DUDEN: Vergessene Wortschätze 2025

DUDEN Vergessene Wortschätze 2025 Titelbild

WORTWAHL

Kalenderrezension von Ulrike Sokul ©

Mit dem Tagesabreißkalender „DUDEN Vergessene Wortschätze“ unter- nehmen wir alltäglich eine kleine Lesezeitreise zu – laut Dudenredaktion – veralteten Worten, die aus dem DUDEN gestrichen wurden oder sich auf der Streichungsvorwarnliste befinden.

Auf der Vorderseite jedes Kalenderblattes findet sich also ein „angestaub- tes“ Wort, und auf der Kalenderblattrückseite werden mit amüsanter Anschaulichkeit und auf sprachwissenschaftlicher Grundlage die Herkunft, der Bedeutungswandel und die Verwendungsvariationen erläutert sowie gelegentlich ergänzende Anekdoten und literarische Zitate hinzugefügt.

Die wortgeschichtliche Spurensuche beleuchtet sachkundig die Wörter- wurzeln etwa aus dem Alt-, Mittel- und Neuhochdeutschen, dem Latei-nischen, Griechischen und Jiddischen. Die jeweiligen Bedeutungswand-lungen vermitteln kurzweilige Entdeckungsfreude. Dies bietet dem geneigten Sprachliebhaber und der geneigten Wortgespielin ebenso geist-reiche wie vergnügliche Erkenntnisse.

Wörter schreiben buchstäblich Geschichte. Sie dokumentieren manchmal kurzfristige und manchmal langlebige Erscheinungen des Zeitgeistes. Diesmal fand ich – im Gegensatz zu den beiden vorausgegangen Kalendern – deutlich mehr Wörter, die mir nicht geläufig waren.

So beispielsweise das Teekleid, das im frühen 20. Jahrhundert ein lockeres, korsettbefreites Kleid für den privaten Nachmittagstee bezeichnete und noch 1954 im „Praktischen Hausbuch“ von Gertrud Oheim als „Nachmittags- oder Teekleid mit festlichem Einschlag, aber möglichst ohne Dekolleté“ modestilistische Erwähnung fand. Recht anschaulich erscheint mir der Begriff griffelspitzig für haarspalterisch und Stinkwägele für Auto. Beach- tenswert ist zudem beatifizieren für seligsprechen, und recht gediegen erklingt fatigieren für ermüden oder langweilen.

Aussortiert wurden derweil auch das aparte Fräulein vom Amt, der pläsierliche Homme à Femmes und der trauliche Postillon d’Amour, begleitet – horribile dictu! – vom Rendezvous und der Tändelei. Weitere vorgeblich in die Jahre gekommene Wörter sind u.a. Augenschmaus, Betthupferl, Dernier Cri, Diskette, Edelmut, Flitzpiepe, Gummitwist, Herrenkommode, Lappalie, Larmoyanz, Mondscheintarif, Pantoffelkino, Papperlapapp, Ratzefummel, Sonntagskind, Schmöker, Schnickschnack und Tabula rasa.

Nun, wir haben stets die Wahl, welche Wörter wir uns munden lassen wollen. In diesem Kalender wird uns viel delikates Sprachnaschwerk serviert, von dem wir hemmungslos aktiven mündlichen und schriftlichen Gebrauch machen können, um besonders liebenswerten Wörtern ungeachtet ihrer Museumsreife ein aktuelles Echo zu geben.

Wahlweise kann dieser Kalender an die Wand gehängt oder dank einer Aufstellvorrichtung auch als Schreibtischkalender genutzt werden.

Hier entlang zum Kalender und zur Leseblätterprobe auf der Verlagswebseite: https://harenberg-kalender.de/duden-vergessene-wortschaetze-tagesabreisskalender-2025/

Der Wortschatz

  • von Rebecca Gugger und Simon Röthlisberger
  • NordSüd Verlag, Februar 2024  www.nord-sued.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 48 Seiten
  • Format: 21,5 x 28 cm
  • durchgehend farbig illustriert
  • 17,00 € (D), 17,50 € (A), 22,90 sFr.
  • ISBN 978-3-314-10067-5
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

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S P R A C H R E I C H T U M

Bilderbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Oscar buddelt gerne Löcher und findet bei dieser Gelegenheit eine große, mit einem Hängeschloß gesicherte Holztruhe. Mit einem Bollerwagen transportiert er die Truhe nach Hause und überlegt sich, was darin wohl für schöne Sachen verborgen sein könnten.

Mit diversen Werkzeugen schafft er es schließlich, das Schloß der Truhe zu öffnen. Zu seiner Verwunderung enthält die Truhe einen Haufen Wörter. Er fischt spontan das Wort „Quietschgelb“ heraus, dreht, wendet und dehnt es zwischen seinen Händen und wirft es dann achtlos ins Gesträuch. Kurz darauf läuft ein quietschgelber Igel aus dem Gebüsch heraus.

Oscar nimmt nun weitere Wörter aus der Truhe und verteilt sie in der Umgebung. So bekommt eine Eiche „haariges“ Laub, ein Vogelhäuschen wird zum  „pompösen“ Vogel-hausgebäude-Ensemble, und ein kleiner Käfer wird so „monströs“ riesig, daß Oskar noch schnell das Wort „niedlich“ hinzufügt. Wahllos verteilt Oskar die Wörter, bis die Truhe leer ist.

Oscar fragt verschiedene Erwachsene nach neuen Wörtern, aber sie haben buchstäblich alle kein Wort für ihn übrig.

