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Donnerstag, 8. Januar 2026

8. Janaur

Das Älterwerden
Wilhelm Busch

Das große Glück, noch klein zu sein,
sieht mancher Mensch als Kind nicht ein
und möchte, dass er ungefähr
so 16 oder 17 wär'.

Doch schon mit 18 denkt er: "Halt!
Wer über 20 ist, ist alt."
Warum? Die 20 sind vergnüglich -
auch sind die 30 noch vorzüglich.

Zwar in den 40 - welche Wende -
da gilt die 50 fast als Ende.
Doch in den 50, peu à peu,
schraubt man das Ende in die Höh'!

Die 60 scheinen noch passabel
und erst die 70 miserabel.
Mit 70 aber hofft man still:
"Ich schaff' die 80, so Gott will."

Wer dann die 80 biblisch überlebt,
zielsicher auf die 90 strebt.
Dort angelangt, sucht er geschwind
nach Freunden, die noch älter sind.

Doch hat die Mitte 90 man erreicht
- die Jahre, wo einen nichts mehr wundert -,
denkt man mitunter: "Na - vielleicht
schaffst du mit Gottes Hilfe auch die 100!"

Mit diesem Geburtstagsgedicht für Uschy beende ich in diesem Jahr den Adventskalender. Ich hoffe, ihr hattet daran genauso viel Freude wie ich. Vielleicht gibt es in diesem Advent wieder einen, das weiß ich derzeit noch nicht. 😊


Donnerstag, 1. Januar 2026

1. Januar

Der Januar
Erich Kästner

Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Der Weihnachtsmann ging heim in seinen Wald.
Doch riecht es noch nach Krapfen auf der Steige.
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Man steht am Fenster und wird langsam alt.

Die Amseln frieren. Und die Krähen darben.
Und auch der Mensch hat seine liebe Not.
Die leeren Felder sehnen sich nach Garben.
Die Welt ist schwarz und weiß und ohne Farben.
Und wär so gerne gelb und blau und rot.

Umringt von Kindern wie der Rattenfänger,
tanzt auf dem Eise stolz der Januar.
Der Bussard zieht die Kreise eng und enger.
Es heißt, die Tage würden wieder länger.
Man merkt es nicht. Und es ist trotzdem wahr.

Die Wolken bringen Schnee aus fernen Ländern.
Und niemand hält sie auf und fordert Zoll.
Silvester hörte man’s auf allen Sendern,
dass sich auch unterm Himmel manchen ändern
und, außer uns, viel besser werden soll.

Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Und ist doch hunderttausend Jahre alt.
Es träumt vom Frieden. Oder träumt’s vom Kriege?
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Und stirbt in einem Jahr. Und das ist bald.

Mit diesem Gedicht von Erich Kästner begrüße ich euch und das neue Jahr. Ich hoffe, ihr hattet einen schönen Silvesterabend und seid gut in's neue Jahr gerutscht. Ich freue mich auf ein weiteres, inspirierendes Blogjahr.

Mittwoch, 31. Dezember 2025

31. Dezember

Spruch für die Silvesternacht
Erich Kästner

Man soll das Jahr nicht mit Programmen
beladen wie ein krankes Pferd.
Wenn man es allzu sehr beschwert,
bricht es zu guter Letzt zusammen.

Je üppiger die Pläne blühen,
um so verzwickter wird die Tat.
Man nimmt sich vor, sich zu bemühen,
und schließlich hat man den Salat!

Es nützt nicht viel, sich rotzuschämen.
Es nützt nichts, und es schadet bloß,
sich tausend Dinge vorzunehmen.
Lasst das Programm! Und bessert euch drauflos!


Freitag, 26. Dezember 2025

26. Dezember

Christbaum
Peter Cornelius

Wie schön geschmückt der festliche Raum!
Die Lichter funkeln am  Weihnachtsbaum!
O fröhliche Zeit! O seliger Traum!

Die Mutter sitzt im Kinder Kreis;
nun schweig alles auf ihr Geheiß:
sie singe des Christkinds Lob und Preis.

Und rings, vom Weihnachtbaum erhellt,
ist schön in Bildern aufgestellt
des heiligen Buches Palmenwelt.

Die Kinder schauen der Bilder Pracht,
und haben wohl des Singens acht,
das tönt so süß in der  Weihenacht!

O glücklicher Kreis im festlichen Raum!
O goldne Lichter am Weihnachtsbaum!
O fröhliche Zeit! O seliger Traum!



Donnerstag, 25. Dezember 2025

25. Dezember

Weihnachtslied
Friedrich Dannemann

Nun bricht die heil’ge Nacht herein
mit Glockenklang und Kerzenschein,
und jedem grünen Tannenbaum
erstrahlt ein lichter Märchentraum.

Wie ziehst du still in meine Brust,
o wundersel’ge Weihnachtslust!
Vor meinen Blicken wird es weit –
und lächelnd winkt die Jugendzeit.

