Haarscharf.

Hakan will meine genaue Adresse wissen, ob ich einen Balkon hätte und in welchem Stockwerk. Der Kurier sei am Weg zu mir um Amigos Sachen abzuliefern.

Ich schick ihn ein Foto vom Balkon, meinen genauen Standort und frag wieder wieso er das nicht per Post schickt, wenn es ja so legal ist.

Wieso immer diese Amateure? Und wo zum Teufel steckt Amigo eigentlich?

Ich brauche frische Luft.

Beende das Gespräch mit dem Türken ohne auf eine Erklärung zu warten und lauf eine Runde durch den Wald. Das soll beruhigend wirken.

Das Rauschen der daneben vorbeiführenden Autobahn besänftigt meinen Geist.

Die Sonne steht tief, orangefarbene Wolken weit über den Baumkronen die meinen Heimweg säumen.  Die letzten Meter zur Hauseinfahrt spazierend, halte ich inne, als ich einen schwarzen Wagen vor meinem Balkon anhalten sehe. Es ist zu weit weg um die Kennzeichen zu erkennen, die Beifahertür öffnet sich.

Jemand steigt aus, wirft etwas über mein Geländer.

Er steigt wieder ein. Das Auto fährt weiter. Meine Jackentasche summt.

„Es ist alles geliefert“, textet mir Hakan.

Viel schräger kann´s ja nicht mehr werden.

6.

Ratlos begutachte ich den Inhalt des zum Bündel geknoteten  roten Wollsockens, der nach nassem Hund müffelnd auf dem Fließenboden meines Balkons liegt. Der Knoten lässt sich nicht öffnen, ich schneide ihn mit der Nagelschere auf. Vorsichtig ziehe ich den Inhalt unter dem Stoff hervor, insgeheim hoffend es wären Drogen. Die könnte ich jetzt ganz gut gebrauchen. Doch statt weißem Pulver entdecke ich was ganz anderes. Pelziges. Auf dem ersten Blick denke ich an ein totes Meerschweinchen, angeekelt lasse ich es fallen. Um beim zweiten Mal genauer hinzusehen. Was zum…

 Statt einem toten Haustier fische ich ein dunkelbraunes Haarteil plus eine Tube farbloses Gel- laut Etikette-Hollywood Pflege aus dem aufgeschlitzten Socken. Was auch immer das zu bedeuten hat.

Wieso soll ich ein Toupe´in die JVA schmuggeln?

7.

Wer zahlt bitteschön so viel Flocken fürn bisschen Haare? Und wie weit ist dieser Häfen eigentlich von hier weg? Wieso kann man das Ding nicht per Post schicken?

Mein Bauchgefühl ist mulmig bis besorgt, aber laut meinem aktuellen Kontostand hab ich keine andere Wahl als dorthin zu fahren. Was soll schon großartig passieren?

Hakan meinte es wäre alles easy. In dem Besuchsraum gibt es keine Trennwände, wir dürfen uns umarmen und berühren und außerdem sei nur ein einziger Wärter da um alles zu beaufsichtigen.

Andererseits sagt Hakan immer es ist alles easy. Weil er ja nie was macht. Schließlich ist TEAM die Abkürzung für „Toll ein anderer machts.“ Wenn er schon sonst nix kann, aber im Delegieren ist er Weltmeister.

Die Abenddämmerung legt sich langsam über die Straße und taucht den Asphalt in ein geheimnisvolles Licht.

Ich sitze am Steuer meines kleinen, verbeulten Wagens und spüre die Nervosität mit jedem Kilometer steigen. Wie oft habe ich den Plan in den vergangenen Tagen schon im Kopf durchgespielt. Und jedes Mal dieselbe Frage. Wieso tu ich das eigentlich.

Wie gerne würde ich Mama jetzt anrufen. Die würde dem Türken höchstpersönlich den Krawattel umdrehen und ihn mit meinem tiefgekühlten Kater abwatschen dass ihm vierzehn Tage der Schädel wackelt.

Taylor Swift trullert aus dem Lautsprecher. Die geht mir noch mehr aufn Keks als dieser Bandit aus Istanbul.

Die Stimme des Moderators dringt durch mein Gedankenwirrwarr und lässt es augenblicklich anhalten. Er redet über künstliche Intelligenz und was sie doch für ein Gamechanger sei. Grenzgenial. Das könnte die Lösung sein. Was Gott nicht weiß, weiß ChatGP.

Ich lenke den Wagen auf den Pannenstreifen und zücke das Telefon aus der Mittelkonsole.

So präzise wie möglich formuliere ich meine Frage und tippe sie ins Textfeld der APP.

Ein kalter Schauer läuft mir den Rücken hinunter, als ich die Antwort der Maschine nach einigen Sekunden am Bildschirm habe.

Wieso bin ich nicht von selbst draufgekommen?

„Inhaftierte die einen Ausbruch planen, verändern ihr Aussehen in Freiheit um bei der Flucht nicht erkannt zu werden.“

Natürlich. Wie willst du Meister Propper einfangen, wenn der plötzlich wie Hansi Hinterseer aussieht?

Ich ziehe die Scheiße an, wie  Misthaufen  Schmeissfliegen.

Ob ich das Handy auch noch frage, wie hoch die Strafe ist, wenn mich jemand erwischt? Lieber nicht. Unwissenheit ist ein Segen.

Ich halte an der Raststation, gönne mir ein kleines Bier um die Nerven zu beruhigen. Vorsichtshalber nehme ich noch eins für die restliche Fahrt mit. Kann ja nicht schaden ganz dezent einen sitzen zu haben wenn man Beihilfe zur Flucht leistet.

