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  • Ein falsches Wort: Roman

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Ein falsches Wort: Roman

3,9 von 5 Sternen (259)

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Das Schlimmste passiert dort, wo wir uns sicher fühlen: in der eigenen Familie. Was nach dem plötzlichen Tod des Vaters zunächst wie ein Erbstreit zwischen Geschwistern aussieht, wird für die ältere Schwester Bergljot zu einem Kampf um die jahrzehntelang verdrängte Wahrheit. Es geht nicht um Geld und Besitz. Es geht darum, wem die Vergangenheit gehört. Mit unverwechselbarer Konsequenz erzählt Vigdis Hjorth von der Sehnsucht nach Anerkennung, von der Kraft der Befreiung und von der Frage, ob wir unserer eigenen Geschichte vertrauen dürfen.

Mit »Ein falsches Wort« gelang Vigdis Hjorth der internationale Durchbruch. Der Roman löste in Norwegen einen Skandal um die Wahrhaftigkeit von Literatur aus, gewann eine Vielzahl von Preisen und festigte Hjorths Status als eine der bedeutendsten Autorinnen unserer Zeit, die 2023 für den International Booker Prize nominiert war und deren Werk in 20 Sprachen übersetzt ist.

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Die norwegische Autorin hat ein Meisterwerk geschaffen, das die Geschichte eines Familienstreits erzählt, der mehr ist als nur ein Zwist. -- Bettina Wolf ― desired.de Published On: 2024-11-15

Ein Buch, dessen Lektüre nicht erholsam ist, aber verwandelnd. -- Meredith Haaf ―
Süddeutsche Zeitung Published On: 2024-07-13

Ein Buch, das herausfordert und fesselt. -- Elke Heidenreich ―
Kölner Stadt-Anzeiger Published On: 2024-07-06

[...] keine leichte, aber eine faszinierende Lektüre. Unaufhaltsam wird man in den Gedankenstrom der Protagonistin hineingezogen [...]. -- Petra Pluwatsch ―
Frankfurter Rundschau Published On: 2024-04-22

Das Buch geht einem sehr nahe. -- Anja Höfer ―
Südwestrundfunk/Lesenswert Published On: 2024-04-14

Vigdis Hjorth erzählt ihr großartiges Buch in einem ganz eigenen, stockenden, hochintensiven Stil, der [...] meisterhaft vermittelt. ―
SRF Published On: 2024-04-12

Es sind 400 faszinierend nahegehende, schonungslose [...] Seiten -- Ulrich Rüdenauer ―
Tagesspiegel Published On: 2024-04-05

Mit unglaublicher psychologischer Tiefenschärfe schreibt die norwegische Autorin Vigdis Hjorth über eine Tochter, deren Geschichte von ihrer Mutter und ihren Geschwistern verleugnet wird. ―
Die Presse Published On: 2024-03-31

Ein gewaltiger frischer Wind geht durch „Ein falsches Wort“ – trotz der düsteren Thematik. -- Bernadette Conrad ―
Berliner Zeitung Published On: 2024-03-30

Tiefgründig. ―
Woman Österreich Published On: 2024-03-28

Formal und stilistisch ist alles so ausgearbeitet, so klug gemacht [...]. -- Anna Vollmer ―
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung Published On: 2024-03-17

[...] ein raffiniertes, abgründiges und kluges Stück Literatur. -- Sandra Kegel ―
Frankfurter Allgemeine Zeitung Published On: 2024-03-16

eine fesselnde Lektüre. -- Thomas Andre ―
Hamburger Abendblatt Published On: 2024-03-14

In klarer, unaufgeregter Sprache, die erschüttern und mitfühlen lässt [...]. -- Anja Holtschneider ―
Handelsblatt Published On: 2024-03-08

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Vigdis Hjorth, 1959 in Oslo geboren, ist eine der meistrezipierten Gegenwartsautorinnen Norwegens. Sie ist vielfache Bestsellerautorin, wurde für ihr Werk unter anderem mit dem norwegischen Kritikerprisen und dem Bokhandlerprisen ausgezeichnet und war für den Literaturpreis des Nordischen Rates, den National Book Award sowie den International Booker Prize nominiert. Bei S. FISCHER erschienen die Romane »Die Wahrheiten meiner Mutter« und »Ein falsches Wort«. Für ihren Roman »Wiederholung« wurde Vigdis Hjorth 2024 mit dem Kritikerprisen ausgezeichnet. Nach Stationen in Kopenhagen, Bergen, in der Schweiz und in Frankreich lebt Vigdis Hjorth heute in Oslo.



