Seniorenclub.

Schüttelfrost. Kutz kutz. Klingt verdammt nach E-Card Urlaub. Außerdem sollte ich mit dem Kokskater auf gar keinen Fall im Kindergarten antanzen. Stichwort pädagogisch wertvoll.

Ich bewege mich mit der Rasanz einer anal geschändeten Querschnittsgelähmten aus dem Bett. Lieber Gott was ist letzte Nacht eigentlich los gewesen?

Wühle mich durchs dunkle Chaos meines Schlafzimmers, unsicher ob mein brennender Anus oder der wummernde Schädel mich schneller in den assistierten Suizid treiben. Taste über das Kastel neben dem Bett, irgendwo zwischen Teddybär, Dildo und Bergen an Klamotten müsste doch das verdammte Telefon liegen.

Scheiß doch drauf. Die werden schon merken dass ich nicht arbeiten komme. Ich muss jetzt erst fertig sterben. Krankmelden kann ich mich auch später.

Zurück in die Waagrechte. Augen zu, halt die Fresse Gehirn. Schlaf jetzt. Ein flüchtiger Moment Ruhe.

Vor der Schlafzimmertüre beginnt es zu scharren. Irgendetwas versucht einen Tunnel nach China zu buddeln.

Nein, es ist bloß Sammy die das Katzenklo umgräbt. Ich schwör sie lachen zu hören während ich mir das Kissen über den Kopf ziehe. Ruhe im Karton. 

Dafür stinkt es plötzlich erbärmlich.

Wieso dieses Mistvieh erst das Kisterl ausbuddelt und danach reinscheißt ist mir ebenso rätselhaft wie dieses rosarote Haschisch das nach Erdbeeren schmeckt.  Laut Verkäufer alles legal, weil so gut wie kein THC. Das bilde sich bei dem Zeug erst beim Verbrennen, Hokus Pokus aus Wasser wird Wein. Go home Jesus.

Zumindest übertüncht der synthetische Rauch meines Guten Morgen Joints den Gestank nach Katzenkacke.

Wobei ich mir nicht ganz sicher bin, was davon widerlicher ist.

Apropos widerlich. Was will das Finanzamt eigentich von mir?

Ich ahne nichts Gutes als ich die Mail am Laptop öffne. Irgendwo zwischen den Sofakissen klingelt mein Wecker. Jetzt weiß ich zumindest wo mein Telefon geblieben ist. Und dass es 9.30 ist. Recht zeitig fürs erste Bier, oder?

Die Finanz schreibt, dass sie mich überprüfen. Ich möge sämtliche Unterlagen zur aktuellen Steuererklärung übermitteln.

Ich werfe mir zwei Ritalin ein und spüle sie mit einem kräftigen Schluck Schwechater runter.

Theatralischer wäre ein Schuss Heroin.

Aber erstens wird mir davon schlecht und zweitens reicht mein Bugdet nur noch für Dosenbier und Rezeptgebühr. Und rosarotes Dope für zwanzig Euro.

Sicher wärs beim Dealer billiger, der bezahlt ja auch keine Miete am Villacher Hauptplatz, keine Mitarbeiter, keine Social Media Agentur, keine Versicherungen und keine Steuern.

Aber erstens schulde ich meinem regulären Grasmenschen noch sechshundert Euro und zweitens habe ich keine sechshundert Euro. Und kein Gras ist auch keine Lösung. Wenn ich nicht kiffe, will ich koksen.

Das geht aber auch nicht mehr, weil ich dem Kokstyp seit gestern ebenfalls Geld schulde.

Mein latenter Geldmangel wirkt wie ein Segen für meine Leber. Zu blank für Wohlstandsverwahrlosung?

„Ein intelligenter Mensch braucht kein Geld, und ein Dummer weiß nichts damit anzufangen“

Hat ein alter Mann mit weißen Haaren und noch weißeren Bademantel einmal zu mir gesagt, während sein Gemächt unter dem Frotteesaum zwischen seinen geöffneten Schritt über die Stuhlkante nach unten baumelte.

Ich merke mir Dinge leichter wenn ich dabei Genitalien sehe.