Zum Glück trifft er auf einer bunten Blumenwiese Louise, die ihm auf seine Frage nach neuen Worten sofort  großzügig Wörter aus ihrem selbstgemachten Wortschatz anbietet. Darüber hinaus zeigt sie Oscar, wie einfach es ist, neue Wörter zu erfinden, wenn man mit offenen Sinnen durch die Welt geht: „Es ist, als würdest du mit deinen Wörtern ein Bild malen.“ So sitzen die beiden auf einem Baum und (er)finden Wörter wie „zartblättrig“, „baumhoch“, „vogelfrech“ und „birnensaftig“

„Pflaumensommersüß“ gestimmt, liegen Oscar, Louise und der quietschgelbe Igel später auf der Wiese, und Lousie verkündet folgende Weisheit:

„Einmal ausgesprochen, haben Wörter eine magische Kraft. Gehe achtsam mit ihnen um. Du lässt mit ihnen die Welt erblühen.“

Oscar ist ein aufgeschlossener Wörterlehrling und erhört, ertastet, erriecht, erschaut, erschmeckt und erfühlt viele, viele eigene Wörter, die er in seiner Wortschatztruhe aufbewahrt und bei sich bietender Gelegenheit gerne weiterreicht.

Durch die humorvolle dramaturgische Korrespondenz zwischen Illustration und Text wird Kindern mit diesem Bilderbuch die Bedeutung und Wahrnehmungswirkung von Wörtern anschaulich und interessant gemacht. „Der Wortschatz“ weckt und animiert spielerisch das kindliche Bewußtsein für Sprache und für die vielen phantasievollen und sinnlichen Möglichkeiten persönlicher kreativer Wortschöpfungen.

Dieses Bilderbuch ist ein gelungener Betrag zur kindlichen Sprachentwicklung und läßt sich vielseitig im Grundschulunterricht einsetzen. Zu diesem Zweck befindet sich auf dem hinteren Vorsatzblatt ein QR-Code zum kostenlosen Herunterladen von päda- gogischem Begleitmaterial für die Grundschule.

Doch auch für jüngere Kinder ab vier oder fünf Jahren bietet „Der Wortschatz“ schöne Beispiele und Anregungen für vergnügliche Wortbilder, Wort(er)findungen und Wortent-deckungen sowie für die Erweiterung des sprachlichen und poetischen Horizontes.

 

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Die Bilderbuchgestalter:

»Rebecca Gugger und Simon Röthlisberger, geboren in der Schweiz, leben gemeinsam in Thun – nahe am Wald, am Berg und an der frischen Luft. Sie, eine freischaffende Illustra-torin/Grafikerin, studierte an der Hochschule der Künste Bern und mag Luftsprünge im Wolkenmeer. Er, gelernter Grafiker, arbeitet heute als Art Director und hisst gerne die Segel. Hin und wieder gibt es die beiden auch im Kollektiv, wo gemeinsam Stift und Feder geschwungen werden.«

Querverweis:

Thematisch ergänzend weise ich gerne noch auf zwei Bilderbücher von Valeria Docampo hin:
„Die große Wörterfabrik“ Die große Wörterfabrik
„Der Bär und das Wörterglitzern“ Der Bär und das Wörterglitzern
Außerdem empfiehlt sich noch das äußerst sprachsensible Bilderbuch von Frank Hartmann (Text) und Irina Bruder (Illustrationen): „Lasse findet einen Schatz“ Lasse findet einen Schatz

DUDEN: Vergessene Wortschätze 2024


DELIZIÖSES  SPRACHNASCHWERK

Kalenderrezension von Ulrike Sokul ©

Der Tageskalender „DUDEN: Vergessene Wortschätze 2024“ dokumentiert vom Aussterben bedrohte Wörter, die aus dem Duden entfernt wurden oder sich auf der Streichungsvorwarnliste befinden.

Jeden Tag können wir uns mit einem Kalenderblatt ein mehr oder weniger altmodisches Wort in Erinnerung rufen und uns auf der Kalenderblattrück- seite über seine Etymologie und seinen Bedeutungswandel informieren. Dabei runden gelegentlich literarische Zitate und amüsante Anekdoten die Erläuterungen ab. So stimmen wir uns unangestrengt, ja, vergnüglich belehrt auf nostalgische Wörter ein und folgen ihren linguistischen und historischen Wurzeln.

Bereits für meine Rezensionsüberschrift habe ich ein solch nostalgisches Wort verwendet. Im weiteren Text werde ich die ausgesonderten Wörter stets kursiv kennzeichnen. Es ist kaum zu glauben, aber das Wort deliziös ist verlustig gegangen und ins Kuriositätenkabinett verfrachtet worden. Ob man den Verlust wohlklingender Romanismen wie Belesprit oder Courtoisie mit Nonchalance hinnimmt oder sich darüber echauffiert, bleibt wohl persönliche Sprachgeschmackssache.

Ich persönlich finde den Handkuß, so er trefflich ausgeführt wird, nach wie vor unwiderstehlich und nehme ihn gerne huldvoll an. Das Poem lasse ich mir ganz gewiß nicht nehmen, und französeln ist mir allemal lieber als die überbordende Verwendung alberner Anglizismen.

