Die Hüterin der Drachen

  • Auf der Suche nach dem letzten Himmelsdrachen
  • Text von Curatoria Draconis
  • Illustrationen von Tomislav Tomić
  • Originaltitel: »Dragon Ark«
  • Übersetzung aus dem Englischen von Ute Löwenberg
  • Prestel Verlag, September 2021   www.prestel-junior.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 27,2 x 37 cm
  • 80 Seiten
  • 12,99 €
  • ISBN 978-3-7913-7483-3
  • Sachbilderbuch ab 8 Jahren mit Vorleseunterstützung
  • ab 10 Jahren zum Selbsterlesen

Die Hüterin der Drachen
DRACHEN – RETTER

Rezension von Ulrike Sokul ©

Dieses großformatige Sachbilderbuch stellt in Form eines erzählerischen Forschungs- reisetagebuchs einige faszinierende Drachenarten vor. Curatoria Draconis ist die Hüterin der Drachen. Gemeinsam mit einigen Wissenschaftlern erforscht sie die Drachen der Erde und gibt den von vielen Gefahren bedrohten Fabelwesen auf ihrer Drachenarche ein schützendes Refugium.

Die Drachenarche bietet für jede Drachenart ein passendes Biotop und zudem bei Bedarf medizinische Betreuung. Die Drachen unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich ihres Körperbaus, sondern auch hinsichtlich ihrer Zu- oder Abneigung gegenüber den Menschen. Manche Drachen haben einfach zu viele schlechte Erfahrungen mit gewissen Helden gemacht. Der Hüterin der Drachen vertrauen sie allerdings, denn sie gehört einem Geheimbund zum Schutz der Drachen an und nimmt ihre Aufgabe sehr ernst.

Eine Doppelseite zeigt einen Querschnitt durch die Drachenarche mit Einblicken in die verschiedenen länderspezifischen Drachenquartiere, in die Bibliothek und das Forschungsdeck.

Auf den folgenden Seiten werden Kontinent für Kontinent die dazugehörigen Drachen vorgestellt. Da wären beispielsweise die Parvula-Drachen aus dem Amazonas-Regen- wald, eine Miniaturdrachenart, die eine gewisse Ähnlichkeit mit Schmetterlingen aufweist, wobei die Flügel eher Blütenblättern ähneln. Deutlich größer sind die Sanddrachen der Sahara, die antarktischen Eisdrachen oder die wohlwollenden asiatischen Long-Drachen.
 
Neben Wasserdrachen, Panzerdrachen, Lindwürmern und Hydren kommen auch die geflügelten, europäischen Wyvern-Drachen zu Wort, die ebenso gerne Geschichten erzählen wie Geschichten lauschen.

Jangtse-Drachen

Illustration von Tomislav Tomić © Prestel Verlag 2021

Während uns Curatoria Draconis kundig und detailverliebt von Drache zu Drache führt, sammelt sie von den verschiedenen Drachen kryptisch-poetische Hinweise, um den legendären Tian-Long-Drachen, den Hüter des Himmels, aufzuspüren. Denn diese vom Aussterben bedrohte Drachenart fehlt noch auf der Drachenarche …

Dieses Sachbilderbuch wartet mit beeindruckend faszinierenden und zauberhaften Drachenillustrationen auf. Doch auch die schönen landschaftlichen Kulissen sowie die zahlreichen Details der Drachenarche und die im Layout verteilten Kleinigkeiten und opulenten Drachendekorelemente sind wahrlich eine Augenweide und ein sehr anregen-der Phantasienährboden für Kinder.

Die Textmenge ist im Vergleich zur überbordenden Fülle der Illustrationen übersichtlich. Gleichwohl bietet sie in Form von Drachensteckbriefen, Warnhinweisen und Natur- schutzmahnungen, handschriftlichen Forschungsnotizen sowie Logbucheinträgen viele spannen-de Informationen. Animierend kommt hinzu, daß Curatoria Draconis die kindlichen Leser immer wieder als „Drachenhüter-Lehrling“ direkt anspricht und ihnen vertrauliche Hinweise zum richtigen Umgang mit Drachen gibt.

Dieses hochwertig gestaltete Sachbilderbuch weckt nicht nur bei Kindern lebhafte Begeisterung und Interesse für Drachen. Wer sich dank dieser Lektüre nicht mit Drachen anfreunden kann, hat entweder keine Phantasie oder trägt den Namen Herakles.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.penguin.de/buecher/curatoria-draconis-die-hueterin-der-drachen/buch/9783791374833

Ergänzend zum Buch gibt es auch noch ein 1000-teiliges Drachen-Puzzle:
https://www.buchkatalog.de/die-hueterin-der-drachen-puzzle-4250938900040

PS
Zarter Hinweis für altsprachlich vorgebildete erwachsene Leser: Curatoria Draconis (Genitiv singular) müßte eigentlich lauten Curatoria Draconum (Genitiv plural).

