Zwei Monate begleitet uns nun schon die Diagnose Krebs und wir arrangieren uns mehr oder weniger gut damit. Es gibt Tage, da gelingt es besser und es gibt Tage, da gelingt es eben nicht so gut. Steffen geht gut damit um, er ist fast immer positiv gestimmt, er hat auch sonst ein sonniges Gemüt. Ich denke manchmal, dass die ganze Situation meine Kräfte übersteigt. Es kommt dazu, dass in den letzten 14 Tagen drei Kolleginnen auf Arbeit ausgefallen sind und wir nur noch zu dritt waren. Manchmal ist es dann bei mir eben so, dass mich kleinste Kleinigkeiten schon zu Tränen rühren. Die morgendliche Routine kostet mich manchmal ganz dolle viel Kraft.
Dann kommt noch dazu, dass ich in der Nacht von Montag zu Dienstag ganz furchbar schlecht geträumt habe (Steffen hatte mich verlassen, ohne Grund und war auch nicht bereit, mit mir zu reden). Ich glaube, einen schrecklicheren Traum hatte ich noch nie. Ich bin aus diesem Traum auch nicht aufgewacht. Auch wenn ich halbwach war, ging der Traum beim Schlaf dann weiter. Das Ende vom Traum war eine Nacht mit Kopfschmerzen und ein verspannter Nacken, der mich auch heute noch beschäftigt. Zum Glück war es nur ein Traum!!!
Steffen ist seit Dienstag wieder im Krankenhaus, allerdings konnte mit der Chemo erst am Donnerstag begonnen werden, da die Blutwerte nicht so gut waren. Am Mittwoch wurde dann ein CT gemacht und da war alles wieder da, so präsent, wie schon lange nicht mehr. Im Trubel des Alltags wurden die Gedanken dann wieder kleiner, bis Steffen mich am Donnerstag versuchte, telefonisch zu erreichen. Ich hatte allerdings selbst telefoniert, deswegen konnte ich auf dem Festnetz nicht rangehen und auf dem Handy musste ich ihn wegdrücken. und dann kam eine Nachricht "Ruf bitte mal an". Achtu scheiße, so schlimm??? Soald es mir möglich war, habe ich zurückgerufen und nein, es war nicht schlim, sondern ganz im Gegenteil: Das CT ist gut ausgefallen. Das, was zu sehen war, ist kaum noch da, nur noch ein Schatten (seiner selbst 😂).
Oh, das war die schönste Nachricht seit zwei Monaten, ich musste sofort tränen und selbst dem Chef fiel auf, dass ich gestrahlt habe, denn er fragte beim Guten Morgen-Sagen, was los sei, ich würde so fröhlich aussehen...
Auch wenn ich am Donnerstag bis halb fünf arbeiten musste, bin ich danach noch zu Steffen ins Krankenhaus gefahren, ich musste ihn einfach sehen.
Ich war über diese Nachricht so glücklich, dass ich am gleichen Abend noch einen Gelmerodaquilt begonnen habe. Mein Plan war ja, jeden Monat passend zum Kalenderbild einen Quilt zu nähen. Nun hängt schon das Bild von April und daneben der Quilt vom März, die Farben beißen sich, aber es war mir - ehrlich gesagt - egal. Ich habe gesehen, dass es nicht passt, aber es war keine Kraft da, um es zu ändern. 😓
Bis Donnerstag, dann war die Kraft urplötzlich zurück. Und so habe ich in meinen Kisten geguckt und die passenden Stoffe gesucht.
Das Kalenderblatt ist in den Farben gehalten. Es war gar nicht ganz so einfach, die passenden Stoffe zu finden, insbesondere die im grauen Bereich fehlten. Aber am Ende habe ich doch ganz passable Stoffe gefunden und begonnen, den unteren Teil vom Quilt zu nähen. Ich habe aber auch gemerkt, dass ich lange keinen Gelmerodaquilt mehr genäht habe, der schwarze war tatsächlich der Letzte. Ich musste oft trennen, war mit meinen Gedanken oftmals bei Steffen und habe viel nachgedacht, ob ich mich nicht zu früh freue.
Aber ich habe es geschafft und den unteren Bereich am Donnerstag fertig genäht. Ein Teil mit Ecken und Kanten:
Heute morgen habe ich dann an meinen Quilt weitergenäht (ich glaube, die letzten kleinen Quilts habe ich oftmals in einem Rutsch genäht). Ich bin extra in's Wohnzimmer umgezogen, damit ich Johannes nach seiner Nachtschicht nicht störe. Das obere Teil fiel mir leichter zu nähen, vielleicht weil ich nicht mehr so aufgewühlt von der Nachricht vom Donnerstag war.
Mein Top gefällt mir gut, ich habe es gleich zu Steffen mit in's Krankenhaus genommen, um es ihm zu zeigen. Ich glaube, ihm hat es auch gefallen. Einen "Fehler" hat mein Top: Die dunkle Stelle an der rechten Seite passt nicht in's Bild. Ich habe auch überlegt, diese Stelle zu ändern, aber ich werde die Stelle genauso lassen, wie sie ist, denn sie steht doch für mein Gefühlschaos von den letzten Tagen.
Ich habe mein Top im Krankenhaus im Aufenthaltsraum aufgehängt und auf mich wirken lassen und bin zu dem Schluss gekommen, dass das Top genauso bleibt, wie es ist! Und von der Ferne wirkt das blaue Stück gar nicht mehr so blau:
Auf dem Fotos sind auch meine neuen Sachen zu sehen. Am Donnerstag war ich in der Mittagspause kurz draußen und habe auf dem Weg in's Büro eine Bluse und einen Blazer gesehen, die mir gut gefallen haben. Nach der Arbeit hatte ich vergessen, in den Laden zu gehen. Heute bin ich dann vor dem Krankenhaus in den Laden gefahren und habe die Sachen anprobiert und habe ich so wohl darin gefühlt, dass ich sie gekauft habe. Ich habe die neuen Sachen dann gleich im Laden angezogen, um Steffen damit zu überraschen. Er meinte auch, ich würde darin sehr gut aussehen und richtig strahlen. Ja, heute war ein schöner Tag und ich habe gestrahlt!
Wir haben beide gestrahlt!