Angenehm gelockert erreiche ich den Parkplatz der Justitzanstalt, deren graue Mauern und Wachtürme bedrohlich in den dunklen Himmel ragen. Der Anblick der uniformierten Wachbeamten lässt mein Herz höher schlagen.

Einer der jungen Männer erklärt mir den Weg zum Besucherraum, ich verstecke das Haarzeugs in meinem Ärmel des extra weiten Hoodies, checke mein Make up kurz im Rückspiegel und bin sicher die Stimme meiner Mutter zu hören die mich fragt was zum Teufel ich hier mache.

Ich ignoriere sie, stapfe über den Besucherparkplatz zum Warteraum. Wie prohezeit tummeln sich hier eine Million Menschen in Zivil und ein einziger in Uniform. Wir werden der Reihe nach aufgerufen und durch einen schmalen Gang ins Besuchszimmer zu gelangen.

Vor mir eine junge Frau mit zwei kleinen Kindern, sie wird sich einen Tisch weiter setzen. Hinter mir ein tätowierter Biker Typ mit Lederjacke, Vollbart und den Ausdünstungen eines unkastrierten, nassen Köters. Dem könnte man mal einen Wunderbaum um den Hals hängen, ist das widerlich.

Abraham wartete bereits an einem der Tische auf mich. Winkend machte er mich auf sich aufmerksam, ich blicke verstohlen um mich ehe ich mich langsam nähere. Das Stinktier hinter mir unterhält sich mit dem Uniformierten über die Besuchszeit, niemand sieht mir zu. Zögernd, aber siegessicher.Jetzt oder nie.

Mit der linken Hand ziehe ich das Packet halb aus meinem Ärmel, lächelnd stolziere ich auf den mir völlig Unbekannten Halbglatzenmenschen zu. Wir umarmen uns als wären wir alte Freund, meine Hand wandert auf seinen Rücken. Zwei Bewegungen später stecke ich ihm das Teil über seinem Hintern in die Rückseite seiner blauen Stoffhose. Netter Popo, denke ich als ich meine Hand wieder aus seiner Hose ziehe.

Niemand nimmt von uns Notitz. Ich hätte ihm genausogut einen von der Palme wedeln können.

Dankbar lächelnd setzt er sich.

Jetzt nur noch bisschen Small Talk und dann ab nach Hause.

Wir reden übers Wetter, Sport und wie lange er schon sitzt.

Ich frage ihn woher er Amigo kennt, wortlos deutet er auf einen der Tische neben dem vergitterten Fenster. Ich erkenne die Frau mit den zwei Kindern wieder, sie hält die Hand eines dunkelhäutigen Mannes der in unsere Richtung schaut.

Ist das etwa…

„Amigo sitzt da drüben. Wir teilen uns die Zelle“, klärt er mich auf.

Das erklärt wieso er seit zwei Jahren vom Radar verschwunden ist.

Der eine im Häfen, der andere in Istanbul. Die Einzige die noch frei ist, bin ich.

Ich beschließe einen Migräneanfall vorzutäuschen um mich hier zu verabschieden. Wenn die Sache raus kommt bin ich die nächste hier drinnen.

Seniorenclub.

Schüttelfrost. Kutz kutz. Klingt verdammt nach E-Card Urlaub. Außerdem sollte ich mit dem Kokskater auf gar keinen Fall im Kindergarten antanzen. Stichwort pädagogisch wertvoll.

Ich bewege mich mit der Rasanz einer anal geschändeten Querschnittsgelähmten aus dem Bett. Lieber Gott was ist letzte Nacht eigentlich los gewesen?

Wühle mich durchs dunkle Chaos meines Schlafzimmers, unsicher ob mein brennender Anus oder der wummernde Schädel mich schneller in den assistierten Suizid treiben. Taste über das Kastel neben dem Bett, irgendwo zwischen Teddybär, Dildo und Bergen an Klamotten müsste doch das verdammte Telefon liegen.

Scheiß doch drauf. Die werden schon merken dass ich nicht arbeiten komme. Ich muss jetzt erst fertig sterben. Krankmelden kann ich mich auch später.

Zurück in die Waagrechte. Augen zu, halt die Fresse Gehirn. Schlaf jetzt. Ein flüchtiger Moment Ruhe.

Vor der Schlafzimmertüre beginnt es zu scharren. Irgendetwas versucht einen Tunnel nach China zu buddeln.

Nein, es ist bloß Sammy die das Katzenklo umgräbt. Ich schwör sie lachen zu hören während ich mir das Kissen über den Kopf ziehe. Ruhe im Karton. 

Dafür stinkt es plötzlich erbärmlich.

Wieso dieses Mistvieh erst das Kisterl ausbuddelt und danach reinscheißt ist mir ebenso rätselhaft wie dieses rosarote Haschisch das nach Erdbeeren schmeckt.  Laut Verkäufer alles legal, weil so gut wie kein THC. Das bilde sich bei dem Zeug erst beim Verbrennen, Hokus Pokus aus Wasser wird Wein. Go home Jesus.

Zumindest übertüncht der synthetische Rauch meines Guten Morgen Joints den Gestank nach Katzenkacke.

Wobei ich mir nicht ganz sicher bin, was davon widerlicher ist.

Apropos widerlich. Was will das Finanzamt eigentich von mir?

Ich ahne nichts Gutes als ich die Mail am Laptop öffne. Irgendwo zwischen den Sofakissen klingelt mein Wecker. Jetzt weiß ich zumindest wo mein Telefon geblieben ist. Und dass es 9.30 ist. Recht zeitig fürs erste Bier, oder?

