Eine Bilderserie mit dem Titel „Entfremdung“, die mich unendlich fasziniert. Immer derselbe Prompt, aber immer wieder mit anderen Ergebnissen. Alle geheimnisvoll und viele Ideen freisetzend in meinem Kopf. Das Thema: „A surreal photorealistic emotional allegory of misunderstanding between man and woman”.
Zu jedem Bild entstehen wieder neue Fragen, die das Bild nicht beantwortet, was eben besonders anregend ist.

Erstes Bild: Was ist hinter der Tür? Was erahnt man? Blickt er auf das Segelboot, weil er davon segeln will, blickt sie auf den Schlüssel, weil sie Geheimnisse lüften will, sich Zugang zu etwas wünscht?
Der Boden, der in Wasser übergeht fasziniert mich. Überhaupt spielt das Element Wasser eine Rolle: aus der Wolke könnte es regnen und die Tassen weisen auf etwas zu trinken hin, wenn gleich sie auch leer erscheinen. Und was liegt auf dem Tisch zwischen ihnen? KI gestaltet oftmals Objekte, die undefinierbar sind. Hier sieht es aus wie ein Stück Schlangenhaut. Interessanterweise hat jeder von ihnen auch nur ein sichtbares Bein. Und was hat es mit der ominösen Treppe auf sich?
Sie schwebt und führt nirgendwohin, auch die Tür sieht so aus als öffne sie sich nur zur nächsten Mauer.

Zweites Bild: Ein Riß in der Wirklichkeit. Sie scheint zur Weite, dem Verlassen der Enge mehr Zugang zu haben. Er bleibt zurückhaltend. Das Bild an der Wand weist daraufhin, daß die Sehnsucht vorerst im Rahmen bleibt, ein Traum, eine Möglichkeit.
Auch hier wieder Wasser, die offene Weite des Watts, in dem sich der Himmel auf der Wasseroberfläche spiegelt. Und im Hintergrund, in ihrer Bildhälfte eine Ruine. Zerstörung ist bereits da, aber wohin führen uns nun die Sehnsüchte?

Drittes Bild: Einander den Rücken kehren, aber dennoch verbunden sein, durch lebendige Äste, doch bei ihm zeigt verfärbtes Laub den Herbst an, die Naturkräfte ziehen sich zurück. Und auch an ihrem Ast sind die Blätter schon weniger geworden, wenn auch noch grün. Was verbirgt das weiße Tuch?
Und gleich noch eins liegt auf dem Hocker im Vordergrund.
Geteilte Bildhälften auch hier: Zu ihr gehört eine Tür, eine schmale, aber sie ist nutzlos. Zu ihm gehört eine flache Stele, auch sie ohne Bedeutung. Sie scheint zu frieren. Der Himmel ist trübe, der Boden wässrig, die Landschaft nichtssagend.

Viertes Bild: Ein Raum mit Segelboot, Teetassen und Wolke, wie auf Bild eins, aber dann doch ganz anders. Das Segelboot befindet sich im Goldfischglas, das wird uns nirgendwohin bringen. Interessanterweise stellt KI jedes Mal die weibliche Figur auf die rechte, die männliche auf die linke Seite. Da unser Blick durch das Lesen immer von links nach rechts wandert, nehmen wir wohl die linke, also in unserem Fall die männliche Bildseite zuerst wahr. Deswegen gilt links im Bild als Ursprung und rechts als Endpunkt.
Hier auf diesem Bild geht sein Blick zum Fenster und damit ins außen, ihrer zur Raumseite und damit nach innen. Wieder kehren sie einander den Rücken zu. Die Tassen scheinen leer, sind aber von der gleichen Größe und Farbe, anders als in Bild eins. Zum Goldfischglas mit Segelboot in Spielzeuggröße gehört dann noch der leere Vogelkäfig.

Fünftes Bild: Auch hier wenden sie einander den Rücken zu, noch verstärkt wird ihre Gegensätzlichkeit dadurch, daß sie zur Wand blickt, während er vor der geöffneten Tür sitzt, die ins Freie führt.
Aber sie sind verbunden, diesmal durch ein rotes Seil, das aus seinem Rücken zu kommen scheint und zu ihrer Seite führt.
Wieder bestimmt er die linke, sie die rechte Bildseite. Auffallend ist auch das brennende Feuer auf ihrer Seite und die beiden Vogelbilder im Rahmen. Sie scheint von aller Freiheit abgeschnitten, gefangen in ihrer Situation. Immerhin nicht ohne Wärme, doch das Feuer hat auch was Beunruhigendes, denn es brennt immerhin direkt auf dem Boden.

Sechstes Bild: Dieses Bild steht für sich, gehört aber stimmungsmäßig und stilistisch noch zur Serie.
Wie wunderbar sich in der Farbe des Kleides die Farbe des Hauses wiederfinden läßt. Ist es ihr Haus? Fühlt sie eine tiefe Sehnsucht nach diesem Ort?
Man weiß nicht, ob diese Person einsam ist oder beglückt alleine. Die Goldfische schweben um sie herum wie Schmetterlinge und verbinden das Meer mit der Häuslichkeit. Auch hier wieder die Farbe gelb.
Die Stimmung des Bildes ist melancholisch und dennoch auch ruhig und zuversichtlich.
Und ich würde gerne ein Buch lesen, das dieses Bild als Cover hat.



