Selbstverständlich stammen viele deutsche Wörter ursprünglich aus dem Alt-, Mittel- und Neuhochdeutschen sowie aus Martin Luthers bibelüber- setzerischen Wortschöpfungen. Nicht wenige sind auch lateinischen, griechischen oder jiddischen Ursprungs. Wortgeschichte ist wahrlich Kulturgeschichte und ermöglicht uns eine faszinierende Aventüre in die Vergangenheit unserer – hoffentlich geliebten – Muttersprache.

Die Worterläuterungstexte sind ebenso sachkundig wie humorvoll formuliert und spielen sehr gekonnt mit den verschiedenen Bedeutungs- zeitebenen. So läßt sich ein großes Lesepublikum ansprechen und für Sprachkunde und Wortschatzfindungen begeistern.

Dieser Tageskalender ist ein hochwohllöbliches Füllhorn für Sprachlieb- haber und Wortgespielinnen. Meinethalben können wir uns kommun darauf kaprizieren, solche jüngstvergangenen Wörter wieder genüßlich in den Mund zu nehmen. Ich fange sogleich mit dem für mich gänzlich neuen alten Wort für Marienkäfer an: „Motschekiepchen“ – das klingt ausgesprochen possierlich in meinen Ohren.

Wahlweise kann dieser Kalender an die Wand gehängt oder dank einer Aufstellvorrichtung auch als Schreibtischkalender genutzt werden.

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DUDEN Vergessene Wortschätze 2023

Vergessene Wortschätze 2023 DUDEN
ETYMOLOGIE – spannend wie ein Krimi

Kalenderrezension von Ulrike Sokul ©

Mit dem Tagesabreißkalender „DUDEN Vergessene Wortschätze“ reisen wir auf Wörterflügeln durch Raum und Zeit und bereichern ebenso historisch-nostalgisch wie amüsant-geistreich unseren Wortschatz.

Lang ist es her, daß Fotos mit der Pocketkamera gemacht wurden, für Tele- fonate noch ein stationärer Fernsprechanschluß gebraucht wurde, Filme nur im Lichtspieltheater zu sehen waren und Jugendliche sich beeumelten. Noch länger – also weiland – ist es her, daß soignierte Menschen wonniglich in Gemächern mit feinen Draperien wohnten und sich Galan und Huldin ins Antlitz schauten, um in einer Liaison zusammenzufinden.

Auf der Vorderansicht jedes Kalenderblattes steht ein altmodisches Wort, das den zahlreichen neuaufgenommenen Stichwörtern aus dem Duden weichen mußte, und auf der Rückseite erlesen wir die Herkunft, den Be- deutungswandel und die Verwendung des angesprochenen Wortes sowie die eine oder andere interessante oder heitere Anekdote, die sich damit verbindet.

Dank dieser wortwörtlichen Tagesdosis können mithin bemerkenswerte Begriffe vor dem Vergessen bewahrt werden und buchstäblich wieder ins Gespräch kommen.

Von den mehr als 300 Wörtern dieses Kalenders waren mir (Jahrgang 1964) verhältnismäßig wenige gänzlich unbekannt, woraus ich schließe, daß diese kalendarische Wortsammlung je nach Generationenzugehörigkeit mehr oder weniger „altmodisch“ klingt. Doch selbst noch vertraute Wörter be- kommen durch die etymologische, linguistische und historische Herleitung deutlich mehr Tiefenschärfe und Substanz.

Viele deutschsprachige Wörter wurzeln selbstverständlich im Alt-, Mittel- und Neuhochdeutschen oder sie entstammen Martin Luthers bibelüber- setzerischen Wortschöpfungen. Nicht wenige sind auch lateinischen, griechischen oder jiddischen Ursprungs.

Und dann gibt es sogar Wörter, die nur eine scheinbare Entlehnung aus einem anderen Sprachraum sind. So klingt das Wort „paletti“ zwar ausge- sprochen italienisch, aber es gibt gar kein entsprechendes italienisches Wort. Eine solche linguistische Unerklärlichkeit wird mit dem  Fachbegriff „Allogenismus“ bezeichnet.

Dieser Kalender bietet anregende, interessante und kurzweilige Erkennt- nisse für sprachliebhaberische Wortspieler und eloquente Wortgespielin- nen. Kundig, eingängig und vergnüglich vermittelt er auch dem nicht- akademischen Lesepublikum die entdeckungsfreudige Spannung wortge- schichtlicher Spurensuche.

Wem bisher noch nicht hinlänglich bewußt war, wie hoffnungsvoll alt- modisch ich bin, wird dies angesichts dieser Kalenderbesprechung nicht mehr überlesen können.

Derohalben geruhe ich, nicht nur die mir gar nicht altmodisch, sondern geläufig erscheinenden Worte regelmäßig weiter zu nutzen, sondern mir die zuvor noch nicht bekannten und besonders genehmen aus dem Kalender zu pflücken und meinem Wortschatze bereichernd hinzuzufügen. So wird mir beispielsweise hinkünftig bei passender Gelegenheit vorzüglich das schmackhafte Schimpfwort „Piesepampel“ munden.

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Die verlorenen Wörter

  • Ein Buch der Beschwörungen
  • von Robert Macfarlane
  • Originaltitel: »The Lost Words«
  • Aus dem Englischen von Daniela Seel
  • illustriert von Jackie Morris
  • NATURKUNDEN No. 49 www.naturkunden.de
  • 1. Auflage Matthes & Seitz Verlag, Oktober 2018  www.matthes-seitz-berlin.de
  • 2. Auflage Januar 2019
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 33,4 cm x 22,6 cm
  • 134 Seiten mit 100 Abbildungen
  • 38,00 €
  • ISBN 978-3-95757-622-4

WÖRTER  WECKEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Von Blauglöckchen bis Zaunkönig blättern wir mit diesem Buch ein verwunschenes Alphabet der Natur auf. Es wurzelt in dem alten, magischen Glauben, daß die Namen der Wesen, diese Wesen hervorrufen können.