Die Autorin:

»Curatoria Draconis alias Emma Roberts ist die Ich-Erzählerin als Hüterin der Drachen im gleichnamigen Buch. Zusammen mit ihrer Crew von Wissenschaftlern, Entdeckerinnen und Abenteurern der Drachen-Arche umsegelt sie die Welt auf der Suche nach Drachen. Ihre Lebensaufgabe ist es die Drachen zu schützen, sie wissenschaftlich zu erforschen und die Menschen über die Existenz dieser wunderbaren Wesen aufzuklären.«

Der Illustrator:

»Tomislav Tomić, geboren 1977, ist ein kroatischer Illustrator. Er hat an der Akademie der bildenden Künste in Zagreb studiert und hat bereits zahlreiche Kinder- und Jugendbücher sowie Malbücher und Buchcover illustriert. Sein fast altmeisterlich anmutender, unglaublich detaillierter Zeichenstil verbindet fantastische Inhalte auf faszinierende Weise mit dem realistisch dargestellten Ambiente.«

Manolito

  • Ein fantastischer Märchen-Roman
  • von Friedrich Hechelmann
  • Knesebeck Verlag September 2017   www.knesebeck-verlag.de
  • gebunden, mit Schutzumschlag
  • Fadenheftung
  • Format: 19,5 x 23,00 cm
  • 176 Seiten
  • mit 10 schwarzweißen Abbildungen
  • und 30 farbigen Abbildungen
  • ISBN 978-3-95728-060-2
  • 29,95 € (D), 30,80 € (A)
  • ab 10 Jahren

LE B E N S K R Ä F T E

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Friedrich Hechelmann ist Maler und Buchillustrator, und er hat für das vorliegende Buch nicht nur zum Pinsel, sondern auch selbst zur Feder gegriffen. Achtsame Liebe zur Natur, Ehrfurcht vor der Schöpfung und eine naturmagisch-poetische Perspektive lassen sich an seinen Bildern ablesen.

Mit seinem Märchen-Roman-Debüt „Manolito“ erzählt Friedrich Hechelmann in Wort und Bild ein modernes Märchen über die Bedrohung der Natur und des Lebens durch menschliche Herzenskälte und Profitgier und über eine mögliche Bewußtseinswende durch heilsame, naturgeistige Lebenskräfte.

Knuth Rabenhorst arbeitet in einem wissenschaftlichen Versuchslabor der Pharma-industrie und führt gehorsam die verlangten Versuche an den „Probanden“ durch. Des Nachts meldet sich bei ihm jedoch angesichts der Qualen der Versuchskaninchen immer häufiger das Gewissen, denn eigentlich ist Knuth ein empfindsamer Mensch – so pflegt er beispielsweise eine Fütter-Freundschaft mit einem dem Raben Kasimir, der ihn regelmäßig auf seinem Balkon besucht.

Doch erst als Knuth seine Anstellung verliert, kommt er ernsthaft  zur Besinnung. In seiner Labor-Kitteltasche findet er den heimlich entflohenen Probanden Nr. 226. Nr. 226 ist nur kichererbsenklein, er hat eine menschliche Gestalt und fleht Knuth an, ihn nicht wieder in das schreckliche Labor zurückzubringen. Knuth läßt endlich sein Mitgefühl zu und verspricht Nr. 226 Schutz und Hilfe und gibt ihm den Namen „Manolito“.

Manolito freut sich, daß er keine Nummer mehr ist, und Knuth freut sich über die anre-gende Gesellschaft Manolitos. Sie diskutieren lebhaft das menschliche, lebensfeindliche Verhalten gegenüber den natürlichen Geschöpfen, und Knuth überlegt sich berufliche Alternativen, da er sich an diesem Zerstörungswerk nicht mehr beteiligen mag.

Während sich Knuth auf Arbeitssuche begibt, erkundet Manolito sein neues Zuhause und freundet sich mit der Hausspinne Liesa und dem Raben Kasimir an. Manolito ist die körperliche Miniaturausgabe eines Menschen, indes hat er die Seele eines Elfen, und deshalb kann er mit allen Tieren sprechen. So erfährt er auch, daß sich immer mehr Tiere auf den geheimen Kontinent Aronia zurückziehen, um der menschlichen Grausamkeit und den durch Umweltverschmutzung lebensverarmten und zerstörten Lebensräumen zu entkommen.

Illustration © Friedrich Hechelmann/Knesebeck Verlag

Der Zugang nach Aronia wurde vor vielen Jahrtausenden von den Elfen hinter einer für Menschen unsichtbaren Wasserwand verborgen. Tiere finden den Weg nach Aronia jedoch instinktiv, und die wenigen Elfen, die noch als Botschafter in der Menschenwelt unterwegs sind, haben selbstverständlich ebenfalls leichten Zugang. Und so landet Manolito nach einer dramatischen Wende unvermittelt in Aronia.

Die Hummelkönigin Klara nimmt Manolito als Flugpassagier auf und zeigt ihm die wilden, menschenleeren Landschaften Aronias, in denen außer den noch in der Menschenwelt existierenden Tieren auch ausgestorbene Tiere und fast vergessene Fabelwesen leben und wirken. Im Herzen Aronias liegt der Elfenwald. Dort erfährt Manolito mehr über seine Herkunft und seine Bestimmung, und er bekommt ein wertvolles Geschenk, das ihm bei der Erfüllung seiner Aufgabe dienlich sein wird.