Aus etwas Entfernung. Wenn sie vor meinem Gesicht baumeln, sehe ich sie nur verschwommen. Blowjobbrillen in individueller Sehstärke wären vielleicht eine Geschäftsidee. Riesige Pornobrillen mit Scheibenwischer, falls mal was aufs Auge geht.

Hör auf an Penisse zu denken und konzentrier dich auf den Wisch vom Amt. Doch so sehr ich mich auch bemühe- mehr als zwei Rechnungen für Arbeitsschuhe und einmal Messerschleifen finde ich nicht. In Summe neunzig Euro, angegeben hab ich fünfmal soviel. Ich dachte mir Steuerausgleich ist wie Inventur- grob geschätzt und aufgerundet. Und wieso überprüfen die Spasten mich überhaupt? Wissen die nicht wie hoch mein Minus am Konto ist?

Da steckt doch sicher dieser neue Exekutor dahinter. Ich wette der hat mir seine Kollegen vom Finanzamt auf den Hals gehetzt weil ihn meine Katze beim letzten Hausbesuch auf seine Kronjuwelen gesprungen ist. Mann hat der sich erschreckt. Auch beim zweiten und dritten Mal-die Panik vor dem Vieh war ihn anzumerken. Oder er hatte Angst vor mir.

Nachdem ich Sammy zum vierten Mal vom Gemächt des Gerichtsvollziehers weghob, versuchte sie sich mit ihren Krallen an seiner Hose festzuhalten. Panisch sprang der Kerl aus dem Stuhl, hatte sie ihn an den Eiern gekrallt oder wieso sah er aus als wäre er knapp einer Bamitzwa entkommen?

Natürlich war ich stolz auf die Katze.  Aber muss er mir deshalb eine Steuerprüfung als Retourkutsche schicken?

Oder hätte ich mein Thermenabo lieber nicht als Kosten für doppelte Haushaltsführung angeben sollen?

Und was ist das für ein komischer Punkt auf meinem kleinen Finger? Seit einigen Tagen schon spüre ich den weißen winzigen Kreis knapp neben der Kuppe.

Die Google Bildersuche ergibt dass ich Fingerkrebs habe. Das ist aber gutartig und entsteht durch Arthrose in den Fingern.

Jetzt hab ich Krebs und Arthrose?

Drehe den Bildschirm zur Seite, der will aber nicht ignoriert werden und vibriert mich an. Die Anmeldebestätigung für den Halbmarathon ist endlich da. Öffne den Anhang, überfliege die Zeilen bis ich meinen Namen in der Starterliste finde.

Ev Arr. weiblich . 1984. Villach. Klasse w40. Seniorinnen.

Der hat gesessen.

Ich hol mir noch ein Bier aus dem Kühlschrank. Resillienz kommt schließlich nicht von ungefähr.

#Fellieren

Am nächsten Morgen werde ich unsanft aus dem Schlaf gerissen. Jemand läutet Amok an der Tür, da kein Werktag vermute ich keinen Gerichtsvollzieher oder GIS Eintreiber. Wehe es ist einer von den Jehovas, verschlafen schlüpfe ich in den Bademantel und schlurfe durch den Flur.

Anstelle des erwarteten Sektenfreaks schießt ein restalkoholisiert wirkender Mister L durch die Tür, drückt mich gegen die Wand, zieht mir das weiße Flanellteil aus und öffnet seinen Reissverschluss. Ein zufällig vorbeigehender Nachbar im Treppenhaus sieht genauso verdattert wie ich drein, ich bitte Mister L abzuschließen bevor noch jemand die Polizei ruft.

Er rammelt mich, als ob er das neue Werbemaskottchen für Viagra wäre. Oder für ein Gegenmittel. Scheinbar tut ihm die Liason mit Misses Propper ganz gut. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Beschließe einfach die Klappe zu halten, der Harmonie willen.

Solange wir nicht reden, streiten wir auch weniger.

„Lass uns ans Meer fahren“, schlägt er vor, während ich sein Ejakulat mit einer vorbeikommenden Katze von der Wand abzuwischen versuche.

„Jetzt?“

Das Mistvieh beißt mir fauchend in die Hand, das Fickvieh verstaut stöhnend seinen Penis. Er sagt ich soll mich anziehen.

Wir beschließen das kleine Auto zu nehmen, im Van ist es unmöglich bandscheibenvorfallsfrei den Fahrer zu fellieren. Alles für die Konfliktvermeidung!