Die Verarmung der Natur spiegelt sich in der Verarmung des Wortschatzes. Im Vorwort dieses Buches wird vor allem der die Kinder betreffende Wortverlust beklagt – die Wörter für die Natur gingen leise und fast unbemerkt verloren, „ein Verdunsten wie von Wasser auf Stein“. Die Entfremdung von der Natur korrespondiert mit dem Verschwin- den von Worten, die einst selbstverständlich in den Mund genommen wurden, weil man mit der lebendigen Natur alltäglich in Berührung war.

Mit dem vorliegenden Buch lassen sich einige solcher Wörter und Wesen bewahren, wiederentdecken und heraufbeschwören. „Die verlorenen Wörter“ ist eine wunderbare Spurensuche, die wechselwirksam von der Sprache ins wilde Leben und vom Leben in die Sprache führt.

So finden wir beispielsweise auf einer Doppelseite die Blauglöckchen zunächst buch-stäblich verstreut als blauviolette Buchstaben, die zwischen Baumstämmen „wachsen“. Auf der nächsten Doppelseite wird das Blauglöckchen in einer schönen botanischen Illustration gezeigt und von einem wildpoetischen Text begleitet, dessen Zeilenan- fangswort – nach der Versform des Akrostichons – stets mit dem Buchstaben beginnt, welcher der Buchstabenfolge des Wortes BLAUGLÖCKCHEN entspricht. Dann folgt eine Doppelseite mit einer Illustration, die das Blauglöckchen in seiner natürlichen Umgebung zeigt.

Buchstaben werden hier zu Wortgebilde-Bildern geformt, die sich zu Zeilen und gemalten Bildern verdichten. Blauglöckchen, Brombeere, Efeu, Eiche, Eisvogel, Elster, Farn, Heide, Kastanie, Lerche, Löwenzahn, Molch, Natter, Otter, Rabe, Reiher, Star, Weide, Wiesel und Zaunkönig werden sinnlich-assoziativ-imaginativ beschworen und mit Worten eingefangen. Das klingt manchmal wie ein Märchen, manchmal wie ein Zauberspruch oder Rätsel und immer respektvoll-bewundernd. Zudem bleibt stets eine freie, offene Atemweite, die der geneigte Betrachter und Leser selbst ergänzen kann.

Illustration von Jackie Morris © Matthes & Seitz Verlag 2018

Die verspielten Buchstabengebilde, welche die Wuchsformen, die Flugbahnen oder die Silhouette der Naturwesen aufgreifen, stimmen auf das im folgenden Text beschriebene Wesen ein. Die sich daran anschließenden Illustrationen fügen das Einzelwesen dann in seine natürliche Umgebung und Gesellschaft ein.

Dem im Vorwort angekündigten löblichen pädagogische Anspruch, dem verlorenen sprachlichen Terrain der Natur in der Lebenswelt von Kindern etwas entgegenzusetzen, wird dieses Buch meiner Ansicht nach nur bedingt gerecht. Die Texte und die Wortwahl sind sehr anspruchsvoll und entfalten ihre literarisch-lyrische Sprachmagie durch gekonntes Vorlesen. Ob dadurch wirklich viele Kinder erreicht werden können, sei einmal dahingestellt.

Jackie Morris Illustrationen sind ebenso botanisch und zoologisch präzise wie schön und einfühlsam. Das Suchen und Finden, Lauschen und Schauen, Erinnern und Imaginieren, das uns dieses bemerkenswerte Buch bildlich sowie sprachlich ermöglicht, sind ein zauberhaftes, wildniswirksames Vergnügen, bei dem wir in den geheimnisvollen Wortwedeln, Fiederzeilen, Fragefrüchten, Rankenzeichen und Federworten des Autors Robert Macfar-lane der Natur begegnen.

Sehr ansprechend sind auch die wortschöpferischen Namensvariationen, die sich aus den Beschreibungen ergeben. So wird beispielsweise der Löwenzahn u.a. „Schirmchenstreu“ genannt, was wirklich entzückend anschaulich ist. Die lyrische Sprachmelodie und die Bindung an die Anfangsbuchstabenfolge (Akrostichon) waren gewiß eine übersetzerische Herausforderung, der die Übersetzerin, Daniela Seel, gleichwohl kongenial gewachsen war.

Das großzügige Quart-Buchformat, das schmeichelgriffige 150g/m² Papier, die satte, lesefreundliche Typografie, die Kombination aus sorgfältigen naturalistischen Illustrationen und naturliebhaberischem Sprachstil zeugen für den harmonischen Einklang von substanzieller innerer und äußerer Buchqualität, wie sie für die von Judith Schalansky herausgegebene Reihe NATURKUNDEN Standard ist. Da kommt Sammellust auf …

 

Hier entlang zum Buch und zur großzügigen, unbedingt sehenswerten LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
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Der Autor:

»Robert Macfarlane, geboren 1976 in Nottinghamshire, studierte Literaturwissenschaft in Cambridge und begann schon als Kind mit dem Bergsteigen. Sein erstes Buch Mountains of the Mind (2003) erhielt zahlreiche Preise, darunter den Somerset Maugham Award. Nach einer wissenschaftlichen Arbeit über Plagiate im 19. Jahrhundert veröffentlichte er 2007 The Wild Places. Es wurde von Kritik und Publikum gefeiert und zur Grundlage einer bbc-Dokumenta- tion. 2012 erschien die Fortsetzung Old Ways. 2011 wurde Macfarlane, der auch als Essayist und Kritiker für den Guardian tätig ist, zum Mitglied der Royal Society of Literature ernannt. Macfarlane gilt als wichtigster britischer Autor des Nature Writings. Im März 2015 erschien Landmarks; Robert Macfarlane untersucht darin die Verbindung von Sprache und Natur. In deutscher Sprache erschienen bei Matthes & Seitz Berlin bislang Karte der Wildnis, Alte Wege und Die verlorenen Wörter, welches mit dem BAMB Beautiful Book Award 2017, dem Hay Festival Book of the Year und dem The Sunday Times Top Ten Bestseller ausgezeichnet wurde.«

Die Illustratorin:

»Jackie Morris 1961 in Birmingham geboren, lebt als freie Autorin und Künstlerin in Wales. Ihre Illustrationen zu Verlorene Wörter wurden mehrfach ausgezeichnet und brachten dem Buch u.a. den von britischen Buchhändlern vergebenen Titel Schönstes Buch des Jahres ein

Die Übersetzerin:

»Daniela Seel 1974 in Frankfurt am Main geboren, ist Verlegerin des unabhängigen Verlags kookbooks, Übersetzerin und Lyrikerin. Zuletzt erschien ihr Gedichtband »was weißt du schon von prärie« (kookbooks). Daniela Seel lebt in Berlin.«

 

Querverweis:

„Die verlorenen Wörter“ ergänzen sich für erwachsene Leser gut mit Andreas Webers empathiesophischen, sprachempfindsamen Naturkunden „Alles fühlt“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/10/01/alles-fuhlt-neuausgabe/ und „Minima Animalia“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/03/12/minima-animalia/
Für Kinder eignet sich ergänzend Antje Damms BuchWas wird aus uns? Nachdenken über die Natur: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/02/28/was-wird-aus-uns/

 

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LOST IN TRANSLATION

  • Unübersetzbare Wörter aus der ganzen Welt
  • von Ella Frances Sanders
  • Originaltitel: »Lost in Tanslation: An illustrated Compendium of Untranslatable Words From Around the World«
  • Übersetzung ins Deutsche von Marion Herbert
  • durchgehend farbige Illustrationen
  • DUMONT Buchverlag Juni 2017   www.dumont-buchverlag.de
  • 112 Seiten
  • gebunden
  • 18,00 € (D)
  • ISBN 978-3-8321-9849-7

VOKABULÖSE  VIELFALT

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Mit mehr als 50 Wörtern aus aller Welt präsentiert und erläutert uns die Autorin Ella Frances Sanders einen exotisch-faszinierenden, poetisch-sensiblen und skurril-heiteren WORTSCHATZ, der den Spielraum des Sagbaren und Beschreibbaren erweitert. Die unübersetzbaren Wortkostproben dieses Sammelsuriums zeugen von interessanten, fremdschönen, anderen klimatischen sowie kulturellen Perspektiven und Gegebenheiten und machen Lust auf Entdeckungsreisen in neue Sprachgefilde.

Kennen Sie ein deutsches Wort für die Straße aus Licht, die als Spiegelung des Vollmonds auf Gewässern entsteht? Auf Schwedisch gibt es dafür die poetische Vokabel MÅNGATA.

Wie nennen Sie den Zeitraum, den das Verspeisen einer Banane beansprucht? Auf Malaiisch heißt diese Zeitspanne PISANZAPRA.

Haben Sie ein Wort für  den Schein des Sonnenlichts, das durch grünes Laub schimmert? Auf Japanisch sagt man dazu KOMOREBI.

Das funkelnde Aufblitzen in den Augen bei einer ersten Begegnung hat im Deutschen keinen speziellen Ausdruck. Auf Farsi nennt man diese Erfahrung TIÁM.

Haben Sie eine romantische Bezeichnung parat für das zärtliche Streicheln durch das Haar eines geliebten Menschen? In brasilianischem Portugiesisch heißt das CAFUNÉ.

Mit welchem Wort ermessen wir das Verstreichen der Zeit aus kosmologischer Sicht? In Sanskrit erfüllt das Wort KALPA diese Aufgabe.

Die wahlweise vorfreudige oder ungeduldige Angewohnheit, immer wieder hinaus-zugehen, um nachzuschauen, ob jemand vorbeikommt, erfordert auf Deutsch den langen Satz, den Sie gerade lesen. Auf Inuktitut kann man das schön mit dem Wort IKTSUARPOK abkürzen.

Diese bunt illustrierte Wörtersammlung bietet dem geneigten Leser amüsanten, bedenkenswerten, sinnlichen und unbedingt zitierwürdigen Nachschub für den Wörterwerkzeugkasten.

Das einzige, was das kurzweilige und erhellende Lesevergnügen trübt, sind die gewählten Schriftarten. Sowohl die Schreibschrift-Typographie als auch die Druckschrift-Typographien wirken ungelenk und vermitteln ein unangenehm schwankendes Lesebild. Die schwachen Farbkontraste der kleinen, weißen Schrift auf farbigem Hintergrund und die Hohlschrift tragen ebenfalls nicht zu einer entgegenkommenden flüssigen Entzifferung bei. Man „stolpert“ unwillkürlich über improvisiert erscheinende, wackelige Buchstaben. Bezüglich der Lesefreundlichkeit wären eine etwas größere, klarere und vor allem sattgedruckte Typographie und die Berücksichtigung unterstützender Farbkontraste dienlicher gewesen.