So groß, weitläufig und verborgen Aronia auch ist, es ist nicht unverwundbar. Die menschliche Gier nach Bodenschätzen unterhöhlt buchstäblich auch dieses Refugium, und es besteht die akute Gefahr, daß Aronias Schutzschleier gelüftet wird. Aronia benötigt elementare Unterstützung, um sich gegen einen Angriff und eine drohende Invasion der Menschen zu verteidigen.

Illustration © Friedrich Hechelmann/Knesebeck Verlag

Der Zentrale Rat der Vereinigten Arten Aronias beauftragt Manolito, die Hummelkönigin Klara, die Grasmücke Mathilde, die Fledermaus Philomena und weitere tierische Ver-bündete zum Meister des Windes zu reisen und um seine Unterstützung zu bitten. Die Bewohner Aronias werden ihr Refugium nicht kampflos den „Paarfüßlern“ – so werden die Menschen von den Tieren genannt – überlassen.

Es wird eine sehr abenteuerliche Reise mit harten Bewährungsproben und mit unverhofft-hilfreichen und inspirierenden Begegnungen. So weiß beispielsweise der Delphin Ody, der sie beim Überqueren des Meeres vor dem Ertrinken rettet, weitsichtige Worte über das Wasser zu sagen:

»Ich weiß es vom Wasser … Es hat die gesamte Geschichte der Erde und seiner Bewohner gespeichert. Dem Wasser kann man nichts vormachen. Was man dem Wasser antut, tut man sich selbst an. Bei Luft und Erde ist es dasselbe. Das haben die Paarfüßler nur bis heute nicht begriffen.« (Seite 111)

Die spannende, märchenhafte Handlungsinszenierung fügt sich wunderbar in die vielfältigen Landschaften, ja, eigentlich Seelenlandschaften, die Friedrich Hechelmann entwirft. Dabei eröffnet er einfühlsam Perspektiven der Tiere auf das Handeln der Menschen.

Die katastrophal-zerstörerischen Folgen lebensabgehobener Naturentfremdung werden deutlich formuliert, indes fehlt es keineswegs an weisen Anregungen zu einem Leben in naturachtsamer, wechselseitiger Verbundenheit.

Friedrich Hechelmanns phantastische Illustrationen bieten der Imagination des Lesers ein einladendes Bühnenbild voll geheimnisvoller Lebenstiefe und poetischer Vielschichtigkeit. Sein Erzählstil ist im Vergleich dazu schnörkellos und präzise sowie in den Dialogpassagen gelegentlich etwas schelmisch. Er benutzt klare Worte und kurze Sätze. „Manolito“ ist ein leseleichter, gleichwohl substanzieller und inspirierender Märchen-Roman für kleine und große Menschen, denen die Natur am Herzen liegt. Ich würde die Lesealtersangabe des Verlages dahingehend korrigieren, daß „Manolito“ eine Lektüre von 10 bis 100 Jahren ist.

Zum Ausklang lasse ich uns gerne die Hummelkönigin Klara ihre Vision ins Ohr summen:

»Ich wollte, die Menschen fänden zu ihrer Bestimmung zurück und gingen achtsam mit der Natur um, würden die Geschöpfe und alles, was lebt, bewahren und lieben. Die Erde wird auch dann kein Paradies sein. Solange der Planet um sich selbst und um die Sonne kreist, wird es Tag und Nacht geben. Jedes Ereignis, jedes Lebewesen wird eine dunkle und eine helle Seite haben. Aber im Kern jeden Lebewesens sollte der Respekt vor dem Geheimnis des Lebens stehen. Wenn es so weit ist, werden auch die Elfen ihre Isolation aufgeben und zu uns zurückkehren, zum Wohle aller.« (Seite 90)

Illustration © Friedrich Hechelmann/Knesebeck Verlag

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.knesebeck-verlag.de/manolito/t-1/594

Querverweis:

Hier entlang zu einer von Friedrich Hechelmann illustrierten Märchensammlung
Das Buch der Märchen:
Das Buch der Märchen

 

Der Autor und Illustrator:

»Friedrich Hechelmann wurde 1948 in Isny im Allgäu geboren. Er studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien und zählt seither zu den bedeutendsten Malern des Realismus. In der Kunsthalle im Schloss Isny im Allgäu, wo er heute lebt und arbeitet, hat er einen besonderen Ort gefunden, den er durch großes Engagement zu einem kulturellen Zentrum verwandelt hat. In den mit großer Liebe zum Detail restaurierten Räumen des Schlosses stellt er seine Originalwerke aus, darunter auch Buchillustrationen. Denn Friedrich Hechelmann wurde auch als Illustrator zahlreicher Bücher populär, wie Michael Endes Momo (2009), Cornelia Funkes Die Geisterritter (2011) oder Selma Lagerlöfs Nils Holgersson (Knesebeck, 2013). Manolito ist der erste Roman des Künstlers.«
Besuchen Sie Friedrich Hechelmann auf seiner Webseite: www.hechelmann.de

 

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