Enthusiastisch beuge ich mich über die Handbremse und läute Runde zwei ein, als wir auf der Autobahn sind. Hingebungsvoll widme ich mich seiner wachsenden Vorfreude, stoße mir den Kopf dabei am Lenkrad, verschlucke mich beim Rückstoß an seinem Ding und drohe daran zu ersticken. In Todesangst reisse ich meinen Kopf nach oben und blicke beim Auftauchen durch die Seitenscheibe ins Gesicht eines Bullen, der uns gerade mit seinem Kollegen im Streifenwagen überholt und das Schauspiel gebannt beobachtet.

Mein Herz rutscht mir in die ausgezogene Hose, bitte lieber Gott mach dass ich nicht wegen Beihilfe zur öffentlicher Unzucht mit einem alkoholisiertem Fahrer ins Gefängnis muss.

Mister LoverLover steigt aufs Gas, zieht auf der dritten Spur an den Bullen vorbei, packt mich an den Haaren und drückt meinen Kopf zurück unters Lenkrad.

„Mach dir keine Gedanken wegen denen. Wenn sie uns wirklich aufhalten, dann nur weil sie mitmachen wollen.“

Er weiß wirklich wie man Frauen beruhigt, was hab ich bloß für ein Händchen bei der Männerwahl!

#Fotze

Er schafft es tatsächlich meine Anspannung auf ein Mindestmaß zu reduzieren, auch wenn er selbst dafür ein wenig zerrissen aus der Wäsche schaut als er sich am nächsten Morgen auf den Weg in die Arbeit macht. Allerdings macht sein Ding nicht den Eindruck von mir weg zu wollen, es scheint geradezu von dessen Besitzer zurück in mein warmes Bett und zu mir zu fliehen.
Stattdessen versucht Mr. L sein Rohr in der Hose unterzukriegen, ich denke ein wenig Sabotage könnt nicht schaden, schleiche mich unter der Decke näher an ihn heran. Kaum hat er den Hosenstall zu, packe ich ihn wieder aus um ihn vom Bleiben zu überzeugen. Seufzend packt er mich am Hinterkopf, seine Hose fällt über seine Knöchel, irgendwo spür ich sein Handy summen. Da man mit vollem Mund nicht spricht, heb ich nur ab und halt das Teil nach oben. Doch statt eines „Guten Morgen“ grummelt er ein brunftiges „Du geile Sau, komm leck meine Eier“.
„Schatz da ist jemand für dich am Telefon“, röchle ich ihn an.
Er bemerkt sein Handy erst jetzt, bringt mich sofort wieder zum Schweigen.
„Guten Morgen Frau Kratzwald, der Termin heute um 14 Uhr passt noch. Selbstverständlich. Ich freue mich“
Tatsächlich freut er sich so sehr, dass die Funken fliegen und er mit zittrigen Beinen eilig davonläuft, sich nochmal umdreht, mich zum Abschied küsst und wieder verschwindet. Hoffentlich findet er den Weg in die Hacken noch – bei der Minderdurchblutung seines Hirns ist das nicht so gewiss. Außerdem würd ich gern wissen was er mit der Frau Kratzwald tut. Und abgesehen davon würd ich mich jetzt gerne paaren.
Vielleicht tut´s ja ein Filmchen auch, wo ist bloß mein Telefon? Statt meinem eigenen, finde ich seins dass unter dem Bett liegt. Könnte mal schauen, ob ich dort ein Bild von der 14Uhr Tussi finde? Vertrauen ist gut, aber Weiber sind Biester. Öffne sein WhatsApp, muss nicht lange nach seiner Leiche im Keller suchen – der erste Chat ein Volltreffer.
Er schreibt ihr Komplimente, schickt ihr Bilder, flirtet auf Teufel komm raus. Er würde sich nur für sie einen Anzug anziehen, ja er habe ihr den Brief schon geschickt.
Und plötzlich spür ich den kleinen heißen Stich unter den Rippen, der sich sekundenschnell zu einem Brand steigert, meine Blutbahn mit Adrenalin flutet und mein Herz rasen lässt.
„Fotze“ schreib ich seiner WhatsApp-Tussi zurück, zieh mir was über und Steig ins Auto. Diesmal ist es genug. Endgültig genug.