Die Finanz schreibt, dass sie mich überprüfen. Ich möge sämtliche Unterlagen zur aktuellen Steuererklärung übermitteln.

Ich werfe mir zwei Ritalin ein und spüle sie mit einem kräftigen Schluck Schwechater runter.

Theatralischer wäre ein Schuss Heroin.

Aber erstens wird mir davon schlecht und zweitens reicht mein Bugdet nur noch für Dosenbier und Rezeptgebühr. Und rosarotes Dope für zwanzig Euro.

Sicher wärs beim Dealer billiger, der bezahlt ja auch keine Miete am Villacher Hauptplatz, keine Mitarbeiter, keine Social Media Agentur, keine Versicherungen und keine Steuern.

Aber erstens schulde ich meinem regulären Grasmenschen noch sechshundert Euro und zweitens habe ich keine sechshundert Euro. Und kein Gras ist auch keine Lösung. Wenn ich nicht kiffe, will ich koksen.

Das geht aber auch nicht mehr, weil ich dem Kokstyp seit gestern ebenfalls Geld schulde.

Mein latenter Geldmangel wirkt wie ein Segen für meine Leber. Zu blank für Wohlstandsverwahrlosung?

„Ein intelligenter Mensch braucht kein Geld, und ein Dummer weiß nichts damit anzufangen“

Hat ein alter Mann mit weißen Haaren und noch weißeren Bademantel einmal zu mir gesagt, während sein Gemächt unter dem Frotteesaum zwischen seinen geöffneten Schritt über die Stuhlkante nach unten baumelte.

Ich merke mir Dinge leichter wenn ich dabei Genitalien sehe.

Aus etwas Entfernung. Wenn sie vor meinem Gesicht baumeln, sehe ich sie nur verschwommen. Blowjobbrillen in individueller Sehstärke wären vielleicht eine Geschäftsidee. Riesige Pornobrillen mit Scheibenwischer, falls mal was aufs Auge geht.

Hör auf an Penisse zu denken und konzentrier dich auf den Wisch vom Amt. Doch so sehr ich mich auch bemühe- mehr als zwei Rechnungen für Arbeitsschuhe und einmal Messerschleifen finde ich nicht. In Summe neunzig Euro, angegeben hab ich fünfmal soviel. Ich dachte mir Steuerausgleich ist wie Inventur- grob geschätzt und aufgerundet. Und wieso überprüfen die Spasten mich überhaupt? Wissen die nicht wie hoch mein Minus am Konto ist?

Da steckt doch sicher dieser neue Exekutor dahinter. Ich wette der hat mir seine Kollegen vom Finanzamt auf den Hals gehetzt weil ihn meine Katze beim letzten Hausbesuch auf seine Kronjuwelen gesprungen ist. Mann hat der sich erschreckt. Auch beim zweiten und dritten Mal-die Panik vor dem Vieh war ihn anzumerken. Oder er hatte Angst vor mir.

Nachdem ich Sammy zum vierten Mal vom Gemächt des Gerichtsvollziehers weghob, versuchte sie sich mit ihren Krallen an seiner Hose festzuhalten. Panisch sprang der Kerl aus dem Stuhl, hatte sie ihn an den Eiern gekrallt oder wieso sah er aus als wäre er knapp einer Bamitzwa entkommen?

Natürlich war ich stolz auf die Katze.  Aber muss er mir deshalb eine Steuerprüfung als Retourkutsche schicken?

Oder hätte ich mein Thermenabo lieber nicht als Kosten für doppelte Haushaltsführung angeben sollen?

Und was ist das für ein komischer Punkt auf meinem kleinen Finger? Seit einigen Tagen schon spüre ich den weißen winzigen Kreis knapp neben der Kuppe.

Die Google Bildersuche ergibt dass ich Fingerkrebs habe. Das ist aber gutartig und entsteht durch Arthrose in den Fingern.

Jetzt hab ich Krebs und Arthrose?

Drehe den Bildschirm zur Seite, der will aber nicht ignoriert werden und vibriert mich an. Die Anmeldebestätigung für den Halbmarathon ist endlich da. Öffne den Anhang, überfliege die Zeilen bis ich meinen Namen in der Starterliste finde.

Ev Arr. weiblich . 1984. Villach. Klasse w40. Seniorinnen.

Der hat gesessen.

Ich hol mir noch ein Bier aus dem Kühlschrank. Resillienz kommt schließlich nicht von ungefähr.

Über analoge Stinktiere

Ich hocke auf dem Sofa und ärgere mich über die bescheuerte Software meines online Glücksspielanbieters. Dreitausend Mal lässt sich das depperte Glumpert nicht aktualisieren, meine Zugangsdaten habe ich schon wieder vergessen während ich sie in die Tastatur tippe. Und den Link zum Passwort zurücksetzen kannst dir genauso in den Popo schieben wie den Kundendienst dieser Arschgeigen Firma. Auf das Geld dass ich als Spielbudget überwiesen habe kann ich genauso wenig zugreifen- es lässt sich einfach nicht vom Casino- in den Pokerraum transferieren.

Seit drei Tagen bin ich vorm Rechner oder dem Handy und versuche klar zu kommen. Sollten diese  Geräte unser Leben nicht vereinfachen?

Welcher Idiot hat denn das behauptet?

Und wieso lade ich nicht mal wieder paar Freunde zu mir ein um analog zu pokern?

So wie früher?

Ach ja. Das war ja bevor Putin in der Ukraine eingewandert ist und unsere Lebenserhaltungskosten auf Schweizer Niveau gepusht hat.