Dr. Gabriele Haefs, geboren 1953, studierte Sprachwissenschaft in Bonn und Hamburg. Sie übersetzt aus dem Norwegischen, Dänischen, Schwedischen, Englischen, Niederländischen und Irischen, u.a. Werke von Jostein Gaarder, Anne Holt und Sigrid Undset. Für ihre Arbeiten hat sie zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Sie lebt in Hamburg.

Produktinformation

  • Herausgeber ‏ : ‎ S. FISCHER
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 13. März 2024
  • Auflage ‏ : ‎ 2.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 400 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3103975139
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3103975130
  • Originaltitel ‏ : ‎ Arv og miljø
  • Abmessungen ‏ : ‎ 14.9 x 5.1 x 22.7 cm
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 307.304 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
  • Kundenrezensionen:
    3,9 von 5 Sternen (259)

Informationen zum Autor

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Vigdis Hjorth
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Kundenrezensionen

3,9 von 5 Sternen
259 weltweite Bewertungen
Täter Opfer - Oper Täter !!!
5 von 5 Sternen
Täter Opfer - Oper Täter !!!
Vigdis Hjorth - von dieser Autorin habe ich in der letzten Zeit schon ein Buch gelesen, heute möchte ich euch "Ein falsches Wort" vorstellen, eine Geschichte um einen Erbstreit zwischen Geschwistern, um es mal grob zu umreißen. Schließlich wird es ein Annähern an ein Jahrzehnte verdrängtes Geheimnis. Dieser Roman hat mich nachhaltig beeindruckt, muss ich ganz ehrlich sagen. Die Autorin geht in einer Art und Weise an ihre Romanidee heran, die mich mitgerissen hat, die mich an das Buch gefesselt hast. Sie analysiert brillant und geht diesem Thema auf den Grund. Kann diese Familie sich versöhnen, fragte ich mich - wie die Geschichte ausgeht - ich verrate es euch nicht, lest selbst. Absolut lesenswert vom literarischen Standpunkt aus extrem gut geschrieben und auch inhaltlich perfekt !!!
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Top-Bewertungen von Deutschland

  • 5 von 5 Sternen
    Top Geschichte für Kinder
    Bewertet in Deutschland am 18. April 2026
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    Sehr spannende Geschichte, gut geschrieben, Interessant, tolle Bilder. Manche Worte jedoche für Kinder schwer verständlich.

    Kaufempfehlung, Ja!

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  • 4 von 5 Sternen
    Bei einem Erbfall geht es nicht immer ums Geld
    Bewertet in Deutschland am 18. August 2024
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    Eine Familie (Vater, Mutter, drei Töchter und ein Sohn). Der Vater stirbt und mit dessen Tod geht es ums Erben. In diesem Buch wird das Geld zur Nebensache, im Vordergrund steht die Aufarbeitung der Familiengeschichte, denn ein furchtbares Geheimnis schwelt in den Beziehungen der Familienmitglieder zueinander im Hintergrund. Bergljots Vergangenheit will erzählt werden. Vier Kinder, die die Eltern vermeintlich gleich geliebt haben, doch die älteren Geschwister hatten eine vollkommen andere Kindheit als die beiden Jüngeren. Der Sohn konnte dem Vater nichts recht machen, die älteste Tochter wurde vom eigenen Vater als Kind missbraucht.

    Im Erwachsenenalter spricht sie diese Wahrheit in ihrer Familie an und stößt auf Unglauben, Unverständnis und Ablehnung. Das Thema wird in der Familie totgeschwiegen. Das Opfer bricht den Kontakt zu den Eltern ab, ebenso in den späteren Jahren der Bruder. Mit dem Tod des Vaters will Bergljot die Ereignisse ihrer Kindheit, welche sie über die Jahre immer begleitet und maßgeblich ihr Leben beeinflusst, geprägt und beeinträchtigt hat, aufrollen. Sie wünscht sich das Eingeständnis der Mutter und vor allem, dass ihre beiden jüngeren Schwestern ihr glauben, dass ihr Vater dieses schreckliche Verbrechen an ihr begangen hat. Sie will nicht mehr als Lügnerin abgestempelt sein. Das Erbe gerät zur Nebensache, die Frage nach der Gleichbehandlung der vier Kinder steht im Vordergrund. Kann eine solche noch stattfinden, wenn zwei Ferienimmobilien, die eine zentrale Bedeutung in der Familiengeschichte hatten und haben, bereits zu Lebzeiten den beiden jüngeren Geschwister überschrieben wurden? Einfühlsam spinnt die Autorin die Fäden der Vergangenheit in die Gegenwart anhand des konkreten Erbfalls ein. Letztendlich entscheidet Bergljot selbst, wie sie mit den Handlungen der Familienmitlieder in der Vergangenheit und in der Gegenwart umgeht und wie sie ihre Zukunft mit oder ohne Familie gestaltet.