Unter den unübersetzbaren Wörtern aus dem Deutschen finden sich KABELSALAT, KUMMERSPECK, WARMDUSCHER, WALDEINSAMKEIT und DRACHENFUTTER.

Gänzlich neu war mir indes der Begriff DRACHENFUTTER …  Wer seine Bedeutung kennt oder einfach spielerisch erraten mag, kann sich gerne auf der Kommentarebene dazu äußern und „Übersetzungen“ anbieten. Na, wer weiß, was DRACHENFUTTER ist ???

Die Lösung werde ich dann in 24 Stunden kundtun.

 

Und JETZT kommt die Lösung:
DRACHENFUTTER ist ein Wiedergutmachungsgeschenk des Ehemannes an seine Ehefrau. Ob diese Form der Bestechung immer funktioniert, wage ich zu bezweifeln, aber MANN kann es ja ausprobieren…  😉

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
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Die Autorin:

» Ella Frances Sanders ist Mitte zwanzig, Schriftstellerin und Illustratorin und wohnt gern an den verschiedensten Orten, zuletzt in Marokko, Großbritannien und in der Schweiz. Sie kreiert am liebsten Bücher mit echten Seiten und zeichnet freiberuflich für nette Leute, und sie fürchtet  sich weder vor Fragen noch vor Bären. Besuchen Sie sie auf ellafrancessanders.com «

Die Übersetzerin:

» Marion Herbert studierte Literaturübersetzen in Düsseldorf, sie übersetzte zuletzt die Romane des Autorenduos Laura Tait und Jimmy Rice und u.a. Neuausgaben von Werken von Virginia Woolf und Antoine de Saint-Exupéry. «

 

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Lasse findet einen Schatz

  • Text  von Frank Hartmann
  • Illustrationen von Irina Bruder
  • Verlag Urachhaus, 2. Auflage Februar 2016   www.urachhaus.com
  • Format: 24,5 cm x 24,5 cm
  • 40 Seiten
  • gebunden, Fadenheftung
  • 14,90 € (D), 15,40 € (A)
  • ISBN 978-3-8251-7668-6
  • Bilderbuch ab 4 Jahren
  • Dieses Bilderbuch ist inzwischen beim Verlag vergriffen. Sie können es jedoch noch antiquarisch erwerben.
    Lasse findet einen Schatz Titelbild

W O R T W A H L

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Lasse findet einen Schatz“ ist sehr gut geeignet, Kindern (und Erwachsenen ebenso!) den Gestaltungsspielraum der Sprache deutlich zu machen und für die VerantWORTung, die mit der Wortwahl einhergeht, zu sensibilisieren. Außerdem läßt sich das Bilderbuch als kommunikativer Vermittler zur Streitschlichtung zwischen Kindern nutzen.

Lasse sitzt geknickt am Abendbrottisch; selbst der Schokoladeneisnachtisch kann seine betrübte Stimmung nicht aufhellen. Er hat sich mit seinem besten Freund Vincent gestritten und ihn in seiner aufwallenden Wut als Blödmann bezeichnet. Vincent hat sich daraufhin einfach schweigend von ihm abgewandt. Lasse ist sich durchaus bewußt, daß Worte verletzen können, inzwischen schmerzt ihn das Schimpfwort selbst, und er bedauert, daß er es überhaupt ausgesprochen hat.

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Illustration Irina Bruder © Verlag Urachhaus 2016

Nachdenklich schläft er ein und landet im Traum weich in einem großen Netz voller Wörter. Verwundert schaut sich Lasse um und sieht, daß ununterbrochen neue Wörter nachkommen. Ein freundlicher, bebrillter Mann hilft ihm aus dem Netz heraus. Er stellt sich als Hieronymus Wortreich vor und erklärt Lasse, daß er alle Wörter – gesprochene, geschriebene, gelesene, gehörte und ungehörte Wörter sammle.

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Illustration Irina Bruder © Verlag Urachhaus 2016

Auf Lasses Frage, was er denn mit all diesen zahllosen Wörtern mache, antwortet Hieronymus, daß er sie thematisch sortiere, ihrem Klang nachspüre und sie zu neuen Wortschöpfungen, Sätzen, Geschichten und Liedern zusammenfüge. Es gibt auch eine große Kiste mit vereinzelten Buchstaben; diese Überbleibsel sind die vielen, vielen gelöschten Buchstaben, die seit der Nutzung des Computers von den schreibenden Menschen „produziert“ werden. Mit den Einzelbuchstaben repariert Hieronymus beschädigte Wörter und Wortfetzen.

Fasziniert betrachtet Lasse die Regale voller Kisten und Schubfächer für alle möglichen Arten von Wörtern. In der AUSREDEN-Kiste findet er einige nützliche Sätze, die Wörter aus der Kiste mit dem MEDIZINISCHEM WORTSCHATZ sind ihm indes etwas zu lang und zu kompliziert, leichter sind die LACHWORTE und die WIDERWORTE, und eine der größten Kisten enthält die NAMENWORTE, ja, es gibt sogar eine Kiste mit der Bezeichnung OHNE WORTE.