#Sozialdemokratieuntenohne

Schon als das verflixte Teil summt, ahne ich dass es nichts Gutes verheißen wird. Mein Gefühl täuscht keineswegs – die Push Message aufm Display schreit mich förmlich an: „SPÖ Chef Christian Kern überraschend zurück getreten“
Na Bumm.
Ich fühle mich wieder wie ein feuchtträumender Teenager bei der Nachricht, dass Robbie Williams Take That verlassen wird – zu Tode betrübt. Wünsche mir, dass alles nur Fake News wären; außerdem will ich mein altes Nokia 9210 zurück. Damit wurde man zumindest nicht in Echt-Zeit mit solchen Hiobsbotschaften konfrontiert. Es reicht doch auch, wenn man es am nächsten Morgen in der Zeitung erfährt, oder?
Einmal pro Tag mit allem Müll beschäftigen, nicht alle fünfzehn Minuten irgendeine Scheiße aufm Smartphone.
Wieso muss die geile Schnitte jetzt einen Rückzieher machen??? Er wäre die Idealbesetzung für Mister Grey gewesen, zumindest in meinem Kopf Kino.
„Mister EX-SPÖ Boss du bist so schön an zu sehen gewesen, wieso tust du mir das an??? Lass mich nicht mit Heinz – Christian – Sebastian alleine zurück. Ich flehe dich an!!!“, beginne ich die Zeilen meines Abschiedsbriefs. Ich will nicht mehr weiterleben. Nicht so.
Vorsichtshalber ruf ich tränenerstickt aber dann bei Mister Lover Lover an, vielleicht bringt er mich davon ab, als Jungfrau sterben zu müssen. Leider klingt er auch nicht viel besser als ich – viel weniger Schulter zum Anlehnen als viel mehr Tritt in den Arsch, glaube ich in seinem Unterton herauszuhören.
Meine Ohren liegen richtig, nach einem abgehackt-überkühltem „Hallo“ kommt er ziemlich fix auf den Punkt. Ich solle endlich mit seinen Unterhosen rausrücken, er könne nicht ständig ohne oder in meinen Tangas rumrennen, entweder zu viel Schaukeln oder abgeklemmte Blutgefäße.
Glaubt der Spinner tatsächlich, seine Unterhosen wären wichtiger als meine geplatzte Parlaments-Groupie-Fickfantasie?

Blutsaugende Arschlöcher unterm Blutmond

Mein unermüdlicher Einsatz vor dem Bildschirm fordert seinen Tribut – mir flackern die Augen, mehr und mehr verzerrt sich der Blick. Ich tröste mich damit, dass die Nebenwirkungen der Realität wohl heftiger ausgefallen wären – lieber überanstrengte Sehorgane als Syphilis. Danke Youporn.
Versuche zu schlafen, doch statt Schafe zu zählen, sehe ich immer noch überall Genitalien. Ich beschließe nie wieder Onlinepornos zu schauen, es sei denn jemand begattet dabei ein Schaf.
Fest entschlossen verordne ich mir Solosex Entzug und starre eine Nacht später auf den roten Mond. Er erklärt mir warum er so rot ist. Ich frage, ob wir uns das Spektakel nicht im Livestream anschauen können. Weil hier draußen stinkst nach Natur, außerdem ist alles voller blutsaugender Arschlochinsekten.
„Keine Angst Babe. So vergiftet wie du bist, wird keiner der Viecher dein Blut wollen.“
Was glaubt der eigentlich von mir?
„Ach ja? Vielleicht gibt’s aber welche die nicht spaßbefreit sind und gerne mal einen draufmachen?“
Trotzig kann ich. Als ob ich ihm da letzte Wort überlassen würde.
„Du meinst Junkiegelsen?“
Meine Halsader schwillt schneller an, als sein Penis beim Anblick seiner Fußpflegerin. Der hat sie doch nicht alle.
„Ja, du Idiot. Vielleicht ist eine davon die Reinkarnation von Pablo Escobar?“
Breit grinsend kommt er zu mir, schiebt mir das Shirt hoch.
„Willst du jetzt wirklich über Karma reden Kleines?“
Unentschlossen ob ich wütender- oder scharf auf ihn bin, winde ich mich aus seinem Griff.
„Und übrigens: dein Hund stinkt.“
Schneller als ich mein Konto überziehen kann dreht er mir die Arme nach hinten, drückt mich auf den Holztisch um mir auch noch die Short nach unten zu ziehen.