    5 Personen fanden dies hilfreich
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  • 3 von 5 Sternen
    Eine sehr anstrengende und aussaugende Protaginistin
    Bewertet in Deutschland am 26. März 2025
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    Ich hatte mich sehr auf das Buch gefreut, da ich zuvor " Die Wahrheiten meiner Mutter " gelesen hatte und von dieser Lektüre stark beeindruckt war.

    Leider bin ich von dem Werk "Ein falsches Wort " ausgesprochen enttäuscht.

    Mir wird es bis zuletzt nicht klar, in welcher Form der Missbrauch, von welchem gesprochen wird stattgefunden hat und -ganz ehrlich - ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob er überhaupt stattgefunden hat.

    Wie auch immer es gewesen sei, ich muss meinen "Vor-Schreiberinnen " recht geben, die Protagonistin badet regelrecht in Selbstmitleid und gefällt sich dermassen in der Opferrolle, dass es kaum auszuhalten muss.

    Sie scheint ein Aufmerksamkeitsdefizit zu haben, dass sie bis ins mittlerweile höhere Erwachsenenalter begleitet.

    Es dreht sich alles nur um sie selbst.

    Eine sehr anstrengende und ichbezogene Person. Es gibt noch andere Menschen, die sehr schlimme und schwere Dinge in der Kindheit erlebt haben, denen es aber im Verlauf eines fast 60 Jahre dauernden Lebens damit umzugehen, und die andere nicht so aussaugen.

    Egoismus im richtigen Maß ist durchaus gesund, aber Egozentrik ist ungesund für die Umgebung auf Dauer eine Zumutung.

    Und die Protagonistin ist egozentrisch und raubt einem die Nerven. Im realen Leben würde ich ihr nach Möglichkeit aus dem Weg gehen.

    Ich hätte mir von einer so herausragenden Schriftstellerin gewünscht, dass sie das Baden in der Opferrolle der Protagonistin nicht dermaßen ausgedehnt hätte.

    5 Personen fanden dies hilfreich
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  • 5 von 5 Sternen
    Verstrickungen hinter bürgerlichen Fassaden
    Bewertet in Deutschland am 3. April 2024
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    Bergljot ist eine geschiedene Frau um die 60. Sie hat drei erwachsene Kinder sowie bereits Enkelkinder. Mit ihren Eltern und Geschwistern hat sie seit 23 Jahren keinen nennenswerten Kontakt mehr, vor langer Zeit kam es zum Bruch – warum bleibt lange unklar. Unerwartet meldet sich Bergljots Bruder Bard bei ihr: Der Vater will offenbar seinen Nachlass ordnen und plant, die beiden Ferienhäuser auf der Insel Hvaler nur den beiden jüngeren Schwestern Asa und Astrid zu übertragen. Bergljot und Bard sollen halbherzig dafür entschädigt werden. Bard regt sich über diese Ungerechtigkeit maßlos auf und sucht die Unterstützung seiner Schwester. Die Erbstreitigkeit ist der Auslöser dafür, dass bei Bergljot ein erlittenes Trauma wieder an die Oberfläche stößt und ihre zuletzt gewonnene Stabilität ins Wanken bringt. Dabei geht es ihr nicht um die Erbschaft, ihre Probleme sind viel weitreichender und man tastet sich nur langsam vor.

