Über analoge Stinktiere

Ich hocke auf dem Sofa und ärgere mich über die bescheuerte Software meines online Glücksspielanbieters. Dreitausend Mal lässt sich das depperte Glumpert nicht aktualisieren, meine Zugangsdaten habe ich schon wieder vergessen während ich sie in die Tastatur tippe. Und den Link zum Passwort zurücksetzen kannst dir genauso in den Popo schieben wie den Kundendienst dieser Arschgeigen Firma. Auf das Geld dass ich als Spielbudget überwiesen habe kann ich genauso wenig zugreifen- es lässt sich einfach nicht vom Casino- in den Pokerraum transferieren.

Seit drei Tagen bin ich vorm Rechner oder dem Handy und versuche klar zu kommen. Sollten diese  Geräte unser Leben nicht vereinfachen?

Welcher Idiot hat denn das behauptet?

Und wieso lade ich nicht mal wieder paar Freunde zu mir ein um analog zu pokern?

So wie früher?

Ach ja. Das war ja bevor Putin in der Ukraine eingewandert ist und unsere Lebenserhaltungskosten auf Schweizer Niveau gepusht hat.

Da konnte man es sich noch leisten Leute zu sich einzuladen.

In meinem Freundeskreis sind die wenigstens Abstinenzler- ganz im Gegenteil. Die können einen schon die Haare vom Kopf saufen.

Und nach so einem Saufgelage musst die leeren Dosen ja neuerdings auch wieder sammeln und zurück in den Laden bringen.  Als hätte ich nichts anderes im Leben vor als nach jeder Party stundenlang am Pfandautomaten abzuhängen. Weil ja jetzt alle ihr Leergut retournieren staut es sich schon weit vor dem Drecksautomat.

Bei jeder zweiten Dose streikt das Gerät, spuckt die Büchse wieder retour. Dann heißt es Ruhe bewahren und den Abfall so lange wieder reinzustecken bis das Förderband es nach hinten fährt- das tut es nämlich erst wenn der Strichcode korrekt gescannt wurde.

Ich will zurück zum Altglascontainer. Ganz ohne Strom und analog.

Scheiß Billa. Die können mir den Schuh aufblasen.

Ich warte jetzt immer solange bis der Kofferraum voll leerer Hülsen ist und fahre dann zu der Tankstelle mit dem unsympathischsten Mitarbeiter. Weil ich mich so nirgends anstellen muss um meinen Dreck zu entsorgen und weil ich weiß dass der Jango hinter der Theke alle Dosen einzeln auswaschen muss, ehe er sie zurück an den Produzenten schickt. Es freut mich so dass ihn das so ärgert- sein angefressens Gesicht wenn ich mit einem schwarzen Sack voller Puntigammer  zu ihn an die Kassa komme ist zutiefst emotional befriedigent.  Es entschädigt für die Tatsache dass mein Auto nach abgestandenem Bier müffelt.

Wo sind die guten alten Zeiten hin in denen wir leere Getränkdosen einfach beim Fenster rausgeschmissen haben?

Wo sind die Zeiten hin in denen wir unsere Fenster noch aufgemacht haben? Bei den aktuellen Gaspreisen lüfte ich nur mehr im Notfall.

Vielleicht sollte ich ja trotzdem wieder mal paar Freunde zu einem Spieleabend einladen. Kauf ich halt billigen Fusel und verechne ihnen die 25Cent Pfandgebühr.

Oder ich lade nur Antialkoholiker ein. Da fällt mir leider nur ein einziger Mensch ein- meine Schwester. Und Familienzusammenkünfte ohne Alkohol sind so wie Kochen für dich allein.

Genauso beim Sex –natürlich geht das auch allein, schöner ist es aber wenns ein anderer für einen erledigt.

Der Unterschied zwischen kochen und schnackseln die Digitalisierung betreffend ist der dass man Essen nicht digital produzieren kann. Orgasmen schon.

Wie lang ist es her dass man  seinen Bettgeschichten in der analogen Welt begegnet ist, nächtelang in verrauchten Clubs und Bars nach was Bumsbaren gesucht und irgendeinen besoffenen Stinker mit nach Hause genommen hat? Wo man dann bemerkte dass der Kerl im schummrigen Licht der Kneipe ganz anders ausgesehen hat? Irgendwie weniger Pfuikaka?

Dank unseren technologischen Fortschritts ist es heute völlig überflüssig noch vor die Türe zu gehen um seine amourösen Bedürfnisse zu befriedigen. Laptop aufklappen, Webcam an und ab geht die Luzie. Und wenn das Stinktier aufm Bildschirm anfängt dich zu nerven, langweilen oder du einfach einen fahren lassen willst- dann klapp den Laptop zu und such dir einen anderen virtuellen Stecher.

Niemand mehr der dir deine Klobrille vollpinkelt oder deine unordentliche Wohnung betritt. Kein Gestank nach postkoitalen Kerlen, kein besoffener Holadrihu der nach Zwiebeln  und Schnaps stinkt. Kein schnarchendes behaartes Wesen dass dir seine Morgenlatte ins Kreuz drückt und sich noch einen Blowjob um fünf Uhr Morgens erwartet.

Lutsch dir doch selbst die Eier, du Sschweinsbraten.

Mach es dir doch zuhause vorm PC und falls ich in Stimmung bin sehe ich dir zu. Wenn mir auf die Nerven gehst, zieh ich den Stecker und schalt dich einfach aus.

Ohne Smalltalk. Ohne Danke. Ohne Gestank.  Ohne mir dabei den Kiefer auszurenken. Ohne Spermaflecken auf der Katze.

Ein Hoch auf die Digitalisierung des Mannes.