
Wann ist der Mann ein Mann?: Rund um den Globus erleben wir gerade das Comeback autoritärer Führungsfiguren. Diese Entwicklung geht Hand in Hand mit der Normalisierung reaktionärer, frauenfeindlicher und rückwärtsgewandter Denkmuster, die weit über die Politik hinaus in alle Lebensbereiche hineinwirken. Im Zentrum dieses Kulturkampfes steht das Thema Männlichkeit. Zwischen Selbstinszenierung und Vermarktung wird es hier zur Bühne, zum Mythos, zur Ware und zur politischen Waffe. In mehreren Kapiteln beleuchtet der Sachcomic die vielfältigen Facetten dieses Themas: von den historischen Wurzeln unserer Männlichkeitsbilder in der Antike über das Mittelalter bis hin zu seinem aktuellen digitalen Gewand in Form von Manfluencern, Gymbros, Podcastern und Alt-Right-Agitatoren. Mit analytischem Blick und visueller Klarheit verbindet Strong Men Geschichte, Popkultur und Theorie zu einem schonungslosen, zugleich unterhaltsamen und tiefgründigen Panorama fragiler Männlichkeit. (Verlagstext)
Muss man chauvinistisches Verhalten analysieren, um herauszufinden, dass die meisten Typen einfach nur narzisstisch gestörte Dumpfbacken sind? Nützt es, zu erfahren, aufgrund welcher Minderwertigkeitskomplexe sie Frauen verachten und am liebsten zu Dienerinnen machen würden? Ist der Schwachsinn, der von Gruppen wie QAnon, Manfluencern und Präsidenten in die Welt gequakt wird, ernsthaft diskussionswürdig? Und wenn ja: Kommt man hier mit Argumenten weiter?
Wer diese Fragen bejaht findet in dem Album reichlich Informationsstoff. Vom Aufbau her erinnert es an die Comics von Liv Strömquist (mit dem Unterschied, dass Mathias im Gegensatz zu Strömquist ein sauber geometrisches Layout auf die Seiten bringt). Informationen stehen naturgemäß im Vordergrund, aber auch der Humor kommt nicht zu kurz.
Interessant sind u.a. die Vergleiche unterschiedlicher Gesellschaftsmodelle. Während beispielsweise in Athen die Frauen in erster Linie Hausfrauen waren (Ich gebäre, er macht den Rest), genossen sie in Sparta Freiräume, weil die Männer ihre Männlichkeit 24/7 in Kriegen beweisen mussten und deshalb meist außer Haus beschäftigt waren. Interessant auch, wie Symbole im Laufe der Zeit ihre Bedeutung ändern. Während früher Pferde hauptsächlich von Männern genutzt wurden (Krieg, Landwirtschaft, Angeberei), wurden sie nach der Motorisierung zu einem Statussymbol von Frauen. Ein Album, das vor allem für Leser interessant ist, die die Welt durch die soziologisch-historische Brille sehen. Es kann helfen, den Größenwahn von Figuren wie Trump + Co. zu verstehen.
Meikel Mathias: Strong Men – Die zerstörerische Kraft fragiler Männlichkeit
160 Seiten, 26,- €, avant, ISBN 978-3-96445-156-9
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