bei der übernächsten Runde zog er beide hoch. Was für ein Glück, dass heutzutage nicht mehr zwei Typen mit Krankentrage den Berg hochhechten müssen…!
Bevor wir – der Himmel wurde schon bedrohlich lila – schnellstmöglich den Abstieg in Angriff nahmen, tauschten wir noch Emailadressen aus. Wir haben ein paar Tage später unsere Fotos und Videos von der Rettungsaktion hingeschickt und im Gegenzug erfahren, dass zum Glück alles gutgegangen ist, aber die Wunde mit mehreren Stichen genäht werden musste und die Schädel- und Rippenprellung mehrere Tage Intensivstation erfordert hat. Puh.
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Valaská Dubová – Veľký Choč – Valaská Dubová
9,6 km
▲▼ 960 m
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Bestes Eis Europas.
Am nächsten Tag brauchten wir dann aber wirklich einen Ruhetag. (Es regnete auch von früh bis abends in Strömen.) Wir kauften Verbandsmaterial nach und gingen eisessen.
Das taten wir aber sowieso fast jeden Tag – wann immer wir es einrichten konnten und der Magenfüllstand es zuliess.
Drei Orte weiter kann man an einem kleinen Eisbüdchen leckerstes selbstgemachtes Eis kaufen: neben den üblichen Sorten und regionalen Besonderheiten wie Punscheis oder eine Eissorte aus sozialistischen Zeiten auch so etwas wie Weisse Schokolade mit Himbeeren, in der sich ganze Himbeeren und riesige Schokosplitter finden, oder Kinder Schokobon mit nur lose zerquetschten Schokobons drins.
Zu jeder Tageszeit und bei jedem Wetter fährt Kundschaft vor; sie kommt aus der gesamten Umgebung, und ja, man stelle sich vor, sogar bis aus Finnland!





























































































