Donnerstag den 23.01.2020
07:00 wie immer. Die Nacht hatte ich sehr gut geschlafen, auch der Wecker hatte seine Daseinsberechtigung. Nach dem kurzen Morgenspaziergang begann die Gesprächsrunde gegen 08:15 Uhr. Einmal die Runde herum wie es uns heute geht. Meine Frau klagte über Sodbrennen und einer der Herren über Rückenschmerzen. Mir tut der Rücken auch ein wenig weh, das kommt aus meiner Sicht von der ungewohnten Anstrengung der Chirogymnastik. Als Sesselfurzer und ständiger Autofahrer fehlt mir die Stabilität der Rückenmuskulatur. Ansonsten geht es allen sehr gut.
Das heutige Thema war Kauschulung. Claudia brachte „alte“ Dinkelbrötchen mundgerecht geschnitten mit, die wir langsam zerkauen sollten. Erst wenn alles durch den Speichel zu Brei verarbeitet war sollte man schlucken. Der Speichel signalisiert dem Magen auf was er sich vorbereiten kann, um die richtige Magensäure bereit zu stellen. Nur eine Teilnehmerin tat das auch. Alle anderen befürchteten durch die Nahrungszufuhr wieder Hungergefühle. Die hatten wir seit Tagen nicht mehr. Sie war ein bisschen enttäuscht, konnte aber nichts dagegen tun.
09:30 Uhr fuhren wir nach Nebra zur Himmelsscheibe. https://www.himmelsscheibe-erleben.de/ Die meisten kannten das schon. Aber wir wollten ja auch ein bisschen unterhalten werden. Es gab eine Führung durch das Museum und eine Vorführung im Planetarium. Dann fuhren wir Richtung Aussichtsturm und gingen dann noch 300 Meter durch den Wald bis zur Lichtung. Dort wurde die Himmelscheibe gefunden.
Der Turm, bei aller Funktionalität, ist aus reinem Beton hingestellt worden. Ohne Schnörkel, ohne architektonischen Glanz. Vor 200 Jahren hätten sich die Architekten hier ausgetobt. Heute braucht man dazu nur Betonbauarbeiter. Die Funktionalität ist gut, die Ansicht grottenschlecht. Als wir wieder in Koster Donndorf waren, ersparte ich mir die Brühe. Denn langsam sträubt sich auch bei mir der Magen. Wir hatten bis 17:00 Uhr Zeit für uns. Ich konnte ganz gut schlafen.
17:00 Uhr Chirogymnastik. So langsam werden meine Glieder, Muskel und Gelenke geschmeidig. Spaß ist etwas anderes und doch tut es mir gut.
18:00 Uhr Brühe. Mit etwas Überwindung nahm ich einen Teller voll, mit Petersilie. Das Gute daran sind die Gespräche mit den anderen. Diesmal bemerkte ich, dass die Petersilie schon nach einer Stunde meinen Körper wieder verließ. Auch rieche ich mich selbst. Wenn der Körper an die Fettreserven geht und Entschlackt, gibt es einen markanten Geruch, den man wahrscheinlich nur selbst riecht. Nicht gerade vorteilhaft. Und wenn die Mädels in der Nähe sind, sträubt sich meine Nase, wegen des derben Geruchs der Deos oder anderer kosmetischen Gerüche. Das kann auch wehtun.
19:00 Uhr Zeit für Gespräche im Seminarraum. Tee Zeit und Basenfußbad. Wir waren nur zu Dritt. Andere nutzten die Sauna oder verschwanden im Zimmer. Das Fußbad ist sehr gut, denn die Füße bleiben trotz der geringen Energiezufuhr die ganze Nacht warm.
Jetzt ist es nur noch ein Tag bis zum Fastenbrechen. Die Zeit vergeht hier wie im Fluge. Man lernt neue Menschen kennen, trifft Menschen aus ehemaligen Kursen der vergangenen Jahre wieder, lernt nicht nur im Seminar, sondern auch von allen Anwesenden. Für mich ist das eine Bereicherung und eine Auszeit, die kein Urlaub bieten kann. Und trotzdem freue ich mich auf den obligatorischen Bratapfel am Samstag und mein Zuhause.