Sie naht mit leisen Feentritt, -
ach, alle Wonnen bringt sie mit;
des Lebens Sorge, Gram und Weh‘
versank in des Vergessens See.

O läutet, Glocken, läutet hell!
Verlöscht! ihr Kerzen, nicht  zu schnell!
im Osten blinkt der Morgenstern:
sei mir gegrüßt, du Tag des Herrn!



Mittwoch, 24. Dezember 2025

24. Dezember

Die heilige Nacht
Eduard Mörike

Gesegnet sei die heilige Nacht,
die uns das Licht der Welt gebracht!

Wohl unter lieben Himmelszelt
die Hirten lagen auf dem Feld.

Ein Engel Gottes, licht und klar,
mit seinem Gruß tritt auf sie dar.

Vor Angst sie decken ihr Angesicht,
da spricht der Engel: „Fürchtet euch nicht!“

„Ich verkünd euch große Freud:
Der Heiland ist geboren heut.“

Da gehn die Hirten hin in Eil,
zu schaun mit Augen des ewig Heil:

zu singen dem süßen Gast Willkomm,
zu bringen ihm ein Lämmlein fromm.

Bald kommen auch gezogen fern
die heil’gen drei König’mit ihrem Stern.

Sie knien vor dem Kindlein hold,
schenken ihm Myrrhen, Weihrauch, Gold.

Vom Himmel hoch der Engel Heer
frohlocket: „Gott in der Höh sei Ehr!“

Mit diesem Gedicht von Eduard Mörike wäre theoretisch mein Adventskalender beendet. Allerdings geht es in den nächsten Tagen noch ein klein wenig weiter. Gern könnt ihr wieder jeden Morgen vorbeischauen. Ich wünsche euch allen einen schönen Heiligabend, mit einer schönen Zeit mit euren Lieben, genießt den Kerzenschein, die Ruhe, die Stille, das gute Essen und was auch immer zu genießen ist.

Dienstag, 23. Dezember 2025

23. Dezember

Weihnachtslied
Theodor Storm

Vom Himmel in die tiefsten Klüfte
ein milder Stern herniederlacht;
vom Tannenwalde steigen Düfte
und hauchten durch die Winterlüfte,
und kerzenhelle wird die Nacht.

Mir ist das Herz so froh erschrocken,
das ist die liebe Weihnachtszeit!
Ich höre fernher Kirchenglocken
mich lieblich heimatlich verlocken
in märchenstille Herrlichkeit.

Ein frommer Zauber hält mich wieder,
anbetend, staunend muss ich stehn;
es sinkt auf meine Augenlider
ein goldner Kindertraum hernieder,
ich fühl’s, ein Wunder ist geschehn.



Montag, 22. Dezember 2025

22. Dezember

Vom Christkind
Anna Ritter

Denkt euch, ich habe das Christkind geseh’n!
Es kam aus dem Wald, das Mützchen voll Schnee,
mit rotgefrorenem Näschen.

Die kleinen Hände taten ihm weh,
denn es trug einen Sack, der war gar schwer,
schleppte und polterte hinter ihm her.
Was drin war, möchtet ihr wissen?

Ihr Naseweise, ihr Schelmenpack,
meint ihr, er wäre offen, der Sack?
Zugebunden bis oben hin!

Doch war gewiss etwas Schönes drin,
es roch so nach Äpfeln und Nüssen!
 


 

Sonntag, 21. Dezember 2025

21. Dezember

Schenken
Joachim Ringelnatz

Schenke groß oder klein
aber immer gediegen.
Wenn die Bedachten
die Gaben wiegen,
Sei dein Gewissen rein.

Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei
was in dir wohnt
an Meinung, Geschmack und Humor,
so dass die eigene Freude zuvor
dich reichlich belohnt.
Schenke mit Geist und ohne List.
Sei eingedenk,
Dass dein Geschenk
du selber bist.



Samstag, 20. Dezember 2025

20. Dezember

Weihnachten
Martin Greif

Ein Bäumlein grünt im tiefen Tann,
das kaum das Aug erspähen kann,
dort wohnt es in der Wildnis Schoß
und wird gar heimlich schmuck und groß.

Der Jäger achtet nicht darauf,
das Reh spring ihm vorbei im Lauf
die Sterne nur, die alles sehn,
erschauen auch das Bäumlein schön.

Da mitten in des Winters Graus,
erglänzt es fromm im Elternhaus,
wer hat es hin mit einem Mal
getragen über Berg und Tal?

Das hat der heilge Christ getan.
sieh dir nur recht das Bäumlein an!
der unsichtbar heut eingekehrt,
hat manches Liebe dir beschert.


 

Freitag, 19. Dezember 2025

19. Dezember

Der erste Zug
Hans Kruppa

Nimm in der Liebe
immer gleich den ersten Zug,
auch wenn du nicht 
auf eine Reise vorbereitet bist.