    Der Roman wird ausschließlich aus der Sicht von Ich-Erzählerin Bergljot erzählt. Als Leser sind wir dicht an ihr dran, wir erfahren ihre Gedanken, Emotionen sowie die Komplexität ihrer Seelenleiden. Wir lernen ihre Ratgeber kennen. Sie berichtet, dass sie jahrelang intensive Psychoanalyse benötigte, dass sie sich von ihrem Mann scheiden ließ, um mit einem verheirateten Professor eine Beziehung zu haben. Heute lebt sie mit Lars zusammen, aber auch er kann nicht verhindern, dass sie ihre Sorgen und Nöte mit Alkohol und Rastlosigkeit betäubt. Bergljot ist keine Sympathieträgerin. Trotzdem hört man ihr zu, empfindet große Empathie mit einer Frau, die Erlebnisse aus der Kindheit, die direkt zu ihrer Herkunftsfamilie führen, nicht verwinden kann. Der plötzliche Tod des Vaters führt schließlich zu persönlichen familiären Kontakten, denen sich Bergljot nicht entziehen kann. Immer wieder ist ein Elefant im Raum, um den sich für Bergljot alles dreht, den die anderen aber nicht sehen wollen, der für sie sogar inexistent ist. Das tut ihr unendlich weh, während sich die anderen Familienmitglieder Ruhe hinter der Fassade einer intakten, glücklichen Familie wünschen. Der Kampf um die Deutungshoheit der Wahrheit bestimmt den Roman.

    Der Gedankenstrom Bergljots führt von der Gegenwart ausgehend in ausgesuchten Sequenzen zurück in die Vergangenheit. Er zeigt eine Mutter, die wenig belastbar ist und dies theatralisch zu inszenieren weiß. Der Vater zeigt sich als Patriarch. Als Geschäftsmann arbeitet er viel und erschafft ein umfangreiches Vermögen. Die Geschwister teilen sich schon recht früh in zwei Parteien auf, sie buhlen um Liebe und Zuwendung der Eltern. Für den Leser ist die Lektüre fordernd. Das Stilmittel der Wiederholung passt zwar hervorragend, um das Innenleben und die Gedankenkreisläufe der Protagonistin zu beleuchten, nutzt sich stellenweise aber auch etwas ab. Man braucht definitiv Konzentration und Aufmerksamkeit. Gegenwart und Vergangenheit wechseln sich ab. Neue Aspekte und Fakten treten fortlaufend hinzu, teilweise aber ohne Unterbau, so dass man sich manches herleiten oder erdenken muss. Es wird definitiv nicht alles auserzählt. Dennoch bekommt man ein immer klareres Bild, worum es im Kern geht, worin der eigentliche Konflikt besteht, welche Verletzungen Bergljot auch nach Jahrzehnten nicht hinter sich lassen kann. Das Leiden wird in fast jedem Satz spürbar:

    „Was ich damals empfand, habe ich später gedacht, als ich anfing mein Leben zu verstehen, war, dass ein Augenblick der Erkenntnis näher rückte, ich spürte es, wie ein Tier die Vorboten eines Erdbebens spürt, bevor es ausbricht. Mir graute, und ich zitterte vor der schmerzhaften Erkenntnis der Wahrheit, die mich beben lassen und in Fetzen reißen würde, vielleicht arbeitete ich unbewusst daran, die Erkenntnis zu beschleunigen, um es hinter mich zu bringen, wenn ich ihr schon nicht entkommen konnte.“ (S. 32)

    Dieses Psychogramm liest sich sehr fesselnd. Die Konstruktion des Romans ist gelungen, sie führt zu einem vermeintlichen Höhepunkt hin, um die Handlung anschließend wieder in ruhigere Fahrwasser zu leiten. Die einzelnen Charaktere gewinnen zunehmend an Kontur, weil andere Perspektiven in den Text Eingang finden. Bergljot ist keinesfalls selbstgerecht, sie geht mit sich hart ins Gericht, hinterfragt eigene Entscheidungen, übt Selbstkritik und leidet unter permanenten Schuldgefühlen. Sie erkennt die Leistung der Schwestern rund um die betagten Eltern an. Dieser Facettenreichtum zeigt die Komplexität der familiären Verstrickungen, die bis in die Enkelgeneration hineinreichen. Selten geht einem die Zerrissenheit und Ambivalenz einer Figur so nahe. Automatisch kommt man ins Nachdenken darüber, wie man selbst an dieser oder jener Stelle gehandelt hätte. Es liegt ein schwerwiegender Familienkonflikt zugrunde, bei dem man sich vor Augen halten muss, dass fast ausschließlich die Sicht Bergljots im Fokus steht.