Freitag den 24.01.2020
07:00 Uhr wie immer. Einlauf, Trockenbüsten, Körperpflege. Danach hatte ich wieder ein wenig Zeit für mich. Die Andacht schwänzte ich wie so oft. 08:15 Uhr Gesprächskreis. Thema: Essen. Ich hörte einfach weg. Wir machten uns Pfefferminztee und ich lutschte wie schon so oft Zitronen aus. Die Tante da vorn wiederholt sich. Das macht einfach schläfrig. Danach war Wandern angesagt. Auch hier seilte ich mich ab. Im Nachbardorf Langenroda gibt es eine kleine Schlachterei. Dort kaufte ich so ein paar Wurstsorten. Als die Verkäuferin mir die Wurst zu kosten anbot, hätte ich ja gern … aber bis Sonntag werde ich nicht daran gehen. Auch wenn es sehr verlockend gewesen ist. Diese kleinen dörflichen Schlachtereien haben ihre eigene Note und Gewürze. Da lohnt sich das Ausprobieren. Den Einkauf kann ich im Auto lassen, denn bei -4 bis 0 Grad funktioniert es wie im Kühlschrank.
11:00 Uhr Chirogymnastik: Ich war ja skeptisch gegenüber dieser Körperertüchtigung. Nun möchte ich es fast nicht mehr missen. Nach diesen 5 Tagen Training fühle ich meinen Körper mit jeder Faser und bin viel gelenkiger.
Nach der Mittagsruhe mit Leberwickel und einer Mütze Schlaf, gab es einen Vortrag der die Übersäuerung zum Thema hatte. Alles sehr theoretisch. Ich war froh als die Türen aufgemacht wurden und eine Wanderung ganz speziell nach dem Motto „Achtsame Naturerfahrung“ auf der Tagesordnung stand. Jeder für sich und alleine. Das ist doch etwas für den einsamen Wolf.
18:00 Uhr Brühe. Heute gab es rote Beete Brühe ohne Salz wie immer. Das war einfach ekelhaft, so richtig zum Abgewöhnen, wenn man überhaupt von Gewöhnung sprechen kann.
Ab 19:00 Uhr einen Vortrag über Aufbautage. Was sollte man nach dem Fastenbrechen in den nächsten 3 Tagen essen und was muss vermieden werden, um den Fasteneffekt nicht zu stören. Na ja, mal sehen was sich umsetzten lässt.
Zu guter Letzt bekamen wir eine Fastenbowle nach Art des Klosters. Ein bisschen Apfelsaft mit Ingwer und anderen Kräutern. Herrlich. Was für ein Geschmack!
Samstag den 25.01.2020
Fastenbrechen! 07:00 Uhr Morgenprogramm und Taschen packen. 09:30 Uhr müssen die Zimmer frei sein. Das Personal hat gut zu tun, denn es reisen insgesamt fast 30 Faster ab. Am Sonntag kommen schon wieder die nächsten Kurse zum Fasten. Diesmal ging ich zur Andacht. Die alte Pastorin stellte den neuen, sehr jungen Pfarrer vor. Das war schon ein wenig feierlich.
Dann treffen sich fast alle im Seminarraum. Birgit (71) wurde schon gegen 9 Uhr von ihrem Mann abgeholt, für sie stand noch eine Geburtstagsfeier mit einem 100-Jährigen an. Gar nicht so einfach nach dem Fasten.
Auswertungsrunde mit ausfüllen der Bewertungsbögen für alles Mögliche. Das finde ich immer nervig. Dann aber kommen die Bratäpfel. Es riecht wie zu Weihnachten. Angemacht mit Honig, Zimt und einer Nelke. Ein Gedicht! Und schon ist Ruhe im Raum. Jeder hat mit seinem Apfel zu tun. Mit Messer und Gabel wird er seziert und in kleinen Stücken gekaut. So lange bis die Happen zu Brei geworden ist und wie von selbst in den Magen rutscht. Es ist eine Zeremonie des Geschmacks, an der alles Synapsen im Mund beteiligt sind. Im Grunde unbeschreiblich.
Nach der Stille des Genießens verabschiedete uns die pensionierte Pastorin der Klosterkirche. Dann war alles vorbei.