#Glaube

Bin ich nichts anderes, als eine egomanische Narzisstin, für die Empathie ein Fremdwort ist? Eine vergnügungssüchtige Lügnerin, die zwischenmenschlichen Tiefgang nur vom Hörensagen kennt? Eiskalter Engel, längst schon dem Untergang geweiht?
Ständig auf der Suche nach dem nächsten Kick, rastlos wie ein ausgehungertes Tier. Getrieben und gehetzt, ohne die Möglichkeit durchzuatmen renne ich unentwegt umher. Doch egal wie schnell mich meine Beine tragen, das rettende Ufer bleibt unerreichbar.
Zerfressen von der Einsamkeit, wie ein schwarzes Loch, das sich selbst auslöscht. Wo bist du jetzt?
Versinkender Glaube an das Gute im Menschen, zieht alle Hoffnung mit in die Tiefe. Wem soll ich noch trauen, wenn niemand mehr an mich glaubt?

Neujahrspenis

Und während sich Otto-Normalverbraucher langsam aber sicher ans neuerliche Scheitern seiner Neujahrsvorsätze gewöhnt, denke ich immer noch über meinen nach.
Anstatt mit dem Trinken aufzuhören, ziehe ich die Möglichkeit einer Geschlechtsumwandlung in Erwägung.
Nicht weil ich mich im falschen Körper befinde, oder unter Penisneid leide- ich mag die Dinger zwar, in-, aber nicht an mir. Nehmen wir mal an, ich wäre plötzlich Manfred- statt Maja Siffredi – ich würde wieder bei null anfangen. Neuer Pimmel – neue Identität- neue Finanzlage. „Schuldenfrei durch Geschlechtsumwandlung“ – ich kann die Schlagzeilen der Kronen Zeitung schon riechen.
Aber wie soll ich das bei meiner Angst vor Nadeln, Ärzten, Krankenhäusern und Bettpfannen realisieren? Als ambulanter Eingriff geht sowas sicher nicht.
Es scheint fast, als müsse ich mir einen anderen Plan einfallen lassen.
Ob ich einfach mit dem Gerichtsvollzieher schlafen sollte? Brrrr, vermutlich erst im sechsstelligen Schuldenbereich, nach der dritten Geschlechtsumwandlung.
Ich befülle die Scheibenwischanlage meiner Karre mit Wodka vom Diskonter, fürs Frostschutzmittel hat´s Kleingeld nicht mehr gereicht – alles für den Wodka draufgegangen. Hätte ich einen Penis, hätte ich jetzt Grey Goose Blörre und Frostschutzmittel.
Die Tante vom Arbeitsamt sieht irgendwie komisch aus, aber sie will mit mir nicht über Geschlechtstransplantationen und eine eventuelle Kostenübernahme durch ihre Behörde sprechen. Außerdem fände sie es äußerst unpassend, dass ich mit einer Dose Bier in ihr Büro käme. Schließlich sei das hier nicht die Bahnhofsmission.
Ich nicke ihr verständnisvoll zu: „ ja wissen sie, mir wäre Champagner mit Koks auch lieber, aber dafür bräuchte ich dringendst eine Arbeitslosengelderhöhung. Die müsste doch bei so vielen Jahren in ihrem Büro doch wirklich drinnen sein?
Sie lacht mich mit einer Hälfte ihres Gesichts an, die andere bewegt sich keinen Millimeter. Ich glaube sie hat einen Schlaganfall, wünsche ihr noch einen schönen Tag und gehe auf ein Bier in die Stadt.

was wäre wenn?

Was wäre wenn?

Ich hasse die Frage an sich. Wenn meine Tante einen Penis hätte, wäre sie mein Onkel. Hat sie aber nicht. Vermutlich. Also was soll die Scheiße.

Doch der Typ der mit achtunddreißig Euro pro Stunde weniger bekommt als ein ungelernter Möbelmonteur vom Kika, hat gesagt ich soll darüber nachdenken. Bis nächsten Dienstag um sechzehn Uhr.