    Ich habe den Roman, der bereits 2019 unter dem Titel „Bergljots Familie“ im Osburg Verlag erschien, zum zweiten Mal begeistert gelesen. Vigdis Hjorth hat einen interessanten, außergewöhnlichen Schreibstil. Die Kapitel sind meist kurz, die Geschichte baut sich langsam auf. Hat man sich aber erst einmal auf die Erzählung eingelassen, kommt man nicht mehr davon los. Ein Roman, der einen in die Tiefen erlittener Traumata und Verletzungen führt, der zeigt, dass man erlittenes Unrecht nicht einfach hinter sich lassen kann, dass es im Gegenteil sehr lange Arme hat.

    Ein starkes, psychologisch dichtes und sehr authentisches Stück Literatur! Große Leseempfehlung!

    9 Personen fanden dies hilfreich
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  • 2 von 5 Sternen
    Das Unaussprechliche
    Bewertet in Deutschland am 13. März 2024
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    Bergljot meidet den Kontakt zu ihrer Familie schon seit einigen Jahren, zu ihren Eltern hat sie ein schwieriges Verhältnis, lediglich mit einer ihrer jüngeren Schwestern tauscht sie ab und zu Emails aus. Nachdem die Eltern Details zu ihrem Nachlass andeuten kommt es zu neuerlichen Konfrontationen, aber der Streit um die Überschreibung der Ferienhütten der Familie ist nur die Spitze des Eisbergs.

    Ich-Erzählerin Bergljot ist das zweitälteste von vier Kindern der Familie. Zum Zeitpunkt, an dem der Leser in die Geschichte einsteigt, hat sie bereits lange mit ihrer Familie gebrochen, lediglich ihre erwachsenen Kinder haben Kontakt zu den Großeltern und den Tanten. Der Grund für den Bruch wird nicht angesprochen, aber der Leser hat schnell eine Vorstellung vom "Elefanten im Raum" wie die "Sache" im Buch oft genannt wird. In der Familie ist etwas unaussprechliches vorgefallen und der Großteil der Familie hat sich sprichwörtlich dafür entschieden, es nicht aus-, bzw. anzusprechen. Der sich anbahnende Streit ums Erbe bringt nun lange Verschüttetes wieder an die Oberfläche, alte Wunden reißen auf, alte Verletzungen beginnen wieder zu schmerzen. Der Wunsch endlich gehört zu werden, die "Sache" endlich beim Namen nennen zu können, wird immer stärker und als der Vater dann plötzlich stirbt, ist die Gelegenheit gekommen.

    In ihren hochgelobten und vielfach ausgezeichneten Roman hat Vigdis Hjorth eine schwierige Thematik eingearbeitet. Wäre Familie allein nicht schon Stoff genug für Dramen und Krisen, spricht die Autorin auch das Thema Gewalt und Missbrauch innerhalb der Familie an, wobei ansprechen nicht unbedingt die richtige Bezeichnung ist, den lange gibt es nur vage Andeutungen. Diese Andeutungen, dieses Umschreiben der Thematik, dieses nicht direkt ansprechen ist quasi ein Stilmittel, mit dem die Autorin den Umgang der Familie mit den Vorwürfen verdeutlicht. Es wird totgeschwiegen, was nie passiert sein kann, es wird verdrängt, Schuld und Verantwortung auf andere verschoben, dem Opfer ein schlechtes Gewissen gemacht, die Geschehnisse seiner blühenden Fantasie, seinem Hang zur Theatralik zugeschrieben.

    Leider konnte mich die Autorin, trotz des brisanten Themas, nicht erreichen. Ich habe den Schreibstil als sehr anstrengend empfunden, wie viel davon der Übersetzung geschuldet ist kann ich natürlich nicht sagen. Ich-Erzählerin Bergljot ist in ihrer Art eher nervig und suhlt sich seitenweise in Selbstmitleid. Sie macht es dem Leser sehr schwer sie zu mögen. auch die anderen Figuren, allen voran die Mutter mit ihren ständigen Selbstmordankündigungen und ihrer manipulativen Art, sind durchweg unsympatisch. Vom Vater erfährt man fast nichts, aber das Buch ist durchzogen von einer permanenten Angst vor ihm. Die Geschichte springt immer wieder unvermittelt aus der Gegenwart zu Erinnerungen an vergangene Ereignisse. Diese Sprünge sind nicht direkt zu erkennen, die einzelnen Abschnitte sind nicht betitelt, oder datiert, man muss sich immer erstmal in die neue Situation einfinden. Oft sind die Abschnitte extrem kurz, manchmal nur wenige Sätze, nur ein kurzer Gedanke. Das wörtliche Rede nicht gekennzeichnet ist macht es ebenso schwer lesbar, wie auch die Vielzahl an Personen, bei denen man teilweise nicht genau weiß in welchem Verhältnis sie zur Hauptfigur stehen. Man muss sich das als Leser mühsam erarbeiten und immer aufpassen nicht den Faden zu verlieren.