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Illustration Irina Bruder © Verlag Urachhaus 2016

Etwas verschämt sucht Lasse nach den SCHIMPFWORTEN, und als Hieronymus fragt, welches Schimpfwort er denn genau suche, da bringt er ihm eine Kiste mit der Aufschrift: WORTE, DIE WEHTUN. Lasse findet seinen ausgesprochenen „Blödmann“ ganz obenauf liegend, er greift das Wort buchstäblich heraus, und es liegt scharfkantig, hart und schwer in seiner Hand. Lasse fühlt sich nicht wohl damit und will es in die Abfall- kiste werfen und loswerden.

Hieronymus macht ihn freundlich, aber bestimmt darauf aufmerksam, daß er auf diesem Wege das einmal Gesagte nicht ungeschehen machen könne, sondern er solle sich aus der Kiste der WIDERGUTMACHWORTE etwas aussuchen, das er seinem Freund zum Ausgleich und zur Versöhnung sagen könne.

Aufmerksam lauscht Lasse solchen Sätzen nach wie „Es tut mir leid!“, „Ich wollte dir nicht wehtun!“ oder „Verzeih mir …“, „Ich hab dich lieb!“ usw., und er wählt nun diejenigen aus, die ihm passend erscheinen.

Dankbar verabschiedet sich Lasse von Hieronymus Wortreich, und als er am nächsten Morgen erwacht, freut er sich schon darauf, Vincent zu besuchen und ihm mit Worten, die sich gut anfühlen, entgegenzukommen.

Worte haben nicht nur eine klare Bedeutung, sie haben eine spürbare Anfühlung. Lasses Erkenntnis „… manche Worte tun weh wie ein Fußtritt. Aber es gibt auch welche, die fühlen sich an wie eine Umarmung!“ dürfte wohl jedem Kind einleuchten.

Die alltägliche und leicht nachzuempfindende Ausgangssituation und die in einfachen, doch gleichwohl einfühlsamen Worten erzählte Traumbelehrung illustrieren buchstäblich die unermeßliche Fülle und Reichhaltigkeit des Wortschatzes. Die kindlich-schlichten Buntstiftzeichnungen bieten der Geschichte ein unaufgeregtes Bühnenbild, und sie geben beiläufig manchen zu entdeckenden Worten synästhetische Gestalt.

Dieses Bilderbuch eröffnet Sprachspielräume, und es wundert mich keineswegs, daß es bereits mehrfach für die Bühne adaptiert wurde.

Die in der Geschichte vorgegebenen Wortkisten können spielerisch um eigene Varianten ergänzt werden, und vielleicht mag das eine oder andere Kind sogar selber eine Schachtel mit persönlichen Lieblingswörtern füllen. Kinder können Worte malen, ihnen Farben geben, sich Worte auf der Zunge zergehen lassen …

Auch direkt beim Vorlesen bieten sich viele situative Anknüpfungspunkte, um Kinder mitreden und mitträumen zu lassen und auf Worterforschungsreise zu gehen.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
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Dieses Bilderbuch ist inzwischen beim Verlag vergriffen. Sie können es jedoch noch antiquarisch erwerben.

Der Autor:

»Frank Hartmann, Jahrgang 1964, studierte Religionspädagogik und arbeitete 9 Jahre als Gemeindediakon in der Nähe von Celle. Von 2002 bis 2009 leitete er einen Kindergarten in Hamburg. Seit 2010 ist er freiberuflicher Autor, schreibt Kinder- und Kurzgeschichten, Lyrik und religionspädagogische Fachliteratur. Außerdem bietet er Seminare für Erzieherinnen im Großraum Hamburg an und arbeitet auf einem Demeter-Gemüsehof. Frank Hartmann hat einen Sohn und lebt in Nienwohld.« http://www.autor-frankhartmann.de

Die Illustratorin:

»Irina Bruder, 1981 geboren, studierte Kunsttherapie und –pädagogik in Ottersberg. Das Interesse für die Illustration entdeckte sie während des Studiums und traf 2007 Frank Hartmann. Zusammen mit ihm sind bis heute zwei Kinderbücher entstanden. Derzeit lebt sie mit ihren beiden Söhnen in Offenburg und arbeitet als Kunstpädagogin an einer Waldorfschule sowie im therapeutischen Bereich mit Kindern und Jugendlichen. http://www.irinabruder.de

Querverweis:

Lasse findet einen Schatz“ ergänzt sich thematisch sehr gut mit den sprachsensiblen und wörterkreativen Bilderbüchern:
Die große Wörterfabrik Die große Wörterfabrik
und Der Bär und das Wörterglitzern Der Bär und das Wörterglitzern

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Die große Wörterfabrik

  • Originaltitel: »La grande fabrique de mots«
  • Text von Agnès de Lestrade
  • Übersetzung aus dem Französischen von Anna Taube
  • Illustrationen von Valeria Docampo
  • mixtvision Verlag   www.mixtvision-verlag.de
  • 1. Auflage 2010   …   11. Auflage 2015
  • 40 Seiten
  • Fadenheftung
  • 14,90 € (D), 24,90 sFr
  • ISBN 978-3-939435-26-6
  • Bilderbuch ab 3 Jahren
    26-6_NEU_die große Wörterfabrik_300 dpi_Originalgröße

S P R A C H V E R M Ö G E N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Spätestens nach dem Vorlesen und Betrachten dieses Bilderbuches werden Kinder die Kostbarkeit des Begriffes „WORTSCHATZ“ erfassen und erfühlen. Zugleich zeigt dieses Bilderbuch, daß aufrichtige Gefühle auch mit kleinen Gesten und wenigen Worten Resonanz erzeugen können.