Da konnte man es sich noch leisten Leute zu sich einzuladen.

In meinem Freundeskreis sind die wenigstens Abstinenzler- ganz im Gegenteil. Die können einen schon die Haare vom Kopf saufen.

Und nach so einem Saufgelage musst die leeren Dosen ja neuerdings auch wieder sammeln und zurück in den Laden bringen.  Als hätte ich nichts anderes im Leben vor als nach jeder Party stundenlang am Pfandautomaten abzuhängen. Weil ja jetzt alle ihr Leergut retournieren staut es sich schon weit vor dem Drecksautomat.

Bei jeder zweiten Dose streikt das Gerät, spuckt die Büchse wieder retour. Dann heißt es Ruhe bewahren und den Abfall so lange wieder reinzustecken bis das Förderband es nach hinten fährt- das tut es nämlich erst wenn der Strichcode korrekt gescannt wurde.

Ich will zurück zum Altglascontainer. Ganz ohne Strom und analog.

Scheiß Billa. Die können mir den Schuh aufblasen.

Ich warte jetzt immer solange bis der Kofferraum voll leerer Hülsen ist und fahre dann zu der Tankstelle mit dem unsympathischsten Mitarbeiter. Weil ich mich so nirgends anstellen muss um meinen Dreck zu entsorgen und weil ich weiß dass der Jango hinter der Theke alle Dosen einzeln auswaschen muss, ehe er sie zurück an den Produzenten schickt. Es freut mich so dass ihn das so ärgert- sein angefressens Gesicht wenn ich mit einem schwarzen Sack voller Puntigammer  zu ihn an die Kassa komme ist zutiefst emotional befriedigent.  Es entschädigt für die Tatsache dass mein Auto nach abgestandenem Bier müffelt.

Wo sind die guten alten Zeiten hin in denen wir leere Getränkdosen einfach beim Fenster rausgeschmissen haben?

Wo sind die Zeiten hin in denen wir unsere Fenster noch aufgemacht haben? Bei den aktuellen Gaspreisen lüfte ich nur mehr im Notfall.

Vielleicht sollte ich ja trotzdem wieder mal paar Freunde zu einem Spieleabend einladen. Kauf ich halt billigen Fusel und verechne ihnen die 25Cent Pfandgebühr.

Oder ich lade nur Antialkoholiker ein. Da fällt mir leider nur ein einziger Mensch ein- meine Schwester. Und Familienzusammenkünfte ohne Alkohol sind so wie Kochen für dich allein.

Genauso beim Sex –natürlich geht das auch allein, schöner ist es aber wenns ein anderer für einen erledigt.

Der Unterschied zwischen kochen und schnackseln die Digitalisierung betreffend ist der dass man Essen nicht digital produzieren kann. Orgasmen schon.

Wie lang ist es her dass man  seinen Bettgeschichten in der analogen Welt begegnet ist, nächtelang in verrauchten Clubs und Bars nach was Bumsbaren gesucht und irgendeinen besoffenen Stinker mit nach Hause genommen hat? Wo man dann bemerkte dass der Kerl im schummrigen Licht der Kneipe ganz anders ausgesehen hat? Irgendwie weniger Pfuikaka?

Dank unseren technologischen Fortschritts ist es heute völlig überflüssig noch vor die Türe zu gehen um seine amourösen Bedürfnisse zu befriedigen. Laptop aufklappen, Webcam an und ab geht die Luzie. Und wenn das Stinktier aufm Bildschirm anfängt dich zu nerven, langweilen oder du einfach einen fahren lassen willst- dann klapp den Laptop zu und such dir einen anderen virtuellen Stecher.

Niemand mehr der dir deine Klobrille vollpinkelt oder deine unordentliche Wohnung betritt. Kein Gestank nach postkoitalen Kerlen, kein besoffener Holadrihu der nach Zwiebeln  und Schnaps stinkt. Kein schnarchendes behaartes Wesen dass dir seine Morgenlatte ins Kreuz drückt und sich noch einen Blowjob um fünf Uhr Morgens erwartet.

Lutsch dir doch selbst die Eier, du Sschweinsbraten.

Mach es dir doch zuhause vorm PC und falls ich in Stimmung bin sehe ich dir zu. Wenn mir auf die Nerven gehst, zieh ich den Stecker und schalt dich einfach aus.

Ohne Smalltalk. Ohne Danke. Ohne Gestank.  Ohne mir dabei den Kiefer auszurenken. Ohne Spermaflecken auf der Katze.

Ein Hoch auf die Digitalisierung des Mannes.

Gone Girl

Heute vor drei Monaten hab ich ihre Urne unter einer Buche begraben. Die Leute haben nicht Recht, wenn sie sagen der Schmerz würde vergehen. Zeit heilt keinen Verlust – man gewöhnt sich nur daran.

Der Impuls sie anzurufen hat abgenommen- Konditionierungen löschen dauert eben seine Zeit.

Und dennoch reicht ein Funken an Erinnerung um mich aus der Bahn zu werfen.

Wie aus dem Nichts kommen die Flashbacks, ich sehe sie wie sie völlig entkräftet in diesem beschissenen Bett vor sich hinvegetiert und von nichts anderem als ihrem Wunsch zurück nach Hause zu wollen redet.

Ich sehe sie völlig hilflos an ein Sauerstoffgerät angeschlossen, die Morpiumpumpe neben dem Nachtisch. Ihr Mund weit geöffnet, das Röcheln.. Dieses stundenlange Röcheln. Als würde sie an ihrem eigenen Speichel ertrinken.

Ich habe Angst an meiner Trauer zu ersticken.