    Recht schnell nach Beginn der Lektüre habe ich begonnen mit dem Buch zu hadern. Da es ja oft so ist, dass man erstmal eine Beziehung zur Geschichte herstellen muss, wollte ich dem Ganzen natürlich eine Chance geben. Leider hat sich mein erster Eindruck aber nicht wirklich geändert. Ich konnte mich schwer auf die Geschichte konzentrieren, war mehr als einmal kurz davor das Buch abzubrechen. Bei Büchern, die von der Kritik so hochgelobt sind wie dieses, suche ich dann meist den Fehler bei mir und versuche noch intensiver die Geschichte zu erfassen, gelungen ist mir dies aber nur zum Teil. Ich verstehe die Intention der Autorin, die Brisanz der Thematik, die daraus resultierenden Auswirkungen auf die einzelnen Personen und letztlich die ganze Familie, komme mit der Umsetzung aber überhaupt nicht klar. Schade.

    14 Personen fanden dies hilfreich
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  • 5 von 5 Sternen
    Mitreißende Familiengeschichte
    Bewertet in Deutschland am 14. März 2024
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    „Die Gegenwart meiner verlorenen Kindheit, die ewige Rückkehr dieses Verlustes machte mich zu der, die ich war, es war ein Teil von mir, es durchdrang selbst das schwächste Gefühl in mir.“ (S. 395)

     

    Alte Wunden reißen auf, sie zittert. Dunkelheit in ihren Träumen, ein fünfjähriges Kind - sie wacht auf. Alles beginnt mit einem Anruf von Astrid. Bergljot ist überrascht. Schon lange hatte sie nichts mehr von ihrer jüngeren Schwester gehört, obgleich sie die einzige Familienangehörige war, zu der sie flüchtigen Kontakt hielt, seit sie mit ihrer Familie gebrochen hatte. Dreiundzwanzig Jahre ist es her, dass sie aus dem Schatten getreten ist, doch die Stricke sind geblieben. Ebenso wie die Erinnerungen, die Berührungen, die Angst. Und ihre Wahrheit, über die sie nicht spricht. Von der auch Astrid nicht weiß. Es geht um den Familienbesitz, die beiden Hütten auf Hvaler, die - ihre Eltern sind nicht mehr die Jüngsten - im Stillen den beiden jüngsten Schwestern überschrieben wurden, ohne Bergljot und ihren Bruder Bård zu berücksichtigen. Was zunächst nach einem Erbstreit unter Geschwistern aussieht, entwickelt sich für Bergljot zu einem emotionalen Kampf um die Wahrheit ihrer Kindheit. Als kurze Zeit später ihr Vater bei einem Unfall stirbt, scheint die Welt stillzustehen; sie weint, doch anders als ihre Geschwister verspürt Bergljot keine Trauer. 

    „Vielleicht war die Angst vor Vater in mir immer lebendig gewesen. Deine Angst vor einem unberechenbaren aggressiven Löwen ist schwer zu besiegen, solange er lebt, aber jetzt war der Löwe tot.“ (S. 148)