Als Kind zu Wort zu kommen ist nicht immer einfach, und in der vorliegenden Geschichte ist es sogar fast unerschwinglich teuer. Denn der kleine Paul lebt in einem Land, in dem Sprechen nichts Selbstverständliches ist, da man jedes einzelne Wort kaufen und herunterschlucken muß, bevor man es aussprechen kann.

Es gibt eine große Wörterfabrik, die architektonisch an den Turm zu Babel erinnert und in der in allen möglichen Sprachen Wörter am Fließband produziert werden. In den Straßen der Stadt gibt es Geschäfte, die verschiedene einzelne Wörter, Grüße, Kose- worte, Gutenachtwünsche, aber auch Schimpfworte und ganze Reden zum Verkauf anbieten.

Es gibt wertvolle Wörter, die besonders teuer sind und die deshalb nur selten ausge- sprochen werden. Wer zu arm ist, um sich Wörter leisten zu können, bleibt darauf angewiesen, in den Mülleimern nach weggeworfenen Wörtern zu suchen, die häufig nicht besonders attraktiv sind. Auch die Wörter aus dem Sonderangebot sind meist unbrauchbar und wenig alltagstauglich.

Manchmal fliegen jedoch Wörter durch die Luft, und diese werden von den Kindern mit Schmetterlingsnetzen eingefangen und später stolz den Eltern aufgesagt.

Paul ist in das Nachbarmädchen Marie verliebt, und er würde ihr gerne sagen, daß er sie lieb hat. Eine ganze Liebeserklärung ist für Paul unerschwinglich, allerdings hat er drei Wörter mit seinem Schmetterlingsnetz gefangen, und diese drei Wörter möchte er ihr schenken.

Wenn sich die Kinder im Treppenhaus treffen, lächeln sie sich einfach nur an, und Paul ist von Vorfreude erfüllt, Marie seine drei Wörter zu sagen. Doch Paul hat einen Rivalen, Oskar, dessen Eltern sehr reich sind und der in ganzen Sätzen großspurig auf Marie einredet.

Verunsichert hockt Paul auf einer Treppenstufe und zweifelt am Wert seiner drei Wörter. Dennoch konzentriert er sich auf die Liebe in seinem Herzen und läßt seine drei Wörter zu Marie sprechen. Maries Antwort ist ein zarter Kuß auf Pauls Wange. Über- glücklich sagt Paul noch ein weiteres, schon lange sorgsam gehütetes Wort zu Marie, und man ahnt, daß dies der Beginn einer Liebesgeschichte ist, in der sich auch ohne große Worte ein harmonisches Einverständnis entwickeln wird.

Die Illustrationen von Valeria Docampo sind von ausdrucksvoller Nachdenklichkeit und großer Zärtlichkeit und übersetzen das Zwischen-den-Zeilen-Schwebende des Erzähltextes in einfühlsame Bilder. Die Farbgebung kontrastiert zwischen sepiabräunlichen Erdfarben und lebhaften Rottönen, wobei die Rottöne mit der wachsenden Liebes- annäherung deutlich zunehmen.

„Die große Wörterfabrik“ vermittelt Kindern (und Erwachsenen ebenso) anschaulich und poetisch die Bedeutsamkeit von Sprache als zwischen- menschliches Verbindungselement und Gefühlsbotschafter.

Der Verlag empfiehlt das Buch ab 3 Jahren. Ich halte die Altersstufe zwischen 5 und 7 Jahren für angemessener.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:

Die große Wörterfabrik

Hier entlang zum romantischen Buchtrailer:
https://www.youtube.com/watch?v=E4lbZpp6BYc

PS:
In unserer Welt kostet das Sprechen kein Geld (außer beim Therapeutenbesuch), sondern nur Zeit. Doch wer nach dem Motto „Zeit ist Geld“ lebt, wird möglicherweise auch mit der Zeit zum Sprechen geizen. Wohin das führt, illustriert das Bilderbuch „Die große Wörterfabrik“ ganz deutlich, nämlich dazu, daß Wörter zur Ware verkommen, statt dem Leben und Lieben Ausdruck zu verleihen.

Die Autorin:

»Wenn Agnès de Lestrade gerade nicht schreibt, liest, träumt oder eine Tasse Tee trinkt, erfindet sie Gesellschaftsspiele, Lieder und hat sogar die Zeit gefunden, selbst zwei hübsche Kinder zu fabrizieren, um all das an ihnen auszuprobieren. Seit ihrem Debüt 2003 erschienen von Agnès de Lestrade bereits über 20 Bücher in französischer Sprache.«

Die Illustratorin:

»Die Inspiration für ihre Illustrationen findet Valeria Docampo im Alltag: der Blick eines Hundes, das Rauschen des Regens im Herbst oder der Duft des Frühstücks. Geboren wurde sie in Buenos Aires, Argentinien, wo sie auch ihr Diplom in Grafikdesign und visueller Kommunikation machte. Seit 2003 widmet sie sich ganz der Illustration für Kinderbücher, immer auf der Suche nach neuen grafischen Techniken.«

Querverweis:

Hier entlang zu drei weiteren Bilderbuchwerken von Valeria Docampo:
Der Bär und das Wörterglitzern Der Bär und das Wörterglitzern
Der Nussknacker Der Nussknacker
Die Schneiderin des Nebels Die Schneiderin des Nebels

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