Crossplay

Cosplay und heimliche Blicke: Eine Comic-Convention wird zum Schauplatz intensiver Gefühle. In diesem erotischen Comicroman wird das Fandom zur Bühne der Selbstentdeckung – und zur Frage, wer wir wirklich sind und wen wir begehren. (Verlagstext)

Niki Smith ist eine US-amerikanische Comicmacherin, die jetzt in München lebt und dort eine Reihe von queeren und vielfältigen Comics zeichnet. Auf Deutsch erschienen sind „Ruined“ vom Loewe Verlag und „Crossplay“ bei Schwarzer Turm.

Bei fluiden Wesen kommt man mit den Pronomen leicht durcheinander. Er oder sie geht nicht, weil männlich, beziehungsweise weiblich. Leider sind die queeren Alternativen verwirrend vielfältig, aber irgendwie scheint sich dey/dem durchgesetzt zu haben – womit sich Lee, die queere Figur dieses Albums, den anderen auch gleich vorstellt.

Smith zeichnet die Geschichte in Schwarz-Weiß und nimmt rosa Schattierungen nicht nur als Schmuckfarbe, sondern packt die Seiten komplett in sie ein. Wodurch der Band auf den ersten Blick ein bisschen wie der rosafarbene Wattetraum eines Teenys wirkt. Er wird vom Verlag allerdings ab 18 empfohlen, was darauf hindeutet, dass es gelegentlich auch zur Sache geht. Das tut es, und eine zarte Lovestory ist ebenfalls dabei. Einige Szenebegriffe muss man vielleicht erst nachschlagen, aber insgesamt kommt diese Graphic Novel erfrischend jung, verspielt, stylisch und sehr cool daher. Ein origineller Mix – nicht nur für die queere Community interessant.

Niki Smith: Crossplay
152 Seiten, HC, 24,- €, Scharzer Turm, ISBN 978-3-910648-15-9
> Leseprobe

Der Liebesdieb

Eine abgefahrene Mischung aus Oscar Wildes Dorian Gray, Süskinds Parfum und 1001 Nacht: Adrian van Gott hütet ein düsteres Geheimnis. Gequält von den Jahrhunderten seiner Existenz lebt er inmitten seines riesigen Anwesens in Manhatten, umgeben von unermesslichem Reichtum. Unermesslich groß ist auch die Anzahl seiner Eroberungen: Die Frauen, die ihn liebten, sind Legion. Doch für Adrian ist Liebe etwas, das er stiehlt, um es zu verschlingen. Niemals wird er die Liebe einer Frau wahrhaftig gewinnen, denn ihre Liebe ist seine Nahrung, die ihm die Unsterblichkeit sichert. Seit über 200 Jahren zieht er rastlos durch die Welt, getrieben von einem Hunger, den er niemals stillen kann. Bis er die Bekanntschaft einer jungen Tänzerin macht, die ihn an die einzige Frau erinnert, die er jemals wirklich liebte. »Der Liebesdieb« ist eine Graphic Novel voller düsterer Romantik, sinnlich illustriert und sublim komponiert. (Verlagstext)

Also zunächst mal: Wer auf Aquarell steht, bekommt hier Bilder vom Feinsten. Die Farbkontraste könnten auf den ersten Blick kräftiger sein, aber man gewöhnt sich irgendwann an die blasse Kolorierung mit den monochrom ineinander laufenden Hintergründen. Dadurch wirken die Figuren im Vordergrund intensiver. Das ist so klasse, dass man sich fragt, weshalb es von Yannick Corboz bislang kaum andere Alben in deutscher Übersetzung gibt. Wo man doch auf seiner Website jede Menge französische bestaunen kann. Und weil wir gerade bei Übersetzungen sind: Die von Tanja Krämling in diesem Album ist formidable.

Die Geschichte? Ein verzweifelter Rausch aus Melancholie, Sehnsucht und Hoffnungslosigkeit. Da passt jede Zeile zur Atmosphäre. Und die besteht aus einer Mischung von Exotik, Erotik, Abenteuer, Abscheu vor sich selbst und einer Triebhaftigkeit, gegen die Adrian vergeblich anzukämpfen versucht. Was auch immer er versucht: Es gibt keinen Ausweg außer dem letzten. Und den bereitet er sorgsam vor. Bitte unbedingt mehr von diesem Zeichner.

Yannick Corboz, Richard Malka: Der Liebesdieb
Aus dem Französischen von Tanja Krämling
200 Seiten, HC, 39,80 €, Splitter, ISBN 978-3-68950-135-8
> Leseprobe

Fever

Erotische Geschichten: Ein unverhofftes Stelldichein in einem Sportwagen… eine heiße Fantasie beim Einkaufen… eine Affäre mit einem Unbekannten, mitten auf einer Brücke im Wald… die Sinnesfreuden der Liebe in einer futuristischen Zukunft… Neun Kurzgeschichten aus den Federn verschiedenster Zeichnerinnen und Zeichner, vereint durch die Vorlagen von Octavie Delvaux, einer der erfolgreichsten Autorinnen für erotische Literatur in Frankreich – in »Fever« spiegelt sich die komplette Bandbreite der Sexualität wider. (Verlangstext)

Dass es die komplette Bandbreite der Sexualität spiegelt, möchte ich bezweifeln. Aber unterschiedlich sind die Geschichten auf jeden Fall. Genau das macht den Reiz dieses Albums aus. Es wird nie langweilig, hält jede Menge Überraschungen bereit, und mitdenken kann gelegentlich nicht schaden. Es kommt vor, dass man am Schluss einer Geschichte verblüfft zurückblättert, weil man das Gefühl hat, etwas überlesen zu haben. Hat man aber nicht. Man hat es nur noch nicht richtig verstanden. Die Vielfalt der Ideen und die Kreativität, mit der Autorin Delvaux sie entwickelt, macht Lust, auch ihre Bücher zu lesen. Leider ist in deutscher Übersetzung nichts zu finden.

Ihre neun zehn- bis zwölfseitigen Geschichten haben unterschiedliche Zeichner und Zeichnerinnen zu Papier gebracht. Das steigert die Abwechslung zusätzlich. Mit dabei sind Urbinno, Luigi Critone, Apollonia Saintclair, Chéri, Inès Allahverdian, Janevsky, Michelle Reviglio, Chloé Cavalier und Raven. Erfreulich auch die Aufmachung des Albums, in dem Splitter jede Geschichte mit einem Deckblatt startet, auf dem der Originaltitel, der Ort der Veröffentlichung, und ein paar Zeilen über die Zeichner zu finden sind. Ein Album, das sich angenehm vom Einerlei sonstiger Erotik-Alben abhebt.

Octavie Delvaux: Fever
Aus dem Französischen von Hanna Reininger
128 Seiten, HC, 29,80 €, Splitter, ISBN 978-3-68950-165-5
> Leseprobe