Und er lasse die Antwort „Dann wär’s halt ein anderer Idiot geworden“, nicht gelten.

Mister Psychotherapeut wird schon wissen was er da von mir verlangt, immerhin hat er sowohl eine Matura als auch ein abgeschlossenes Studium.

Immer und immer wieder rauscht der Satz durch den Kopf, nichts anderes als riesengroße Fragezeichen und erdrückende Leere hinterlassend, kurz davor mir das taub gewordene Herz zu zerreißen.

Doch je länger es da oben rattert umso mehr gewinnt eine gewisse „Jetzt geht’s los“- Stimmung die Oberhand in dem Chaos, plötzlich scheint das Lächeln nicht mehr aufgesetzt und längst verloren geglaubter Glanz kehrt zurück, in die vor Trauer farblos gewordenen Augen.

Könnt aber auch an dem großartigen Sex von vergangener Nacht liegen.

Auf das überfällige Erwachen des Kampfgeists wartend denk ich die Frage zu ende.

Was wäre wenn ich dich nie getroffen hätte?

Mein allerliebster Körperteil würde nicht glühen wenn ich „Jubel“ von Klingade hören würde und ich hätte niemals erfahren, wie es sich anfühlt nur ein verschissener Plan B zu sein.

Die Kraft die Beziehung zu beenden in der ich damals war hätte ich nicht aufgebracht, wären da nicht die Schmetterlinge im Bauch gewesen, für die du verantwortlich warst.

Du hast grenzenlose Begierde in mir ausgelöst doch warst gleichzeitig nie da, wenn ich dich gebraucht hab. Jedes Wochenende bist zu ihr gefahren und du hast wirklich gedacht ich würd zuhause warten bis zu wieder kommst?

Hättest mich nicht permanent übers Telefon so aufgeheizt, wären einige meiner bisherigen besten sexuellen Begegnungen nicht zustande gekommen. Dafür bin ich dir unendlich dankbar.

Auch weil meine Augen und meine Aura gestrahlt haben, jeden in meinem Umfeld ansteckend war ich in dieser Zeit so glücklich wie selten zuvor.

Eine Ahnung davon bekommend was Vollkommenheit bedeutet bin ich durchs Leben getanzt als ob es kein Morgen geben würde, ohne auch nur den Hauch einer Selbstzerstörungstendenz.

Die kam erst später…

Danke. Ich war wirklich glücklich. Waren schöne zwei Wochen.

Ohne dich hätte ich nie erfahren wie sich Ungewissheit anfühlt, das beklemmende Gefühl wenn man weiß dass der Mensch den man liebt bei einer anderen im Bett liegt und am nächsten Morgen mit ihr zusammen aufsteht.

Ohne dich würd ich nicht wissen wie es ist, gegen krankhafte Eifersucht anzukämpfen und ich meine damit nicht meine eigene.

Du hast mich vier Monate alleine gelassen, genau in der Zeit wo ich nichts dringender gebraucht hätte, als eine Schulter zum anlehnen. Jemand der mich in den Arm nimmt und mir irgendeine abgedroschene Floskel ins Ohr flüstert…“Das wird schon wieder werden“

Wenn du nicht gewesen wärst, würd ich bis heut nicht wissen wie schön Heilig Abend sich anfühlt… Völlig alleine, mit der Gewissheit dass der Kerl den man liebt bei einer andern ist.

Auf der Suche nach etwas schmerzstillendem, über einen guten, alten Bekannten gestoßen von dem ich dachte dass er längst passe´ sei…

Der Cocktail aus Einsamkeit und Verzweiflung drückt mich Richtung Gleichgültigkeit, Hass und Kälte.

Und das weiße Pulver aus Lateinamerika drückt mir die Pupillen aus den Augen und das Blut aus der Nase. Immerhin bist mir in dem Zustand scheißegal. Keine Liebe. Keine Hoffnung. Keine Illusion.

Alles was ich will ist mehr. Mehr davon.

Die Angst dich für immer zu verlieren lähmt mein Handeln, lähmt meinen Geist, lähmt meinen Instinkt, unfähig zu auch nur einer banalen Entscheidung treibt der Letze Rest an Vernunft ziellos in einem Vakuum an undefinierbaren Emotionen dahin.

Ich bin verloren ohne Dich.