Seit den Anschlägen von Paris am 13.11.2015 ist die Angst vor Terroranschlägen in Deutschland und Europa so groß wie nie zuvor. In Belgien gilt die höchste Terrorwarnstufe. Nach dem 13.11.2015 wurde jede noch so unwichtige Neuigkeit per Eilmeldung über alle Kanäle verbreitet.
Terroristen wollen Angst und Schrecken verbreiten (lat. terror = „Schrecken“). Das gelingt den Islamiste der Terrororganisation IS in Deutschland erstaunlich gut, obwohl es auf deutschem Boden, abgesehen von einem Fall im März 2011, als ein Kosovare gezielt zwei US-Soldaten am Flughafen Frankfurt erschoss, noch keinen Anschlag gegeben hat. Auf Facebook wiederholen besorgte Bürger gebetsmühlenartig, dass es in Deutschland auch bald so weit sei.
Ich will an dieser Stelle die Terrorgefahr keinesfalls kleinreden. Mir geht es vielmehr darum, dass dem Terror von rechter Seite erstaunlich wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird.
In der Nacht auf vergangenen Samstaf kam es im brandenburgischen Jöteborn zu einer Explosion in einem evangelischen Jugendzentrum, das als Begegnungsstätte für Asylbewerber diente. Dem vorangegangen war eine Demonstration von „Asylgegnern“. Ich erfuhr zufällig davon über Twitter. Sämtlichen Leitmedien war der Fall, wenn überhaupt, nur eine Randnotiz wert. Von Eilmeldungen ganz zu schweigen.
Brennpunkt? ZDF-Spezial? NTV?
Man stelle sich nur vor, man würde die Täter nicht im rechtsextremen, sondern im islamistischen Milieu vermuten. Man nehme also an, es bestünde der Verdacht, Islamisten hätten in einer deutschen Stadt eine Explosion herbeigeführt, bei der mit Glück kein Mensch verletzt wurde. Wir hätten uns den ganzen Tag nicht vor Brennpunkten, Sondersendungen und Interviews mit „Terrorexperten“ retten können.
Ist Terror nicht gleich Terror?
Laut Resolution 1566 des UN-Sicherheitsrates sind „terroristische Handlungen solche, die mit Tötungs- oder schwerer Körperverletzungsabsicht oder zur Geiselnahme und mit dem Zweck begangen werden, einen Zustand des Schreckens hervorzurufen, eine Bevölkerung einzuschüchtern oder etwa eine Regierung zu nötigen“. Rechte greifen Menschen an und stecken Häuser in Brand. Sie nehmen dabei billigend in Kauf, das Menschen zu Schaden kommen. Sie verbreiten damit Angst unter den betroffenen Bevölkerungsteilen.
Dabei ist objektiv gesehen die Gefahr von rechten Angriffen deutlich höher, als von islamistischen. Man sehe sich dazu nur den Blog STÖRUNGSMELDER an. Es vergeht beinahe kein Tag, an dem es nicht zu rechtsradikalen Taten kommt. In den meisten Fällen kommen dabei glücklicherweise keine Menschen zu schaden. Oft genug aber werden Menschen verletzt oder getötet. Im Vergleich dazu schaffen es Islamisten in Deutschland auf gerade mal einen Fall (siehe oben). Schon alleine der NSU hat mehr Opfer gefordert.
Was also ist der Unterschied?
Es gibt aber einen gravierenden Unterschied: der rechte Terror betrifft den Durchschnittsdeutschen auf den ersten Blick nicht.
Er findet nicht auf öffentlichen Plätzen statt. Man muss keine Angst haben, dass man auf den Christkindlmarkt von einem Rechten weggebombt wird. Man muss keine Angst haben, dass das eigene Haus angezündet wird, solange man einen deutsch klingenden Namen hat, einigermaßen deutsch aussieht und politisch nicht allzu weit links auffällt.
Der rechte Terror betrifft einen also vermeintlich nicht. Und solange man so denkt, wird sich auch die mediale Wahrnehmung und letztlich auch die Bekämpfung nicht ändern.
Denn in Wirklichkeit ist jede rechtsextreme Tat ein Angriff auf unsere Werte und damit auf uns alle.
Aber die Gewalt von links…
Gerade im Facebook wird bei jeder kleinen Andeutung bezüglich rechten Terrors reflexartig eingeworfen, man dürfe linke Gewalt nicht unter den Teppich kehren. Selbstverständlich gibt es linke Gewalt. Man darf aber nicht verkennen, dass sich diese in Stoßrichtung, Art und Umfang enorm von der rechten unterscheidet.
Rechte Gewalt ist oft entweder direkt gegen das Leben und/oder die körperliche Unversehrtheit gerichtet oder indirekt, indem bei der Tat eine Gefahr für Menschenleben in Kauf genommen wird (z.B. Brandstiftung).
Linke Taten richten sich auf der anderen Seite vornehmlich gegen Gegenstände, in zweiter Linie freilich auch gegen Menschen (z.B. Straßenschlachten mit Polizisten am 1. Mai). Dies rechtfertigt die Taten selbstverständlich nicht, zeigt aber die verschiedenen Qualitäten auf. Um das Känguru sprechen zu lassen:

Dem Thema widmet sich auch die Ausgabe der „Anstalt“ vom 17.11.2015.