- Text von Andrea Tuschka
- Illustrationen von Rebekka Stelbrink
- BOHEM Press 2025 www.bohem-verlag.de
- gebunden
- Fadenheftung
- 36 Seiten
- Format: 24,5 x 32 cm
- 20,00 € (D), 20,60 € (A), 27,50 sFr.
- ISBN 978-3-95939-235-8
- Bilderbuch ab 3 Jahren (laut Verlag)
- Bilderbuch ab 5 Jahren (laut Einschätzung des mütterlichen Blog-Lesepublikums)

WIEDER ZUEINANDERFINDEN
Bilderbuchrezension von Ulrike Sokul ©
Wie gut, daß manchmal eine gewisse Wegstrecke zu überwinden ist, bevor eine wut-erfüllte Mitteilung voll unversöhnlicher Worte den Empfänger erreicht. Denn wenn die Wut verraucht ist und Herz und Kopf wieder klarsehen, zeigt sich oft, daß der Anlaß zu Wut und Streit gar nicht so bedeutsam war und daß der Wert der Freundschaft Unstimmigkeiten und Mißverständnisse bei weitem überwiegt. An der Oberfläche kann es schon mal krachen, aber in der Herzenstiefe findet sich Verbundenheit. Ein solches Szenario wird nun im Bilderbuch „Stille Post“ anschaulich und amüsant erzählt.
Bär und Maus sind schon lange miteinander befreundet. Die Maus hat ihre Wohnhöhle auf einer Waldlichtung im Tal, der Bär hingegen seine auf dem Berg. Regelmäßig besucht der Bär die Maus, und sie plaudern dann stundenlang „über Gott und die Welt“.
Doch einmal geraten sie gewaltig in Streit, und keiner der beiden gibt nach oder lenkt ein. Der Bär ist sehr verärgert und stapft schimpfend den Berg hoch. Die Maus ist mindestens genauso ärgerlich und wütend und formuliert kurzerhand eine vierzeilige, sehr rechthaberische, unversöhnliche Nachricht für den Bär. Da sie jedoch keine Lust hat, den ganzen Berg hinauf zum Bär zu laufen, gibt sie ihre Nachricht mündlich an den Biber weiter.
Der Biber gibt diese Nachricht dann an den Hasen weiter, aber weil er beim Sprechen so bibbert, kommen die Worte schon etwas durcheinander. So wird die Nachricht von Hase zu Murmeltier, von Murmeltier zu Muschel, von Muschel zu Maulwurf weitertranspor-tiert und erfährt durch diverse akustische Vermurmelungen, Vermuschelungen und eigenwillige Interpretationen der jeweiligen Weitersager eine beachtliche Verwandlung. Aus einer ablehnenden, unversöhnlichen Nachricht wird eine entgegenkommende und versöhnliche Nachricht.
Der Bär ist hocherfreut über die einladenden Worte der Maus. Denn inzwischen tut ihn der Streit schon sehr leid. Er backt schnell einen Honigkuchen und macht sich frohen Mutes auf den Weg bergab zu seiner Freundin. Auch die Maus ist inzwischen zur Besinnung gekommen und bereut ihre harten Worte. Umso erfreuter ist sie darum, daß der Bär gleichwohl einen ersten Versöhnungsschritt auf sie zugeht.
Bär und Maus fallen sich herzlich in die Arme, entschuldigen sich wechselseitig für ihr Streitverhalten, versichern sich erneut ihrer Freundschaft und futtern einvernehmlich Honigkuchen.
In diesem Bilderbuch wird das Thema Streit und Versöhnung mit augenzwinkernder Heiterkeit, Wortwitz und durch einen lebensnahen Kommunikationsstil inszeniert. Wie sich Bär und Maus durch ihren Streit zunächst voneinander abwenden, dann – auch dank der Nachhilfe durch die positiven weitersagerischen Einflüsse – wieder annähern und ein gewissermaßen streiterprobtes neues Miteinander finden, ist ein gutes Vorbild für die kindliche Herzensbildung.
Die außergewöhnlichen Illustrationen geben der Geschichte ein sehr schönes Bühnenbild. Bühnenbild meine ich in diesem Falle sogar buchstäblich, denn die Illustratorin hat die Szenenbilder aus sehr detaillierten Papiercollagen mit feinen zeichnerischen und farblichen Nuancen gestaltet, die ein beachtliches räumliches Erscheinungsbild erzeugen. Dieser optische Effekt wird beim Titelbild durch den Prägedruck noch einmal verstärkt und wirkt auch haptisch äußerst einladend.
Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.bohem.ch/katalog/stille-post/
Die Autorin:
»Andrea Tuschka wurde 1982 in Bonn geboren. Nach ihrem Studium der Germanistik und Anglistik landete sie über Umwege im Lehrerberuf und unterrichtet heute an einem Berufskolleg. Auch wenn sie viel von der Welt gesehen hat, kehrte sie immer wieder in ihre Heimatstadt zurück und lebt dort heute mit ihrem Mann und den Kindern.«
Die Illustratorin:
»Rebekka Stelbrink geboren 1988, hat in Marburg Erziehungs- und Bildungswissenschaft studiert und mehrere Jahre als Erzieherin gearbeitet, bevor sie ihrem Traum folgte, Kinderbücher zu illustrieren. Ihre Illustrationen gestaltet sie als analoge Papiercollagen mit Aquarell- und Acrylfarbe, Pinsel, Buntstift, Schere und Kleber und lässt so detail-reiche Papierwelten entstehen – und ziemlich hohe Schnipselberge. Sie lebt mit ihrem Mann, ihren drei Kindern und allerlei Tieren in der Nähe von Marburg.«