Der zweite, falls er kommt,
wird dich nicht dorthin bringen,
wohin der erste dich gebracht hätte.

Der zweite Zug hat immer
auch nur das zweitbeste Ziel.



Donnerstag, 18. Dezember 2025

18. Dezember

Dank an Weihnachten
Gustav Falke

Nun leuchten wieder die Weihnachtskerzen
und wecken Freude in allen Herzen.
Ihr lieben Eltern, in diesen Tagen,
was sollen wir singen, was sollen wir sagen?

Wir wollen euch wünschen zum heiligen Feste
vom Schönen das Schönste, vom Guten das Beste!
Wir wollen euch danke für alle Gaben
und wollen euch immer noch lieber haben.



Mittwoch, 17. Dezember 2025

17. Dezember

Christbaum
Ada Christen

Hörst auch du die leisen Stimmen
aus den bunten Kerzlein dringen?
Die vergessenen Gebete
aus den Tannenzweiglein singen?
Hörst auch du das schüchternfrohe,
helle Kinderlachen klingen?
Schaust auch du den stillen Engel
mit den reinen, weißen Schwingen?
Schaust auch du dich selber wieder
fern und fremd nur wie im Träume?
Grüßt auch dich mit Märchenaugen
deine Kindheit aus dem Baume?


Dienstag, 16. Dezember 2025

16. Dezember

Glück
Hans Kruppa

Tee mit Honig trinken
und Musik hören,
das ist Glück.
Sich freuen
über einen Freund,
weil er sich
über Kleinigkeiten freut,
das ist Glück.
Nichts wollen,
wunschlos sein,
das ist Glück –
hier und jetzt sein,
ganz im Augenblick:
morgen kommt zu spät,
und gestern war einmal.



Montag, 15. Dezember 2025

15. Dezember

Ein Gast
Robert Gernhardt

Das Alter klopft an meine Tür:
„Du bist da drin, ick spüre dir.“

Ich mach nicht auf und flüstre schwach:
„Lern du zuerst mal deutscher Sprach.“

Worauf der Gast zu gehen geruht.
-    Ey, Alter! Das ging nochmal gut.

Sonntag, 14. Dezember 2025

14. Dezember

Frühstück im Klinikum der
Johann Wolfgang Goethe-
Universität Frankfurt am Main
Robert Gernhardt

Von Wand und Frau,
von Tass‘ und Mann,
von allen blickt dich
Goethe an.

Blickt starr auf all
die kranken Leute:
„Grüß Gott! Wie fühlen wir
uns heute?“

Blickt von der Tass‘
auf mich und sinnt:
„Wie geht es dir, mein
liebes Kind?“

„Bin weder Kind
noch lieb. Sollst wissen:
Mir geht’s heut morgen
echt besch……“



Samstag, 13. Dezember 2025

13. Dezember

Winterabend
Ferdinand von Saar

Wie muss der Tag sich neigen
Im Winter, ach, so bald:
Ein tiefes, mildes Schweigen
Liegt über Flur und Wald.

Am Himmel noch ein Schimmern,
Ein letztes, doch kein Stern,
Trübrote Lichter flimmern
Aus Hütten still und fern.

Und trüb und immer trüber
Der Landschaft weiter Kreis;
Es zieht der Bach vorüber
Eintönig unterm Eis.

Horch, welch leises Beben
Urplötzlich in der Luft?
Geheimnisvolles Weben,
Geheimnisvoller Duft.

Wie ferne, ferne Glocken
Erklingts – so wohl – so weh -:
Da fällt in dichten Flocken 
Zur Erde sanft der Schnee.


Freitag, 12. Dezember 2025

12. Dezember

Portrait
Robert Gernhardt

Das Leben zeichnet mich:
Da hast du dein Gesicht!
Lass stecken, sage ich,
dein Werk gefällt mir nicht.

Die Haut ist mir zu fahl.
Das Haar ist mir zu dünn.
Auch säh‘ ich mich gern schmal,
mit ausgeprägtem Kinn.

Das Leben schreit: Es reicht!
Welche lachhafte Beschwerden!
Willst du ab jetzt vielleicht
vom Tod gezeichnet werden?


Donnerstag, 11. Dezember 2025

11. Dezember

Mondgedicht
Robert Gernhardt

..,-
fertig ist das Mondgedicht.



Mittwoch, 10. Dezember 2025

10. Dezember


Wintertrost
Martin Greif

Welche Wandlung über Nacht
Hat den Wald beschlichen,
Braun noch gestern, sieht erwacht
Er sein Haar verblichen.

Eis in langen Zapfen hängt
Rings von alles Ästen,
Weiß der Silberbart sich mengt,
Mit des Laubes Resten.

Wohl, Natur in solchem Bilde
Mahnt sie an das Alter,
Wäre nicht der Winter mild
Auch ein Welterhalter.

Lasse dort die Eiche, grau,
Näher dich belehren:
Rieselt erst des Frühlings Tau,
Wird das Grün ihr kehren.