    Die Angst vor dem, was die erzwungene Annäherung mit ihrer Familie hervorzubringen droht, lässt Bergljot die Bodenhaftung verlieren. Wie betäubt scheint sie, die Protagonistin des Romans „Ein falsches Wort“, der in Übersetzung von Gabriele Haefs bereits 2019 unter dem Titel „Bergljots Familie“ im Osburg Verlag erschien, immer wieder sucht sie in den Wäldern Zuflucht, um zumindest räumlichen Abstand zu gewinnen. Diese emotionalen Nuancen und die Unsicherheit wird durch den besonderen Rhythmus des Textes unheimlich gut eingefangen: Wieder und wieder umkreist sie in denselben Satzphrasen einen Gedanken, wiederholt ihn selbstversichernd, schöpft immer mehr Erinnerungen an die Oberfläche. Im Gespräch mit ihrer besten Freundin Klara, mit der sie eine bewegte Vergangenheit teilt, seit sie sich an der Universität kennenlernten, und in den Sitzungen mit ihrem Psychoanalytiker lernt sie, wie sie mit der Vergangenheit umgehen und ihrer Familie entgegentreten sollte, um selbst nicht daran zu zerbrechen. Dazwischen: Bilder einer Freundschaft, die auf verbotener Liebe zu verheirateten Männern fußt; kindliche Freuden, Erinnerungen an Ausflüge mit ihrem Vater, den Süßigkeitenladen, an - der Körper vergisst nie, was war, während andere die Augen vor der Wahrheit verschließen, wegsehen. Oder, so war es doch? Bergljot beginnt sich mit Bier zu betäuben, der Alkohol macht es erträglich, doch sie verliert nie die Kontrolle. Nur ihre Träume entgleiten ihr immer wieder.

    „Ich hatte früh geheiratet und früh Kinder bekommen, um Mutter zu sein und nicht länger Tochter sein zu müssen, dachte ich, als ich anfing zu denken und mein Leben zu verstehen, jetzt betrog ich meinen Mann und meine Kinder, und ich schämte mich.“ (S. 37)

    Am Anfang fiel es mir schwer, in den Text zu finden, vor allem der Sprache wegen, die aufgrund der Wiederholungen sehr sperrig daherkommt, doch je weiter sich der Streit um Erbe und Anerkennung verdichtet, desto gebannter war ich und konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen - insbesondere ab dem Zeitpunkt, als klar wird, was wirklich passiert ist, damals, und inwiefern sich das, was sie erlebt, erlitten und gelernt hat auf ihre Persönlichkeitsentwicklung und ihr erwachsenes Ich auswirkt. Eben diese zugrundliegenden Mechanismen blitzen immer wieder auf, indem Hjorth den Bogen zu der Lehre des Schweizer Psychoanalytikers Carl Gustav Jung spannt, der in der Traumdeutung den Schlüssel zum Ich und frühen Erinnerungen sieht - und eben damit auch zum Vater, der Schlüsselfigur des Romans, der sich damit eingehend beschäftigte. Mir haben die gleichermaßen sensible wie konsequente Erzählstruktur, die beeindruckend komplexe Herausarbeitung der Beziehungsgeflechte und die Entwicklung dieser von Bergljots Kindheit bis in die Gegenwart und - ja, letztlich auch - die Sprache sehr gefallen, einzelne Sätze, die sich wie Schläge in die Magengrube aus dem Nichts entluden und ich für mich immer noch und Immer wieder im Herzen bewege. Eine nachhaltig beeindruckende und bewegende Geschichte, große Empfehlung!

    12 Personen fanden dies hilfreich
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  • 4 von 5 Sternen
    Eine verstörende Lekture ...
    Bewertet in Deutschland am 26. September 2024
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    Ein aufschlussreiches Psychogramm einer norwegischen Familie. Eine Geschichte über sexuellen Missbrauch, eingebettet in ein Erbschaftsdrama. Trotzdem ich jede einzelne Zeile dieser Geschichte gelesen habe, war mir am Ende nicht klar, ob der Vater sich tatsächlich an einer seiner Töchter vergangen hat oder ob es sich nicht um einen Rachefeldzug wegen mangelnder Liebe handelt.

    Sehr lesenswert, obwohl manche Passagen sehr monomanisch von Seiten der Autorin vorgetragen werden.

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  • 5 von 5 Sternen
    Schwierige Familienverhältnisse kochen im Erbstreit hoch
    Bewertet in Deutschland am 27. Februar 2025
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    Vigdis Hjorths preisgekröntem Roman „Ein falsches Wort“ ist ein Buch, das mich persönlich tief berührt. Es war für mich kein Werk, das ich einfach so lesen konnte. Ich habe es gelesen, auf mich wirken lassen, noch einmal gelesen, darauf herumgekaut und es dann noch einmal gelesen. Wie schon in „Die Wahrheiten meiner Mutter“ war der Roman psychologisch dicht, packend – und belastend, denn, sollte jemals über meine eigene Familie ein Roman verfasst werden, dann wäre er wie „Ein falsches Wort“.

