Am 1. Juli wird das neue Naturbad in der kleinen Stadt eröffnet. Eintritt ist frei. Da muss ich natürlich hin, denn lange habe ich ein Freibad hier vermisst. Schön ist es geworden (https://www.luebad.de/). Nur die Öffnungszeiten gefallen mir so gar nicht, denn ich schwimme am liebsten vormittags. Nach der Revision des Hallenbades könnte ich zwar zwischen 6.00 und 9.00 Uhr hin, aber eben nur in die Halle und nicht nach draußen. Das habe ich zumindest gehört. Ich will aber auf keinen Fall meckern, denn ich freue mich und nächstes Jahr wird das dann auch anders mit den Eintrittszeiten. Also: Eröffnung und ich gehe natürlich hin. Gehen ist zu viel gesagt. Ich radle hin und humple und schleiche dann zum Becken, wobei das Wasser allerdings vor lauter schreienden, lachenden, hüpfenden, springenden planschenden Kindern kaum noch zu erkennen ist. Wo kommen die denn alle her? Es gibt sie also noch, das ist schön. An die vielen Mädchen mit schwarzen Kopftüchern und Ganzkörperbadeanzügen muss ich mich noch gewöhnen. Während ich die kleinen und die großen still bedauere, sind diese quietschfidel und fröhlich wie alle anderen auch. Ich wühle mich durch das Nichtschwimmerbecken und in der Schwimmer-Mitte ist noch Platz für uns Alte, die gemächlich ihre Bahnen im recht warmen Wasser ziehen und sich vergnügt anlachen. Sie toben nicht mehr so herum wie die Kleinen, lassen sich aber von ihrer Fröhlichkeit anstecken. Ein Mann will sportlich schnell vorankommen, wird aber von uns Schwanschwimmerinnen und Quertreibenden ausgebremst. Freibad eben. HERRLICH! WUNDERBAR! SOMMERTRAUM!
Morgen kommt Besuch und ich will nicht backen, denn ich habe das verlernt. Mein innerer Antreiber sagt: „Das ist Quatsch hoch drei! Du wirst ja noch wenigstens Muffins hinkriegen.“ Ich stöhne: „Viel zu warm“, was nicht stimmt. Warm ist es nicht mehr, aber mich strengt Bewegung an. Der Antreiber treibt weiter und gibt keine Ruhe. „Na gut! Dann backe ich eben! Wirst schon sehen, was du davon hast, blöder Mistkerl“, maule ich ihn an und mache mich ans Werk. Zitronenmuffins sollen es werden und werden es auch. Von 12 kleinen Kuchen sieht einer schön aus, die anderen sind ganz schief geworden. Keine gute Erfolgsquote. Aber schmecken werden sie wohl alle. Zumindest der Teig war lecker.
Wusste ich doch, dass ich es verlernt habe! Blöder Antreiber, du. Ich werde meine Gäste belügen und so tun, als ob das so soll. Gleich kommen zum Kaschieren noch Zuckerguss und lustige Streusel drauf. Und dann werde ich hocherhobenen Hauptes denken: „Immerhin habe ich es versucht!“
Meine Hausrotschwänzchen haben ihr Nest so gebaut, dass sie sich gestört fühlen, sobald ich die Haustür öffne oder mich im Vorgarten aufhalte. Diese kleinen Kerle zetern mich an und lassen sich nicht beruhigen. Ich will nicht unnötig lange stören und verschwinde schnell wieder ins Haus. Einmal versuchte ich es mit dem Küchenfenster, denn ich gucke so gerne in meinen Vorgarten. Aber schnell wurde ich entdeckt und weg geschimpft. Die trauen sich was!