Schuldgefühle überschwemmen mich aus dem Nichts.

Sie wollte niemals eine Chemotherapie. Bis zuletzt nicht, auch als klar war das der Krebs völlig eskaliert war.

Ihr verzweifelter Blick als sie ihr den Termin für die OP um den Portakart einzusetzen sagen. Nein sie will das nicht.

„Mama ich will nicht dass du gehst.“

Wir besuchen sie alle im Krankenhaus. Sie hält ihr Enkelkind im Arm, wir spazieren im Park. Ihr Kampfgeist kehrt zurück, die Anwesenheit all ihrer Kinder lässt ihren Mutterinstinkt stärker als die Angst vor dem Gift dass sie ihr durch das Implantat direkt ins Blut spritzen werden.

Sie willigt ein. Uns zuliebe.

Was wenn ich ihren Willen einfach respektiert und sie nicht überredet hätte ihre letzten Monate von Nebenwirkungen der Chemo gebeutelt verbringen zu müssen?

Mama, du fehlst mir so sehr….

Lektionen

Lektionen die das Leben schreibt. Zwei Punkt Null.

Wenn deine Marihuana Pflanzen der Nachhaltigkeitsmaximierung zuliebe mit Fledermausexkrementen düngst, darfst dich nicht wundern wieso dein Kater ebenfalls in die Blumentöpfe kackt.

Was Batman kann, kann Mister Mietzekatze schon lang.

Der Thermostat des Boilers fliegt mir um die Ohren, während ich halbherzig versuche das Badezimmer zu putzen. Suche online nach Rat, als sich der Router suizidiert.

Will zu MC Donalds, die haben gratis WLAN.  Doch leider verreckt die Dreckskarre synchron mit meinem Smartphone. Steuerkette reißt zeitgleich mit meinem Geduldsfaden.

Such a beautyful day.

Motorschaden.

Ich brauch keinen Sugar- sondern einen Instandhaltungsdaddy.

Schaltjahr heißt Kaltjahr.

Globale Erwärmung ein frommer Wunsch.

Es braucht mehr als einmal gegen die Wand schmeißen bis ein Dirtdevil Staubsauger krepiert. Splitterndes Plastik, tiefe Risse der Peripherie. Dreck der zu Staub wird. Wie eine Ejakulation spritzen milliarden Feinstaubpartikel durch die fragile Hülle nach außen.

I need somebody to love.

Nebelbombe.

I loose Control. When you´re not next to me.

I want Prada.

Ich hasse Menschen.

Just do it – über die Tücken der Digitalisierung

„Wege entstehen dadurch dass man sie geht.“ Kafka

Mein Weg führt mich durch eine nebelige Nacht, kurz vor Sperrstunde lass ich mich überreden mit zu kommen. Wider aller guten Vorsätze schlüpfe ich in den Mantel und folge ihm nach draußen.

Alles besser als eine weitere Nacht alleine vorm Rechner zu hängen und sich in der Zeitfressmaschine zu verlieren. Ich bin ausgehungert nach Nähe.

Nach wenigen Schritten durch die frostige Kälte öffnet er begleitet von zweimal Piepsen und dreimal Blinken einen schwarzen Alpha Romeo der teurer aussieht als sämtliche Wagen auf dem Parkplatz zusammengenommen. Alter Verwalter, vorgestern noch Fußgänger und heute Upperclass?

Begeistert lasse ich mich auf den Beifahrersitz fallen. Der beißende Neuwagengeruch brennt schlimmer in der Nase, als die Corona Staberl an den Teststationen. Ansonsten ist die Kutsche allererster Schlagrahm.

„Sag mal woher hast du denn das Auto? Für so ein Gefährt ist dein Gemächt viel zu groß!“ kichere ich beim Anschnallen vor mich hin.

Mit versteinerter Miene deutet er auf den Touchscreen eines Tablets, das dort befestigt ist, wo  bei Retro Autos mal die Handbremse war.  

Unzählige kleine Symbole verstreuen sich auf dem Desktop des Geräts.

„Drück mal auf die rote Kamera, ganz rechts oben“, sein Tonfall verrät Vorfreude. In eiskalt.

Der Wagen fährt um eine langgezogene Kurve, mir wird schlecht, ich muss vom Bildschirm aufsehen um auf die Straße zu blicken. Wieso nimmt er die Auffahrt Richtung Italien?

„Wohin fährst du?“

Gekonnt ignoriert er meine Frage, völlig gelassen schießt er auf den Beschleunigungsstreifen. Vielleicht hat er im Nebel die Orientierung verloren? Zumindest geht´s wieder geradeaus und mein Magen entspannt sich.

„Du sollst auf das Symbol drücken.“, faucht er mich an, während er an der letzten Abfahrt auf österreichischer Seite vorbeirast. Wo zum Kuckuck will er denn hin?

Ich senke meinen Blick und leiste seiner schroffen Bitte folge.

Auf dem schwarz gewordenen Display erscheint eine Zeitanzeige in Form einer Sanduhr. Als die Zeit um ist verpufft das Teil und stattdessen erscheint eine nackte Frau mit vollem Mund. Wieso um alles in der Welt soll ich mir ne Blowjobszene ansehen?

Ratlos sehe ich ihn an.

„Was soll das?“

„Hinschauen“, zischt er. Vergräbt seine rechte Hand in meinen Haaren um meinen Kopf zum runterschauen zu bugsieren.

Eine semi-junge Frau mit bombastischen Haaren, schicke Titten, einer weiß-goldene Uhr am rechten Arm die meiner zum Verwechseln ähnlich sieht und ein kleines Tattoo am Schlüsselbein. Und ein Penis in der Nebenrolle.

