Alles fing schon am Freitag zuvor an. Die telefonische Absprache für das Treffen am Montag endete mit 10:00 Uhr am Markt der Kleinen Stadt, oder nein wir können uns auch an der Käsescheune treffen. Ende der Worte. Alles klar, am Montag 10:00 Uhr an der Käsescheune der kleinen Stadt.
Montag … Ich hatte Zeit. Brauchte man doch maximal 1 Stunde von Erfurt zur kleinen Stadt. Autobahn war nicht nötig, entlang der Bundesstraßen fährt man viel gemütlicher. Vor Weimar war die Bundesstraße komplett gesperrt. Jetzt musste ich auf Landes- und Kreisstraßen zurückgreifen. Alles kein Problem. Dann der nächste Rückschlag. Die B 85 in Buttelstedt ist ebenfalls komplett gesperrt. Eine großzügige Umleitung über Apolda war ausgeschildert. Mein Navi meldete die Ankunft in der kleinen Stadt gegen 9:35 Uhr. Zuerst fuhr ich auf den Markt, weil er der zentrale Platz der Stadt ist. Dann erinnerte ich mich an die Absprache am Freitag und fuhr zum Platz an der Käsescheune.
In aller Ruhe bereitete ich mich und das Fahrzeug auf den Arbeitstag vor. Die Messgeräte funktionierten fehlerfrei, alle Akkus waren komplett geladen. Zufrieden steckte ich mir eine Zigarette an und musterte das umliegende Treiben. Kurz vor 10 Uhr wurde ich schon ein wenig unruhig, weil sie sonst immer pünktlich zur Stelle war. Ungewöhnlich für eine Frau.
Kurz nach 10 Uhr klingelte das Telefon:
Sie: „Wir sind am Markt!“
Ich: „An der Käsescheune war ausgemacht.“
Sie: „Mist! Was machen wir jetzt?“
Ich: „Ich komme zum Markt.“
Bei unserem Termin um 11 Uhr in einer Behörde spielte sich dann folgendes ab:
Auf den Weg zum Chef dort, traf ich ihn auf der Treppe. Er schaute mich ungläubig an und sagte dann etwas verdattert: „Herr R. haben wir heute einen Termin?!“
Ich: „Am Freitag baten sie mich noch den Termin von 10 Uhr auf 11 Uhr zu verlegen.“
Er: Suchte im Terminkalender und erschrak. 9 Uhr hatte er einen Termin außerhalb der Behörde, weswegen mein Termin um eine Stunde verschoben worden ist. Das hatte er auch schon vermasselt. Und weil meine Kollegin immer mal sticheln musste, um ihn zu ärgern, gab ich dem Herrn mir gegenüber die Geschichte unserer Abstimmung für das Treffen preis. Dann war Ruhe an der weiblichen Front.
Für den Abend hatte ich eher Ruhe angedacht, schon weil es ihr offensichtlich nicht so gut ging. Jedenfalls tagsüber. Ich hatte wieder im Hotel nahe des Zentrums der großen Stadt gebucht. Die Kollegin wohnt ca.10 Minuten davon entfernt, was wir schon öfters für einen kulturellen Abend oder zum Plaudern bei einem Gläschen Wein nutzten. Ich genieße diese Abwechslung und Aufmerksamkeit gern. Ruhige Abende im Hotel oder allein im Biergarten habe ich zuhauf.
Sie wollte am Fluss spazieren gehen und etwas Leichtes essen. Ein Süppchen beim Vietnamesen zum Beispiel. Sie kennt aber meine Abneigung zu asiatischen Lokalen. Deshalb wirbt sie schon einige Jahre für einen Besuch beim Vietnamesen. Jetzt hatte sie mich soweit. Als ich im Hotel war, rief sie an, sie gehe jetzt zu Hause los. Also ging ich auch los.
Wir treffen uns wie immer am Kreisverkehr, Richtung Altstadt. Hatte ich gedacht. Erst essen gehen, damit die Speisen noch verdaut werden können und dann die Bewegung am Fluss entlang. Doch sie kam nicht. Meine Platzierung ermöglichte es alle 5 Straßen einzusehen. Nach einer Weile rief ich sie doch an. Es war wie es kommen musste. Sie wartet am Hotel, das ich endlich raus komme und ich war am Kreisverkehr, der ca. 600 Meter davon entfernt ist.
Weil die Denke einer Frau völlig von meiner abweicht. Erst spazieren am Fluss um die Sonne noch zu nutzen, dann essen gehen. Das Hotel liegt näher am Fluss, deshalb ist sie dorthin gegangen. Wenn sie es eindeutig kommuniziert hätte, in welcher Reihenfolge was passieren solle, hätte meine Logik wegen dem späten Abendessen gestochen. Verstehe einer die Frauen!
Das Ende vom Lied: Wir sind am Fluss spazieren gewesen, weil ich auf das Abendessen verzichtete. (Vietnamese muss nun wirklich nicht sein) Das Wetter zwang sie jedoch einen kurzen Spaziergang zu machen und so landeten wir in einer Kneipenstraße, wo sie etwas gegessen hat und ich den Wein probierte.
Ein ganz normaler Nachsonntag, also!