    Aber von vorn.

    Bergljot hat schon vor über 20 Jahren mit ihrer Familie gebrochen. Das Verhältnis zu ihren Eltern war schon lange schwierig, das zu ihren drei Geschwistern ebenfalls, nur mit einer ihrer Schwestern hält sie lose Kontakt, überwiegend läuft aber alles über ihre erwachsenen Kinder, denen sie die Verwandtschaft nicht vorenthalten möchte. Die Eltern beschließen ihren Nachlass zu regeln. Dass die beiden Schwestern Asa und Astrid die Ferienhütten bekommen sollen, zwingt Bergljot dazu, mit der Familie in Kontakt zu treten, denn statt die andere beiden Kinder im Wert der Hütten finanziell zu bedenken, hat der Vater diese wohl mit geringerem Wert schätzen lassen. Bergljot und Bård fühlen sich doppelt übergangen. In der Familie ist jedoch so viel vorgefallen, dass der Erbstreit um die Hütten schnell zur Nebensache verkommt. Als dann der Vater überraschend stirbt, muss sich Bergljot entscheiden: kämpft sie um das, von dem sie glaubt, dass es ihr zusteht und bleibt zur Familie auf Distanz oder geht sie in die Offensive.

    Dysfunktionale Familien sind wohl Vigdis Hjorths bevorzugtes Thema, nach „Die Wahrheiten meiner Mutter“ dreht sich auch „Ein falsches Wort“ um eine solche. Auch in diesem Buch steht viel mehr zwischen den Zeilen als darin. Das „Unaussprechliche“, was in der Familie vorgefallen ist, nimmt unterschwellig bedrückend viel Raum ein, sowohl in Bergljots Leben als auch im Buch. Es wird ein wahrer Eiertanz um das Thema herum veranstaltet, dabei geht sie selbst nach jahrelanger Therapie offen mit dem Trauma um, während der Rest der Familie es entweder ignoriert und totschweigt oder bagatellisiert. Die Mutter kann das Wort „Inzest“ nicht einmal aussprechen, ohne ihrer Tochter damit ein noch schlechteres Gefühl zu machen (sie spricht von „Inzescht“), nennt sie eine Lügnerin, weil sie die Tat/en nie angezeigt hat. Das Buch handelt von Ignoranz und Toxizität und über allem hängt eine dicke schwarze Wolke aus Schuld, Scham und Schweigen.

    Wie will man ein Kindheitstrauma aufarbeiten, wenn einem nicht zugehört und einem nicht geglaubt wird? Wie soll es zu einer Versöhnung kommen, wenn beide Seiten sich in Vorwürfen verrennen und keiner zu einer Aussprache bereit ist? Wie soll es gehen, wenn beide Seiten die Schuld nur bei den anderen suchen, wenn eine Seite bei der kleinsten Konfrontation mit Sui**d droht und jeder jeden emotional zu erpressen scheint? Ein falsches Wort kann den fragilen Familienfrieden zerstören. Das Buch beschreibt Bergljots Gedankenwelt, die Leserschaft wohnt praktisch mietfrei in ihrem Kopf. Zeitsprünge und wörtliche Rede sind nicht gekennzeichnet, das Buch besteht über weite Teile aus innerem Monolog und Gedankengängen. Man erlebt aus erster Hand mit, wie die Protagonistin ihre Gedanken und Erinnerungen immer und immer wieder wälzt. Dadurch wiederholen sich manche Dinge fast wortwörtlich, was einerseits anstrengend und manchmal langweilig wirkt, aber deutlich die Zerrissen- und Zerriebenheit Bergljots zeigt. Sprachlich ist es, wie von der Autorin gewohnt, bildhaft, manchmal allerdings ein bisschen anstrengend. Vor allem konnte ich mit der Protagonistin zwar mitfühlen, sympathisch fand ich sie in ihrer teilweise ausufernden Opferrolle und ihrem Selbstmitleid nicht. Das konnte meine Lesebegeisterung jedoch nicht schmälern. Ich empfehle es jedem, der sich in einer ähnlichen Situation fühlt. Der Gedanke, damit nicht allein auf der Welt zu sein, kann trösten. Fünf Sterne von mir.

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    Vielen Dank, wir werden die Angelegenheit in den nächsten Tagen überprüfen.