Und plötzlich schießt es mir heiß durch sämtliche Zellen; die Frau die sich da die Seele aus dem Leib lutscht ist dieselbe die mir jeden Morgen aus dem Spiegel entgegen schaut. Das bin ja ich!!!!!

Seine Hand lässt meinen Schopf los, als er meine Erkenntnis spürt. Oder viel mehr mein Jauchzen nach Sauerstoff.

Ich versuche irgendeine Regung in ihm an seinem konzentriert nach vorne blickenden Gesicht ab zu lesen. Aber das ist genauso hoffnungslos wie zu erkennen wohin wir fahren-zumindest nicht weiter als drei Meter. Wenn ich es nicht besser wüsste würde ich auf Klagenfurt tippen- so zäh nebelts sonst nirgends…

Naja gut. Er redet nicht, draußen seh ich nichts. Dann kann ich genauso gut den Film weiterschauen, versichere mich dass ich dabei eine gute Figur mache und wo es eventuell noch Verbesserungspotential was die Porno Skills angeht gäbe.

„Woher hast du das Video?“

Wir überholen einen polnischen Kleinlaser der Schlangenlinien fährt.

„Woher hast du den Schwanz?“

„Das war lang vor deiner Zeit, glaubst du ich war noch Jungfrau als wir zusammen gekommen sind?“

Beschwichtigend schränke ich meine Arme vor der Brust zusammen, verstohlen blinzle ich kurz auf das Display. Mein digitales Ich lutscht in Dauerschleife, ich frage wo ich es ausschalten kann.

Er fragt wo er mich ausschalten kann.

Ich frage wohin fahren wir.

„Lass dich überraschen“, raunt er zu mir rüber, streichelt über meinen Oberschenkel, erwischt meine rechte Hand, greift sie sich um damit auf seine ausufernde Erwartungshaltung in Schritthöhe aufmerksam zu machen.

Doch noch ehe ich mich darum kümmern kann, erreichen wir die Grenze.

Er verstaut seine Erektion, den Porno auf der Mittelkonsole lässt er laufen während er auf die zwei Uniformierten zurollt. Bitte lieber Gott mach dass sie uns nicht anhalten.

Sie halten uns an.

„Reise- und Impfpapiere bitte“, nuschelt das kleine grüne Männchen dass vermutlich noch nicht mal Haare am Sack hat.

Nach einem kurzen Check der Papiere beugt er sich nach vorne  um das Zeug zurück durchs Fenster zu geben, erhascht dabei einen Blick auf das Sexfilmchen am Tablet und errötet noch schneller als ein Hummer im Dampfbad. Verlegen winkt er uns durch.

Ich könnte jetzt echt einen Drink gebrauchen.

„Ach übrigens Schätzchen“, dringt seine weich gewordene Stimme zu mir durch, während sein Finger auf das Handgelenk der digital blasenden Protagonistin deutet.

„Die Uhr die du da trägst hab ich dir zu Weihnachten geschenkt.“

Worauf will er jetzt schon wieder hinaus?

„Ja, und?“

Verdammt, ich erkenne die Falle… Leider einen Moment zu spät.

„Du sagst es wäre vor meiner Zeit passiert? Weihnachten war vor acht Tagen, soweit ich mich erinnere?“

Das hab ich jetzt davon dass ich meinen Kalorienverbrauch beim Vögeln messen wollte. So ein Mist aber auch.

„Wie lange sind wir schon zusammen?“

Verfluchte Pulsuhren, das ist ja Schlimmer als die Stasi hier. Ich muss hier weg.

2022

In Anbetracht der Tatsache, dass wir aus allgemein bekannten Umständen spätestens in zehn Tagen wieder kollektiven Hausarrest haben, will ich die Möglichkeit nutzen um überall anders als zuhause zu sein.

Verbringe den Tag in der Therme, ziehe meine Bahnen im Sportbecken, entspanne in der Sauna, schwitz die Sünden der vergangenen Nacht raus und schwing mich ins Solarium um einen Touch weniger nach wandelnder Untoter auszusehen. Mein Magen knurrt, während mein Hintern verbrennt. Komische Kombi.

„Biste braun, kriegste Fraun“ trällert die Stimme im Kopf.

Mir fällt die geile Schnitte von gestern Nacht wieder ein. Das schöne Wesen hinterm Thresen… Geschwungene, sinnliche Lippen, dunkelschwarze Augen und ein unschuldiges Gesicht, gepaart mit dem richtigen Maß an Naivität. Beim Versuch die Zeche zu prellen ertappt sie mich gerade als ich aus dem Toilettenfenster abhauen will.

Ich zwenge mich zurück nach drinnen, lasse mich vom Fensterbrett auf die Klobrille fallen, rutsche mit einem Bein ab und lande mit dem Fuß in der Schüssel. Gott sei Dank hab ich die Stiefel imprägniert, meine Strümpfe bleiben trocken.

„Was tust du hier?“ mit offenem Mund starrt sie durch die geöffnete Kabinentür, während ich versuche den Uringeruch mit der Klobürste von meinen Schuhen zu bekommen.

„Ich bin auf der Flucht vor einem Stalker.“, erkläre ich ihr lächelnd.

„Du meinst der Kerl der dich ständig anbaggert?“

Von wegen anbaggern, der Typ treibt Schulden für zwielichtige Kredithaie ein. Aber egal -Sie scheint den Köder gefressen zu haben.

