Eine Woche von der Mann kaum zu schreiben hätte, wenn es das „besondere Vorkommnis“ nicht gegeben hätte. Um die Aufregung besser verstehen zu können, muss ich ein wenig ausholen, denn zur gemeinten Zeit hatte Blog schreiben bei Männes noch keine Bedeutung und somit kann ich nicht auf den Eintrag für das Ereignis verlinken. Auch schreibe ich wohl etwas überspitzt, das sollte vom Leser beachtet werden.
Es geschah im Jahr 2001, an einem ganz normalen Wochentag, als ich arglos von der Arbeit nach Hause kam. Zufrieden vom getanen Arbeitswerk und erwartungsfroh auf meine Frau, nahm ich den Wohnungsschlüssel aus der braunen Lederaktentasche. Noch bevor der Schlüssel im Schloss einrasten konnte, wurde die Tür mit einem überflotten Ruck von innen geöffnet. Im Türrahmen erschien meine Frau und in mir verbreitete sich das wohlige Gefühl des Zuhause seins.
Urplötzlich bemerkte ich eine unsichtbare Wand, die sich in der Türzarge verkeilte und Frau unerreichbar für mich machte. Jetzt erst sah ich den verzerrten Gesichtsausdruck, den man gut mit dem Worten „Gesicht zur Faust geballt“ umschreiben kann. Wie aus dem NICHTS sprudelte ein hilfloser Schrei aus dem Mund meiner besseren Hälfte:
„Die Waschmaschine ist kaputt!“
Der Tonfall krallte sich mir in den Magen, die darin befindliche Säure schwappte bis zum Zapfen an den Gaumen, meine rechte Hand griff die Türklinke, um die Tür von außen zu verschließen. Bevor das Schloss einrastete, erreichte ein Geistesblitz den rechten Arm, dieser winkelte sich wieder an, womit die Tür wieder offen stand und das Bild auf Frau freigab. Dieser Blitz im völlig ausgehöhlten Schädel signalisierte die Sinnlosigkeit einer Fluchtreaktion. Die Magensäure zog sich zurück und machte Platz für Wut im Bauch, die schnellstens aus dem dunklen Gefängnis meiner Eingeweide flüchten wollte. Sie gab mir keine Zeit den Filter für wohlgeformte Worte vorzuschalten und so sprudelte ein abgehaktes und mürrisches „Lass mich erst mal rein !“aus meinem verzerrten Mund, unterstützt durch eine ruckartige Bewegung des linken Armes in die Richtung meiner Frau, wodurch sie zurück wich und den Weg in die Wohnung frei gab. Endlich in unseren 4 Wänden flog die Jacke an den Haken der Flurgarderobe, die Tasche knallte auf die Fließen und kurz darauf befand ich mich auf dem Balkon, mit einer Zigarette zwischen den Lippen, geschützt durch die geschlossene Tür zum Wohnzimmer.
So langsam beruhigte sich der Blutdruck, das Hirn nahm wieder seinen angestammten Platz ein und begann mit der Fehleranalyse. Was war jetzt zu tun!? Schon ratterten die ersten Gedanken für das angesagte Handeln:
- Frau beruhigen
- im Keller den Waschautomat begutachten und den Fehler suchen
- Entscheidung ob Reparatur oder gleich ein Neukauf das Richtige ist
- Entscheidung umsetzen
Kurz darauf war klar, wir brauchen neue Geräte. Und weil ich solche Aktionen nicht so schnell wieder erleben möchte, kauften wir Geräte die nach dem Hersteller gut 20 Jahre laufen sollen. Ein goldrichtiger Entschluss!

Am ersten Sonntag im Frühlingsmonat März 2017, also 16 Jahre nach dem historischem Waschmaschinenentschluss, kam ich gegen Mittag von einem Kurzbesuch bei meinem Freund nach Hause zurück. Ich wollte den Fehlkauf einer Glasplatte beim Freund abladen, der nach kurzem Passversuch in der Küche abgewunken hat. Das Chaos dieser Küche beachtete ich nur am Rande. Die Glasplatte sollte daraufhin im Keller geparkt werden. Dort mit dem Teil angekommen, brauchte ich keine Tür aufzuschließen, das Licht brannte schon und meine Frau stand in der mir noch wohlbekannten Haltung, mit Gesicht wie Faust … na Ihr wisst schon …! Wieder zuckte ein Blitz durch meine Glieder, die Bilder von 2001 flimmerten vor dem geistigen Auge. Die Maschine hatte fertig gewaschen und geschleudert und nun wollte sie die frischen Sachen heraus nehmen. Doch das Bullauge wollte nicht aufgehen. Also räumten wir die Maschinen frei, die Kabel und die Sicherung wurden geprüft, ohne negatives Ergebnis. Da kann man eben nichts machen. Via Internet orderte ich einen Servicemensch für den nächsten Tag, dann wollte ich das Gejammer wegen der gewaschenen Klamotten, die vielleicht schimmeln könnten, beenden.
Wir fuhren in die Stadt um neue Luft zu tanken und die Anfrage des Freundes auf ein Gläschen Wein mit Schwatz am Sonntag wahrzunehmen. Natürlich wurde das Thema Waschmaschine sofort erörtert, damit danach andere Themen behandelt werden können. Schlusswort hielt G. mit einer lapidaren Bemerkung über die Erziehungsmethoden gegenüber seiner Waschmaschine. „Wenn das Ding mal nicht aufgehen will, drück ich ihr mein Knie gegen das Bullauge. Dann macht sie von allein auf!“
Der Nachmittag hatte dann andere prickelndere Themen. Am frühen Abend erreichten wir unser Zuhause. Der erste Gang war ein Besuch im Keller und die Frage … ob die Maschine sich nun ein bekommen hat? Und siehe da, die Tür ging auf! Wie war sie froh! So froh, das war schon nicht mehr auszuhalten!
Der Servicemann kam am Tag danach punkt 15:00 Uhr, reinigte die Maschine, las mittels Sensor und Laptop das Fehlerprotokoll aus, es war leer. Sein Fazit: die Maschine läuft nach 16 Jahren noch, als wenn sie neu wäre.
Was also hat diese Frau für Probleme mit Waschmaschinen??? Ich werde als Alternative ein Waschbrett auf dem Flohmarkt kaufen.