„Ja genau der. Ich muss hier weg, der ist nicht ganz dicht und sehr gefährlich.“

Mit dem Hinweiß meine Getränke zahlt der Stalker, springe ich zum zweiten Mal durchs Klofenster nach draußen…

Zurück im Solarium:

Das Licht geht plötzlich aus, die Lüftung verstummt und ich werde unsanft aus meinem Tagtraum gerissen. Verpeilt krieche ich aus dem Turbobräuner, stopfe meine Sachen in den Rucksack und desinfiziere die Röhre.

Zuhause angekommen hänge ich die nassen Badesachen auf den Wäscheständer, rasiere meine Beine (nachdem das im Schwimmbad ausdrücklich verboten war) und Texte einem der Freaks aus dem Netz.

„In 30 Minuten beim Eislaufplatz“

Auf der Fahrt dorthin mache ich kurz Halt bei der Tanke, genehmige mir einen Dosen-Gin-Tonic um meine einsetzende Kurzatmigkeit zu besänftigen. Ich schalte die Disco Boys auf Anschlag, fahre die letzten Kilometer über die Landstraße als ich mit wummernden Boxen die Halle erreiche. Mitten in dem ganzen Gewusel aus Eltern die ihre Kinder dorthin kutschieren, dickbäuchigen Trainergestalten mit Tschik im Mundwinkel die vor dem Eingang der Sportstätte herumgammeln, erkenne ich eine Figur die neben dem Altglascontainer steht und auf den Display seines Handys starrt.

Ich bremse den Wagen, fahre langsam an ihm vorbei. Mein Herz schlägt bis zum Hals, ich fahre weiter die Straße hinauf. Soll ich ihn stehen lassen? Bin ich echt so feig?

Ich schieße nach rechts, bremse an der Bushaltestelle wende mit vollem Schwung und atme tief durch. Baby entspann dich; es dauert gewöhnlich fünf Penisse lang bis du dein gebrochenes Herz kurierst. Da unten steht Nummer eins. Direkt neben dem Altglas.

Vorsichtshalber parke ich dann trotzdem ein Stücken entfernt und schleiche mich unauffällig an den Kerl ran. Er starrt immer noch vertieft auf sein Handy, ich starre ihn an- versuche zu erkennen wie ähnlich er dem Bild auf dem Datingprofil sieht. Es ist leider viel zu dunkel, kann ihn weniger sehen als viel mehr riechen- sein Parfum macht mich wuschig… So riecht kein Vater der sein Kind zum Eislaufen bringt. Bleibe direkt vor ihm stehen:

„Ich glaub wir sind verabredet?“

Erhebe mich am Morgen drauf verstrahlter als Tschernobyl von der Couch. Schalte Musik ein um mich von meinem Hangover abzulenken. Irgendwo klingelt ein Telefon.

Himmel, Arsch und Zwirn ist mir schlecht.

Mein Magen eskaliert als ich die Stimme meiner Oma aufeinmal über die Stereoanlage hören kann. Welcher Volltrottel hat den bitte das Telefon mit meinem Radio verheiratet? Vermutlich ich selbst.

„Hallloooooo?????? “, schrill trällert ihr Fiepsen durch die Boxen.

Eine dreiviertel Stunde später bin ich auf dem neuesten Stand über alles was innerfamilär und global passiert ist, über all ihre Arztbesuche, prophezeite Heilungsaussichten. Und über alle schmutzigen Details jedes einzelnen Dorfbewohners.

„Du Omi, ich muss dann echt mal los…“

„Kindchen und denk daran keine Wäsche in den Rauhnächten aufzuhängen sonst stirbt jemand.“

Kann sie mir das nicht zwei Tage voeher sagen? Dann borg ich mir ein Saunatuch und den Bademantel aus, anstatt den Kram bei mir zu waschen und aufzuhängen und damit einen Todesfall zu provozieren. Senile alte Schachtel.

„Kann ich mir aussuchen wer stirbt?“

Omi lacht.

Miststück.

#Fellieren

Am nächsten Morgen werde ich unsanft aus dem Schlaf gerissen. Jemand läutet Amok an der Tür, da kein Werktag vermute ich keinen Gerichtsvollzieher oder GIS Eintreiber. Wehe es ist einer von den Jehovas, verschlafen schlüpfe ich in den Bademantel und schlurfe durch den Flur.

Anstelle des erwarteten Sektenfreaks schießt ein restalkoholisiert wirkender Mister L durch die Tür, drückt mich gegen die Wand, zieht mir das weiße Flanellteil aus und öffnet seinen Reissverschluss. Ein zufällig vorbeigehender Nachbar im Treppenhaus sieht genauso verdattert wie ich drein, ich bitte Mister L abzuschließen bevor noch jemand die Polizei ruft.

Er rammelt mich, als ob er das neue Werbemaskottchen für Viagra wäre. Oder für ein Gegenmittel. Scheinbar tut ihm die Liason mit Misses Propper ganz gut. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Beschließe einfach die Klappe zu halten, der Harmonie willen.

Solange wir nicht reden, streiten wir auch weniger.

„Lass uns ans Meer fahren“, schlägt er vor, während ich sein Ejakulat mit einer vorbeikommenden Katze von der Wand abzuwischen versuche.

„Jetzt?“

Das Mistvieh beißt mir fauchend in die Hand, das Fickvieh verstaut stöhnend seinen Penis. Er sagt ich soll mich anziehen.

Wir beschließen das kleine Auto zu nehmen, im Van ist es unmöglich bandscheibenvorfallsfrei den Fahrer zu fellieren. Alles für die Konfliktvermeidung!

Enthusiastisch beuge ich mich über die Handbremse und läute Runde zwei ein, als wir auf der Autobahn sind. Hingebungsvoll widme ich mich seiner wachsenden Vorfreude, stoße mir den Kopf dabei am Lenkrad, verschlucke mich beim Rückstoß an seinem Ding und drohe daran zu ersticken. In Todesangst reisse ich meinen Kopf nach oben und blicke beim Auftauchen durch die Seitenscheibe ins Gesicht eines Bullen, der uns gerade mit seinem Kollegen im Streifenwagen überholt und das Schauspiel gebannt beobachtet.

Mein Herz rutscht mir in die ausgezogene Hose, bitte lieber Gott mach dass ich nicht wegen Beihilfe zur öffentlicher Unzucht mit einem alkoholisiertem Fahrer ins Gefängnis muss.

Mister LoverLover steigt aufs Gas, zieht auf der dritten Spur an den Bullen vorbei, packt mich an den Haaren und drückt meinen Kopf zurück unters Lenkrad.

„Mach dir keine Gedanken wegen denen. Wenn sie uns wirklich aufhalten, dann nur weil sie mitmachen wollen.“

Er weiß wirklich wie man Frauen beruhigt, was hab ich bloß für ein Händchen bei der Männerwahl!

Businessplan

Mein Alptraumprinz ist zur Abwechslung mal wieder deppert hoch zehn, der Sommer neigt sich dem Ende zu und ich versinke zuhause im Elend. Wann hat hier eigentlich zum letzten Mal jemand geputzt? Vermutlich im letzten Lockdown, schießt es mir durch den Kopf als ich durch das versiffte Küchenfenster hinaus auf den Parkplatz sehe. Nicht mal auf meiner Windschutzscheibe kleben soviele tote Insekten, schon gar nicht beidseitig.

Aber mein Gott, verdreckte Scheiben sind mit Datenschutz recht zu fertigen. Wobei die Menge an Leergebinde, mit der mein Schreibtisch vollgestellt ist, eher mit einem Alkoholproblem erklärbar wäre. Kein Wunder dass man in diesem Sauhaufen säuft, nach dem sechsten Bier ist nicht nur jeder Kerl, sondern auch jede Bruchbude schöngetrunken.

Mein Abgabetermin für das Manuskript ist übermorgen, ich finde weder meinen Rechner, noch einen freien Arbeitsplatz, noch meine Motivation. Dafür ein totes Nagetier im Schuhkastel, ein offenes Bier im Kühlschrank und einen angefressenen Fischkopf auf dem Sofa.

Ich brauch dringend eine neue Wohnung. Oder eine Putzfrau. Aber die, die ich empfohlen bekommen habe reitet leider gerade auf meinem Mister LoverLover. Was ich ja verstehe- ich hab ja auch lieber mit ihm geschnackselt als zu putzen. Deshalb hat er mir ja seine Perle schicken wollen. Stattdessen ist er jetzt mit ihr durchgebrannt und lässt mich unpenetriert und ohne Raumpflege mit einem halben Bier zurück. So was sadistisches aber auch. Was soll ich jetzt tun?

Putzen???

Irgendwo unter einem Haufen ungeöffneter Kuverts, die sich auf dem Esstisch türmen, läutet mein Telefon. Krame es aus dem Papierberg hervor und hoffe insgeheim auf einen Versöhnungsanruf von meinem Geschlechtsgenossenschaftsonoffpartner. Doch statt Mister Putzfrauenbeglücker hab ich Mister Ankara am Telefon. Auch gut. Fickbar wär der auch. Doch statt eine Einladung zum Koitus gibt´s einen Auftrag.

„Machen wir Buisness, ich weiß ich kann dir vertrauen und hab super Idee und brauche dich dafür.“

Ich hab kein gutes Gefühl als ich nachfrage worum es geht.

„Kannst du mir Auto nach Istanbul bringen?“

Beobachte meinen Kater, der von der obersten Etage des Kratzbaums aufs Parkett reihert. Elendiger kann´s am Bosporus auch nicht zugehen.

„Wann soll ich kommen?“

Ignoriere mein Bauchgefühl und lasse mich vom tiefen Bedürfnis nach Flucht leiten. Move your ass and your Mind will follow. Hab ich mal auf meinem Instagram Account gelesen.

#Club37

Welcome to final destination

Wollte wie einer der coolen Draufgänger enden- jung, wütend, wild und mit tosendem Abgang als Legende im Club 27 ankommen.

So wie Kurt Cobain, Jimmi Hendrix, Marylin Monroe oder Misses Janis Joplin.

Da meine Selbstzerstörungstendenz just im Jahr 2011 am Nullpunkt angelangt- und Falco ja auch erst mit 47 abgedankt ist- einige ich mich mit mir selbst auf einen Kompromiss: Club 37 ist das neue 27.

364 Days left.

Abschiedstournee auf 2021 verschoben. So schnell kann´s gehen. Passender könnte der Zeitpunkt kaum sein- wir stehen Kurz sei Dank vor der 3.Welle und einem erneuten harten Lockdown. Depression verseucht die Gemüter der Massen, lähmt die Einen, agitiert die Anderen. Gefährlich aufgeheizt die Stimmung auf der Straße, von meiner eigenen gar nicht zu sprechen.

Menschen die sich an der Supermarktkasse verprügeln- Meinungsdifferenzen bezüglich der Maskenpflicht.

Gespaltene Gesellschaft. Gespaltener Geist.

Die Gräben im eigenem Ich vertiefen sich. Betäubt vom Zwiespalt- wer bin ich wenn ich nichts mehr fühle?

Rasierklinge flirtet mit Pulsader.

Happy Birthday to me.